Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker hat eine Volksbefragung zum Wehrdienst angekündigt, die noch im Jahr 2026 stattfinden soll. Die geplante Reform würde den Grundwehrdienst von sechs auf acht Monate verlängern — und stellt Hunderttausende österreichische Arbeitnehmer, Studenten und Unternehmen vor handfeste Rechtsfragen. Was bedeutet das konkret für Sie?
Was die Reform „Österreich Plus" vorsieht
Am 20. Januar 2026 veröffentlichte eine Wehrdienstkommission den Bericht zur Reform. Das bevorzugte Modell „Österreich Plus" sieht vor:
- Grundwehrdienst: von derzeit 6 auf 8 Monate verlängert
- Zusätzlich: 60 Tage verpflichtende Milizübungen innerhalb von zehn Jahren
- Zivildienst: von 9 auf 12 Monate verlängert
- Umsetzung frühestens ab 1. Januar 2027, sofern die politischen Entscheidungsprozesse schnell vorangehen
Kanzler Stocker hat die Volksbefragung angekündigt, ohne dies vorab mit den Koalitionspartnern SPÖ und NEOS abzustimmen, was zu Spannungen in der Regierung geführt hat. Dennoch gilt die Reform als wahrscheinlich — die geopolitische Lage in Europa macht eine Stärkung des österreichischen Bundesheeres politisch weitgehend unstrittig.
Ihre Rechte als Wehrpflichtiger: Was das Gesetz jetzt schon sagt
Bevor die Reform überhaupt in Kraft tritt, gelten bereits jetzt wichtige Rechte. Laut österreichischem Wehrrecht haben Wehrpflichtige Anspruch auf:
Kündigungsschutz: Arbeitnehmer, die zum Wehrdienst einberufen werden, genießen während des Dienstes und für eine bestimmte Zeit danach besonderen Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber darf das Arbeitsverhältnis in dieser Zeit nicht einfach auflösen.
Fortführung der Sozialversicherung: Während des Wehrdienstes läuft die Sozialversicherung weiter. Pensionszeiten werden angerechnet, Krankenversicherungsschutz bleibt erhalten.
Entgeltfortzahlung: Arbeitnehmer im Wehrdienst haben Anspruch auf eine Dienstleistung im Sinne des Heeresgebührengesetzes, die das entgangene Einkommen teilweise kompensiert.
Rückkehrrecht: Nach Abschluss des Wehrdienstes haben Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch darauf, an ihren bisherigen Arbeitsplatz zurückzukehren.
Was eine Verlängerung auf 8 Monate für Sie bedeuten würde
Eine Verlängerung des Grundwehrdienstes um zwei Monate klingt nach wenig. Für Betroffene kann es viel bedeuten:
Für Studenten: Ein längerer Wehrdienst verschiebt den Studienstart. Wer im Herbstsemester 2027 hätte einschreiben wollen, könnte erst später beginnen. Es ist zu prüfen, ob die Universität eine Rückstellung gewähren muss und unter welchen Bedingungen.
Für Berufseinsteiger: Wer gerade eine Stelle angetreten hat oder einen Vertrag unterzeichnet, muss mit seinem Arbeitgeber klären, wie der Dienst in die Probezeit oder den Vertragsbeginn passt. Hier besteht Beratungsbedarf — ein Rechtsanwalt kann die konkrete Situation einschätzen.
Für Selbständige und Unternehmer: Selbständige genießen dieselben formalen Schutzrechte, stehen aber in der Praxis vor größeren Herausforderungen. Kunden, Lieferanten und Betriebsabläufe müssen für die Dauer des Dienstes geregelt sein. Eine rechtliche Vorsorgeberatung kann verhindern, dass bestehende Verträge durch die Abwesenheit in Zahlungsverzug oder Haftung laufen.
Die Milizübungen: 60 Tage über zehn Jahre
Der weniger diskutierte Teil der Reform sind die 60 Tage Milizübungen — aufgeteilt über einen Zeitraum von zehn Jahren, also durchschnittlich sechs Tage pro Jahr. Klingt handhabbar, hat aber rechtliche Implikationen:
- Jede Einberufung zur Milizübung löst erneut die Schutzrechte aus — Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung, Rückkehrrecht
- Arbeitgeber müssen die Abwesenheit dulden und dürfen sie nicht als Abwesenheit ohne Grund verbuchen
- Bei Kollektivverträgen mit speziellen Regelungen zum Militärdienst kann es abweichende Bestimmungen geben, die ein Rechtsanwalt kennen sollte
Laut Angaben des Bundesministeriums für Landesverteidigung (bmlv.gv.at) sind derzeit rund 28.000 Milizangehörige aktiv — nach der Reform könnten es deutlich mehr werden.
Wann Sie einen Rechtsanwalt brauchen
Nicht jede Frage zum Wehrdienst braucht rechtliche Beratung. Aber es gibt klare Situationen, in denen ein Anwalt echten Mehrwert bietet:
- Ihr Arbeitgeber reagiert auf die Einberufung mit Druck oder Kündigung
- Sie sind mitten in einer Probezeit oder einem befristeten Vertrag
- Sie sind Selbständiger und haben laufende Verträge und Kundenverpflichtungen
- Sie sind Student und wollen eine Rückstellung beantragen
- Sie zweifeln, ob Ihre Entschädigungsleistung korrekt berechnet wurde
ExpertZoom verbindet Sie mit Rechtsanwälten in Österreich, die auf Arbeitsrecht und Wehrrecht spezialisiert sind. Nutzen Sie die bevorstehende Reform als Anlass, Ihre Rechtslage zu klären — bevor die Volksbefragung und ein mögliches Inkrafttreten Sie unvorbereitet trifft.
Mehr zu bestehenden Regelungen für österreichische Wehrpflichtige finden Sie auch in unserem Beitrag über das neue Wehrdienstgesetz und Arbeitnehmerrechte.
Wie die Rückstellung funktioniert
Wer glaubt, dass der Dienst zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt kommt — etwa mitten in einem wichtigen Ausbildungsabschnitt oder kurz vor einem Berufsstart — kann eine Rückstellung beantragen. Eine Rückstellung bedeutet, dass der Dienst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird.
Mögliche Rückstellungsgründe nach dem aktuellen Wehrgesetz umfassen:
- Unvermeidbare Nachteile für die Berufsausbildung
- Besondere familiäre Belastungen (z. B. Pflege eines Angehörigen)
- Wirtschaftliche Gründe, wenn der Betrieb ohne Sie nicht weitergeführt werden kann
Ein Antrag auf Rückstellung muss gut begründet und dokumentiert sein. Die Militärkommanden entscheiden nach Ermessen — und ein Rechtsanwalt kann helfen, den Antrag überzeugend aufzubereiten. Abgelehnte Anträge sind anfechtbar.
Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen
Auch auf der Arbeitgeberseite gibt es Handlungsbedarf. Unternehmen, die wehrpflichtige Mitarbeiter beschäftigen, müssen:
- Vertretungslösungen für Abwesenheitszeiten planen
- Sicherstellen, dass Kündigungen während des Wehrdienstes nicht unbewusst gegen das Wehrgesetz verstoßen
- Kollektivvertragsregelungen zu Militärdienst kennen — viele enthalten günstigere Bestimmungen als das Gesetz
Eine falsch ausgesprochene Kündigung in dieser Phase kann teuer werden: Schadenersatz, Weiterbeschäftigungspflicht und Reputationsschäden drohen. Ein kurzes Beratungsgespräch beim Rechtsanwalt schützt vor kostspieligen Fehlern.
Fazit: Jetzt informieren, bevor die Reform Realität wird
Die Volksbefragung könnte noch 2026 stattfinden. Das Inkrafttreten der Reform ist für Jänner 2027 geplant. Bis dahin bleibt Zeit, sich zu informieren — aber nicht unendlich viel. Wer die Situation frühzeitig mit einem Rechtsanwalt bespricht, kann Verträge, Studienplanung und Geschäftsabläufe entsprechend anpassen und vermeidet böse Überraschungen, wenn der Einberufungsbescheid ins Haus flattern sollte.
Auf ExpertZoom finden Sie österreichische Rechtsanwälte, die auf Arbeitsrecht und Wehrdienstrecht spezialisiert sind und Ihnen schnell und unkompliziert weiterhelfen können.

Anna Weber