Onisiwo bei der WM 2026: Was passiert, wenn der Vertrag während des Turniers ausläuft?

FC Red Bull Salzburg Spieler beim Heimspiel – Karim Onisiwo trägt das Salzburg-Trikot bei der WM-Vorbereitung 2026

Photo : Werner100359 / Wikimedia

Anna Anna WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 17. Mai 2026

Karim Onisiwo ist zurück in Österreich. Nach neun Jahren in der deutschen Bundesliga bei Mainz 05 – mit 233 Einsätzen und 35 Toren – kehrte der 34-jährige Wiener im Jänner 2025 zu Red Bull Salzburg zurück. Sein Vertrag beim österreichischen Serienmeister läuft am 30. Juni 2026 aus. Genau dann, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika auf Hochtouren läuft – und Österreich nach historischer Qualifikation dabei ist.

Das wirft eine Frage auf, die viele Profifußballer und deren Berater unterschätzen: Was gilt rechtlich, wenn ein Spieler während einer WM-Abstellung aus dem Nationalteam keinen gültigen Clubvertrag mehr hat?

Onisiwo beim ÖFB: 24 Länderspiele und WM-Ambitionen

Karim Onisiwo hat 24 Länderspiele für das österreichische Nationalteam absolviert. Für einen Stürmer seines Kalibers – Erfahrung, Arbeitsmoral und Bundesliga-Qualität – ist er Teil des erweiterten Aufgebots, das Teamchef Ralf Rangnick für die WM 2026 in Betracht ziehen könnte. Österreich qualifizierte sich erstmals seit 1998 für eine Fußball-WM – ein historisches Ereignis für den gesamten österreichischen Sport.

Das Problem: Onisiwos Salzburg-Vertrag läuft am 30. Juni aus. Die WM-Gruppenphase beginnt im Juni. Das Halbfinale und Finale finden im Juli statt. Wenn Österreich weit kommt – und das ist das Ziel – könnten Spieler wie Onisiwo noch mitten im Turnier stehen, während ihr Clubvertrag bereits ausgelaufen ist.

Was FIFA und ÖFB zur nationalen Abstellung regeln

Die FIFA-Regularien zur nationalen Abstellung (Art. 1 des FIFA-Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern) verpflichten Clubs grundsätzlich, ihre Spieler für FIFA-Pflichtwettbewerbe freizustellen. Die Kosten für Reise und Unterkunft trägt während der offiziellen Abstellungsperiode der Nationalverband. Versicherungsschutz für Verletzungen während der Nationalmannschaftszeit übernimmt ebenfalls die FIFA bzw. der Nationalverband – aber nur während der offiziellen Abstellungsperiode.

Was passiert nach Vertragsende? Hier wird es rechtlich komplex. Ein Spieler ohne gültigen Clubvertrag ist kein angestellter Arbeitnehmer mehr. Er ist ein sogenannter vertragsloser Spieler – oder, wenn er einen neuen Vertrag noch nicht unterschrieben hat, de facto selbstständig. Der Nationalverband kann ihn weiterhin einsetzen, aber die üblichen Versicherungs- und Vergütungsregelungen des Clubsports gelten nicht mehr automatisch.

Informationen zu den aktuellen WM-Qualifikationsspielern und ÖFB-Kadernominierungen finden sich auf der offiziellen Seite des Österreichischen Fußball-Bundes.

Drei rechtliche Risiken für Spieler mit auslaufenden Verträgen

1. Versicherungslücken bei Verletzungen

Während aktiver Clubverträge sind Profifußballer über ihren Arbeitgeber sozialversichert und unfallversichert. Wer keinen gültigen Vertrag mehr hat, muss prüfen, ob privater Versicherungsschutz besteht. Eine Verletzung beim WM-Halbfinale ohne aufrechten Clubvertrag kann existenzielle Konsequenzen haben, wenn kein neuer Verein die Behandlungskosten trägt.

2. Entgeltsfortzahlung und Pensionsbeiträge

Bis zum 30. Juni zahlt Red Bull Salzburg Onisiwos Gehalt. Ab dem 1. Juli ist er frei – und erhält keinen Cent mehr vom ehemaligen Club, selbst wenn er noch für Österreich spielt. Die Pensionsbeiträge, die während der aktiven Vertragszeit geleistet werden, hören ebenfalls auf. Für Spieler, die kurz vor dem Karriereende stehen, ist das ein entscheidender Faktor für ihre langfristige Altersvorsorge.

3. Neuer Vertrag unter Zeitdruck – oder kein neuer?

Wer mitten im WM-Turnier steht, hat kaum Zeit für Vertragsverhandlungen. Agents und Berater müssen sicherstellen, dass entweder ein Anschlussvertrag bereits vor der WM unterschrieben ist – oder dass das WM-Turnier als Schaufenster für neue Angebote genutzt wird, die danach sofort fixiert werden können.

Das österreichische Arbeitsrecht und Berufssportler

In Österreich sind Profifußballer in der Regel als Dienstnehmer bei ihrem Verein angestellt. Das bedeutet: Sie genießen den Schutz des Angestelltengesetzes (AngG) oder des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB) für befristete Dienstverträge. Endet ein befristeter Vertrag wie bei Onisiwo am 30. Juni, besteht ab diesem Tag kein Dienstverhältnis mehr – ohne Abfindung, ohne automatische Verlängerung.

Das klingt banal, hat aber in der Praxis weitreichende Folgen. Die Sozialversicherungspflicht (ASVG) endet mit dem Dienstverhältnis. Eine Selbstversicherung muss aktiv beantragt werden, wenn der Spieler zwischen zwei Verträgen steht. Wer diese Lücke nicht schließt, riskiert bei einer Verletzung erhebliche Eigenkosten – auch wenn er gerade für sein Land bei einer WM spielt.

Was Profifußballer und ihre Familien jetzt prüfen sollten

Nicht nur Onisiwo steht vor dieser Situation. In jeder WM-Saison betrifft das Phänomen auslaufender Verträge während des Turniers Dutzende von Spielern weltweit – auch aus Österreich. Wer einen Profi-Fußballer in der Familie hat oder als Berater arbeitet, sollte folgende Punkte klären:

  • Rechtzeitig verlängern oder wechseln: Verträge, die während einer WM auslaufen, sollten spätestens drei Monate vorher verlängert oder durch neue Engagements ersetzt sein.
  • Privatversicherung während der Abstellungsperiode: Für den Zeitraum nach Vertragsende und vor neuem Vertragsabschluss braucht ein Spieler eine private Unfallversicherung und Krankenversicherung.
  • Sportrechtliche Beratung: Ein auf Sportrecht spezialisierter Anwalt kann prüfen, welche Rechte und Pflichten gegenüber dem auslaufenden Club bestehen und wie der Übergang rechtssicher gestaltet wird.

Onisiwo als Beispiel – und was das für österreichische Sportfamilien bedeutet

Karim Onisiwos Geschichte ist stellvertretend für viele österreichische Profis. Er ist der Beweis, dass eine lange Bundesliga-Karriere möglich ist – auch für einen Österreicher, der keinen Spitzenclub von Beginn an hatte. Als Rückkehrer zu Salzburg in der letzten Phase seiner Karriere steht er exemplarisch für die Generation der 30- bis 35-jährigen Profis, die mit dem Karriereende planen müssen – und dabei oft zu wenig Unterstützung haben.

Karim Onisiwo ist ein Symbol für österreichischen Fußball: hart erarbeitet, spät in der Karriere zurückgekehrt, immer noch hungrig. Dass sein Vertrag genau in der WM-Periode ausläuft, ist eine Konstellation, die viele nicht auf dem Schirm haben – bis es zu spät ist.

Lesen Sie auch: WM 2026 – Österreich dabei und was das für Sportmedizin und Verletzungsschutz bedeutet

Wenn Sie ein Profi-Sportler, ein Berater oder ein Familienmitglied eines Spielers sind und Fragen zu Vertragsrecht, Versicherung oder Sportrecht haben: Auf ExpertZoom finden Sie qualifizierte Rechtsanwälte in Österreich, die auf Sportrecht, Arbeitsrecht und Versicherungsfragen spezialisiert sind.

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine rechtliche Informationen. Für individuelle Beratung empfehlen wir, einen zugelassenen Rechtsanwalt zu konsultieren.

Unsere Experten

Vorteile

Schnelle und präzise Antworten auf alle Ihre Fragen und Hilfsanfragen in über 200 Kategorien.

Tausende von Nutzern haben eine Zufriedenheit von 4,9 von 5 für die Beratung und Empfehlungen unserer Assistenten erhalten.

Kontaktieren Sie uns

E-Mail
Folgen Sie uns