Tommy Paul verletzt sich erneut: Was Tennisamateure über Armverletzungen wissen sollten

Tennisspieler mit Ellenbogenschmerzen wird von Sportmediziner auf Platz untersucht
Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 6. April 2026

Der amerikanische Tennisprofi Tommy Paul, aktuell auf Platz 13 der ATP-Weltrangliste, musste sich bei den Miami Open 2026 abermals mit einer Armverletzung auseinandersetzen. Paul kämpfte sichtbar mit Schmerzen im rechten Arm — eine Verletzungsgeschichte, die ihn seit 2024 begleitet und immer wieder Turnierabsagen erzwingt.

Was für Profis eine Karrieregefahr darstellt, ist für Tennisspielerinnen und -spieler auf Amateurniveau ein unterschätztes Alltagsrisiko — und die Behandlungsfenster werden regelmäßig verpasst.

Armverletzungen im Tennis: Die häufigsten Ursachen

Tennis ist eine einseitige, hochrepetitive Sportart. Der Schlagarm wird bei jedem Aufschlag, Vorhand und Rückhand auf eine Weise belastet, die den gesamten kinematischen Kettenverlauf — Schulter, Ellenbogen, Unterarm, Handgelenk — beansprucht. Profis wie Tommy Paul absolvieren täglich Hunderte solcher Bewegungen unter maximaler Intensität.

Amateurspielerinnen und -spieler sind ähnlichen Belastungsmustern ausgesetzt, oft jedoch mit einer entscheidenden Zusatzgefahr: fehlerhafte Technik, die den Aufprall unphysiologisch auf die Gelenke überträgt.

Die häufigsten Verletzungen des Schlagarms im Tennis:

  • Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis): Überlastung der Strecksehnen am Außenknorren des Ellenbogens. Tritt bei ca. 50 Prozent aller Tennisspieler über 40 irgendwann auf — und ist durch eine veränderte Rückhandtechnik oder fehlendes Equipment oft vermeidbar
  • Rotatorenmanschettenriss: Die vier Muskeln der Schulterrotatorenmanschette stabilisieren das Schultergelenk beim Aufschlag. Chronische Überbelastung führt zu Mikrorissen, die sich langsam zur Ruptur entwickeln
  • TFCC-Läsion: Verletzung des triangulären fibrokartilaginären Komplexes im Handgelenk — eine häufig übersehene Ursache von Handgelenkschmerzen nach dem Spielen, die ohne bildgebende Diagnostik oft falsch eingestuft wird
  • Stressreaktion des Humerus: Knöcherne Überlastungsreaktion im Oberarm, die vor einem vollständigen Bruch auftreten kann

Warum Hobbytennis-Spieler länger brauchen als Profis

Tommy Paul hat beim Turnier in Miami Zugang zu ATP-Physiotherapeuten, MRT-Geräten und erfahrenen Sportmedizinern — sofortige Diagnose, sofortiger Behandlungsplan.

Ein Hobbyspieler spielt samstags, hat danach Schmerzen im Arm, denkt "wird schon besser", und spielt zwei Wochen später wieder — dieses Mal mit versteckten Schäden.

Das grundlegende Problem: im Amateursport ist die Wahrnehmungsschwelle für Verletzungen zu hoch. Schmerzen werden als "normal" eingestuft, Warnsignale ignoriert, und Arzttermine bis zur Eskalation aufgeschoben.

Dabei gilt ein klares Prinzip: Eine Überlastungsverletzung, die früh behandelt wird, heilt in zwei bis vier Wochen. Dieselbe Verletzung, vier Monate später behandelt, braucht sechs Monate bis ein Jahr.

Diese Symptome sollten sofort zum Arzt führen

Nicht jeder Muskelkater ist ein Warnsignal. Aber diese Beschwerden nach Tennis-Training sind keine normalen Reaktionen und erfordern medizinische Abklärung:

  • Schmerzen im Ellenbogenbereich bei Greifbewegungen, die mehr als 72 Stunden anhalten
  • Schwäche im Handgelenk oder Unterarm nach dem Spielen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Fingern oder Hand
  • Schmerzen, die nachts schlechter werden oder im Ruhezustand auftreten
  • Schwellung an Schulter, Ellenbogen oder Handgelenk
  • Schmerzen, die immer früher im Training auftreten — ein Zeichen chronischer Überlastung

Laut DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) sind Überlastungsschäden des Bewegungsapparats die häufigste Verletzungskategorie im Freizeitsport — viele davon wären bei frühzeitiger Behandlung dauerhaft vermeidbar.

Was ein Sportmediziner beim ersten Termin macht

Ein erfahrener Sportmediziner wird beim ersten Termin nicht nur die aktuelle Verletzung untersuchen, sondern die gesamte Bewegungsbiografie des Spielers analysieren: Schlagtechnik, Equipment (Griffstärke, Saitenspannung), Trainingsvolumen und frühere Verletzungen.

Bildgebende Diagnostik — Sonografie beim Tennisellenbogen, MRT bei Schulter- oder Handgelenksverdacht — wird nicht automatisch verordnet, aber gezielt eingesetzt, wenn klinische Zeichen auf strukturelle Schäden hinweisen.

Behandlungsoptionen bei Armverletzungen im Tennis reichen von gezielter Physiotherapie, Stoßwellentherapie (bei Tennisellenbogen oft hocheffektiv), PRP-Injektionen bis hin zu operativen Eingriffen bei vollständigen Rissen.

Die wichtigste Botschaft: Tommy Paul kämpft mit seiner Verletzungsgeschichte, weil auch er — trotz Profi-Unterstützung — zu lange gespielt hat. Als Amateurspielerin oder -spieler haben Sie die Wahl, früher zu handeln.

Via ExpertZoom finden Sie Sportmediziner, die auf Überlastungsverletzungen im Tennissport spezialisiert sind und kurzfristige Beratungstermine anbieten.

Ausrüstung und Technik: Unterschätzter Schutzfaktor

Tommy Paul spielt mit einem technisch optimierten Schläger, einer Saitenspannung, die auf seine Spielweise abgestimmt ist, und hat einen persönlichen Trainer, der seine Biomechanik kontinuierlich überwacht. Für Hobbyspielerinnen und -spieler fehlen diese Parameter oft komplett.

Zwei technische Faktoren reduzieren das Verletzungsrisiko im Tennis nachweislich:

Griffgröße: Ein zu kleiner Griff erzwingt eine zu starke Muskelkontraktion im Unterarm, was den Tennisellenbogen begünstigt. Faustregel: Zwischen Griffende und Fingerspitzen der Ringfingerkuppe sollte Platz für einen Zeigefinger passen.

Saitenspannung: Hohe Saitenspannung überträgt mehr Vibration auf den Arm. Für Freizeitspieler empfehlen Sportmediziner generell niedrigere Spannung (48–52 lbs statt 55–60 lbs), besonders wenn bereits Ellenbogenbeschwerden bestehen.

Rückhandtechnik: Der häufigste Fehler bei Hobbyspielern — die einhändige Rückhand mit zu steifem Ellenbogen — ist die Hauptursache für den Tennisellenbogen. Eine Umstellung auf die zweihändige Rückhand oder eine korrigierte Technik durch einen Trainer kann ausreichen, um das Problem dauerhaft zu lösen.

Wann Ist Pausieren Besser als Weitertrainieren?

Es gibt eine weit verbreitete Überzeugung im Amateursport: Wer pausiert, verliert Kondition und Spielgefühl. In Wirklichkeit ist das Gegenteil das Risiko: Wer trotz Schmerzen weiterspielt, riskiert aus einer reversiblen Überlastung eine strukturelle Verletzung zu machen.

Die Grundregel: Wenn Schmerzen die normale Bewegungsausführung verändern — also der Schlag unbewusst angepasst wird, um den Schmerz zu umgehen — ist das das Signal, sofort zu pausieren und medizinischen Rat einzuholen.

Tennisspielerinnen und -spieler, die früh auf Warnsignale reagieren, kehren schneller zurück und spielen langfristig öfter. Tommy Paul ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man zu lange wartet. Machen Sie es besser.

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