Merlin Polzin im Abstiegskampf: Was Automatikklauseln in Arbeitsverträgen bedeuten

Hamburger SV Testspiel gegen RB Salzburg 2023

Photo : Werner100359 / Wikimedia

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 26. April 2026

Hamburger SV verlor am 25. April 2026 zu Hause 1:2 gegen die TSG Hoffenheim und steckt damit tief im Abstiegskampf. Trainer Merlin Polzin steht nach sechs sieglosen Partien unter massivem Druck: 14. Tabellenplatz, nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang, vier Spieltage bis zum Saisonende. Doch was viele nicht wissen: Sein Verbleib als Bundesliga-Trainer war keine spontane Entscheidung – sondern vertraglich längst geregelt.

Die Automatikklausel, die Polzins Karriere entschied

Als Merlin Polzin im Dezember 2024 als Interimstrainer beim HSV übernahm, enthielt sein Vertrag eine sogenannte Automatikklausel: Bei Aufstieg in die Bundesliga verlängerte sich der Kontrakt automatisch – ohne neue Verhandlungen, ohne Sonderkündigungsrecht. Als der HSV am 10. Mai 2025 mit einem 6:1-Sieg aufstieg, war Polzins Einsatz als Bundesliga-Cheftrainer damit rechtlich besiegelt. Der Verein bestätigte die Vertragsverlängerung offiziell auf hsv.de.

Sport-Bild schätzte sein Jahresgehalt auf rund 600.000 Euro – das niedrigste im gesamten Bundesliga-Trainerkader. Zum Vergleich: Der Schnitt der Bundesliga-Cheftrainer liegt laut Branchenberichten bei über zwei Millionen Euro jährlich. Polzin ist damit eine Ausnahmeerscheinung – jung, günstig, und durch eine Klausel in die höchste Spielklasse gerutscht.

Was Automatikklauseln in Arbeitsverträgen bedeuten

Solche Klauseln gibt es nicht nur im Profifußball. Im deutschen Arbeitsrecht kommen automatische Verlängerungs- und Bedingungsklauseln in vielen Branchen vor – und sie können für Arbeitnehmer folgenreich sein.

Befristung mit Sachgrund: Der Vertrag endet automatisch, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt – etwa das Ende eines Projekts, eine Elternzeitvertretung oder wie bei Polzin das Ausbleiben des Aufstiegs. Tritt das Ereignis nicht ein, läuft der Vertrag weiter oder endet entsprechend der vereinbarten Bedingung.

Befristung ohne Sachgrund: Nach § 14 Abs. 2 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) ist eine sachgrundlose Befristung bis zu zwei Jahren zulässig, mit maximal dreimaliger Verlängerung.

Automatische Verlängerungsklausel: Der Vertrag verlängert sich stillschweigend, wenn keine Kündigung innerhalb einer vereinbarten Frist eingeht – häufig sechs Wochen vor Vertragsende. Wer diese Frist verpasst, ist plötzlich für weitere sechs oder zwölf Monate gebunden, obwohl er längst eine neue Stelle in Aussicht hatte.

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) regelt alle Grundlagen zu befristeten Arbeitsverträgen in Deutschland und ist im vollen Wortlaut auf der offiziellen Seite des Bundes zugänglich: gesetze-im-internet.de – TzBfG.

Was passiert mit dem Vertrag, wenn der HSV absteigt?

Diese Frage bewegt nicht nur HSV-Fans. Profisportverträge enthalten häufig sogenannte Ligaklauseln: Sie räumen dem Verein ein außerordentliches Kündigungsrecht oder eine automatische Gehaltsreduzierung ein, wenn der sportliche Aufstieg ausbleibt oder der Abstieg eintritt. Konkrete Details zu Polzins Vertrag hat der HSV nicht veröffentlicht. Bekannt ist aber, dass sein Kontrakt eine Aufstiegsklausel enthielt – ob eine entsprechende Abstiegsklausel existiert, ist unklar.

Für normale Arbeitnehmer gilt: Auch außerhalb des Profifußballs gibt es Situationen, in denen sich Arbeitsverhältnisse durch externe Ereignisse schlagartig verändern – Betriebsübergänge, Fusionen, Standortschließungen oder wirtschaftliche Einbrüche. Das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) schützt Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit vor willkürlichen Entlassungen. Bei betriebsbedingten Kündigungen haben Betroffene oft Anspruch auf eine Abfindung – aber nur, wenn sie ihre Rechte kennen und fristgerecht handeln.

Ähnliche Vertragsdetails wurden erst kürzlich bei einem anderen Fußball-Fall diskutiert – wie Arbeitsrechtsexperten zu Xabi Alonsos Situation bei Liverpool erklärten, gelten für Führungskräfte im Sport oft ganz andere Klauseln als für reguläre Angestellte.

Wann sollten Arbeitnehmer ihren Vertrag prüfen lassen?

Polzins Fall zeigt: Wer eine Klausel im Vertrag nicht versteht, kann durch sie in eine Situation geraten, die er so nie geplant hatte – ob positiv wie die Bundesliga-Chance oder negativ wie eine ungewollte Bindung.

Arbeitsrechtsexperten empfehlen eine professionelle Vertragsanalyse in folgenden Situationen:

  • Vor der Unterzeichnung eines neuen Vertrags: Befristungen, Automatikklauseln, Wettbewerbsverbote und Sonderregelungen sollten klar verstanden werden, bevor Sie unterschreiben.
  • Bei drohender Kündigung: Wurden Fristen korrekt eingehalten? Besteht Sonderkündigungsschutz? Haben Sie Anspruch auf eine Abfindung?
  • Bei Vertragsverlängerung: Wer automatisch verlängert wird, verliert möglicherweise Optionen für einen Jobwechsel zum geplanten Zeitpunkt.
  • Bei Betriebsübergang: Wechselt der Arbeitgeber durch Übernahme oder Fusion, bleiben Ihre bisherigen Vertragsrechte grundsätzlich erhalten – aber Details müssen geprüft werden.
  • Nach einer Gehaltsverhandlung: Bonusregelungen, leistungsabhängige Klauseln und Zielvereinbarungen müssen rechtssicher formuliert sein.

Ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht kann in kurzer Zeit klären, welche Rechte und Pflichten Sie haben – und was bei Nichteinhaltung von Klauseln droht.

Befristeter Vertrag versus unbefristeter Vertrag: Der entscheidende Unterschied

Im deutschen Arbeitsalltag wird die Unterscheidung zwischen befristeten und unbefristeten Verträgen oft unterschätzt. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis endet nur durch Kündigung – mit gesetzlichen Fristen und Kündigungsschutz. Ein befristeter Vertrag endet dagegen automatisch zum vereinbarten Datum oder Ereignis, ohne dass eine Kündigung nötig ist. Das klingt nach Nachteil für Arbeitnehmer – ist es bei Lohn- und Aufstiegschancen aber nicht immer.

Wer wie Polzin durch eine Klausel mehr Gehalt oder eine bessere Position erhält, profitiert. Wer hingegen automatisch in einer Stelle gehalten wird, die er verlassen möchte, steht ohne einfachen Ausweg da. Ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht kann helfen, aus befristeten Verträgen frühzeitig und rechtssicher auszusteigen – etwa durch einvernehmliche Aufhebungsverträge. Dabei ist die Abfindungsfrage zentral: Wie viel können Sie verhandeln, wenn Sie freiwillig gehen? Ein Anwalt kennt die Marktüblichkeit und die tatsächlichen Spielräume.

Vier Spieltage, viele offene Fragen

Ob Merlin Polzin den HSV in der Bundesliga hält, wird sich in wenigen Wochen entscheiden. Das anstehende Nordderby gegen Werder Bremen gilt als richtungsweisend. Für den 34-jährigen Coach, der sich mit dem niedrigsten Bundesliga-Trainergehalt in die Bundesliga-Geschichte des Vereins einschrieb, stehen berufliche und vertragliche Weichen auf dem Prüfstand.

Für Sie gilt dasselbe: Kennen Sie wirklich alle Klauseln in Ihrem Arbeitsvertrag? Falls nicht, lohnt die Beratung durch einen spezialisierten Arbeitsrechtsanwalt – denn im Ernstfall zählt nicht, was Sie dachten, sondern was im Vertrag steht.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

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