Niklas Süle verlässt BVB: Was das Vertragsende eines Profis Arbeitnehmer lehrt

Borussia Dortmund Spieler feiern Torerfolg im Signal Iduna Park

Photo : Steffen Flor / Wikimedia

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
5 Min. Lesezeit 27. April 2026

Niklas Süle verletzte sich am 18. April 2026 in der 37. Minute beim 1:2 von Borussia Dortmund gegen Hoffenheim an seinem Knie — und während er am Boden lag, lenkte sein ausgestreckter Arm unbeabsichtigt einen Ball ab. Der Schiedsrichter entschied nach VAR-Überprüfung auf Handelfmeter, den Kramaric verwandelte. Es war ein doppelt bitteres Ende: BVB-Sportdirektor Lars Ricken bestätigte noch am Spieltag, dass Süles Vertrag im Sommer 2026 ausläuft und nicht verlängert wird.

Eine Karriere, die anders verlaufen sollte

Niklas Süle kam 2022 als einer der begehrtesten deutschen Innenverteidiger zu Borussia Dortmund — ablösefrei nach fünf Jahren beim FC Bayern München. Die Erwartungen waren hoch, die Erfüllung blieb oft aus. Vier Jahre Bundesliga, viele Diskussionen über Fitness und Engagement, und ein Sommer ohne neuen Vertrag: Mit rund 30 Jahren steht Süle vor einem Neuanfang.

Die Szene symbolisiert, was viele Arbeitnehmer außerhalb des Profirasens kennen: Ein Vertrag läuft aus, ohne dass aktiv gekündigt wurde — und plötzlich ist die Frage: Was passiert jetzt, welche Rechte habe ich, und was muss ich selbst in die Hand nehmen?

Was passiert, wenn ein befristeter Vertrag ausläuft?

Im deutschen Arbeitsrecht ist das Auslaufen eines befristeten Vertrags klar geregelt. Laut Kündigungsschutzgesetz (KSchG) endet ein wirksam befristeter Arbeitsvertrag automatisch zum vereinbarten Datum — ohne Kündigung, ohne Abfindungspflicht, ohne besondere Frist.

Das klingt simpel, ist es aber nicht immer. Drei häufige Missverständnisse:

Kein automatisches Recht auf Abfindung: Anders als bei einer betriebsbedingten Kündigung gibt es beim Vertragsauslauf grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung. Viele Arbeitnehmer glauben fälschlicherweise, dass ihnen nach Jahren der Betriebszugehörigkeit etwas zusteht.

Kein Anspruch auf Verlängerung: Auch wer seit Jahren im Unternehmen ist und gute Arbeit geleistet hat, hat keinen Rechtsanspruch auf Verlängerung oder Übernahme in ein unbefristetes Verhältnis. Der Arbeitgeber entscheidet frei.

Sperrzeit beim Arbeitslosengeld droht nicht automatisch: Wer nicht selbst kündigt, sondern den Vertragsauslauf akzeptiert, bekommt in der Regel Arbeitslosengeld ohne Sperrzeit — sofern er sich rechtzeitig, spätestens drei Monate vor Vertragsende, arbeitssuchend meldet.

Wann entsteht dennoch ein Abfindungsanspruch?

Obwohl Abfindungen beim Vertragsauslauf kein Automatismus sind, gibt es Konstellationen, in denen Arbeitnehmer berechtigte Ansprüche durchsetzen können:

  • Formfehler bei der Befristung: Wurde die Befristung nicht schriftlich vereinbart oder fehlt ein sachlicher Grund bei einer Befristung über zwei Jahre, kann sie unwirksam sein — und der Arbeitsvertrag gilt als unbefristet. Das bedeutet: Kündigung nur mit Frist, und oft eine Abfindungszahlung, um das Arbeitsverhältnis zu beenden.
  • Verhandlungsposition nutzen: Wer wertvolles Know-how mitbringt oder lange im Unternehmen war, hat oft faktisch Verhandlungsmacht — auch ohne rechtlichen Anspruch. Viele Unternehmen zahlen freiwillig, um Konflikte oder Wissensverlust zu vermeiden.
  • Tarifvertragliche Regelungen: In manchen Branchen sehen Tarifverträge beim Vertragsauslauf Abfindungsregelungen vor. Ein Blick in den anwendbaren Tarifvertrag lohnt sich.

Im Profifußball gelten eigene Branchenregeln: Profiverträge sind standardmäßig befristet, und Spieler werden regelmäßig ohne Verlängerungsanspruch freigesetzt — trotz millionenschwerer Gehaltshistorie. Was Niklas Süle jetzt tut, ist vertragsrechtlich geregelt: Vertragsende, kein Anspruch auf Verlängerung, Suche nach neuem Klub.

Das Arbeitszeugnis: Unterschätztes Instrument

Was viele beim Vertragsauslauf vergessen: Das Arbeitszeugnis. Der Anspruch darauf ist gesetzlich verankert — und es ist ein entscheidender Faktor für den nächsten Karriereschritt.

In der Praxis zeigen Zeugnisprobleme ein typisches Muster: Der Arbeitgeber übergibt das Zeugnis spät, verwendet Formulierungen, die in der Branche als codierte Kritik gelesen werden, oder gibt dem Arbeitnehmer keine Chance auf Korrektur. Wer sich hier nicht auskennt, verlässt das Unternehmen mit einem Dokument, das beim nächsten Vorstellungsgespräch Fragen aufwirft.

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann das Zeugnis prüfen und gegebenenfalls auf Korrektur bestehen — ein Aufwand, der sich oft lohnt. Standardformulierungen wie „zur vollen Zufriedenheit" oder „stets zu unserer Zufriedenheit" haben in der Praxis sehr unterschiedliche Bedeutungen.

Wann sollten Sie einen Anwalt einschalten?

Nicht jedes Vertragsauslaufen erfordert rechtliche Beratung. Es gibt aber klare Signale, dass ein Fachanwalt für Arbeitsrecht helfen kann:

  • Wenn Sie den Eindruck haben, die Befristung war von Anfang an rechtswidrig — etwa weil kein sachlicher Grund vorlag oder die Schriftform fehlte
  • Wenn der Arbeitgeber während der Vertragslaufzeit Druck ausgeübt hat, selbst zu kündigen — eine häufige Taktik, um Abfindungsansprüche zu vermeiden
  • Wenn das Zeugnis Formulierungen enthält, die nicht den gelebten Verhältnissen entsprechen
  • Wenn Urlaubsansprüche, Überstunden oder variable Vergütungsbestandteile nicht vollständig ausgezahlt wurden

Auf ExpertZoom können Betroffene unkompliziert einen spezialisierten Rechtsanwalt finden — ohne monatelange Wartezeiten und mit der Möglichkeit, erste Fragen direkt online zu klären.

Was der Fall Niklas Süle jedem Arbeitnehmer sagt

Das öffentliche Echo auf Süles Abgang ist nicht zufällig groß. Es berührt eine Frage, die viele kennen: Was bleibt, wenn ein langes Arbeitsverhältnis endet, ohne dass man selbst die Initiative ergriffen hat?

Die Antwort hängt stark davon ab, wie gut man vorbereitet ist. Wer drei Monate vor Vertragsende die wichtigsten Schritte kennt — Arbeitssuchendmeldung, Zeugnis, Prüfung offener Ansprüche, ggf. Beratung — verlässt das Unternehmen geordnet statt überrumpelt.

Befristete Verträge sind im deutschen Arbeitsmarkt weit verbreitet. Laut Bundesagentur für Arbeit war im März 2026 mehr als jedes achte sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnis befristet. Wissen über die eigenen Rechte ist deshalb keine abstrakte Vorsicht — sondern praktische Notwendigkeit.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Wenden Sie sich bei konkreten Fragen zu Ihrem Arbeitsvertrag an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Finanzielle Absicherung beim Vertragsauslauf: Was jetzt zählt

Neben dem Rechtlichen ist die finanzielle Seite entscheidend. Wer seinen Arbeitsvertrag auslaufen lässt, muss schnell handeln:

Arbeitslosengeld I richtig berechnen: ALG I berechnet sich aus dem Durchschnittsgehalt der letzten zwölf Monate vor Vertragsende. Wer im letzten Jahr variable Boni oder Schichtzuschläge hatte, sollte sicherstellen, dass diese korrekt einbezogen werden. Fehler bei der Berechnung der Bundesagentur für Arbeit sind möglich — und anfechtbar.

Übergangsgeld und Sperrzeit vermeiden: Manche Arbeitgeber bieten einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung an, wollen aber, dass der Arbeitnehmer selbst zustimmt und damit formell auf seinen ALG-I-Anspruch verzichtet — zumindest temporär. Eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen kann die Folge sein. Wer einen solchen Vertrag bekommt, sollte ihn nie ungeprüft unterzeichnen.

Vermögen und Rücklagen checken: Gerade nach Jahren mit gutem Einkommen — im Profifall noch deutlich stärker — lohnt es sich, zu prüfen, ob Rücklagen optimal strukturiert sind. Nicht alle Sparformen sind bei Arbeitslosigkeit gleichwertig anrechnungsfrei. Ein Finanzberater kann hier klären, welche Vermögensformen den ALG-II-Anspruch (wenn es so weit kommt) schützen.

Die Situation von Niklas Süle ist finanziell eine andere als die der meisten Arbeitnehmer. Aber die Mechanismen dahinter — Vertragsauslauf, Übergang, Neupositionierung — betreffen Millionen von Deutschen.

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