Marco Rose und Bournemouth: Was Ihr Arbeitsvertrag über sofortige Freistellungen verrät

Fußball-Trainer verlässt Trainingsplatz nach Vertragsende — symbolisch für Freistellung im Arbeitsrecht
Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 15. April 2026

Marco Rose steht im April 2026 als heißer Kandidat für den Trainerjob beim englischen Premier-League-Klub AFC Bournemouth — fast ein Jahr nachdem RB Leipzig ihn im März 2025 mit sofortiger Wirkung freigestellt hatte. Das Schicksal des 47-jährigen Bundesliga-Coaches illustriert ein Thema, das Millionen Arbeitnehmer in Deutschland betrifft: Was passiert rechtlich, wenn Sie kurz vor Ende Ihres Vertrags plötzlich nach Hause geschickt werden?

Was bei RB Leipzig geschah — und warum es jeden angehen kann

Am 30. März 2025 trennte sich RB Leipzig von Marco Rose, einen Tag nach einer 0:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach. Der Verein kommunizierte die Entscheidung knapp: Man benötige „einen neuen Impuls für die verbleibenden Spiele". Roses Vertrag lief ursprünglich bis Sommer 2026 — er wurde also mehr als ein Jahr vor Vertragsende freigestellt, behielt aber laut üblicher Praxis im Profi-Fußball seinen vollen Gehaltsanspruch bis zum Vertragsende.

Dieser Fall klingt nach Fußball-Dramaturgie, ist aber juristisch exakt dieselbe Situation, mit der Fach- und Führungskräfte in deutschen Unternehmen täglich konfrontiert werden: die bezahlte Freistellung vor Vertragsende.

Freistellung: Was das im deutschen Arbeitsrecht bedeutet

Eine Freistellung bedeutet, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer von der Pflicht zur Arbeit entbindet — das Arbeitsverhältnis selbst besteht aber weiter, und der Gehaltsanspruch bleibt vollumfänglich erhalten. Das Bundesarbeitsgericht unterscheidet zwischen zwei Formen:

Widerrufliche Freistellung: Der Arbeitgeber kann Sie jederzeit zurückrufen. Diese Form ist häufig in Aufhebungsvereinbarungen oder während Kündigungsfristen vereinbart.

Unwiderrufliche Freistellung: Verbreitet in Managementverträgen und im Profi-Sport. Der Arbeitnehmer ist endgültig von der Arbeitspflicht befreit, erhält aber weiterhin sein Gehalt bis zum Vertragsende. Laut § 611a BGB besteht der Vergütungsanspruch fort.

Im Fall Rose bedeutet das: Er bezog bis Sommer 2026 weiterhin sein Gehalt von RB Leipzig — obwohl er keinen einzigen Tag mehr trainierte. Für Bundesliga-Trainer mit entsprechenden Vertragsklauseln ist das die Regel.

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen: Ihre Rechte bei der Freistellung

Auch wenn Sie kein Bundesliga-Trainer sind — ähnliche Konstellationen entstehen in Unternehmen häufiger als gedacht. Ein Anwalt für Arbeitsrecht kann klären, welche Ihrer Ansprüche tatsächlich gesichert sind:

Gehaltsfortzahlung: Der Anspruch bleibt in der Regel bestehen — auch bei unwiderruflicher Freistellung. Urlaub kann jedoch angerechnet werden, wenn der Arbeitgeber dies ausdrücklich erklärt.

Wettbewerbsverbote: Während der Freistellung gelten oft Konkurrenzverbote. Rose durfte während seiner Freistellungszeit nicht einfach zu einem Bundesliga-Konkurrenten wechseln, solange sein Vertrag mit Leipzig lief. Erst ab dem offiziellen Vertragsende war der Weg frei — weshalb Bournemouth ihn erst jetzt verpflichten kann.

Sozialversicherung: Die Freistellung unterbricht nicht automatisch die sozialversicherungsrechtliche Absicherung. Das Arbeitsverhältnis besteht fort, also bleiben Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung erhalten.

Urlaubsansprüche: Offene Urlaubstage können während der Freistellung abgegolten werden, wenn der Arbeitgeber dies klar kommuniziert. Ohne ausdrückliche Anrechnung verfallen sie nicht automatisch.

Die Falle: Aufhebungsvertrag statt Freistellung

Viele Arbeitnehmer werden in vergleichbaren Situationen unter Druck gesetzt, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen — was rechtlich etwas völlig anderes ist als eine Freistellung. Ein Aufhebungsvertrag beendet das Arbeitsverhältnis sofort mit gegenseitigem Einverständnis. Die Konsequenz: möglicherweise eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von bis zu zwölf Wochen, da die Bundesagentur für Arbeit von einem selbst herbeigeführten Ende des Beschäftigungsverhältnisses ausgeht.

Laut der Bundesagentur für Arbeit droht bei einem Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld — ein finanzieller Einschnitt, den viele Arbeitnehmer unterschätzen.

Bevor Sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, sollten Sie unbedingt einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht konsultieren. Die 3-Wochen-Frist für Widersprüche gegen Kündigungen gilt hier zwar nicht, aber eine fundierte Beratung schützt vor teuren Fehlern.

Was Marco Roses Comeback über Karrierechancen nach Freistellung lehrt

Roses Geschichte hat noch eine zweite Dimension: Fast ein Jahr nach seiner Freistellung wird er als Premier-League-Trainer gehandelt — bei einem Verein, der laut Sky Sports gezielt nach seiner Expertise sucht. Die Zeit der Freistellung hat er offenbar für seine Weiterentwicklung genutzt.

Das ist kein Einzelfall. Für Fach- und Führungskräfte ist eine Freistellungsphase keine Karrieresackgasse, sondern eine Möglichkeit zur Neuorientierung — vorausgesetzt, die rechtliche Absicherung stimmt. Wer seine Ansprüche kennt, kann diese Phase aktiv gestalten, statt sie passiv zu erleiden.

Ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht kann im Konkreten klären: Welche Gehaltsansprüche sichert Ihr Vertrag? Gibt es Wettbewerbsklauseln, die einen Wechsel einschränken? Und welche Abfindungsregelungen sind verhandelbar?

Was Sie jetzt tun sollten

Wenn Sie von einer drohenden Freistellung oder einer unerwarteten Kündigung betroffen sind, gilt: Zeit ist entscheidend. Gegen eine ordentliche Kündigung haben Sie drei Wochen Zeit, Klage beim Arbeitsgericht einzureichen (§ 4 KSchG). Diese Frist läuft auch dann, wenn Sie noch auf eine Einigung hoffen.

Holen Sie sich professionelle Rechtsberatung bei einem spezialisierten Arbeitsrechtsanwalt — idealerweise noch vor der Unterzeichnung jeglicher Dokumente. Auf ExpertZoom finden Sie qualifizierte Anwälte für Arbeitsrecht, die Ihren konkreten Fall einschätzen können.

Ähnliche Konstellationen hat ExpertZoom bereits bei anderen Bundesliga-Profis beleuchtet — etwa beim Fall Sebastian Kehl und BVB, wo die rechtlichen Fragen rund um sofortige Freistellungen im Sport besonders deutlich wurden. Marco Roses Rückkehr auf die Trainerbank zeigt: Auch nach einem abrupten Ende folgen neue Chancen. Wer seine Rechte kennt, gestaltet diesen Übergang auf eigenen Bedingungen.

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