Lothar Matthäus mit 64: Was Profisport langfristig mit dem Körper macht — und was Ärzte dazu sagen

Sportmediziner untersucht Knie eines Patienten in Münchener Klinik
Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 2. April 2026

Lothar Matthäus, 64, kritisierte am 1. April 2026 Bundestrainer Julian Nagelsmann als "unglaubwürdig" — nur Tage vor dem WM-Vorbereitungsspiel gegen die Schweiz (4:3, April 2026). Die Aussage des deutschen Fußball-Rekordnationalspielers, veröffentlicht von Sport1, sorgt für Debatten. Doch während die Kritik an Nagelsmanns Taktik die Schlagzeilen dominiert, wirft Matthäus' langjährige Karriere eine andere Frage auf: Was macht zwei Jahrzehnte Profisport wirklich mit dem menschlichen Körper?

Profifußball: Ein Marathon für Gelenke und Gewebe

Profifußballer legen pro Spiel zwischen 10 und 13 Kilometer zurück — oft bei Sprint- und Bremsmanövern, die Knie, Hüften und Sprunggelenke extrem belasten. Über eine durchschnittliche Karriere von 15 bis 20 Jahren summiert sich das zu Tausenden von Belastungsstunden. Laut Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entwickeln viele ehemalige Bundesliga-Profis frühzeitig Arthrose, insbesondere in den Kniegelenken.

Die DGUV dokumentiert in ihrer Sportpräventionsforschung systematisch Langzeitfolgen intensiver sportlicher Belastung. Chronische Sehnenentzündungen, Meniskusschäden und degenerative Gelenkerkrankungen treten bei Ex-Profis oft bereits ab dem 40. Lebensjahr auf — Jahrzehnte früher als bei der Durchschnittsbevölkerung.

Von Kopfbällen bis Herzrhythmus: Unterschätzte Risiken

Neben den offensichtlichen orthopädischen Problemen birgt Profifußball weitere gesundheitliche Risiken. Wiederholte Kopfbälle können über Jahre hinweg zu mikroskopischen Gehirnerschütterungen führen. Neurologische Studien zeigen: Ehemalige Profis haben ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Auch das Herz-Kreislauf-System passt sich an extreme Belastungen an: Sportlerherzen sind vergrößert, und nach Karriereende müssen diese Veränderungen ärztlich überwacht werden.

Matthäus selbst spielte bis zu seinem 39. Lebensjahr auf höchstem Niveau — eine Zeit, in der moderne Regenerationsmethoden noch nicht etabliert waren. Heutige Profis profitieren von Kryotherapie, Physiotherapie-Teams und datengestütztem Belastungsmanagement. Doch auch sie sind nicht immun gegen Verschleiß.

Freizeitsportler im Risiko: Wenn Amateure sich überschätzen

Das Phänomen betrifft nicht nur Profis. Sogenannte "Weekend Warriors" — Hobbysportler, die ohne ausreichende Regeneration intensiv trainieren — erleiden ähnliche Verletzungsmuster. Viele versuchen, das Tempo von Bundesliga-Kickern nachzuahmen, ohne die physiologischen Voraussetzungen oder das medizinische Backup. Das Ergebnis: Kreuzbandrisse, Achillessehnenrupturen und chronische Überlastungsschäden häufen sich in Deutschlands Freizeitligen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jährlich ereignen sich in Deutschland über 1,5 Millionen Sportverletzungen, die ärztlich behandelt werden müssen. Ein erheblicher Anteil davon entfällt auf Fußball. Besonders problematisch sind abrupte Richtungswechsel und Zweikämpfe, bei denen Kräfte wirken, die dem Mehrfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen. Ohne professionelle Vorbereitung und Technikschulung steigt das Verletzungsrisiko exponentiell.

Ein Sportmediziner kann hier entscheidend helfen. Durch biomechanische Analysen, Belastungs-EKGs und gezielte Präventionsstrategien lassen sich Risiken minimieren. Moderne Diagnostik ermöglicht es, muskuläre Dysbalancen zu erkennen, bevor sie zu Verletzungen führen. Auch die Ernährungsberatung spielt eine Rolle: Entzündungshemmende Ernährung kann Regenerationsprozesse beschleunigen und chronische Beschwerden lindern.

Die Frage ist nicht, ob Sport gesund ist — sondern wie viel Sport der individuelle Körper langfristig verträgt. Personalisierte Trainingspläne, angepasst an Alter, Fitnesslevel und medizinische Vorgeschichte, sind der Schlüssel zu nachhaltiger Gesundheit. Was für einen 25-jährigen Profispieler funktioniert, kann für einen 45-jährigen Hobbykicker fatal sein.

Was Matthäus' Karriere uns lehrt

Lothar Matthäus bestritt 150 Länderspiele und gewann 1990 die Weltmeisterschaft. Seine körperliche Leistungsfähigkeit mit 64 Jahren ist bemerkenswert — doch sie ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger medizinischer Betreuung. Für viele seiner Altersgenossen aus dem Profigeschäft sieht die Realität anders aus: Gelenkersatz, chronische Schmerzen und eingeschränkte Mobilität sind keine Seltenheit.

Studien zeigen, dass ehemalige Profifußballer ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für Knie- und Hüftarthrose haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Der Grund liegt in der kumulativen Belastung: Jeder Sprung, jeder Sprint, jeder Zweikampf hinterlässt mikroskopische Spuren im Knorpelgewebe. Über Jahre hinweg summieren sich diese zu irreversiblen Schäden. Moderne Bildgebungsverfahren wie die hochauflösende MRT können diese Prozesse heute früher sichtbar machen — doch rückgängig machen lassen sie sich nicht.

Hinzu kommt der psychologische Aspekt: Viele Ex-Profis kämpfen mit der Identitätskrise nach dem Karriereende. Der Verlust der Routine, des Teamgefüges und der körperlichen Höchstleistung kann zu Depressionen führen. Sportpsychologen betonen die Bedeutung eines geplanten Übergangs in den "Ruhestand" — ein Konzept, das in Deutschland erst seit wenigen Jahren systematisch umgesetzt wird.

Die Debatte um Nagelsmanns Taktik vor der WM 2026 mag kurzlebig sein. Die Frage, wie wir mit den Langzeitfolgen von Hochleistungssport umgehen, bleibt aktuell. Matthäus' Prognose, Deutschland erreiche das Halbfinale, mag sich bewahrheiten oder nicht. Sicher ist: Die Körper der Spieler werden den Preis zahlen — auch noch Jahre nach dem Abpfiff. Die drei Abwehrfehler im Schweiz-Spiel mögen taktischer Natur sein — doch sie erinnern daran, dass auch die fittesten Athleten nicht unverwundbar sind.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Wer intensiv Sport treibt, sollte regelmäßige medizinische Check-ups ernst nehmen. Sportmediziner können frühzeitig degenerative Prozesse erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Dazu gehören Ultraschalluntersuchungen der Sehnenansätze, Knochendichtemessungen und funktionelle Bewegungsanalysen. Diese Diagnostik ist nicht nur für Profis relevant: Auch Freizeitsportler ab 40 Jahren profitieren von präventiven Screenings.

Konkrete Warnsignale, die auf Überlastung hindeuten, sind: anhaltende Gelenkschmerzen über 48 Stunden nach dem Training, morgendliche Steifigkeit, Schwellungen ohne akute Verletzung und Leistungseinbrüche trotz regelmäßigen Trainings. Werden diese Symptome ignoriert, droht der Übergang von akuten zu chronischen Beschwerden. Eine frühzeitige Intervention — sei es durch Physiotherapie, angepasstes Training oder gezielte Ruhephasen — kann den Unterschied machen zwischen einer langen, gesunden Sportlerkarriere und einem vorzeitigen Ende.

Ob Profifußballer wie Matthäus oder ambitionierter Amateur — die Devise lautet: Den Körper kennen, Warnsignale ernst nehmen und rechtzeitig handeln. Der menschliche Bewegungsapparat ist bemerkenswert anpassungsfähig, aber nicht unzerstörbar. Wer heute in Prävention investiert, zahlt morgen nicht den Preis mit chronischen Schmerzen.

Mehr zum Thema Lothar Matthäus: Fitness mit 64 Jahren finden Sie in unserem Archiv. Bei ExpertZoom können Sie Sportmediziner in Ihrer Nähe finden, die auf die Langzeitgesundheit von Athleten spezialisiert sind — für eine Karriere, die auch nach dem letzten Spiel weitergeht.


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt.

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