Felix Magath mit 72 noch Trainer: Was Sport im Alter wirklich mit dem Körper macht

Älterer Fußballtrainer leitet das Training auf einem Fußballplatz
Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 20. März 2026

Felix Magath, 72 Jahre alt und noch immer im Fußball aktiv, ist erneut in die Schlagzeilen geraten: Der Bundesliga-Rekordtrainer wird als möglicher Nachfolger von Wolfsburg-Coach Daniel Bauer gehandelt, nachdem der VfL in der Abstiegszone festsitzt. Magath, der zuletzt als Sportdirektor bei Viktoria Aschaffenburg tätig war, würde damit beweisen, dass körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Alter weit über das hinausgehen, was viele für möglich halten — und genau das ist medizinisch hochinteressant.

Warum Magath mit 72 noch auf der Trainerbank sitzen kann

Felix Magath wurde am 26. Juli 1953 geboren. Seit 2022, als er Hertha BSC noch vor dem Abstieg rettete, hat er keine Profi-Mannschaft mehr trainiert. Dennoch bleibt er regelmäßig in Gesprächen für Bundesliga-Positionen — ein Phänomen, das Sportmediziner als Beleg für die Plastizität des alternden Gehirns sehen.

Die kognitive Leistungsfähigkeit — Entscheidungsgeschwindigkeit, taktische Analyse, Stresstoleranz — nimmt bei körperlich und geistig aktiven Menschen deutlich langsamer ab. Eine Studie der Universität Heidelberg (2024) zeigt, dass aktive Führungspersönlichkeiten über 70 in Tests zur exekutiven Funktion vergleichbare Ergebnisse erzielen wie 50-Jährige mit Bürojobs.

Was jahrzehntelanger Hochleistungssport mit dem Körper macht

Magath war selbst Profispieler: Er bestritt über 400 Bundesligaspiele und nahm 1980 mit der deutschen Nationalmannschaft an der Europameisterschaft teil. Dieser Hintergrund ist aus medizinischer Sicht zweischneidig.

Die positiven Effekte: Langjähriger moderater Sport baut Herz-Kreislauf-Reserven auf, stärkt die Knochendichte und fördert die Ausschüttung von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), einem Protein, das neuronale Verbindungen schützt. Laut einer Metaanalyse im British Journal of Sports Medicine (2023) reduziert ein aktiver Lebensstil bis ins Rentenalter das Demenzrisiko um bis zu 32 %.

Die Risiken: Profisportler sind häufig mit einem erhöhten Risiko für Gelenkschäden konfrontiert. Kniearthrose, Hüftprobleme und chronische Sehnenschäden sind bei ehemaligen Leistungssportlern weitaus verbreiteter als in der Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus ist die kardiovaskuläre Belastung eines Profitrainers erheblich — Studien zeigen, dass Trainer während Spielen ähnliche Cortisolspitzen aufweisen wie die Spieler auf dem Rasen.

Aktives Altern: Was Ärzte empfehlen

Das Beispiel Magath wirft eine wichtige Frage auf, die viele ältere Berufstätige beschäftigt: Wie lange kann und sollte man körperlich und mental aktiv arbeiten?

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie empfiehlt für Menschen über 65 Jahre:

  • Mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche (Gehen, Schwimmen, Radfahren)
  • Zweimal wöchentlich Krafttraining zur Erhaltung der Muskelmasse (Sarkopenie-Prävention)
  • Regelmäßige soziale und kognitive Stimulation — genau das, was ein Trainerjob bietet

Ein Sportmediziner oder Geriater kann ab 65 Jahren einen individualisierten Belastungstest durchführen, der Herzleistung, Muskelkraft und Reaktionsvermögen misst. Dieses sogenannte "geriatrische Assessment" liefert ein realistisches Bild der körperlichen Leistungsfähigkeit und hilft dabei, angemessene sportliche Aktivitäten auszuwählen.

Die drei größten Gesundheitsrisiken für aktive Senioren im Sport

1. Überbelastung des Herzens: Intensive körperliche oder emotionale Belastung — wie sie ein Abstiegskampf mit sich bringt — erhöht das Herzinfarktrisiko. Ab 70 Jahren sollte vor Aufnahme einer neuen intensiven Tätigkeit ein Belastungs-EKG durchgeführt werden.

2. Stürze und Frakturen: Mit zunehmendem Alter sinkt die Reaktionsgeschwindigkeit und die Muskelmasse nimmt ab — das erhöht das Sturzrisiko erheblich. Ein Arzt kann durch einfache Tests (z.B. den "Timed Up and Go Test") das individuelle Risiko einschätzen.

3. Schlafstörungen und Überarbeitung: Trainer leben in einer Dauerspannung aus Erwartungsdruck, Medieninteresse und spielbezogenem Stress. Chronischer Schlafmangel schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Der psychologische Faktor: Warum ältere Trainer Vertrauen und Autorität ausstrahlen

Ein Aspekt, der bei der Diskussion um Felix Magath häufig übersehen wird, ist der psychologische Mehrwert erfahrener Führungspersönlichkeiten. Jüngere Trainer bringen taktische Innovationen mit, ältere hingegen oft etwas, das schwerer zu erlangen ist: Vertrauen.

Magath ist bekannt für seine unkonventionellen Methoden — Frühsport, harte Trainingseinheiten, ein autoritärer Führungsstil. Diese Eigenschaften mögen umstritten sein, haben aber in kritischen Momenten funktioniert: 2022 rettete er Hertha BSC durch den Relegationsplayoff gegen Hamburg. Solche Erfahrungen sind nicht erlernbar — sie sind akkumuliert über Jahrzehnte.

Aus neuropsychologischer Sicht spricht man von "kristalliner Intelligenz": die Fähigkeit, akkumuliertes Wissen und Erfahrung anzuwenden. Diese Form der Intelligenz nimmt mit dem Alter nicht ab — im Gegensatz zur "fluiden Intelligenz" (Reaktionsschnelligkeit, Problemlösung unter Zeitdruck). Für einen Cheftrainer, der vor allem strategisch denkt und sein Team mental führt, überwiegen die Vorteile der Erfahrung oft die altersbedingten Nachteile.

Das erklärt, warum Klubs in Abstiegsnot immer wieder auf ältere, bewährte Trainer zurückgreifen: José Mourinho (heute 63), Ancelotti (heute 66) und eben Magath haben eines gemeinsam — sie haben Krisensituationen im Profigeschäft schon oft gemeistert.

Wann zum Arzt?

Egal ob Profitrainer oder rüstiger Rentner — wer über 65 Jahre alt ist und eine intensive körperliche oder berufliche Tätigkeit aufnehmen oder fortführen möchte, sollte vorher einen Sportmediziner oder Geriatrie-Spezialisten konsultieren.

Expert Zoom bietet schnelle Online-Konsultationen mit Sportmedizinern und Geriatern an — ohne Wartezeit und von zu Hause aus. Ein erster Check bei einem Geriatrie-Experten kann entscheidend dafür sein, wie man die nächsten Jahre aktiv und gesund gestaltet.

Das Beispiel Felix Magath zeigt: Alter ist keine Krankheit. Aber mit der richtigen medizinischen Begleitung lässt sich Gesundheit im Alter aktiv gestalten — und nicht nur verwalten.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen an Ihren Hausarzt oder einen Facharzt.

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