Laura Wontorra (37) verlässt DAZN Mitte August 2026 vorzeitig und unterschreibt einen Dreijahresvertrag bei Sky und RTL — ein Karriereschritt, der in der deutschen Medienbranche für Aufsehen sorgt und die Frage stellt, die viele Freiberufler kennen: Was macht man finanziell richtig, wenn plötzlich ein großer Mehrjahresvertrag auf dem Tisch liegt?
Was hinter dem Wechsel steckt
Wontorra, bundesweit bekannt als Hauptmoderatorin der Fußball-WM 2026 aus Amerika, hatte ihren Vertrag bei DAZN erst im April 2025 bis 2027 verlängert. Doch die historische Übernahme von Sky durch RTL — einer der bedeutendsten Mediendeals der jüngsten deutschen TV-Geschichte — schuf eine neue Situation: Die beiden Sender brauchen für ihr erweitertes Sportprogramm, darunter künftig mehr Bundesliga-Spiele im Free-TV sowie DFB-Pokal-Endspiele auf RTL, ein starkes Gesicht. Wontorra soll diese Rolle übernehmen. Der Vertrag läuft berichten zufolge über mindestens drei Jahre.
Für Wontorra bedeutet das neben der medialen Präsenz vor allem eines: verlässliche und wahrscheinlich deutlich gestiegene Einnahmen auf Jahre hinaus. Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte — denn ein Großvertrag ist kein Selbstläufer. Wer bei einem solchen Abschluss die falschen finanziellen Entscheidungen trifft, verliert einen erheblichen Teil davon an den Fiskus oder an strukturelle Lücken in der Absicherung.
Was Vermögensexperten bei einem TV-Großvertrag empfehlen
Vermögensberater, die mit Medienschaffenden und Freiberuflern in Deutschland arbeiten, kennen das Muster: Der Vertragsabschluss wird gefeiert, die finanzielle Planung kommt zu spät. Dabei ist genau der Zeitpunkt vor oder unmittelbar nach der Unterschrift entscheidend.
Drei Problemzonen treten bei hochverdienenden Freiberuflern regelmäßig gleichzeitig auf:
Steuerprogression: In Deutschland greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen von 66.761 Euro (2026), die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent ab 277.826 Euro. Wer von einem Jahreshonorar von beispielsweise 150.000 auf 400.000 Euro wechselt, zahlt nicht einfach mehr Steuern — er zahlt deutlich überproportional mehr, ohne dass sich das Nettoeinkommen in gleichem Maße erhöht.
Fehlende Altersvorsorge: TV-Moderatoren, die auf Honorarbasis tätig sind, unterliegen in der Regel keiner Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das klingt zunächst nach Freiheit, ist in der Praxis aber ein strukturelles Risiko. Wer keine aktive Vorsorge betreibt, baut über Jahre hohe Honorare auf und steht im Alter ohne ausreichende Rente da.
Liquiditätspuffer: Ein Dreijahresvertrag bietet Planungssicherheit — aber nur auf dem Papier. Quoten-Klauseln, Exklusivitätspflichten oder ein plötzlicher Senderverkauf können Auszahlungen verzögern oder reduzieren. Wer keinen Liquiditätspuffer hat, gerät schnell unter Druck.
Krankenversicherung: Anders als Angestellte sind Freiberufler in Deutschland verpflichtet, sich selbst krankenversichert zu halten — entweder gesetzlich als freiwilliges Mitglied oder privat. Mit steigendem Honorar wächst auch der GKV-Beitrag bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die 2026 bei 5.512,50 Euro monatlich liegt. Wer die PKV wählt, sollte langfristig planen: Bei einem Einkommensrückgang nach dem Vertragsende kann der Rückwechsel in die GKV schwierig oder teuer werden. Diese Entscheidung gehört ebenfalls zur Erstberatung — vor der Vertragsunterschrift.
Experten empfehlen, einen Vermögensberater spätestens dann einzuschalten, wenn ein Vertrag mit jährlichem Honorar ab 100.000 Euro verhandelt wird — nicht erst danach.
Das 400.000-Euro-Szenario: Was tatsächlich bleibt
Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus der Beratungspraxis: Katharina, 38, freiberufliche TV-Moderatorin in München, wohnhaft, verheiratet ohne Kinder, schließt einen Dreijahresvertrag mit einem jährlichen Honorar von 400.000 Euro ab. Bislang erzielte sie rund 200.000 Euro pro Jahr. Sie hat keine nennenswerte private Altersvorsorge.
Ohne Beratung — Steuerlast 2026:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Jahreshonorar brutto | 400.000 € |
| Betriebsausgaben (Agentur, Technik, Büro — ca. 12 %) | − 48.000 € |
| Zu versteuerndes Einkommen | 352.000 € |
| Einkommensteuer inkl. Reichensteuer (Splittingtarif) | ca. − 147.800 € |
| Solidaritätszuschlag | − 2.040 € |
| Netto vor Vorsorge | ca. 202.160 € |
Mit 202.160 Euro netto scheint Katharina gut aufgestellt. Aber: Sie zahlt ab Januar des Folgejahres hohe Steuervorauszahlungen auf Basis des Vorjahreseinkommens — rund 37.000 Euro pro Quartal, also 148.000 Euro im Jahr. Wer diese Cashflow-Dynamik nicht kennt, sitzt im zweiten Vertragsjahr plötzlich auf einer Liquiditätslücke.
Mit strukturierter Beratung:
Ein Vermögensberater würde zunächst die Altersvorsorge optimieren. Als Freiberuflerin kann Katharina 2026 bis zu 27.566 Euro in eine Rürup-Rente steuerwirksam einzahlen. Das reduziert ihr zu versteuerndes Einkommen auf 324.434 Euro und spart in Katharinas Steuerklasse rund 12.400 Euro Einkommensteuer.
Zusätzlich empfiehlt der Berater, 60.000 Euro pro Jahr in ein breit gestreutes ETF-Depot einzuzahlen — davon 30.000 Euro als Liquiditätsreserve für Steuerzahlungen, 30.000 Euro als langfristiger Kapitalaufbau. Nach drei Vertragsjahren hat Katharina so neben ihrer laufenden Liquidität rund 85.000 Euro (inkl. Wertzuwachs bei 6 Prozent p.a.) auf dem Depot und eine Rürup-Rentenbasis von rund 83.000 Euro Einzahlungen aufgebaut.
Wenn der Vertrag in Jahr zwei wegen einer Quoten-Klausel um 20 Prozent gekappt wird:
Ohne Puffer würde ein Honorarrückgang von 400.000 auf 320.000 Euro sofort zu Liquiditätsproblemen führen, weil die Steuervorauszahlungen auf Basis des Vorjahres bestehen bleiben. Mit einer aufgebauten Reserve von 30.000 Euro überbrückt Katharina das Jahr und passt ihre Vorauszahlungen per Antrag beim Finanzamt an — ein Schritt, den viele Betroffene nicht kennen oder zu spät einleiten.
Der Unterschied zwischen unberatem und beratem Vorgehen über drei Jahre: rund 36.000 bis 52.000 Euro — plus eine Altersvorsorge, die ohne aktive Planung schlicht nicht existiert hätte.
Warum der Zahlungsplan ebenso wichtig ist wie das Honorar
Ein häufig unterschätzter Verhandlungspunkt ist der Zeitpunkt der Auszahlung. Wenn ein Jahreshonorar in einer Summe im Dezember statt monatlich zufließt, verändert das die Steuerlast eines bestimmten Jahres erheblich. Bei Dreijahresverträgen mit Einmalzahlungen kann zudem die sogenannte Fünftelregelung nach § 34 Einkommensteuergesetz greifen: Sie erlaubt es, außerordentliche Einkünfte steuerlich so zu behandeln, als seien sie über fünf Jahre verteilt — was die Spitzensteuersatzbelastung spürbar senken kann.
Wer einen Vertrag mit unregelmäßigen Bonuszahlungen abschließt, sollte das gemeinsam mit einem Steuer- oder Vermögensberater analysieren, bevor die Unterschrift gesetzt wird. Ein weiterer Aspekt, der häufig übersehen wird: die Umsatzsteuerpflicht. Moderatoren, die über die Kleinunternehmergrenze von 25.000 Euro Jahresumsatz (ab 2025) hinausgehen, müssen Umsatzsteuer auf ihre Rechnungen aufschlagen — was die Verhandlungsposition gegenüber dem Sender beeinflusst, wenn dieser zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.
Aktuelle Merkblätter zu Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Altersvorsorge für Selbstständige und Freiberufler in Deutschland stellt das Bundesministerium der Finanzen kostenlos bereit.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Ob Sie als TV-Moderator, Unternehmensberater oder anderweitiger Freiberufler vor einem ähnlichen Vertragsabschluss stehen — die wesentlichen Schritte sind dieselben:
Vor der Unterschrift: Bitten Sie einen Vermögensberater um eine Hochrechnung Ihrer Steuerlast auf Basis des neuen Honorars. Prüfen Sie, ob der Zahlungsplan optimierbar ist. Klären Sie, ob Quoten- oder Exklusivitätsklauseln Ihr Einkommen einschränken können.
Im ersten Vertragsjahr: Richten Sie einen Dauerauftrag für Steuerrücklagen ein — mindestens 35 bis 40 Prozent des Monatshonorars, je nach Steuerklasse. Schließen Sie eine steuerlich absetzbare Altersvorsorge ab (Rürup, betriebliche Altersversorgung für Freiberufler oder eine fondsgebundene Variante).
Langfristig: Bauen Sie eine Liquiditätsreserve von mindestens sechs Monatseinnahmen auf und diversifizieren Sie Ihr Vermögen über Depot, Immobilien und Vorsorgeprodukte — unabhängig davon, wie stabil der aktuelle Vertrag erscheint.
Laura Wontonras Dreijahres-Deal mit Sky und RTL ist ein Musterbeispiel für eine Karrieresituation, die finanzielle Planung zwingend erfordert — nicht irgendwann, sondern jetzt. Auf ExpertZoom finden Sie zugelassene Vermögensberater, die sich auf Freiberufler und Medienschaffende spezialisiert haben.
Weitere Einblicke in die steuerliche Seite prominenter TV-Honorare bietet auch dieser Beitrag auf ExpertZoom: Was Prominente bei SAT.1-Produktionen steuerlich beachten müssen. Und für freiberufliche WM-Moderatoren lohnt sich ein Blick auf die Honoraroptimierung für Freelancer im TV-Bereich.
Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen zu steuerlichen und finanziellen Themen und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Steuerberater oder Vermögensberater. Steuerliche Regelungen können sich jederzeit ändern.

Julia Richter