Micky Beisenherz beim WM-Breakfast-Club: Was Freelancer mit Großevent-Honoraren machen sollten

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Photo : Steffen Prößdorf / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 14. Juni 2026

Micky Beisenherz beim WM-Breakfast-Club: Was Freelancer mit Großevent-Honoraren machen sollten

Micky Beisenherz moderiert seit dem 11. Juni 2026 täglich das neue MagentaTV-Format „Breakfast Club" zur Fußball-WM in Nordamerika. Solche zeitlich begrenzten Großprojekte bringen TV-Freelancern erhebliche Einnahmespitzen – und die wollen steuerlich und finanziell klug geplant werden. Fünf Strategien, die Selbstständige in der Medienbranche jetzt kennen sollten.

Vom Podcast zum WM-Primetime-Moderator: Beisenherz und das Freelancer-Prinzip

Am ersten WM-Tag, dem 11. Juni 2026, übernahm Micky Beisenherz pünktlich um 7 Uhr morgens das Mikrofon beim neuen MagentaTV-„Breakfast Club". Das zweistündige Morgenformat analysiert täglich die Nachtspiele aus den USA, Mexiko und Kanada – an seiner Seite: Moderatorin Laura Hofmann und Fußballexpertin Tabea Kemme sowie Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich.

Für Beisenherz ist der WM-Auftritt ein weiterer Höhepunkt einer vielfältigen Karriere: Der Autor, Podcast-Host und TV-Moderator ist ein klassischer Medien-Freelancer – unregelmäßige Projekte, wechselnde Auftraggeber, keine Festanstellung. Genau darin liegt eine finanzielle Herausforderung, die viele Selbstständige unterschätzen: Was macht man mit einem plötzlichen Einkommensberg aus einem sechswöchigen Großprojekt?

Das Problem mit Einnahmespitzen

Anders als Festangestellte mit konstantem Monatsgehalt erfahren Freelancer starke Einkommensschwankungen. Ein WM-Auftrag über sechs Wochen kann in dieser Zeit mehr einbringen als sonst in einem halben Jahr. Das klingt attraktiv – bringt aber spezifische Risiken mit sich.

Steuerprogression: In Deutschland gilt das Prinzip der Einkommensteuerprogression. Wer in einem Jahr deutlich mehr verdient als üblich, zahlt auf den Mehrbetrag einen höheren Grenzsteuersatz – 2026 sind das bis zu 42 Prozent regulär und 45 Prozent auf sehr hohe Einkommen (sogenannte Reichensteuer ab 277.826 Euro Jahreseinkommen laut Einkommensteuergesetz).

Vorauszahlungsfalle: Das Finanzamt richtet die Steuervorauszahlungen nach dem Vorjahreseinkommen aus. Wer 2026 dank WM-Honorar deutlich mehr verdient als 2025, erhält 2027 eine hohe Nachzahlungsforderung – und gleichzeitig gestiegene Vorauszahlungen. Wer das nicht einkalkuliert, gerät in Liquiditätsprobleme.

Fehlende Altersvorsorge: Laut Daten der Deutschen Rentenversicherung haben rund 30 Prozent der Selbstständigen in Deutschland keine ausreichende Altersvorsorge. In der Medienbranche ist der Anteil noch höher: Projektorientiertes Arbeiten und der Fokus auf das Gegenwartseinkommen führen dazu, dass Renten- und Lebensversicherungen regelmäßig vernachlässigt werden.

Fünf Strategien für die kluge Nutzung von Großevent-Honoraren

Vermögensberater, die auf Freiberufler spezialisiert sind, empfehlen folgende Schritte, wenn ein größerer Auftrag eingeht:

1. Steuerrücklage sofort bilden Legen Sie mindestens 35 bis 40 Prozent des Bruttoeinkommens auf einem separaten Konto zurück – ausschließlich für Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Sozialabgaben. Dieser Betrag gehört nicht zu Ihrem verfügbaren Einkommen; behandeln Sie ihn wie einen Fremdkörper.

2. Altersvorsorge gezielt aufstocken Für Selbstständige in künstlerischen und journalistischen Berufen bietet die Künstlersozialkasse (KSK) Zugang zur gesetzlichen Rentenversicherung – zu halbierten Beiträgen, da der Auftraggeber die andere Hälfte übernimmt. Wer nicht KSK-pflichtversichert ist, sollte ein Großevent-Honorar als Anlass nehmen, private Rentenversicherung, ETF-Sparplan oder Basisrente aufzustocken.

3. Rücklagen vor Konsum Der häufigste Fehler: Das Honorar fließt in Urlaub, Neuanschaffungen oder Renovierungen – und drei Monate später fehlt Geld für Steuervorauszahlungen. Empfehlung: Mindestens 60 Prozent des verfügbaren Nettohonorars parken oder anlegen, bevor Konsumentscheidungen getroffen werden.

4. Betriebsausgaben in einkommensstarken Jahren vorziehen Freelancer können Betriebsausgaben steuermindernd absetzen: technisches Equipment, Fachliteratur, Weiterbildung, Homeoffice-Kosten, Fahrtkosten. In einem Jahr mit außergewöhnlich hohem Einkommen lohnt es sich, geplante Investitionen vorzuziehen – so sinkt der zu versteuernde Gewinn legal und messbar.

5. Liquiditätspuffer für die Zeit danach aufbauen Der WM-Breakfast-Club läuft sechs Wochen – dann endet der Großauftrag. Danach folgt möglicherweise eine ruhigere Phase. Freelancer sollten einen Liquiditätspuffer von mindestens drei bis sechs Monatsausgaben als eiserne Reserve halten, um Auftragslücken ohne Stress überbrücken zu können.

Warum TV-Freelancer besonders anfällig sind

Medienschaffende arbeiten häufig in einem Graubereich zwischen Anstellung und Selbstständigkeit: Sie erhalten Honorare, haben keine betriebliche Altersvorsorge und tragen das unternehmerische Risiko alleine. Gleichzeitig werden sie von der Öffentlichkeit als „Stars" wahrgenommen – was die eigene Wahrnehmung der finanziellen Verwundbarkeit verzerren kann.

Hinzu kommt ein steuerliches Spezifikum: Wer als Autor und Moderator tätig ist, kann unter die Freiberufler-Regelung fallen (kein Gewerbe, kein Gewerbesteuer), oder aber als Gewerbetreibender eingestuft werden. Der Unterschied ist relevant – und wird vom Finanzamt nicht immer einheitlich beurteilt. Ein Steuerberater mit Branchenerfahrung kann hier frühzeitig Klarheit schaffen.

Scheinselbstständigkeit: Das übersehene Risiko für TV-Freelancer

Ein weiteres Thema, das viele Medien-Freelancer unterschätzen: Scheinselbstständigkeit. Wer dauerhaft nur für einen Auftraggeber tätig ist, bestimmte Arbeitszeiten einhält und kein unternehmerisches Risiko trägt, kann vom Finanzamt oder der Deutschen Rentenversicherung als verdeckter Arbeitnehmer eingestuft werden. Die Folge: Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen über mehrere Jahre, oft mit Zinsen. Für TV-Freelancer, die ausschließlich für einen Sender tätig sind, besteht hier echtes Risiko.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Finanzberatung. Wenden Sie sich bei konkreten Fragen an einen Steuerberater oder Vermögensberater.

Planung jetzt zahlt sich morgen aus

Ob Micky Beisenherz mit einem spezialisierten Vermögensberater zusammenarbeitet, ist nicht bekannt. Was klar ist: Wer regelmäßig große, befristete Honoraraufträge bekommt, braucht eine strukturierte Finanzstrategie – keine Improvisation nach dem Motto „Mal sehen, was das Finanzamt sagt".

Mehr zur WM 2026 als wirtschaftlichem Ereignis und den finanziellen Aspekten für Fans und Beteiligte lesen Sie in unserem Beitrag WM 2026: Tickets, Kosten und Finanzplanung.

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