Stefan Schwab, langjähriger Kapitän von Rapid Wien und österreichischer Nationalfußballer, steht bei Holstein Kiel in der deutschen 2. Bundesliga kurz vor dem Vertragsende. Der 35-Jährige unterschrieb im Juni 2025 einen Einjahresvertrag — mit Option auf Verlängerung. Für viele österreichische Profis ist er ein Sinnbild einer Generation, die ihr Karrierefenster in mehreren Ländern genutzt hat. Und sein Fall wirft eine Frage auf, die jeden Profisportler früher oder später trifft: Was kommt nach dem Fußball — und wie sichert man sich finanziell ab?
Stefan Schwabs Karriere in Zahlen
Stefan Schwab, geboren am 27. April 1990, brachte es auf eine außergewöhnlich lange Profikarriere. Von 2014 bis 2020 war er das Herzstück des SK Rapid Wien — 241 Pflichtspiele, 51 Tore, vier Jahre als Kapitän. 2020 wechselte er zu PAOK Thessaloniki in Griechenland, wo er fünf Jahre verbrachte und mehrere Meistertitel feierte.
Im Juni 2025 folgte der nächste Schritt: Holstein Kiel in der deutschen 2. Bundesliga verpflichtete ihn ablösefrei aus Thessaloniki. Der Vertrag läuft bis Juni 2026 — mit der Möglichkeit zur Verlängerung. In der laufenden Saison kam Schwab auf sieben Einsätze, bisher ohne Torerfolg.
Noch kein Rücktritt in Sicht — aber mit 35 Jahren ist jeder Profi gezwungen, in die Zukunft zu denken. Und das bedeutet vor allem: Finanzplanung.
Warum das Karrierefenster für Profis so kurz ist
Profifußballer verdienen gut — aber das Fenster ist schmal. Während die meisten Berufstätigen 40 Jahre lang Einkommen aufbauen, haben Fußballer in der Regel 12 bis 15 Jahre auf Spitzenniveau. Was in dieser Zeit verdient wird, muss für die nächsten 50 bis 60 Lebensjahre reichen.
Studien aus dem Vereinigten Königreich zeigen, dass ein beträchtlicher Teil professioneller Fußballer fünf Jahre nach dem Karriereende in finanziellen Schwierigkeiten steckt — trotz teils erheblicher Jahresgehälter. Die Gründe: zu wenig gespart, falsch investiert, oder Einkommensschocks nach dem Karriereende nicht aufgefangen.
Für österreichische Profis kommt eine besondere Herausforderung hinzu: Wer wie Stefan Schwab in Österreich aufgewachsen ist, dann in Griechenland gespielt hat und nun in Deutschland verdient, hat Rentenansprüche aus mehreren Systemen — und muss diese bei der Planung berücksichtigen.
Internationales Sozialversicherungsrecht: Was Schwab beachten muss
Wer in mehreren EU-Ländern gearbeitet hat, sammelt Rentenansprüche in jedem dieser Länder getrennt. Das gilt auch für Profifußballer.
In Österreich ist die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zuständig; in Deutschland die Deutsche Rentenversicherung; in Griechenland das EFKA (Ηλεκτρονικός Εθνικός Φορέας Κοινωνικής Ασφάλισης). Dank EU-Koordinierungsverordnung Nr. 883/2004 werden die Versicherungszeiten zusammengerechnet, um Mindestansprüche zu erfüllen — aber jedes Land zahlt nur anteilig für die dort geleisteten Beitragsjahre.
Das bedeutet: Schwab erhält künftig eine österreichische Pension für seine Rapid-Zeit, eine deutsche Rente für seine Kiel-Monate und eine griechische Pension für seine PAOK-Jahre. Wie viel das in Summe ergibt und ob die Ansprüche ausreichen, hängt von der Dauer und Höhe der Beitragszahlungen ab.
Die Arbeiterkammer Österreich bietet kostenlose Beratung zu Fragen der internationalen Sozialversicherung — ein erster Anlaufpunkt für Profisportler, die ihre Rentenansprüche im Blick behalten wollen.
Vermögensaufbau während der aktiven Karriere
Das wirksamste Mittel gegen finanzielle Unsicherheit nach dem Karriereende ist frühzeitiger Vermögensaufbau. Für Profi-Fußballer auf Schwabs Niveau bedeutet das konkret:
Immobilien: Wohnimmobilien in guten Lagen — bevorzugt in Österreich oder Deutschland — gelten als stabile Wertspeicher. Mieteinnahmen bieten laufendes Einkommen nach dem Karriereende. Wichtig: Bei internationalen Spielern müssen Mieteinnahmen im Wohnsitzland versteuert werden, ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) verhindert die doppelte Belastung.
Kapitalmarktanlagen: Ein gut diversifiziertes Depot aus ETFs und Anleihen bietet langfristig Inflationsschutz. Da Profi-Fußballer hohe Einkommensschübe in kurzer Zeit haben, eignen sich systematische Sparpläne während der Hochverdienstphase besonders gut.
Eigene GmbH oder Unternehmerstruktur: Viele Topspieler wickeln Bildrechte, Sponsoring und Nebeneinnahmen über eine eigene GmbH ab. Das kann die Steuerlast optimieren — erfordert aber laufende Beratung durch einen Steuerberater.
Wie ähnliche Karriereplanungsfragen für österreichische Trainer aussehen, zeigt der Fall von Matthias Jaissle und dem möglichen Wolfsburg-Wechsel — auch dort stehen Vertragsrecht und Finanzplanung im Vordergrund.
Was nach dem Karriereende kommen kann
Stefan Schwab hat mit 35 noch Zeit — aber die Frage nach dem „Danach" stellt sich jetzt. Für viele Ex-Profis bieten sich Wege als Trainer, Sportdirektor, Vereinsbotschafter oder Unternehmer an. Alle diese Wege haben unterschiedliche steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen.
Wer als selbstständiger Trainer oder Berater tätig wird, zahlt in Österreich in die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) ein — mit anderen Beitragssätzen als ein unselbstständig Beschäftigter. Wer in eine Unternehmenstätigkeit wechselt, muss unter Umständen eine bestehende Pension aus dem Sportleben pausieren oder koordinieren.
Ein detaillierter Vergleich von Karrierewegen und deren finanziellen Konsequenzen findet sich auch im Kontext des Robert-Klauß-Comebacks bei Rapid Wien — ein Beispiel dafür, wie Profi-Trainer mit Karrierewechseln umgehen.
Steuerliche Fallstricke beim Karriereende
Das Karriereende bringt steuerlich oft Überraschungen. Wer während der aktiven Zeit hohe Einkünfte hatte, rutschte in die höchste Einkommensteuerklasse — nach dem Karriereende sinkt das Einkommen abrupt. In Österreich können Verluste aus Investitionen (z. B. bei einem schlechten Immobiliendeal) mit früheren Gewinnen verrechnet werden, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Besonders heikel: Wenn ein Profi nach dem Ende seines letzten Vertrags keine laufenden Sozialversicherungsbeiträge mehr einzahlt, verliert er unter Umständen seine Krankenversicherungsdeckung. Eine freiwillige Weiterversicherung oder eine private Absicherung muss dann explizit abgeschlossen werden — etwas, das im Stress des Karriereendes leicht vergessen wird.
Wer bei einem ausländischen Klub beschäftigt war, muss zudem prüfen, ob und in welchem Umfang er in Österreich steuerpflichtig bleibt — abhängig davon, wo der Lebensmittelpunkt liegt. Ein Steuerberater mit internationaler Expertise ist hier keine Option, sondern Pflicht.
Expert Zoom: Ihr Ansprechpartner für Sportler-Finanzplanung
Ob aktiver Profi oder kurz vor dem Karriereende — eine strukturierte Vermögensberatung ist für Sportler mit internationaler Karriere unerlässlich. Die Themen sind komplex: internationale Rentenansprüche, Doppelbesteuerungsabkommen, Immobilienstrukturierung, Kapitalmarktanlagen, Unternehmertum nach dem Sport.
Auf Expert Zoom finden Sie österreichische Vermögensberater mit Erfahrung im Profisport — für eine erste vertrauliche Einschätzung Ihrer Situation.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Finanzberatung. Für konkrete Fragen wenden Sie sich an einen qualifizierten Vermögensberater oder Steuerberater.

Markus Weber