Rowli stirbt mit 23: Warum junge Erwachsene auf ihren Herzrhythmus achten sollten

Junger Mann beim kardiologischen Check-up in einer Wiener Klinik
Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 25. April 2026

Der Musiker Rowli (bürgerlicher Name: Liron Dorow) ist am 11. April 2026 im Alter von nur 23 Jahren gestorben. Die genaue Todesursache wurde bis heute nicht veröffentlicht — seine Familie bat um Respektierung ihrer Privatsphäre. Der Tod des jungen Indie-Sängers aus Düren, der gerade noch eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz geplant hatte, wirft eine Frage auf, die viele lieber verdrängen: Warum sterben manche junge Menschen plötzlich und unerwartet — und wann sollte man selbst den eigenen Herzrhythmus überprüfen lassen?

Was über den Tod des Musikers bekannt ist

Rowli hatte sich in der deutschsprachigen Indie-Szene mit emotionalen, autobiografischen Songs einen Namen gemacht. Auf TikTok erreichte er eine große, junge Fangemeinde. Am 19. März 2026 — wenige Wochen vor seinem Tod — erschien seine EP „Eigentlich schön". Für den Herbst 2026 war eine große Tournee geplant, die Wien als einen der Stationen vorsah. Mit 23 Jahren. Alles schien vor ihm zu liegen.

Über die Umstände seines Todes ist bis heute nichts Offizielles bekannt. Spekulationen verbieten sich. Was bleibt, ist das Schockgefühl vieler Gleichaltriger, die sich gefragt haben: Könnte so etwas auch mich treffen?

Plötzlicher Tod im jungen Alter: Was die Zahlen sagen

Laut Statistik Austria sind bei 10- bis 40-Jährigen Krebs, Suizide und Unfälle die häufigsten Todesursachen. Plötzlicher Herztod ist in dieser Altersgruppe selten — aber er kommt vor. Österreichweit erleiden jährlich rund 12.000 bis 15.000 Menschen einen plötzlichen Herztod, was etwa 17 Prozent aller Todesfälle entspricht. Ein plötzlicher Herztod gilt als unerwartet, wenn er innerhalb einer Stunde nach Einsetzen akuter Herzreaktionen eintritt — häufig ohne jede Vorwarnung.

Das Erschreckende: Ein Teil dieser Todesfälle betrifft scheinbar gesunde junge Menschen. Nicht weil sie unachtsam waren, sondern weil eine zugrundeliegende Herzerkrankung nie diagnostiziert worden war.

Welche Herzerkrankungen junge Erwachsene bedrohen können

Mehrere Herzerkrankungen verlaufen über Jahre symptomlos und werden erst in einer Notfallsituation entdeckt. Die häufigsten Ursachen für plötzlichen Herztod bei unter 35-Jährigen sind:

Hypertrophische Kardiomyopathie (HCM): Eine Verdickung des Herzmuskels, die in Österreich statistisch etwa eine von 500 Personen betrifft. HCM ist die häufigste Einzelursache für plötzlichen Herztod bei jungen Sportlerinnen und Sportlern. Betroffene berichten manchmal von Herzrasen oder kurzem Schwindel beim Sport — oder gar von nichts.

Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW): Eine angeborene, zusätzliche elektrische Leitungsbahn im Herz. Bei Belastung kann sie zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. WPW ist im Ruhe-EKG gut erkennbar — wenn man es macht.

Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Häufig eine Folge viraler Infekte. Wer nach einer Erkältung oder grippalen Infektion unter Brustschmerzen, ungewöhnlicher Erschöpfung oder Herzrasen leidet, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sportlichen Belastungen geht man dabei besser aus dem Weg, bis ein Arzt grünes Licht gibt.

Long-QT-Syndrom (LQTS): Eine erblich bedingte Störung, bei der das Herz nach jedem Schlag zu lange braucht, um sich elektrisch zu erholen. Bei körperlicher oder emotionaler Belastung — aber manchmal sogar im Schlaf — kann es zu lebensbedrohlichem Kammerflimmern kommen.

Brugada-Syndrom: Eine seltene, genetisch bedingte Herzrhythmusstörung, die bevorzugt junge Männer betrifft und im Schlaf zu plötzlichem Herzstillstand führen kann. Sie bleibt im Standard-EKG oft verborgen.

Diese Erkrankungen haben eines gemeinsam: Sie sind mit einfachen kardiologischen Untersuchungen feststellbar.

Wann sollten junge Menschen zum Kardiologen?

In Österreich ist die Gesundenuntersuchung ab 18 Jahren kostenlos und beinhaltet unter anderem ein Ruhe-EKG. Viele Junge nehmen dieses Angebot nicht wahr. Das ist ein Fehler — besonders bei folgenden Warnsignalen:

  • Herzrasen oder Herzstolpern — besonders bei oder nach körperlicher Belastung
  • Schwindel oder kurze Ohnmacht beim Sport, nach dem Aufstehen oder in Stresssituationen
  • Brustschmerzen oder Druckgefühl im Brustbereich ohne klare Ursache
  • Familiengeschichte: Gab es in der Familie plötzliche Todesfälle vor dem 50. Lebensjahr?
  • Intensive Sportaktivität: Leistungssportler und Fitnessenthusiasten sollten sich jährlich einer Sporttauglichkeitsuntersuchung unterziehen

Ein Kardiologe kann neben dem Ruhe-EKG auch ein Belastungs-EKG sowie eine Echokardiografie (Herzultraschall) durchführen. Diese Untersuchungen dauern zusammen weniger als eine Stunde, sind in Österreich bei Verdacht vollständig über die Krankenkasse abrechenbar — und können im Zweifel das Leben retten.

Was man von Rowlis Tod mitnehmen kann

Niemand weiß, woran Rowli gestorben ist, und es wäre falsch zu spekulieren. Aber sein plötzlicher Tod mit 23 Jahren erinnert uns daran: Auch jung zu sein bedeutet nicht, unverwundbar zu sein. Der eigene Körper sendet manchmal Signale, die man als Stress, Erschöpfung oder schlechten Tag abtut — Herzrasen nach dem Kaffee, kurzes Schwarzwerden beim Aufstehen, Brustdruck nach dem Training.

Diese Signale verdienen Aufmerksamkeit. Nicht weil man sofort mit dem Schlimmsten rechnen muss, sondern weil frühzeitige Abklärung beruhigt — oder im besten Fall das Leben verlängert.

Wer unsicher ist, beginnt am besten mit dem Hausarzt. Dieser kann erste Untersuchungen durchführen und bei Bedarf an einen Kardiologen überweisen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei akuten Herzproblemen, Brustschmerzen oder Ohnmacht rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 144 an.

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