Die französisch-marokkanische Schauspielerin Nadia Farès ist am 17. April 2026 mit nur 57 Jahren gestorben – nach einem Herzstillstand, der sie beim Schwimmen in einem Pariser Sportbad ereilte. Der tragische Tod der Filmikone wirft eine Frage auf, die Millionen Österreicher betrifft: Wie sicher ist Sport für Menschen mit unentdeckten oder bekannten Herzproblemen?
Was beim Herzstillstand im Wasser geschah
Am 11. April 2026 wurde Nadia Farès bewusstlos in einem Schwimmbad im 9. Pariser Arrondissement gefunden. Mitbadende retteten sie aus dem Wasser, bevor sie ins Pitié-Salpêtrière Krankenhaus gebracht wurde – wo sie eine Woche lang im künstlichen Koma lag, bevor sie am 17. April 2026 verstarb.
Laut Berichten von AFP und internationalen Medien hatte Farès in den Monaten vor ihrem Tod selbst offen über drei Herzoperationen gesprochen sowie über eine Gehirnoperation 2007 wegen eines Aneurysmas. Diese schwerwiegenden Vorerkrankungen dürften zum fatalen Herzstillstand beigetragen haben.
Herzstillstand beim Sport ist seltener als viele denken – aber tückisch und oft ohne Vorwarnung. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin sterben in Österreich jährlich rund 8.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Ein erheblicher Anteil davon trifft Menschen unter 65 Jahren bei oder nach körperlicher Aktivität – oft beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen.
Warum Sport das Herz gleichzeitig schützt und belastet
Regelmäßige Bewegung ist nachweislich herzschützend – das ist keine Frage. Doch für Menschen mit unbekannten oder bekannten Herzerkrankungen kann intensive körperliche Belastung zum gefährlichen Auslöser werden.
Beim Schwimmen kommen besondere physiologische Faktoren dazu:
- Temperaturschwankungen: Der Übergang von warmem Körper in kühleres Wasser kann Herzrhythmusstörungen auslösen
- Vagusnerv-Aktivierung: Kaltes Wasser und Tauchen stimulieren den Vagusnerv, was zu Herzfrequenzabfällen führen kann
- Verzögerter Notruf: Im Wasser dauert es länger, bis Hilfe eintrifft und eine Reanimation eingeleitet werden kann
- Erhöhte Herzarbeit durch Wasserwiderstand: Das Herz pumpt beim Schwimmen gegen erhöhten venösen Rückfluss
Gerade Menschen über 40, die nach einer längeren Pause wieder Sport beginnen, oder solche mit bekannten Vorerkrankungen – Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzklappenfehler, oder familiärer Herzerkrankung – tragen ein erhöhtes Risiko, das sie oft selbst nicht kennen oder unterschätzen.
Die gefährliche Lücke: Herzprobleme ohne Symptome
Das Heimtückische an vielen Herzerkrankungen ist ihr langes Schweigen. Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung Österreichs, bleibt nach Schätzungen bei bis zu einem Drittel der Betroffenen lange unentdeckt – weil es kaum spürbare Beschwerden verursacht.
Ähnlich verhält es sich mit der hypertrophischen Kardiomyopathie, einer Verdickung des Herzmuskels, die bei jungen Sportlern für unerwartete Todesfälle bekannt ist. Auch die koronare Herzerkrankung manifestiert sich oft erst im akuten Herzinfarkt, ohne vorherige klare Warnsignale.
Warnsignale, die zu oft ignoriert werden:
- Herzrasen oder -stolpern beim Sport oder in Ruhe
- Atemnot, die über normale Erschöpfung hinausgeht
- Schwindel oder kurze Ohnmachten bei Belastung
- Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust, im Arm oder im Kiefer
Wer solche Symptome kennt und trotzdem ohne ärztliche Abklärung weitersportelt, unterschätzt das Risiko – gerade beim Schwimmen, wo das Herz unter besonderen Bedingungen arbeitet.
Wer ein Sportherz-Screening in Österreich braucht
In Österreich ist eine sportärztliche Untersuchung für Leistungssportler obligatorisch. Für Freizeitsportler hingegen gibt es keine Pflicht – obwohl gerade diese Gruppe oft das höchste Risiko trägt: Sie haben jahrelange Sportpausen hinter sich und beginnen plötzlich wieder intensiv zu trainieren, manchmal aus Motivation durch Neujahrsvorsätze, Gesundheitsziele oder eben sportliche Vorbilder.
Mediziner empfehlen eine kardiologische Abklärung vor dem Wiedereinstieg in den Sport für:
- Personen über 40 nach längerer Sportpause (mehr als 6 Monate)
- Alle mit bekannten Herzerkrankungen oder familiärer Vorbelastung (Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr bei Verwandten ersten Grades)
- Personen mit Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Übergewicht
- Alle, die intensive Sportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radsport aufnehmen möchten
- Personen nach einer COVID-19-Erkrankung, da Long-COVID auch das Herz betreffen kann
Ein Basis-Herzcheck umfasst EKG in Ruhe und unter Belastung (Ergometrie) sowie eine Blutdruckmessung. Bei Risikopatienten ergänzt ein Echokardiogramm das Bild und kann strukturelle Herzprobleme sichtbar machen, bevor sie zum Problem werden.
Was ein Sportarzt oder Kardiologe leisten kann
Ein Sportmediziner oder Kardiologe bewertet in einer Untersuchung, ob jemand in seiner aktuellen gesundheitlichen Verfassung sicher Sport treiben kann – und wenn ja, mit welcher Intensität, welchen Pulsgrenzen und welchen Sportarten. Das ist kein bürokratischer Umweg, sondern eine fundierte medizinische Einschätzung, die Leben retten kann.
Für Österreicher, die unsicher sind, ob ihr Herz bereit für ihre sportlichen Ambitionen ist, ist die Konsultation eines Facharztes keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme – sie ist schlicht Vernunft. Auf Expert Zoom finden Sie qualifizierte Ärzte und Sportmediziner in Österreich, die Ihre Herzgesundheit einschätzen und Ihnen helfen, sicher und aktiv zu bleiben.
Was der Tod von Nadia Farès uns erinnern sollte
Nadia Farès war eine aktive, lebensfrohe Frau, die Sport liebte – und sie wusste von ihren schwerwiegenden Herzproblemen aus eigenen Aussagen. Der tödliche Herzstillstand beim Schwimmen traf sie dennoch.
Ihr Tod ist keine Warnung, auf Sport zu verzichten. Er ist eine dringende Aufforderung, Sport mit Bedacht zu betreiben: mit ärztlicher Einschätzung der eigenen Belastbarkeit, mit Kenntnis der persönlichen Risikofaktoren – und mit dem Wissen, dass ein unentdecktes Herzproblem kein Schicksal sein muss, wenn es rechtzeitig erkannt wird.
Der plötzliche Herztod ist in vielen Fällen vermeidbar. Das gilt auch in Österreich. Der erste Schritt ist, einen Arzt zu fragen – bevor man ins Wasser springt.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Herzproblemen oder Fragen zur sportlichen Belastbarkeit wenden Sie sich umgehend an einen Facharzt oder Ihren Hausarzt.
