Was ORF ON über Sie speichert — und warum das jeden Österreicher betrifft
Seit Anfang 2024 streamt Österreich über ORF ON: Die Plattform hat die alte ORF-TVthek abgelöst und bietet Live-Streams aller ORF-Sender, ein großes On-Demand-Archiv und exklusive Online-First-Inhalte. Millionen Österreicherinnen und Österreicher nutzen die App täglich — doch wissen die wenigsten, welche persönlichen Daten ORF ON dabei erfasst, wie lange diese gespeichert werden und wer Zugang dazu hat.
Die Antwort ist unbequem: Laut der Datenschutz-NGO noyb, die Beschwerden gegen acht Streaming-Plattformen einreichte, weigern sich viele Anbieter, Nutzer:innen klar zu erklären, wofür ihre Daten tatsächlich verwendet werden. "Man bekommt eine lange Liste an Daten, aber nicht die Information, wofür jeder einzelne Datenpunkt tatsächlich genutzt wird — das ist aber genau die interessante Information", sagte noyb-Gründer Max Schrems.
Welche Daten sammelt ORF ON?
ORF ON verarbeitet personenbezogene Daten gemäß der Datenschutzerklärung des ORF.at-Netzwerks. Dazu zählen typischerweise:
- Technische Daten: IP-Adresse, Geräteinformationen, Browser-Typ, Betriebssystem
- Nutzungsverhalten: Welche Inhalte Sie wann, wie lange und wie oft ansehen
- Account-Daten: Bei registrierten Nutzer:innen Name, E-Mail-Adresse und Geburtsdatum
- Standortdaten: Für geografisches Geoblocking — ORF ON ist auf Österreich beschränkt
- Interaktionsdaten: Suchanfragen innerhalb der App, Merklisten, Sehgewohnheiten
Die Datenschutzerklärung des ORF hält fest, dass personenbezogene Daten "ausschließlich für gesetzlich erlaubte Zwecke und im gesetzlich definierten Umfang" erhoben und verarbeitet werden. Was genau das bedeutet, bleibt für viele Nutzer:innen jedoch unklar.
Was sagt die DSGVO?
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt für alle Streaming-Plattformen in Österreich — auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Als Nutzer:in haben Sie folgende Rechte:
Auskunftsrecht (Art. 15 DSGVO): Sie können jederzeit eine vollständige Auflistung aller über Sie gespeicherten Daten verlangen — inklusive Herkunft, Empfänger und Verwendungszweck.
Recht auf Löschung (Art. 17 DSGVO): Das sogenannte "Recht auf Vergessenwerden" erlaubt Ihnen, die Löschung Ihrer Daten zu beantragen, sofern kein überwiegendes berechtigtes Interesse des Anbieters besteht.
Widerspruchsrecht (Art. 21 DSGVO): Gegen die Verarbeitung Ihrer Daten für Direktmarketing oder Profilbildung können Sie jederzeit Widerspruch einlegen.
Schadenersatzanspruch (Art. 82 DSGVO): Bei nachgewiesenen Datenschutzverstößen haben Sie Anspruch auf Ersatz materieller und immaterieller Schäden.
Beschwerderecht: Bei Verstößen können Sie sich an die österreichische Datenschutzbehörde (DSB) wenden — die zuständige Aufsichtsbehörde in Österreich.
Das Problem: Theorie versus Praxis
Das Auskunftsrecht klingt gut — in der Praxis stoßen viele Nutzer:innen auf erhebliche Hürden. noyb testete die Auskunftsprozesse von acht großen Streaming-Anbietern: Plattformen wie Soundcloud und DAZN lieferten schlicht überhaupt keine Informationen. Sechs weitere sandten Rohdaten in "kryptischen Formaten" — ohne jeden Kontext darüber, wofür die Daten eigentlich genutzt werden. Einzig die österreichische Plattform Flimmit bearbeitete Anfragen manuell mit detaillierten Erklärungen.
Das Problem liegt oft in automatisierten Systemen, die laut Schrems "by design eigentlich nicht rechtskonform sein können". Diese Systeme sind darauf ausgelegt, den tatsächlichen Informationszugang zu erschweren — was einen Verstoß gegen Art. 12 DSGVO darstellen kann.
Wer sein Auskunftsrecht ernstlich durchsetzen will, braucht Geduld — und manchmal rechtliche Unterstützung durch einen IT-Rechtsexperten.
So stellen Sie eine DSGVO-Auskunftsanfrage bei ORF ON
- Schriftlich anfragen: Senden Sie eine E-Mail an die Datenschutzbeauftragten des ORF (Kontakt über die Datenschutzseite auf orf.at)
- Identität nachweisen: Legen Sie eine Kopie eines Lichtbildausweises bei — damit Ihre Anfrage eindeutig zugeordnet werden kann
- Konkret formulieren: Beantragen Sie explizit Auskunft gemäß Art. 15 DSGVO — inklusive Zweck, Kategorien, Empfänger und Speicherdauer
- Fristen kennen: ORF ON muss innerhalb von einem Monat antworten; bei komplexen Anfragen sind zwei weitere Monate möglich, jedoch nur mit Begründung
- Bei Ablehnung: DSB einschalten: Bleibt die Auskunft aus oder ist unvollständig, kann Beschwerde bei der österreichischen Datenschutzbehörde eingebracht werden
Mehr über Ihre Rechte als Nutzer:in von Streaming-Diensten erfahren Sie auch in unserem Beitrag über ORF-Gehaltsbericht 2026 und Datenschutz für Arbeitnehmer.
Datensparsamkeit als Alternative
Wer grundsätzlich weniger Daten hinterlassen möchte, kann ORF ON auch ohne Registrierung nutzen — allerdings mit eingeschränkten Funktionen. Ohne Login sind keine personalisierten Merklisten, keine Sehhistorie und kein Zugang zu manchen exklusiven Inhalten möglich.
Gemäß dem Prinzip der Datensparsamkeit (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) darf ORF ON ohnehin nur so viele Daten erheben, wie für den Dienst tatsächlich notwendig sind. Ob das in der Praxis der Fall ist, lässt sich am verlässlichsten durch eine DSGVO-Auskunftsanfrage prüfen.
Wann lohnt sich Beratung durch einen IT-Experten?
Wenn ORF ON oder ein anderer Streaming-Anbieter auf Ihre DSGVO-Anfrage nicht reagiert, unvollständig antwortet oder eine Datenlöschung verweigert, haben Sie konkrete Rechtsmittel. Ein IT-Rechtsexperte kann Ihnen helfen:
- Die Auskunftsanfrage rechtssicher zu formulieren
- Eine Beschwerde bei der Datenschutzbehörde einzubringen
- Schadenersatz nach Art. 82 DSGVO bei nachgewiesenen Verstößen durchzusetzen
- Widersprüche gegen automatisierte Entscheidungen oder Profilbildung einzulegen
Gerade bei Streaming-Plattformen, die das Nutzerverhalten für personalisierte Empfehlungen auswerten, ist eine professionelle Einschätzung oft der effizienteste Weg, um die eigenen Datenrechte tatsächlich durchzusetzen.
Auf ExpertZoom finden Sie IT-Fachleute und Datenschutzrechtsexperten in ganz Österreich, die sich auf genau solche Fälle spezialisiert haben.
Fazit: Ihre Daten, Ihre Rechte
ORF ON ist Österreichs meistgenutzte heimische Streaming-Plattform. Dass sie personenbezogene Daten verarbeitet, ist unvermeidlich — und rechtlich zulässig, sofern die Spielregeln der DSGVO eingehalten werden. Die Erfahrungen mit anderen Plattformen zeigen jedoch: Nutzer:innen müssen aktiv sein, um ihre Rechte tatsächlich zu erhalten.
Wer unsicher ist, ob ORF ON die Datenschutzanforderungen korrekt erfüllt, oder wer auf eine unbefriedigende Antwort gestoßen ist, sollte sich nicht mit einem Rohexport aus einer Datenbank abspeisen lassen. Die österreichische Datenschutzbehörde stellt alle relevanten Informationen zu Ihren DSGVO-Rechten kostenfrei bereit — und ExpertZoom verbindet Sie mit den richtigen Fachleuten, wenn Sie Unterstützung brauchen.
