Österreichs Ski-Legende Marcel Hirscher hat geheiratet – und kaum jemand hat es mitbekommen. Die Hochzeit des achtfachen Gesamtweltcup-Siegers fand in kleinstem Rahmen statt: im eigenen Wohnzimmer, nur mit der engsten Familie. Der Kontrast zur öffentlichen Inszenierung mancher Promi-Hochzeiten könnte kaum größer sein. Der Fall Hirscher wirft eine wichtige Frage auf, die viele gut verdienende Paare in Österreich verdrängen: Brauche ich einen Ehevertrag?
Hirschers stille Hochzeit: Was bisher bekannt ist
Der 37-jährige Skistar, der mit dem niederländischen Team unter dem Namen „van Ahnen" auf Comeback-Kurs war, gab seiner langjährigen Partnerin laut Medienberichten das Jawort im eigenen Wohnzimmer. Nur engste Familienmitglieder waren anwesend. Öffentlich wurde die Hochzeit erst durch einen Bericht der österreichischen Krone im September 2025 – Monate nach der Zeremonie.
In einem aktuellen ServusTV-Interview vom April 2026 zeigte sich Hirscher nachdenklich: „Schön langsam rennt die Zeit massiv", sagte er mit Blick auf sein Comeback-Vorhaben. Seit Dezember 2024 kämpft er mit einer Kreuzbandverletzung am linken Knie, seit Februar 2026 steht er gar nicht mehr auf Skiern. Sein Comeback zu Olympia 2026 hat er offiziell abgesagt.
Was auffällt: Über seine Ehe und finanzielle Absicherung ist so gut wie nichts bekannt. Genau das ist – aus juristischer Sicht – eine bewusste oder unbewusste Entscheidung.
Wie das österreichische Eherecht bei Vermögen funktioniert
In Österreich gilt nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB, §§ 1217 ff.) ohne besondere Vereinbarung das Prinzip der Errungenschaftsgemeinschaft: Im Scheidungsfall wird jenes Vermögen aufgeteilt, das die Eheleute während der Ehe gemeinsam angehäuft haben. Vorehe-Vermögen, Erbschaften und Schenkungen bleiben in der Regel ausgenommen.
Das klingt übersichtlich – ist es aber nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn:
- Eine Person mit erheblichem Vorehe-Vermögen heiratet (z. B. Sportpreisgelder, Unternehmensbeteiligungen)
- Sponsoring-Einnahmen und Lizenzen eine Rolle spielen (z. B. Hirschers Van-Deer-Skibrand)
- Immobilien gemeinsam erworben werden, die ursprüngliche Einlagen aber unterschiedlich groß waren
Ohne klare vertragliche Regelung können im Ernstfall komplizierte Auseinandersetzungen entstehen.
Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll?
Ein Ehevertrag (Ehepakt) ist in Österreich kein Misstrauensvotum gegenüber dem Partner – sondern ein nüchternes Instrument zur Klarheit. Er kann im Notariat oder per anwaltlichem Beistand aufgesetzt werden.
Besonders empfehlenswert ist er in folgenden Situationen:
1. Hohe Vorehe-Vermögenswerte Sportler, Unternehmer oder Erben, die mit erheblichem Kapital in eine Ehe eintreten, können vertraglich festhalten, dass dieses Vermögen bei einer Scheidung nicht in den Aufteilungsstock fällt.
2. Eigene Unternehmung oder Marke Wer – wie Hirscher mit Van Deer – eine eigene Marke oder ein Unternehmen aufgebaut hat, schützt per Ehevertrag die Unternehmensanteile vor einer möglichen Zerschlagung im Zuge einer Scheidung.
3. Ungleiche Einkommensverhältnisse Paare, bei denen ein Partner deutlich mehr verdient, können über den Ehevertrag klarere Versorgungsansprüche und Unterhaltsgrenzen festlegen – zum Schutz beider Seiten.
4. Immobilien aus Erbschaft oder eigenem Erwerb Wer eine geerbte Liegenschaft in die Ehe mitbringt, sollte vertraglich sicherstellen, dass sie im Scheidungsfall eindeutig zugeordnet bleibt.
Was der Ehevertrag nicht kann
Ein Ehevertrag regelt Vermögensfragen – keine Kindesunterhaltspflichten. Der Unterhalt von Kindern ist in Österreich unabhängig von Ehevertragsklauseln gesetzlich geregelt und kann nicht wegverhandelt werden.
Auch der gesetzliche Mindestunterhalt des schwächeren Partners kann durch einen Ehevertrag nur begrenzt abgeändert werden. Was vertraglich möglich ist, hängt stark vom Einzelfall ab – eine pauschale Vorlage gibt es nicht.
Was das Beispiel Hirscher lehrt: Vermögen braucht eine Strategie
Hirscher hat über seine Karriere hinaus etwas aufgebaut, das auch ohne aktive Rennen weiterbesteht: eine Skimarke, internationale Sponsoring-Verträge, ein Vermögen, das auf jahrelangen Topleistungen beruht. Für solche Fälle ist ein klarer rechtlicher Rahmen keine Nebensache.
Über die Scheidungsquoten in Österreich lässt sich Statistisches sagen: Etwa 40 Prozent aller Ehen werden geschieden – laut Statistik Austria. Die Mehrheit davon einvernehmlich. Selbst bei einvernehmlichen Scheidungen entstehen Auseinandersetzungen über Vermögens- und Unterhaltsregelungen, wenn vorher keine Vereinbarung getroffen wurde.
Ein weiterer Aspekt, der oft vergessen wird: der Todfall. Ein Ehevertrag kann auch Erbschaftsregelungen einschließen und so sicherstellen, dass im Todesfall klar ist, was der Ehegatte erhält – und was etwa Kinder aus früheren Beziehungen.
Welche Fehler Paare beim Ehevertrag häufig machen
Der häufigste Fehler: zu lange warten. Viele Paare schieben das Thema auf – weil es unangenehm ist, weil man dem anderen nicht misstraut, weil es „noch früh genug" ist. In der Praxis heißt das: Der Ehevertrag wird nie gemacht.
Ein zweiter häufiger Fehler: Standardverträge aus dem Internet verwenden. Ein Ehevertrag ist ein individuelles Rechtsdokument. Was für ein Paar ohne Kinder und mit ähnlichem Einkommen passt, ist für ein Paar mit Unternehmensanteilen, Immobilien und einem selbstständigen Partner komplett ungeeignet.
Dritter Fehler: nur an die Scheidung denken, nicht an den Todesfall. Ein guter Ehevertrag regelt beides – Vermögen bei Trennung und Nachlass im Todesfall. Wer das koppelt, hat ein vollständiges Absicherungskonzept.
Wann und wie einen Rechtsanwalt einschalten?
Idealerweise vor der Heirat – aber auch danach ist es möglich, eine Gütergemeinschaft oder andere Regelungen nachträglich vertraglich zu vereinbaren. In Österreich muss ein Ehevertrag notariell beglaubigt werden, damit er rechtsgültig ist.
Ein erfahrener Familienrechtsanwalt analysiert die individuelle Situation, erklärt Risiken und entwirft eine maßgeschneiderte Lösung. Das kostet weniger, als viele glauben – und deutlich weniger als ein ungeregelter Scheidungsprozess.
Für Paare, die sich über ihren rechtlichen Status nach einer Trennung informieren möchten, gibt es auf ExpertZoom auch Artikel wie diesen über einen anderen prominenten Scheidungsfall: Kevin Costner und die 63.000-Euro-Frage: Was österreichische Paare über Ehevertrag und Vermögen wissen müssen.
Auf ExpertZoom finden Sie Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Familienrecht und Erbrecht in ganz Österreich. Eine erste Beratung klärt, ob und welche Regelungen für Ihre Situation sinnvoll sind.
Wie Hirscher mit seinem Vermögen und seinen Unternehmensanteilen konkret verfahren ist, bleibt – wie seine gesamte Hochzeit – diskret. Genau das sollten gut verdienende Paare als Inspiration nehmen: Nicht die Hochzeitsparty sollte öffentlichkeitswirksam sein, sondern die Absicherung dahinter.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für konkrete Ehevertrags- oder Erbschaftsfragen sollten Sie stets einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Notar konsultieren.
