Österreichischer Rechtsanwalt für Familienrecht berät Ehepaar in Wiener Kanzlei

Kevin Costner und die 63.000-Euro-Frage: Was österreichisches Scheidungsrecht über Vermögensschutz lehrt

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 21. März 2026

Hollywood-Legende Kevin Costner ist im März 2026 wieder in aller Munde: Mit seiner neuen Prime-Video-Serie „The Gray House" (Premiere: 26. Februar 2026) feiert der 71-Jährige ein beeindruckendes Comeback. Doch nicht nur seine achtteilige Western-Serie sorgt für Schlagzeilen – auch seine 2024 abgeschlossene Scheidung von Christine Baumgartner bleibt ein vieldiskutiertes Thema. Sie erhielt 63.000 Euro monatlichen Unterhalt, weit unter ihrer Forderung von 228.000 Euro. Der Grund für die vergleichsweise glimpfliche Vermögensregelung: ein gut ausgehandelter Ehevertrag.

Kevin Costners Scheidung: Wie ein Ehevertrag Millionen schützte

Kevin Costners geschätztes Vermögen liegt zwischen 250 und 400 Millionen Euro. Trotz dieser enormen Summe blieb die finanzielle Belastung durch die Scheidung überschaubar. Christine Baumgartner forderte ursprünglich 228.000 Euro monatlichen Unterhalt, erhielt am Ende aber „nur" 63.000 Euro – eine deutliche Differenz, die auf bestehende eheliche Vereinbarungen zurückzuführen ist.

Für vermögende Paare in Österreich ist dieser Fall ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig vorausschauende rechtliche Planung ist. Während in den USA prenuptial agreements (Eheverträge vor der Hochzeit) und postnuptial agreements (Verträge während der Ehe) üblich sind, nutzen auch in Österreich immer mehr Paare einen Ehevertrag, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Ein Rechtsanwalt für Familienrecht kann dabei helfen, individuelle Regelungen zu treffen, die beide Partner schützen – lange bevor eine Scheidung überhaupt im Raum steht. Die Frage ist nicht, ob man seinem Partner misstraut, sondern ob man vorausschauend handelt.

Österreichisches Scheidungsrecht: Was wird aufgeteilt?

Im Gegensatz zu manchen anderen Ländern gilt in Österreich standardmäßig die Gütertrennung. Das bedeutet: Grundsätzlich bleibt das Vermögen, das jeder Partner in die Ehe einbringt oder während der Ehe erwirbt, sein Eigentum. Doch es gibt wichtige Ausnahmen.

Bei einer Scheidung müssen zwei zentrale Vermögenskategorien aufgeteilt werden: das eheliche Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse. Zum ehelichen Gebrauchsvermögen zählen alle Gegenstände, die beide Partner während der Ehe gemeinsam genutzt haben – etwa die Wohnungseinrichtung, Haushaltsgeräte oder das gemeinsame Auto. Eheliche Ersparnisse sind all jene Vermögenswerte, die während der Ehe angespart wurden, unabhängig davon, wer sie formal besitzt.

Die Aufteilung erfolgt nach dem Prinzip der Billigkeit – also nicht zwingend fifty-fifty, sondern fair unter Berücksichtigung der individuellen Umstände. Wer hat wie viel zum gemeinsamen Haushalt beigetragen? Wer hat die Kinder betreut? Wer hat auf Karrierechancen verzichtet? All diese Faktoren fließen in die Bewertung ein.

Der Ehevertrag: Spielregeln selbst bestimmen

Ein Ehevertrag (auch Ehepakt genannt) erlaubt es Paaren, von den gesetzlichen Regelungen abzuweichen und eigene Spielregeln zu vereinbaren. Er muss notariell beurkundet werden, um gültig zu sein. Ohne Notar hat er keine rechtliche Wirkung.

Was kann geregelt werden? Fast alles, was das Vermögen betrifft: Welche Gegenstände im Falle einer Scheidung wem zufallen, wie Immobilien behandelt werden, ob und wie Ersparnisse aufgeteilt werden. Auch Regelungen zu Unternehmensanteilen oder geerbtem Vermögen sind möglich. Besonders bei Unternehmern, Freiberuflern oder Personen mit erheblichem Vorvermögen ist ein Ehevertrag sinnvoll.

Was nicht geregelt werden kann: persönliche Angelegenheiten wie Haushaltsführung, Kindererziehung oder sexuelle Verpflichtungen. Auch ein vollständiger Verzicht auf Unterhalt ist in Österreich sittenwidrig und daher unwirksam. Das Gesetz will sicherstellen, dass kein Partner im Scheidungsfall völlig mittellos dasteht, selbst wenn er dem vorher zugestimmt hat.

Ein gut ausgearbeiteter Ehevertrag schützt beide Partner – nicht nur den vermögenderen. Er schafft Klarheit, reduziert Konfliktpotenzial und kann im Ernstfall viel Zeit, Nerven und Geld sparen.

Was Paare von Kevin Costner lernen können

Kevin Costners Fall zeigt: Ein Ehevertrag ist keine romantische Angelegenheit, aber eine vernünftige. Wer ein Unternehmen führt, eine Immobilie besitzt oder signifikante Ersparnisse hat, sollte sich frühzeitig beraten lassen. Auch Paare mit unterschiedlich hohen Einkommen oder solche, bei denen ein Partner die Karriere für die Familie zurückstellt, profitieren von klaren Regelungen.

Die österreichische Rechtspraxis zeigt: Je konkreter und individueller ein Ehevertrag ausgearbeitet ist, desto besser hält er vor Gericht stand. Pauschale Formulierungen wie „wir teilen alles fair auf" sind rechtlich wertlos. Jedes Vermögen, jede Immobilie, jedes Konto sollte konkret benannt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Ein Ehevertrag kann auch während der Ehe noch abgeschlossen oder angepasst werden. Wer vor zehn Jahren geheiratet hat, aber jetzt ein Unternehmen gründet oder eine Erbschaft erwartet, kann nachträglich Regelungen treffen. Auch hier gilt: Notarielle Beurkundung ist Pflicht.

Nächste Schritte: Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll?

Ein Ehevertrag ist besonders empfehlenswert bei:

  • Großen Vermögensunterschieden zwischen den Partnern
  • Selbstständigkeit oder Unternehmensbesitz
  • Erwartetem Erbe oder bereits vorhandenem Vorvermögen
  • Immobilienbesitz, der in die Ehe eingebracht wird
  • Zweiter Ehe mit Kindern aus erster Beziehung
  • Unterschiedlichen Karriereverläufen (z.B. ein Partner arbeitet Teilzeit für Kinderbetreuung)

Die Kosten für einen notariell beurkundeten Ehevertrag liegen in Österreich meist zwischen 500 und 2.000 Euro, abhängig von der Komplexität. Das ist wenig im Vergleich zu den potenziellen Kosten eines jahrelangen Scheidungsstreits, der schnell fünfstellige Summen verschlingen kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Familienrecht ist komplex und von Fall zu Fall unterschiedlich. Ein Rechtsanwalt für Familienrecht kann Ihnen helfen, einen maßgeschneiderten Ehevertrag zu erstellen oder Ihre Rechte bei einer Scheidung zu schützen. Finden Sie einen Experten auf ExpertZoom, der Sie durch den Prozess begleitet und Ihre individuelle Situation analysiert.

Quellen: Brandauer Rechtsanwälte: Einvernehmliche Scheidung in Österreich

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