Lennart Karl mit 17 in der DFB-Elf: Was Jugendverträge im Profifußball regeln
Lennart Karl wurde am 22. Oktober 2025 mit 17 Jahren und 242 Tagen zum jüngsten Champions-League-Torschützen in der Geschichte des FC Bayern München. Sieben Monate später, am 3. Juni 2026, erhielt der Offensivspieler seine erste Berufung in den DFB-Kader für die WM 2026, wie mehrere Sportmedien übereinstimmend berichten. Karl hat seine erste Profisaison mit neun Treffern und acht Assists abgeschlossen und das deutsche Triple gewonnen.
Für österreichische Fußballfamilien wirft dieser Aufstieg eine konkrete Frage auf: Welche rechtlichen Regeln gelten, wenn ein 17-Jähriger Profiverträge im Wert von mehreren Millionen Euro unterschreibt? Sportrechtsanwälte erklären, was Eltern und Jugendspieler kennen müssen.
Was Karls Geschichte zeigt
Karl unterschrieb seinen ersten Profivertrag beim FC Bayern als Minderjähriger. Schon mit 16 wechselte er aus der Bayern-Nachwuchsakademie in den Profikader. Sein Champions-League-Tor gegen Club Brügge überbot den bisherigen Rekord von Jamal Musiala. Im Anschluss an die Treble-Saison folgten Berufungen in die deutsche U21-Auswahl und nun in die A-Nationalmannschaft.
Solche Karrieresprünge sind in Österreich keine Seltenheit. Die Akademien von Red Bull Salzburg, Rapid Wien oder Sturm Graz produzieren regelmäßig Talente, die mit 16 oder 17 Jahren ihre ersten Profiverträge unterzeichnen. Was die Eltern unterschätzen: Solche Verträge unterliegen besonderen Schutzvorschriften.
Die rechtlichen Grundregeln in Österreich
In Österreich gilt das Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (KJBG) auch für junge Profisportler. Demnach dürfen Jugendliche unter 18 Jahren nicht zu Arbeiten herangezogen werden, die ihre Gesundheit, Sittlichkeit oder Entwicklung gefährden.
Bei Profiverträgen im Fußball bedeutet das konkret:
- Maximaldauer fünf Jahre: Nach FIFA-Regulations on the Status and Transfer of Players (RSTP) Artikel 18 darf der erste Profivertrag eines Minderjährigen höchstens drei Jahre laufen. Erst ab 18 sind längere Bindungen möglich.
- Zustimmung der Erziehungsberechtigten: Bis zur Volljährigkeit müssen beide Elternteile den Vertrag unterschreiben oder eine notariell beglaubigte Vollmacht erteilen.
- Schulpflicht und Ausbildungsklauseln: Die meisten Akademieverträge verpflichten den Verein, eine Berufsausbildung oder die Matura parallel zur sportlichen Karriere zu ermöglichen.
Ein Sportrechtsanwalt prüft, ob diese Pflichten im Vertragstext wirklich verankert sind oder nur als unverbindliche Absichtserklärungen formuliert wurden.
Geld, Steuern und die Falle der Provisionen
Karls Marktwert wird laut Branchenschätzungen bereits auf über 50 Millionen Euro taxiert. Schon kleinere Profis verdienen in Österreich zwischen 50.000 und 300.000 Euro brutto pro Jahr, hinzu kommen Bonuszahlungen für Spielminuten, Tore und Erfolge.
Was viele Familien nicht wissen: Der Lohn eines minderjährigen Profis fließt grundsätzlich auf ein eigenes Konto, das die Eltern verwalten. Doch die Arbeiterkammer rät zur sorgfältigen Prüfung jedes Arbeitsvertrags, bevor unterschrieben wird – besonders wenn Berateragenturen Provisionen von 5 bis 10 Prozent der Bruttoeinkünfte fordern.
Ein zertifizierter Spielerberater darf nach FIFA-Regeln seit 2023 maximal 10 Prozent des Spielergehalts erhalten. Bei Transfers von Minderjährigen sind die Honorarobergrenzen sogar niedriger.
Die Treuepflicht und ihre Grenzen
Profiverträge enthalten regelmäßig Klauseln zur sportlichen Treuepflicht, Medienpräsenz, Sponsorenrechten und sogar Vorgaben zu Aufenthaltsorten während der Vorbereitungsphase. Bei Erwachsenen sind solche Klauseln zulässig, bei Minderjährigen aber häufig zu weit gefasst.
Häufige Streitpunkte:
- Social-Media-Klauseln: Vereine verlangen oft, dass der Spieler keine eigenen Posts ohne Genehmigung veröffentlicht. Das kollidiert mit der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen.
- Bildrechtsabtretung: Standardverträge übertragen alle Werbeerlöse pauschal an den Verein. Ein Anwalt verhandelt häufig getrennte Erlöskonten für Eigensponsoring.
- Verlängerungsoptionen: Einseitige Optionen zugunsten des Vereins können bei Minderjährigen sittenwidrig sein. Hier hilft eine rechtliche Zweitmeinung vor der Unterschrift.
Was Karl als Nächstes erwartet
Mit der DFB-Berufung steht Karl vor einer Vertragsverlängerung beim FC Bayern. Branchenmedien spekulieren über ein neues Arbeitspapier bis 2030 mit Grundgehalt im siebenstelligen Bereich. Für Österreicher mit ähnlichen Karrierehoffnungen ist die Lehre klar: Je früher ein spezialisierter Rechtsbeistand eingebunden wird, desto besser stehen die Karten in den Verhandlungen.
Ein Sportrechtsanwalt prüft den Vertragsentwurf typischerweise auf:
- Verbotsklauseln zu Nebenbeschäftigungen
- Ausstiegsklauseln bei Vereinswechseln
- Versicherungsschutz für sportbedingte Verletzungen
- Ausbildungsvergütungen und Solidaritätsbeiträge nach FIFA-RSTP
Wer hilft österreichischen Profifamilien
Sportrechtsanwälte mit Erfahrung im Fußballbereich finden Familien österreichweit über die Plattform Expert Zoom. Ähnliche Fragen rund um Profiverträge stellen sich auch bei Spielerwechseln im Erwachsenenbereich – etwa beim Fall Goretzka und der Frage der Abfertigung nach österreichischem Arbeitsrecht oder bei Vertragsentscheidungen rund um Alexander Nübel und die Zukunft im Münchner Kader.
Die meisten Erstberatungen kosten zwischen 100 und 250 Euro und klären, ob der angebotene Vertrag den Standards der österreichischen und FIFA-Regeln entspricht. Bei einem Profivertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Gesamtvolumen von 600.000 Euro brutto ist diese Investition gut angelegt.
Das Zeitfenster ist eng
Vereine drängen junge Talente häufig zur schnellen Unterschrift, weil andere Klubs ebenfalls Interesse zeigen. Doch ein guter Sportrechtsanwalt verhandelt innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen Anpassungen, die für die nächsten drei bis fünf Jahre relevant sind. Wer wie Lennart Karl mit 17 in die Weltspitze aufsteigt, entscheidet mit der ersten Unterschrift über finanzielle Sicherheit weit über die aktive Karriere hinaus.
Eltern und Jugendliche sollten daher die rechtliche Prüfung als festen Bestandteil jedes Vertragsangebots einplanen – noch bevor das erste Tor in der Champions League fällt.

Thomas Gruber