Das ATP Masters 1000-Turnier in Rom schreibt in dieser Woche Geschichte: Die Internazionali BNL d'Italia 2026 schütten ein Gesamtpreisgeld von 8.235.540 Euro aus – ein neuerlicher Rekord für das traditionsreiche Turnier am Foro Italico. Der Turniersieg bringt dem Gewinner exakt 1.007.165 Euro ein, der Finalist kassiert 535.585 Euro. Doch was viele Fans kaum bedenken: Zwischen dem Preisgeldscheck und dem tatsächlichen Nettoeinkommen eines Tennisprofis liegt ein langer, rechtlich komplizierter Weg.
Rekordsaison in Rom: Die Preisgeld-Zahlen 2026
Das Turnier am Foro Italico gehört zu den fünf prestigeträchtigsten Events des ATP-Kalenders. In der Ausgabe 2026 stiegen die Preisgelder um 2,24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Achtelfinalteilnehmer erhalten bereits je 92.470 Euro – selbst wer früh ausscheidet, verlässt Rom mit einem beachtlichen Scheck. Auf der WTA-Seite fällt der Anstieg noch deutlicher aus: Das Gesamtpreisgeld wuchs um 20,28 Prozent auf 7.228.080 Euro, die Siegerin nimmt 1.055.285 Euro mit nach Hause.
Solche Summen werfen unmittelbar eine Frage auf, die Sportprofis – und ihre Finanzberater – intensiv beschäftigt: In welchem Land ist das Preisgeld eigentlich steuerpflichtig, und was bleibt nach Abzügen wirklich übrig?
Wo zahlen Tennisprofis Steuern auf ihre Preisgelder?
International tätige Sportler bewegen sich in einem komplexen Steuergeflecht. In der Regel gilt das Quellenprinzip: Preisgelder werden dort besteuert, wo das Turnier stattfindet. Das bedeutet, ein österreichischer Profi, der in Rom gewinnt, schuldet zunächst der italienischen Finanzbehörde eine Quellensteuer – üblicherweise zwischen 20 und 30 Prozent.
Damit ist die Steuerpflicht aber nicht erledigt. Österreich besteuert das weltweite Einkommen seiner Steuerpflichtigen. Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Österreich und Italien regelt zwar, wie im Ausland gezahlte Steuern angerechnet werden, um eine doppelte Belastung zu vermeiden. Trotzdem kann die Gesamtsteuerlast erheblich sein – insbesondere wenn Sponsoring-Einnahmen, Lizenzen und Preisgeld zusammenkommen und in unterschiedlichen Ländern anfallen.
Laut dem österreichischen Bundesministerium für Finanzen sind unbeschränkt steuerpflichtige Personen in Österreich mit ihrem gesamten Welteinkommen einkommensteuerpflichtig – unabhängig davon, in welchem Land die Einnahmen erzielt wurden. Für Profisportler bedeutet das: Wer seinen steuerlichen Wohnsitz in Wien oder Graz hat, muss auch Turniergewinne aus Rom, Paris oder New York in der österreichischen Steuererklärung angeben und dort vollständig deklarieren.
Die häufigsten steuerlichen Fallstricke für Sportprofis
Ein Vermögensberater sieht in der Praxis immer wieder dieselben Probleme bei Sportlern, die ihre Finanzen nicht professionell verwalten lassen:
Wohnsitzplanung wird unterschätzt. Viele Spieler wählen ihren offiziellen Wohnsitz aus steuerlichen Gründen im Ausland – etwa in Monaco, Andorra oder der Schweiz. Wer jedoch den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in Österreich behält (Familie, Trainer, Clubmitgliedschaft, Immobilien), riskiert, dennoch als unbeschränkt steuerpflichtig eingestuft zu werden. Das österreichische Finanzamt beurteilt den tatsächlichen Lebensmittelpunkt, nicht nur den Meldezettel.
Quellensteuer-Dokumentation fehlt. Die in Italien einbehaltene Quellensteuer auf das Preisgeld wird zwar auf die österreichische Einkommensteuer angerechnet, muss aber durch offizielle Bescheinigungen belegt werden. Fehlen diese Dokumente bei der Veranlagung, werden die Beträge nicht angerechnet – und es entstehen Nachzahlungen plus Verzugszinsen.
Sponsoring und Preisgeld werden vermischt. Sponsoring-Verträge sind rechtlich und steuerlich anders zu behandeln als Preisgelder. Die Vermischung beider Einkommensarten in der Buchhaltung ist ein häufiger Fehler, den das Finanzamt im Prüfungsfall konsequent beanstandet. Regelmäßig führt das zu Strafzahlungen, die eine professionelle Beratung von vornherein verhindert hätte.
Altersvorsorge wird vernachlässigt. Profisportler haben typischerweise kurze aktive Karrieren. Wer mit 30 seine Laufbahn beendet, hat im österreichischen Pensionssystem oft nur geringe Ansprüche aufgebaut. Richtig investierte Preisgelder können diese Versorgungslücke schließen – ohne Strategie sind sie oft bis zur Pension aufgebraucht.
Was ein Vermögensberater konkret leisten kann
Ein erfahrener Vermögensberater unterstützt Sportprofis bei mehreren Themen gleichzeitig:
- Steueroptimierung: Analyse der DBA-Regelungen in allen relevanten Turnierländern, korrekte Anrechnung von Quellensteuern, Optimierung der Steuerstruktur über die gesamte Karriere
- Investitionsstrategie: Sinnvoller Einsatz von Preisgeld-Einnahmen in Immobilien, Wertpapiere oder unternehmerische Beteiligungen
- Vorsorgeplanung: Aufbau eines langfristigen Finanzpolsters für die Zeit nach dem Leistungssport
- Unternehmensstruktur: Ob eine GmbH oder eine andere Rechtsform steuerlich vorteilhafter ist, hängt von der individuellen Karrieresituation ab
Iga Świątek hat diesen Weg konsequent gewählt: Mit einem Sponsoring-Volumen von über 20 Millionen Euro lässt die Weltranglistenerste ihre Finanzen professionell verwalten. Ähnlich verfährt Daniil Medvedev, dessen Karriereverdienst die 47-Millionen-Marke überschritten hat und der frühzeitig auf strukturierte Vermögensverwaltung gesetzt hat.
Auch Hobbyspieler und Tennis-Vereine müssen aufpassen
Die Steuerfragen rund um das ATP Italian Open sind nicht nur für Profis relevant. Österreichische Tennis-Klubs, die eigene Turniere mit Preisgeld ausrichten, müssen bestimmte Meldepflichten gegenüber dem Finanzamt erfüllen. Auch ambitionierte Amateure, die an gut dotierten Kleinturnieren teilnehmen, sollten aufpassen: Sobald Preisgeld-Einnahmen die Freigrenze von 730 Euro im Jahr übersteigen, sind sie in Österreich grundsätzlich steuerpflichtig – auch wenn sie neben einem regulären Arbeitsverhältnis erzielt werden.
Wer hier unsicher ist, sollte nicht auf Eigeninitiative vertrauen, sondern einen Vermögensberater oder Steuerexperten einschalten. Die Kosten für eine Erstberatung sind in vielen Fällen bereits durch vermiedene Nachzahlungen gedeckt.
Wann lohnt sich professionelle Beratung?
Die Faustregel: Sobald Preisgeld-Einnahmen aus dem Ausland die Grenze von 10.000 Euro überschreiten, ist professionelle Beratung wirtschaftlich sinnvoll. Bei Turnierpräsenzpreisen in der Höhe, wie sie das ATP Italian Open 2026 ausschüttet, stehen die Einsparungen durch legale Steueroptimierung in keinem Verhältnis zu den Beratungskosten.
Laut dem Österreichischen Bundesministerium für Finanzen bestehen mit über 90 Staaten Doppelbesteuerungsabkommen – darunter natürlich auch mit Italien. Die genaue Anwendung dieser Abkommen im konkreten Einzelfall erfordert jedoch Fachwissen, das über das hinausgeht, was ein Laie aus öffentlichen Quellen ableiten kann.
ExpertZoom vermittelt qualifizierte Vermögensberater in ganz Österreich, die auf Sportlermandate und internationale Steuerstrukturen spezialisiert sind. Eine erste Einschätzung zur individuellen Situation ist unkompliziert möglich – bevor das nächste Preisgeld anfällt.
