WM 2026 Public Viewing: Braucht jede Bar wirklich eine GEMA-Lizenz?

Fußballfans auf einer Tribüne schauen gemeinsam ein Spiel — Public Viewing WM 2026

Photo : John Seb Barber / Wikimedia

Andreas Andreas WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 31. Mai 2026

Am 14. Juni 2026 eröffnet Deutschland die Fußball-WM gegen Curaçao im NRG Stadium Houston — Anstoß 19 Uhr MESZ. Die übrigen Vorrundenspiele der DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste (20. Juni) und Ecuador (25. Juni) beginnen um 22 Uhr. Damit steht Tausenden von Gastronomen, Vereinen und Privatpersonen vor einer zentralen Frage: Wie überträgt man WM-Spiele rechtssicher öffentlich — und was droht, wenn man die Regeln nicht kennt?

GEMA-Lizenz: Ohne Anmeldung drohen bis zu 5.000 Euro Bußgeld

Wer WM-Spiele öffentlich zeigt, benötigt fast immer eine GEMA-Lizenz — selbst dann, wenn kein Eintritt erhoben wird. Jede Fernsehübertragung enthält urheberrechtlich geschützte Musik: Nationalhymnen, Stadionklänge, Werbeunterbrechungen. Die GEMA hat für die WM 2026 einen eigenen Tarif veröffentlicht.

Für einen Fernseher mit bis zu 106 cm Bildschirmdiagonale beläuft sich die Gebühr auf rund 30 Euro für die gesamte Turnierlaufzeit. Bei Großbildleinwänden richtet sich der Betrag nach der bespielten Fläche — Schätzungen gehen von 50 bis mehreren hundert Euro für das gesamte Turnier aus. Für eine Gastronomie mit mehreren Bildschirmen in verschiedenen Größen empfiehlt sich eine detaillierte Berechnung über das GEMA-Online-Portal.

Die Anmeldung läuft ausschließlich über das offizielle Portal. Wer keine Lizenz erwirbt, riskiert nach Angaben von Rechtsexperten Bußgelder von bis zu 5.000 Euro. Detaillierte Informationen zum WM-Tarif bietet die GEMA-Kampagnenseite zur Fußball-WM 2026 direkt beim Verband.

Lärmschutz-Ausnahmen: Was das Bundeskabinett beschlossen hat — und was nicht

Das Bundeskabinett hat im Vorfeld der WM 2026 Ausnahmen von den Immissionsschutzregeln beschlossen, damit Public Viewing auch nach 22 Uhr MESZ möglich bleibt. Die Verordnung schafft jedoch keine automatische Erlaubnis: Die kommunalen Behörden erhalten mehr Flexibilität, müssen jedoch im Einzelfall zwischen öffentlichem Interesse und dem Schutz der Nachtruhe abwägen. Einen Rechtsanspruch auf Public Viewing nach 22 Uhr gibt es explizit nicht.

Für die Praxis bedeutet das: Gastronomen sollten jetzt — nicht erst in der Woche vor dem ersten Spiel — das Gespräch mit der Gemeindeverwaltung suchen und eine Sondergenehmigung beantragen. Erfahrungsgemäß erteilen Kommunen diese Genehmigungen bei WM-Turnieren unkompliziert, aber nur wenn der Antrag rechtzeitig gestellt wird. Wer zu spät kommt, kann das Turnier auf eigenes rechtliches Risiko übertragen oder muss Spiele vorzeitig abbrechen, wenn die Beschwerden der Nachbarschaft überhandnehmen.

Mehrere Großstädte, darunter München, Köln und Hamburg, haben bereits angekündigt, auf offizielle Fanmeilen zu verzichten. Berlin plant eine Fanmeile am Brandenburger Tor. Die dezentrale Gastro-Landschaft wird daher bei der WM 2026 eine besonders wichtige Rolle spielen.

Welche Rechte Arbeitnehmer haben, wenn WM-Spiele in Arbeitszeiten fallen, erfahren Sie in unserem Beitrag: WM-Spielplan 2026: 3 Arbeitnehmerrechte, die jetzt zählen.

FIFA-Regeln: Nicht-kommerziell vs. kommerziell — die entscheidende Grenze

Die FIFA unterscheidet strikt zwischen nicht-kommerzieller und kommerzieller Nutzung. Als nicht-kommerziell gilt ein Event, wenn der Veranstalter keinen Eintritt verlangt, keine Sponsoring-Deals abschließt und Speisen und Getränke zu normalen Marktpreisen anbietet. Eine reguläre Gastwirtschaft, die WM-Spiele überträgt, fällt nach bisherigen FIFA-Richtlinien typischerweise in diese Kategorie und ist daher von zusätzlichen FIFA-Lizenzgebühren befreit.

Konkrete Lizenzgebühren für die WM 2026 hat die FIFA bisher nicht veröffentlicht. Bei früheren Turnieren galt: Kein Eintritt, keine Sponsoren, bis zu 300 Personen — keine FIFA-Gebühr. Sobald jedoch Mindestbestellungen eingeführt, Preise zu WM-Zeiten erhöht oder Werbepartner auf Bannern präsentiert werden, gilt das Event als kommerziell. In diesem Fall ist eine kostenpflichtige FIFA-Lizenz Pflicht.

Die Grauzone ist erheblich. Wer etwa ein Package aus Eintrittsbändchen plus Getränkepauschale anbietet oder einen Getränkesponsoren auf Werbeflächen zeigt, hat die Schwelle möglicherweise bereits überschritten — ohne es zu wissen. Rechtsanwälte mit Erfahrung im Veranstaltungsrecht können die konkrete Situation des Betriebs bewerten und Haftungsrisiken minimieren.

Sonderfälle: Vereine, Schulen und private Feiern

Nicht nur die Gastronomie ist betroffen. Auch Sportvereine, Schulen und Privatpersonen, die im Garten oder auf dem Parkplatz Public Viewing veranstalten, müssen die Regeln beachten. Für Vereine ohne Gewinnabsicht gelten oft günstigere GEMA-Tarife, aber auch sie sind nicht automatisch befreit. Private Gartenpartys mit bis zu zehn Personen fallen in der Regel nicht unter die gewerblichen Regelungen — sobald jedoch Freunde von Freunden eingeladen werden und die Veranstaltung öffentlich zugänglich ist, kann die Einschätzung kipppen. Im Zweifelsfall lohnt sich eine kurze Anfrage bei einem Anwalt, bevor das erste Spiel angepfiffen wird.

4 konkrete Schritte für Gastronomen vor dem 14. Juni

Rechtsexperten empfehlen folgende Maßnahmen sofort einzuleiten:

  1. GEMA-Lizenz beantragen — Über das Online-Portal der GEMA anmelden, je nach Bildschirmgröße zwischen 30 und mehreren hundert Euro einplanen. Keine Anmeldung ist keine Option.
  2. Gemeindeverwaltung kontaktieren — Sondergenehmigung für Abendspiele nach 22 Uhr MESZ rechtzeitig beantragen. Bearbeitungszeiten der Behörden können mehrere Wochen betragen.
  3. Veranstaltungskonzept prüfen — Wer Eintritt, Mindestbestellung oder Sponsoring plant, braucht möglicherweise eine FIFA-Lizenz. Den Grenzfall mit einem Anwalt besprechen.
  4. Haftungsversicherung prüfen — Bei großen Outdoor-Events können zusätzliche Veranstalterversicherungen und Brandschutzauflagen relevant werden.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Einzelfall sollten Sie einen zugelassenen Rechtsanwalt konsultieren.

Wann professionelle Rechtsberatung entscheidend ist

Gastronomen, Vereine und Eventveranstalter stehen vor einem Geflecht aus GEMA-Tarifen, kommunalen Genehmigungen und FIFA-Regularien, die sich teilweise überschneiden und teilweise widersprüchlich erscheinen. Wer diese Regelwerke nicht kennt, riskiert empfindliche Bußgelder — oder verpasst die Möglichkeit, die WM 2026 als echten Umsatztreiber zu nutzen.

Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Veranstaltungsrecht und Gastronomierecht helfen dabei, alle erforderlichen Genehmigungen zu identifizieren, Verträge mit Sponsoren rechtssicher zu formulieren und im Streitfall rasch zu reagieren. Auf ExpertZoom finden Sie spezialisierte Rechtsanwälte, die kurzfristige Erstberatungen anbieten. In den Wochen vor WM-Start, in denen die Zeit knapp wird, kann eine kompetente juristische Einschätzung den Unterschied machen zwischen einem erfolgreichen Public-Viewing-Event und einem kostspieligen Bußgeldbescheid.

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