In der Nacht auf Mali Lošinj und die Nachbarinsel Susak zog Mitte Juli 2026 ein schwerer Sommersturm über die kroatische Adria und verwandelte beliebte Campingplätze in ein Trümmerfeld. Böen von bis zu 60 Knoten – rund 111 km/h – aus Nordwest und eine Wasserhose fegten über die Plätze Lopari und Rapoća in Nerezine. Rund 50 große Kiefern stürzten auf Autos, Wohnmobile und Zelte, zwei Menschen wurden verletzt. Drei Österreicher erlitten Schiffbruch und mussten gerettet werden, wie oe24 berichtet. Für tausende deutsche Urlauber, die Kroatien Jahr für Jahr mit ihrem Hund ansteuern, rückt damit eine Frage in den Vordergrund, an die im Trubel der Ferienplanung kaum jemand denkt: Was tun, wenn das eigene Tier mitten im Unwetter im Ausland in Not gerät?
Was in der Nacht auf Lošinj geschah
Meteorologen sprechen bei solchen Ereignissen von einer „Nevera“ – einem für die Adria typischen, blitzschnell aufziehenden Sommergewitter mit heftigen Sturmböen. Anders als eine tagelang angekündigte Hitzewelle trifft eine Nevera oft ohne lange Vorwarnung ein, meist in den späten Abend- und Nachtstunden. Genau das macht sie für Campingurlauber so gefährlich: Wer im Zelt oder Wohnwagen unter Bäumen steht, hat wenig Zeit zu reagieren.
Dass bei dem Sturm auf Lošinj „nur“ zwei Menschen verletzt wurden, obwohl dutzende Bäume auf belegte Stellplätze krachten, grenzt an Glück. Für Haustiere sieht die Bilanz solcher Nächte erfahrungsgemäß schlechter aus – sie stehen bei Chaos, Lärm und einstürzenden Zelten selten im Fokus der Rettungskräfte.
Warum Haustiere bei „Nevera“-Stürmen besonders gefährdet sind
Hunde und Katzen nehmen den Luftdruckabfall vor einem Gewitter deutlich früher wahr als Menschen. Viele Tiere reagieren mit Panik, noch bevor der erste Donner zu hören ist. Genau diese Angst ist das größte Risiko: Ein panischer Hund reißt sich los, springt aus dem Wohnmobil oder gräbt sich unter dem Zaun eines Campingplatzes durch – und ist in einer fremden Umgebung binnen Sekunden verschwunden.
Kommt es zu Verletzungen, sind es bei Stürmen typischerweise Schnittwunden durch splitterndes Material, Prellungen durch herabfallende Äste oder Pfotenverletzungen an Trümmern. Hinzu kommen Kreislaufprobleme durch den Stress und, bei längerer Flucht, Dehydrierung in der Sommerhitze. Wie Tierärzte das Verhalten von Hunden bei Gewittern einordnen, haben wir bereits im Beitrag zur Gewitterangst bei Hunden ausführlich beschrieben.
Notfall im Ausland: So finden Sie schnell einen Tierarzt
Der wichtigste Rat vorab: Klären Sie den nächsten tierärztlichen Notdienst, bevor der Ernstfall eintritt. In Kroatien gibt es keinen bundesweit einheitlichen Veterinär-Notruf wie eine zentrale Nummer; die Versorgung läuft über einzelne Praxen und Kliniken in den größeren Orten. Speichern Sie deshalb direkt nach der Ankunft die Adresse und Telefonnummer der nächstgelegenen „veterinarska ambulanta“ in Ihrem Handy und fragen Sie an der Rezeption des Campingplatzes nach dem regionalen Notdienst.
Ein praktischer Tipp aus der Praxis: Notieren Sie sich die kroatischen Begriffe „hitni slučaj“ (Notfall) und „veterinar“ (Tierarzt). Legen Sie außerdem den Impfpass Ihres Tieres griffbereit, damit die Behandlung im Ausland nicht durch fehlende Vorgeschichte verzögert wird. Bei akuten Symptomen wie starkem Blutverlust, Atemnot oder Kreislaufkollaps gilt dasselbe wie bei jedem Notfall – auch die Hinweise aus unserem Ratgeber zu Hitze-Notfällen bei Haustieren helfen, Warnzeichen richtig zu deuten.
EU-Heimtierausweis und Mikrochip: Ihre wichtigsten Dokumente
Wer mit Hund, Katze oder Frettchen innerhalb der EU reist, braucht laut den offiziellen Vorgaben der Europäischen Union einen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Dieser Ausweis ist im Urlaub weit mehr als eine Formsache: Läuft Ihr Tier bei einem Sturm weg, ist der Mikrochip die einzige verlässliche Möglichkeit, es einem Finder oder einer örtlichen Tierarztpraxis eindeutig zuzuordnen.
Prüfen Sie vor der Abreise, ob die im Chip hinterlegten Kontaktdaten aktuell sind – eine veraltete Telefonnummer macht die beste Kennzeichnung wertlos. Fotografieren Sie zusätzlich alle Seiten des Heimtierausweises und speichern Sie die Bilder in einer Cloud. Geht das Original im Chaos einer verwüsteten Campinganlage verloren, haben Sie so zumindest Impfstatus und Chipnummer parat.
Reisekrankenversicherung fürs Tier: Worauf Sie achten sollten
Eine tierärztliche Notversorgung im Ausland kann schnell mehrere hundert Euro kosten – Operationen deutlich mehr. Eine Tierkrankenversicherung mit Auslandsschutz übernimmt diese Kosten häufig, doch die Bedingungen unterscheiden sich stark. Achten Sie beim Abschluss auf drei Punkte: die Höhe der jährlichen Erstattung, ob Notfälle im EU-Ausland ohne Voranmeldung abgedeckt sind und ob eine Kostenübernahme direkt mit der ausländischen Praxis möglich ist oder Sie in Vorleistung treten müssen.
Viele Reiserücktritts- und Auslandskrankenversicherungen für Menschen schließen Haustiere ausdrücklich aus. Wer sein Tier absichern will, braucht deshalb in der Regel eine eigene Police. Ein spezialisierter Berater kann klären, welcher Tarif zu Reiseziel, Tierart und Alter passt – gerade bei älteren Hunden mit Vorerkrankungen lohnt der genaue Blick ins Kleingedruckte.
Checkliste für den Ernstfall
- Notdienst-Tierarzt am Urlaubsort vor Ankunft recherchieren und speichern
- Mikrochip prüfen und hinterlegte Kontaktdaten aktualisieren
- EU-Heimtierausweis mitführen und digital sichern
- Bei Sturmwarnung: Tier ins feste Gebäude oder Auto holen, nie allein im Zelt lassen
- Reise-Krankenversicherung mit Auslandsschutz und klaren Notfallbedingungen abschließen
- Ein kleines Erste-Hilfe-Set fürs Tier (Verbandmaterial, Zeckenzange) mitnehmen
Der Sturm auf Lošinj ist eine Erinnerung daran, dass Extremwetter im Sommerurlaub keine Ausnahme mehr ist. Wer sein Tier mitnimmt, sollte für den Notfall genauso vorsorgen wie für sich selbst. Ein Tierarzt oder ein auf Auslandsreisen spezialisierter Versicherungsberater über Expert Zoom hilft Ihnen, die richtigen Vorkehrungen zu treffen, bevor die nächste Nevera aufzieht.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei akuten Symptomen wenden Sie sich umgehend an eine Tierarztpraxis oder einen Notdienst.

Clara Schulz