Ihr Tier zeigt beunruhigende Symptome und Sie brauchen jetzt einen Tierarzt? Tierärztliche Notdienste sind in Deutschland rund um die Uhr verfügbar – an Wochenenden, Feiertagen und nachts. Die Kosten liegen laut Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) beim Zwei- bis Vierfachen der regulären Sätze. Bevor Sie losfahren: Prüfen Sie, ob der Zustand Ihres Tieres tatsächlich eine Notfallbehandlung erfordert, oder ob ein Besuch am nächsten Werktag ausreicht. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie den nächsten Notdienst sofort finden, welche Kosten auf Sie zukommen und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen Sie bis zum Tierarztbesuch ergreifen können.
Wann ist ein tierärztlicher Notdienst wirklich nötig?
Nicht jede Auffälligkeit bei Hund, Katze oder Kleintier erfordert einen sofortigen Notdienstbesuch. Die Bundestierärztekammer (BTK) unterscheidet zwischen echten Notfällen und Situationen, die bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten können.
Sofort zum Notdienst – diese Symptome dulden keinen Aufschub:
- Atemnot, blaue Schleimhäute oder Erstickungsanfälle
- Starke Blutungen, die sich nicht stillen lassen
- Verdacht auf Vergiftung (Schokolade, Rattengift, Frostschutzmittel, Weintrauben)
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- Magendrehung beim Hund (aufgeblähter Bauch, Würgen ohne Erbrechen)
- Schwere Verletzungen nach Unfällen oder Bisswunden
- Geburtskomplikationen: mehr als 60 Minuten Presswehen ohne Welpen
Kann bis morgen warten:
- Leichter Durchfall ohne Blut bei ansonsten munteren Tieren
- Geringfügiges Humpeln ohne sichtbare Schwellung
- Einzelnes Erbrechen bei normalem Allgemeinzustand
- Leichter Juckreiz oder Hautirritationen
Wichtig zu wissen: Im Zweifel gilt: Rufen Sie die Notdienstnummer an und schildern Sie die Symptome. Viele Tierkliniken bieten eine telefonische Ersteinschätzung an, die Ihnen eine unnötige Nachtfahrt ersparen kann.
Ein konkretes Beispiel: Markus aus München bemerkte um 23 Uhr, dass sein Labrador plötzlich stark hechelte und einen aufgeblähten Bauch hatte. Er rief die nächste Tierklinik an, die sofort eine Magendrehung vermutete. Durch die schnelle Reaktion überlebte der Hund die Not-OP. „Die 20 Minuten zwischen Anruf und Ankunft in der Klinik waren die längsten meines Lebens", berichtet der Hundehalter. Dieses Szenario zeigt: Bei Verdacht auf Magendrehung zählt jede Minute – zögern Sie nicht.
Tierarzt-Notdienst finden – so geht es am schnellsten

Der schnellste Weg zum tierärztlichen Notdienst führt über drei Kanäle. Welcher für Sie der richtige ist, hängt von Ihrem Standort und der Tageszeit ab.
Tierkliniken mit 24-Stunden-Notaufnahme
In deutschen Großstädten betreiben Tierkliniken permanente Notaufnahmen. Laut dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) gibt es rund 200 Tierkliniken in Deutschland, von denen etwa 120 einen durchgehenden Notdienst anbieten [bpt, 2024]. Die nächste Tierklinik finden Sie über die Kliniksuche der Bundestierärztekammer unter tieraerztekammer.de.
Regionaler Notdienstring
Außerhalb der Klinikversorgung organisieren Tierärztekammern einen rotierenden Bereitschaftsdienst. Niedergelassene Tierärzte wechseln sich im Bezirk ab. Die aktuelle Zuordnung erfahren Sie über:
- Die Website Ihrer Landestierärztekammer
- Den Anrufbeantworter Ihrer Stammpraxis (nennt den diensthabenden Kollegen)
- Notdienstportale wie vetnotdienst.de oder haustierdocs.de
Telefonische Beratung als erster Schritt
Bevor Sie mit einem geschwächten Tier nachts ins Auto steigen: Rufen Sie an. Schildern Sie Rasse, Alter, Gewicht und Symptome. Die meisten Notdienste schätzen den Schweregrad telefonisch ein und bereiten sich auf Ihren Besuch vor.
Halten Sie beim Telefonat folgende Informationen bereit: Tierart, Rasse und Alter, genaue Symptome mit Zeitpunkt des Auftretens, aktuelle Medikamente sowie mögliche Ursachen (Aufnahme von Fremdkörpern, Sturz, Kontakt mit giftigen Pflanzen). Je präziser Ihre Angaben, desto besser kann das Notfallteam die Dringlichkeit einschätzen und die Behandlung vorbereiten.
Was kostet der tierärztliche Notdienst?
Seit der GOT-Novelle 2022 gelten für Notdienste klare Gebührenregeln. Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) schreibt eine Notdienstgebühr und erhöhte Behandlungssätze vor – unabhängig davon, ob Sie eine Tierklinik oder einen diensthabenden Einzeltierarzt aufsuchen.
Die Notdienstgebühr von 50 Euro fällt zusätzlich zur eigentlichen Behandlung an. Sie gilt für Besuche zwischen 18:00 und 8:00 Uhr werktags, ganztägig an Wochenenden und Feiertagen. Eine einfache Untersuchung im Notdienst kostet damit mindestens 80 bis 120 Euro. Komplexe Eingriffe wie eine Magendrehungs-OP beim Hund können 1 000 bis 3 000 Euro erreichen.
Konkrete Kostenbeispiele im Überblick:
| Behandlung | Regulärer Satz (1-fach) | Notdienst (2- bis 4-fach + 50 €) |
|---|---|---|
| Allgemeine Untersuchung | 23,62 € | 97–144 € |
| Röntgenaufnahme | 32,07 € | 114–178 € |
| Wundversorgung | 19,24 € | 88–127 € |
| Infusion (Flüssigkeitstherapie) | 11,50 € | 73–96 € |
Alle Beträge nach GOT 2022, gerundet. Im Notdienst wird die Notdienstgebühr von 50 € auf jede Behandlung aufgeschlagen.
Tipp: Eine Tierkrankenversicherung übernimmt in vielen Tarifen auch Notdienstkosten. Prüfen Sie vor dem Besuch, ob Ihr Vertrag einen Notfall-Baustein enthält. Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2024 Tierkrankenversicherungen verglichen und empfiehlt Tarife mit mindestens 80 % Erstattung für Notfälle [Stiftung Warentest, 2024].
Erste Hilfe für Ihr Tier – was Sie sofort tun können
Bis Sie beim Tierarzt-Notdienst eintreffen, können gezielte Erste-Hilfe-Maßnahmen entscheidend sein. Die Veterinärmedizinische Universität Wien empfiehlt Tierhaltern, grundlegende Notfallhandgriffe zu beherrschen.
Bei Vergiftungen
Rufen Sie sofort die Giftnotrufzentrale an (für Tiere: Telefon der nächsten Tierklinik). Bringen Sie die Verpackung des aufgenommenen Stoffes mit. Lösen Sie kein Erbrechen aus – bei ätzenden Substanzen verschlimmert das die Schädigung der Speiseröhre. Notieren Sie den Zeitpunkt der Aufnahme und die geschätzte Menge. Bei Rattengift etwa hängt die Behandlung (Vitamin K1) direkt von der aufgenommenen Dosis ab.
Bei starken Blutungen
Legen Sie einen sauberen Druckverband an. Verwenden Sie ein Handtuch oder T-Shirt, drücken Sie fest auf die Wunde und fixieren Sie den Verband mit einer Bandage. Bei Pfotenverletzungen wickeln Sie die Pfote eng ein, ohne die Durchblutung abzuschnüren.
Bei Hitzschlag
Hunde können bei Temperaturen ab 28 °C im Auto innerhalb von 15 Minuten einen lebensbedrohlichen Hitzschlag erleiden [Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft, 2023]. Bringen Sie das Tier in den Schatten, befeuchten Sie das Fell mit lauwarmem (nicht eiskaltem) Wasser und bieten Sie kleine Mengen Wasser an.
Bei Krampfanfällen
Halten Sie das Tier nicht fest. Entfernen Sie Gegenstände aus der Umgebung, an denen es sich verletzen könnte. Notieren Sie die Dauer des Anfalls – diese Information benötigt der Tierarzt für die Diagnose. Filmen Sie den Anfall nach Möglichkeit mit dem Smartphone: Die Aufnahme hilft dem Tierarzt, die Art des Krampfes einzuordnen (fokal, generalisiert). Ein Krampfanfall, der länger als drei Minuten dauert, ist ein Status epilepticus und erfordert sofortige tierärztliche Hilfe.
Bei Fremdkörpern in Magen oder Rachen
Hunde verschlucken häufig Spielzeugteile, Knochen oder Socken. Versuchen Sie nicht, den Gegenstand selbst zu entfernen – Sie können die Situation verschlimmern. Symptome wie wiederholtes Würgen, Speicheln oder Verweigerung von Futter deuten auf einen Fremdkörper hin. Fahren Sie direkt zum Tierarzt-Notdienst, da ein Verschluss des Magen-Darm-Trakts ohne Behandlung innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann.
Was Sie zum Notdienst-Besuch mitbringen sollten
Eine gute Vorbereitung spart wertvolle Minuten in der Tierklinik. Legen Sie folgende Dinge bereit, bevor Sie losfahren:
- Impfpass und Krankenakte – Der Notdienst-Tierarzt kennt Ihr Tier nicht. Impfstatus, Vorerkrankungen und aktuelle Medikamente helfen bei der Diagnose.
- Transportbox oder Decke – Verletzte Tiere reagieren oft aggressiv aus Angst. Eine Transportbox schützt Sie und das Tier. Für größere Hunde eignet sich eine stabile Decke als Tragehilfe.
- Verpackung bei Vergiftungsverdacht – Bringen Sie den Stoff mit, den Ihr Tier aufgenommen hat: Verpackung, Pflanze, Medikament.
- Zahlungsmittel – Die meisten Tierkliniken verlangen Barzahlung oder EC-Karte direkt nach der Behandlung. Klären Sie vorab, ob eine Ratenzahlung möglich ist.
- Telefonnummer Ihrer Stammpraxis – Für die spätere Weiterbehandlung benötigt der Notdienst die Kontaktdaten Ihres Haustierarztes.
Merken Sie sich: Erstellen Sie eine Notfall-Checkliste und hängen Sie diese sichtbar in Ihrer Wohnung auf – etwa neben der Leine. Notieren Sie darauf die Adresse der nächsten Tierklinik, die Notdienst-Telefonnummer und den Namen Ihres Haustierarztes. Im Ernstfall zählt jede Minute.
Tierarzt-Notdienst vorbeugen: Vorsorge spart Notfälle

Viele Notdienstbesuche lassen sich durch gezielte Vorsorge vermeiden. Die Bundestierärztekammer empfiehlt folgende Maßnahmen, um das Risiko akuter Notfälle zu senken:
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen decken Erkrankungen frühzeitig auf. Für Hunde und Katzen ab sieben Jahren empfehlen Tierärzte einen jährlichen Gesundheitscheck mit Blutbild. Die Kosten liegen bei 80 bis 150 Euro – ein Bruchteil der Notdienstrechnung.
Giftquellen im Haushalt sichern: Schokolade, Zwiebeln, Trauben, Lilien (für Katzen hochgiftig), Frostschutzmittel und viele Zimmerpflanzen gehören außer Reichweite von Tieren. Laut der Giftdatenbank des Veterinärtoxikologischen Informationsdienstes der Universität Zürich sind Vergiftungen die dritthäufigste Ursache für tierärztliche Notfälle [Vetpharm, 2024].
Erste-Hilfe-Kurs für Tierhalter besuchen: Mehrere Tierkliniken und der Deutsche Tierschutzbund bieten regelmäßig Kurse an. In drei bis vier Stunden lernen Sie Druckverband anlegen, Puls messen und Atemstillstand erkennen – Grundkenntnisse, die im Notfall über Leben und Tod entscheiden können.
Notfall-Apotheke zusammenstellen: Eine kleine Hausapotheke für Ihr Tier gehört in jeden Haushalt. Sterile Kompressen, selbstklebende Bandage, eine stumpfe Verbandsschere, ein digitales Fieberthermometer (rektale Normaltemperatur beim Hund: 38,0–39,0 °C) und eine Zeckenzange reichen für die häufigsten Erstversorgungen aus. Bewahren Sie die Apotheke zusammen mit der Notfall-Checkliste griffbereit auf.
Häufige Fragen zum tierärztlichen Notdienst
Hat der tierärztliche Notdienst auch am Feiertag geöffnet?
Ja. Der tierärztliche Notdienst in Deutschland ist an allen Tagen des Jahres verfügbar – auch an Weihnachten, Ostern und gesetzlichen Feiertagen. Tierkliniken mit 24-Stunden-Notaufnahme arbeiten durchgehend. Bei rotierenden Notdienstringen wechselt der diensthabende Tierarzt nach einem festen Plan, der über die Landestierärztekammer einsehbar ist.
Kann ich mit meinem Tier ohne Termin in die Notaufnahme?
Tierärztliche Notaufnahmen arbeiten ohne Terminvergabe. Die Behandlungsreihenfolge richtet sich nach der Schwere der Erkrankung (Triage), nicht nach der Ankunftszeit. Rufen Sie trotzdem vorher an: Das Team kann sich vorbereiten und Ihnen die voraussichtliche Wartezeit nennen.
Muss ich die Notdienstgebühr auch zahlen, wenn sich der Notfall als harmlos herausstellt?
Ja, die Notdienstgebühr von 50 Euro gemäß GOT §3a fällt bei jedem Besuch außerhalb der regulären Sprechzeiten an – unabhängig vom Ergebnis der Untersuchung. Das gilt auch für telefonische Beratungen, wenn daraus eine Behandlungsempfehlung resultiert.
Was tun, wenn der nächste Notdienst weit entfernt ist?
In ländlichen Regionen kann die nächste Tierklinik über 50 Kilometer entfernt liegen. Fragen Sie bei Ihrer Stammpraxis nach, ob ein Hausbesuch im Notfall möglich ist. Manche Tierärzte bieten einen mobilen Notdienst an. Die Anfahrtskosten werden zusätzlich nach GOT berechnet. Alternativ bieten einige Plattformen mittlerweile eine veterinärmedizinische Video-Erstberatung an, die Ihnen helfen kann, den Schweregrad einzuschätzen und die Wartezeit bis zur Behandlung zu überbrücken.
Darf ich ein verletztes Wildtier zum Tierarzt-Notdienst bringen?
Grundsätzlich ja. Laut Tierschutzgesetz (§ 1 TierSchG) ist jeder verpflichtet, einem in Not geratenen Tier zu helfen. Der Tierarzt muss die Erstversorgung leisten. Die Kosten übernimmt in der Regel die zuständige Gemeinde oder der Jagdpächter. Informieren Sie parallel die örtliche Untere Naturschutzbehörde, da bestimmte Wildtiere (z. B. Greifvögel) unter besonderem Artenschutz stehen.
Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei einem Notfall suchen Sie unverzüglich einen Tierarzt auf. Jede Verzögerung kann für Ihr Tier lebensbedrohlich sein.



