Spritpreise steigen ab Juli: So holen Handwerker Steuern zurück

Handwerker in blauem Overall tankt weißen Transporter an einer Münchner Tankstelle und schaut auf die Preisanzeige
Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 1. Juli 2026

Der befristete Tankrabatt ist seit gestern Geschichte: Ab dem 1. Juli 2026 steigen Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter – und das trifft Handwerker und Selbstständige besonders hart. Wer täglich mit dem Lieferwagen von Baustelle zu Baustelle fährt, spürt die Mehrbelastung sofort in der Kasse. Doch wer seine Fahrtkosten steuerlich korrekt geltend macht, kann einen erheblichen Teil der höheren Spritkosten ausgleichen.

Tankrabatt endet – was Autofahrer ab Juli erwartet

Seit dem 1. Mai 2026 entlastete ein befristeter Tankrabatt die deutschen Autofahrer: Die Energiesteuer auf Kraftstoffe wurde um 14,04 Cent pro Liter gesenkt, inklusive Mehrwertsteuer ergab sich eine Ersparnis von rund 17 Cent je Liter. Damit war Super E10 zuletzt (Stand 29. Juni 2026) für rund 1,81 Euro je Liter erhältlich, Diesel für etwa 1,73 Euro.

Mit dem Auslaufen der Maßnahme am 30. Juni 2026 rechnet der ADAC damit, dass die Preise rasch wieder um rund 17 Cent je Liter steigen werden. Für Fahrer mit einem 50-Liter-Tank bedeutet das rund 8,35 Euro mehr pro Tankfüllung. Das Bundeskartellamt überwacht die Kraftstoffpreise über seine Markttransparenzstelle – und die Daten zeigen: Preisanstiege nach Ende staatlicher Entlastungen erfolgen in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden.

Für Handwerker, die täglich tanken, summieren sich die Mehrkosten monatlich auf mehrere Hundert Euro – ein ernst zu nehmender Faktor für die Betriebskosten.

Was Selbstständige und Handwerker steuerlich absetzen können

Hier liegt die gute Nachricht: Für Selbstständige und Handwerker, die ihr Fahrzeug beruflich nutzen, sind die gestiegenen Spritkosten nicht nur ein Ärgernis – sie sind in erster Linie eine Betriebsausgabe. Das bedeutet: Die tatsächlichen Kraftstoffkosten können vollständig vom steuerpflichtigen Gewinn abgezogen werden.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, Fahrtkosten als Betriebsausgabe geltend zu machen:

Fahrtenbuch: Wer ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führt, kann die tatsächlichen Kosten – also Kraftstoff, Versicherung, Werkstattkosten und Abschreibung – exakt nach dem beruflichen Nutzungsanteil absetzen. Bei einem Handwerker, der seinen Transporter fast ausschließlich beruflich nutzt, ist das oft die vorteilhaftere Variante.

Pauschalmethode: Alternativ können Selbstständige für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte die Entfernungspauschale nutzen. Diese beträgt seit dem 1. Januar 2026 genau 0,38 Euro pro Kilometer. Wer täglich 30 Kilometer zur Baustelle fährt, kann damit 11,40 Euro täglich als Betriebsausgabe anrechnen – über das Jahr gerechnet ein relevanter Betrag.

Fahrtenbuch oder Pauschale – was rechnet sich bei hohen Spritpreisen mehr?

Gerade bei steigenden Spritpreisen lohnt sich der direkte Vergleich. Faustregel: Je mehr Kilometer ein Selbstständiger beruflich fährt und je höher der tatsächliche Kraftstoffverbrauch, desto eher ist das Fahrtenbuch die günstigere Option.

Ein Malermeister, der täglich 150 Kilometer zu Kundenaufträgen fährt und dabei 40 Liter Diesel verbraucht, gibt bei einem Dieselpreis von rund 1,90 Euro täglich rund 76 Euro für Kraftstoff aus. Im Monat (20 Arbeitstage) sind das rund 1.520 Euro allein für Diesel – Kosten, die bei konsequenter Fahrtenbuchführung vollständig als Betriebsausgabe absetzbar sind.

Wer hingegen nur gelegentlich beruflich fährt, ist mit der Pauschale oft besser beraten: Sie erfordert keinen bürokratischen Aufwand und lässt sich unkompliziert in der Steuererklärung geltend machen. Mehr zu den neuen Regelungen ab 2026 lesen Sie in unserem Beitrag zur Pendlerpauschale 2026 und Steuerentlastung für Arbeitnehmer.

Die Entfernungspauschale 2026 für Selbstständige: Besonderheiten beachten

Die erhöhte Entfernungspauschale von 0,38 Euro pro Kilometer gilt seit dem 1. Januar 2026 auch für Arbeitnehmer. Für Selbstständige und Freiberufler gelten jedoch teils weitreichendere Möglichkeiten: Auswärtige Tätigkeitsstätten, Kundentermine und Baustellenfahrten können in der Regel vollständig als Reisekosten abgesetzt werden – also nicht nur die einfache Entfernung, sondern die tatsächliche Fahrtstrecke hin und zurück.

Das eröffnet besonders für Handwerker, die täglich mehrere Kundenstandorte anfahren, erhebliche steuerliche Spielräume. Wer diese nicht nutzt, verschenkt effektiv Geld. Ein Überblick über weitere steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten für Selbstständige auf Reisen findet sich auch im Artikel zu Wohnmobil und Steuer für Freiberufler 2026.

Weitere Möglichkeiten: Spritkosten direkt senken

Neben der steuerlichen Optimierung gibt es praktische Ansätze, um die Kraftstoffkosten im Betriebsalltag zu reduzieren:

  • Routenplanung: Clevere Tourenplanung kann den Kraftstoffverbrauch eines Handwerksbetriebs um 10 bis 20 Prozent senken – ohne einen einzigen Auftrag zu verlieren.
  • Elektro-Transporter: Wer seinen Fuhrpark erneuert, profitiert von staatlichen Förderungen für Elektro-Nutzfahrzeuge und ist von künftigen Spritpreisschwankungen unabhängig.
  • Gewerbliche Tankkarten: Viele Kraftstoffanbieter gewähren Gewerbetreibenden Rabatte über Tankkarten – bei hohem Verbrauch kann das monatlich mehrere Dutzend Euro Ersparnis bedeuten.

Wann lohnt sich eine Fachberatung?

Die richtige Methode zur Absetzung von Fahrtkosten hängt von vielen individuellen Faktoren ab: Unternehmensform, Fahrzeugtyp, jährliche Fahrleistung und Gewinnstruktur spielen alle eine Rolle. Wer hier falsch entscheidet, verschenkt bares Geld – oder riskiert Rückfragen vom Finanzamt.

Hinweis: Die in diesem Artikel genannten steuerlichen Möglichkeiten dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Steuerberatung.

Ein erfahrener Vermögensberater oder Steuerexperte kann die individuelle Situation analysieren und die optimale Strategie erarbeiten. Auf ExpertZoom finden Handwerker und Selbstständige qualifizierte Fachleute, die genau wissen, wie sie in Zeiten hoher Spritpreise ihre Steuerlast legal minimieren – und ihren Betrieb trotz steigender Energiekosten profitabel halten.

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