Älterer deutscher Entertainer im Anzug auf einer kleinen Bühne, Scheinwerferlicht

Roberto Blanco mit 88 Jahren auf der Bühne: Was Senioren beim Arbeiten schützt

Lena Lena SchmidtGeriatrie
4 Min. Lesezeit 22. März 2026

Roberto Blanco mit 88 Jahren auf der Bühne: Was wir von Senioren lernen können, die weitermachen

Roberto Blanco ist am 13. März 2026 beim ZDF-Magazin Volle Kanne aufgetreten — mit 88 Jahren, nach sieben Jahrzehnten Showgeschäft. Der Sänger, der mit „Ein bisschen Spaß muss sein" Generationen geprägt hat, steht Ende März 2026 erneut auf der Bühne in Dessau-Roßlau. Sein Auftritt hat eine alte Debatte neu entfacht: Wie lange sollte man arbeiten? Was schützt ältere Arbeitnehmer — und was riskieren sie?

Ein Ausnahmefall, der den Alltag vieler widerspiegelt

Roberto Blanco ist kein Einzelfall mehr. In Deutschland arbeiten laut Statistischem Bundesamt (Stand Januar 2026) rund 1,3 Millionen Menschen im Alter von 70 Jahren und älter in irgendeiner Form beruflich — sei es in Teilzeit, als Selbstständige, oder in künstlerischen Berufen ohne festes Rentendatum. Mit der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und den laufenden Debatten über eine Rente mit 70 wird diese Gruppe weiter wachsen.

Für manche ist die Weiterarbeit eine Wahl, für andere eine wirtschaftliche Notwendigkeit. In beiden Fällen stellt sich die Frage: Was braucht ein Körper, der mit 88 Jahren noch auf einer Bühne stehen — oder an einem Schreibtisch sitzen — soll?

Was die Geriatrie über das Arbeiten im Alter weiß

Geriatrie ist die medizinische Fachrichtung für ältere Menschen. Ein Geriater bewertet nicht nur einzelne Erkrankungen, sondern den Menschen in seiner Gesamtheit — körperliche Leistungsfähigkeit, kognitive Funktion, soziale Einbindung, Medikamentensicherheit und das Risiko von Stürzen oder plötzlichem Funktionsverlust.

Was die Geriatrie für arbeitende Senioren besonders relevant macht:

  • Polypharmazie: Viele Menschen ab 75 Jahren nehmen vier oder mehr Medikamente gleichzeitig. Deren Wechselwirkungen können die Reaktionsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Konzentration beeinflussen — mit direkten Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit.
  • Kognitive Reserven: Das Risiko für Demenzerkrankungen steigt mit dem Alter. Ein Geriater kann frühe Zeichen erkennen und — in vielen Fällen — durch gezielte Maßnahmen das Fortschreiten verlangsamen.
  • Herzkreislauf-Belastung: Auftritte, Reisen, Termindruck — das Herz-Kreislauf-System reagiert auf Stress anders als im mittleren Alter. Regelmäßige Kontrollen sind keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
  • Sturzprävention: Bühnenpräsenz, Treppenstufen, Kabel auf dem Podium — das Sturzrisiko ist bei über 80-Jährigen deutlich erhöht. Ein Geriater kann gezielt Übungen und Anpassungen empfehlen.

Welche Rechte haben ältere Arbeitnehmer in Deutschland?

Das deutsche Arbeitsrecht kennt kein automatisches Renteneintrittsalter. Nach §41 SGB VI ist es möglich, über das Regelrentenalter hinaus zu arbeiten — entweder im bisherigen Beschäftigungsverhältnis (das fortgesetzt oder neu begründet werden muss) oder als Selbstständiger ohne Altersgrenze.

Für Arbeitnehmer, die nach dem Renteneintritt weiterarbeiten, gilt:

  • Das Arbeitsverhältnis endet grundsätzlich mit Erreichen der Regelaltersgrenze, sofern der Vertrag dies vorsieht — es sei denn, beide Parteien einigen sich auf eine Verlängerung.
  • Es besteht weiterhin Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und auf die Regelungen des Arbeitsschutzgesetzes.
  • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für den Arbeitsplatz durchzuführen — unabhängig vom Alter des Beschäftigten.
  • Selbstständige Künstler und Freiberufler, wie Blanco, sind über die Künstlersozialkasse (KSK) rentenversichert und können Rente und Einkommen kombinieren.

Was sind die Zeichen, dass der Körper mehr Aufmerksamkeit braucht?

Weitermachen ist keine Frage des Willens allein. Der Körper gibt Signale, die ernst genommen werden müssen:

  • Anhaltende Erschöpfung, die durch Schlaf nicht behoben wird
  • Zunehmende Vergesslichkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwindel, Gangusicherheit oder wiederholte Stürze
  • Herzrasen oder Kurzatmigkeit bei normaler Belastung
  • Muskel- oder Gelenkschmerzen, die sich trotz Schonung nicht bessern

Diese Signale sind keine unvermeidlichen Folgen des Alters. Sie sind medizinisch abklärbare und oft behandelbare Zustände. Ein Geriater kann beurteilen, ob die körperlichen und kognitiven Voraussetzungen für eine weitere Berufstätigkeit gegeben sind — und welche Anpassungen nötig wären.

Vorsorge ist kein Zeichen von Schwäche

Roberto Blanco ist ein Ausnahmetalent mit einer außergewöhnlichen Konstitution. Aber auch er — wie er selbst in Interviews betont — arbeitet bewusst und überlegt. Wer im fortgeschrittenen Alter weiter beruflich aktiv sein möchte, tut gut daran, dies in ärztlicher Begleitung zu tun.

Ein Geriater ist dabei kein Schiedsrichter, der entscheidet, ob man „noch kann". Er ist ein Partner, der dabei hilft, das Optimum aus dem herauszuholen, was der Körper bietet — und rechtzeitig zu erkennen, wenn Anpassungen notwendig sind.

Auf Expert Zoom können Sie einen Geriater oder Arbeitsmediziner unkompliziert online konsultieren. In einem vertraulichen Gespräch lässt sich schnell klären, ob die aktuelle Arbeitssituation gesundheitlich tragfähig ist — und was sich verbessern lässt.

In der Praxis: Welche Schritte empfiehlt die Geriatrie für aktive Senioren?

Für Menschen über 75, die weiterhin beruflich oder künstlerisch aktiv sein möchten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie folgende Vorsorgeschritte:

  • Geriatrisches Basisassessment alle 12 Monate: Kognition, Mobilität, Ernährungszustand, Sehvermögen, Hörvermögen
  • Medikamentencheck mit dem behandelnden Arzt: Überprüfung auf vermeidbare Wechselwirkungen
  • Sturzprävention: Koordinations- und Balanceübungen, ggf. angepasstes Schuhwerk und Wohnraumanpassungen
  • Soziale Einbindung erhalten: Soziale Isolation ist laut einer Metaanalyse der Lancet aus 2024 ein stärkerer Prädiktor für kognitiven Abbau als viele körperliche Risikofaktoren

Roberto Blanco ist nicht nur für sein Talent bekannt, sondern auch für sein soziales Netzwerk — sein Verhältnis zu Kollegen wie Heino, seine Auftritte und Interviews zeigen, dass er aktiv im Austausch mit Menschen bleibt. Das ist kein Zufall: Es ist Teil einer Lebensweise, die die Wissenschaft heute als schützend beschreibt.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Arzt.

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