Nino de Angelo trotz COPD auf Platz 1: Was Ärzte COPD-Patienten jetzt raten

Nino de Angelo live auf der Bühne beim Alpen Flair Festival 2025

Photo : Sven Mandel / Wikimedia

Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 23. Mai 2026

Er denkt nach eigener Aussage „jeden Tag an den Tod" – und steht trotzdem auf Platz 1 der Airplay-Charts. Nino de Angelo, 60 Jahre alt, leidet seit Jahren an COPD im fortgeschrittenen Stadium, hat mehrfach Krebs besiegt und mehrere Herzoperationen hinter sich. Trotzdem erscheint am 12. Juni 2026 sein neues Album „Vivi la vita" – was auf Deutsch so viel heißt wie: Lebe das Leben. Sein Duett „Bella italia e amore" mit Marina Marx, am 22. Mai 2026 bei der ARD Schlagerhitparade präsentiert, erreicht in der dritten Woche Platz 1 der conservativen Airplay-Charts.

Was macht jemanden so stark, dass er mit einer schweren Lungenerkrankung auf Tournee geht? Und was sollten COPD-Patienten wissen, die sich fragen, wie viel Lebensqualität trotz Diagnose möglich ist?

Was ist COPD – und wie ernst ist Nino de Angelos Zustand?

COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine chronische, fortschreitende Lungenerkrankung, die vor allem durch langjähriges Rauchen entsteht. Betroffene leiden unter dauerhaftem Husten, Atemnot und eingeschränkter Belastbarkeit. Laut Deutschem Lungentag sind in Deutschland rund 6,8 Millionen Menschen von COPD betroffen – viele davon wissen es nicht.

Die Erkrankung wird in vier Schweregrade (GOLD I bis IV) eingeteilt. Nino de Angelo hat öffentlich erklärt, er wolle gar nicht wissen, in welchem Stadium er sich befinde. Ein mögliches Endstadium (GOLD IV) bedeutet: Sauerstofftherapie, stark eingeschränkte körperliche Belastbarkeit, ständige Exazerbationsrisiken. Eine Lungentransplantation wäre medizinisch möglich – de Angelo lehnt sie jedoch ab.

Solche Entscheidungen sind zutiefst persönlich. Doch die medizinische Frage bleibt: Wie gut kann man mit COPD im fortgeschrittenen Stadium noch leben und aktiv sein?

Behandlungsoptionen: Was die Medizin heute leisten kann

Die Behandlung von COPD hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Wer früh diagnostiziert wird und die Therapie konsequent umsetzt, kann das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen:

Medikamentöse Therapie: Langwirksame Bronchodilatatoren (LABA/LAMA) sind heute Standard und können die Lebensqualität deutlich verbessern. In schweren Fällen kommen kombinierte Inhalatoren zum Einsatz. Laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) ist die regelmäßige Inhalationstherapie die Basis jeder COPD-Behandlung.

Pulmonale Rehabilitation: Ein strukturiertes Bewegungsprogramm – auch Lungensport genannt – verbessert nachweislich Ausdauer, Atemnot und psychische Lebensqualität. Studien zeigen, dass regelmäßiges Training sogar im GOLD-III-Stadium die Belastbarkeit messbar steigern kann.

Langzeit-Sauerstofftherapie: Bei Sauerstoffsättigung unter 88 Prozent empfehlen Ärzte Sauerstoff zumindest 16 Stunden täglich. Viele Patienten können damit noch reisen und sozial aktiv bleiben.

Endoskopische Lungenvolumenreduktion: Eine neuere, minimal-invasive Methode, bei der Ventile in überblähten Lungenbereichen eingesetzt werden. Sie kann die Atemnot spürbar verbessern, ohne die Risiken einer offenen Operation.

Lungentransplantation: Wann sie sinnvoll ist – und wann nicht

Nino de Angelo lehnt eine Transplantation ab. Das ist sein Recht – und aus medizinischer Sicht keineswegs irrational. Eine Lungentransplantation verlängert das Leben, ist aber kein Heilmittel: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei rund 55 Prozent, begleitet von lebenslanger Immunsuppression und dem Risiko chronischer Abstoßungsreaktionen (CLAD).

Für viele Patienten stellt sich daher die Frage: Wie viel Einschränkung möchte ich für wie viele zusätzliche Jahre in Kauf nehmen? Diese Entscheidung ist individuell und sollte im Dialog mit einem Lungenfacharzt getroffen werden – nicht unter Druck, sondern nach sorgfältiger Aufklärung über alle Optionen einschließlich Palliativversorgung.

Chronisch krank und trotzdem aktiv: Was Forschung und Praxis zeigen

Nino de Angelos Geschichte ist außergewöhnlich – aber keine Ausnahme. Menschen mit schwerer COPD, Krebserkrankungen oder Herzerkrankungen führen erfüllte, produktive Leben. Entscheidend sind dabei drei Faktoren:

  1. Therapietreue: Wer seine Inhalatoren regelmäßig nutzt und Exazerbationen früh behandelt, bleibt stabiler.
  2. Psychische Resilienz: Sinn, Ziele und soziale Einbindung sind messbare Faktoren für bessere Krankheitsverläufe.
  3. Frühe Spezialistenberatung: Wer einen auf Lungenkrankheiten spezialisierten Arzt regelmäßig aufsucht, erkennt Verschlechterungen früher.

Wann sollte man mit COPD einen Arzt aufsuchen?

Viele Betroffene warten zu lang. Folgende Warnsignale erfordern sofortige ärztliche Abklärung:

  • Plötzliche starke Verschlechterung der Atemnot
  • Fieber mit gelblichem oder grünlichem Auswurf (Zeichen einer Exazerbation)
  • Blauverfärbung der Lippen oder Fingernägel (Zyanose)
  • Verwirrtheit oder Benommenheit

Auch ohne Notfall gilt: Wer noch keine COPD-Diagnose hat, aber regelmäßig hustet, Auswurf hat oder bei leichter Belastung außer Atem kommt, sollte einen Lungenfacharzt aufsuchen. Spirometrie-Tests, mit denen die Lungenfunktion in wenigen Minuten gemessen wird, sind in fast jeder pneumologischen Praxis möglich.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei konkreten gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Arzt oder Spezialisten.


Vorsorge lohnt sich: COPD früh erkennen

COPD ist heilbar – das stimmt. Aber die Erkrankung lässt sich früh erkennen und ihr Verlauf entscheidend verlangsamen. Wer mit dem Rauchen aufhört, schützt die Lunge besser als jedes Medikament. Die Deutsche Atemwegsliga empfiehlt Rauchern ab 40 eine jährliche Lungenfunktionsprüfung. Das klingt banal, wird aber selten umgesetzt.

Nino de Angelos Geschichte zeigt: Selbst wer spät kommt, kann noch viel tun. Sein Album „Vivi la vita" erscheint am 12. Juni 2026 – und er plant bereits eine Release-Party am 13. Juni in Mainz. Mit COPD, nach Krebs, nach mehreren Herzoperationen.

Nino de Angelos Botschaft mit „Vivi la vita" trifft einen medizinischen Nerv: Trotz schwerer Diagnose lohnt es sich, aktiv zu bleiben und die bestmögliche Behandlung zu suchen. Über ExpertZoom finden Sie erfahrene Lungenfachärzte und Allgemeinmediziner für eine persönliche Beratung zu COPD und chronischen Atemwegserkrankungen.

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