Robert Redford stirbt mit 89: Was das Erbe internationaler Prominenter über grenzüberschreitendes Erbrecht lehrt

Robert Redford bei einem Empfang im Weißen Haus

Photo : PunkToad from oakland, us / Wikimedia

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 11. Mai 2026

Robert Redford stirbt mit 89: Was das Erbe internationaler Prominenter über grenzüberschreitendes Erbrecht lehrt

Am 16. September 2025 starb Robert Redford in seinem Haus in Sundance, Utah. Er wurde 89 Jahre alt. Der Oscar-Preisträger, Gründer des Sundance Film Festivals und Regisseur von Klassikern wie "All the President's Men" hinterließ nicht nur eines der bekanntesten Filmvermächtnisse Hollywoods – sondern auch eine Situation, die in rechtlicher Hinsicht von grenzüberschreitender Komplexität geprägt ist.

Bei der Oscar-Verleihung im März 2026 würdigte Barbra Streisand ihren langjährigen Co-Star mit einem emotionalen Auftritt. In Deutschland trägt die Trauer um Redford noch eine besondere persönliche Note: Er hatte 2009 in Hamburg die deutsche Künstlerin Sibylle Szaggars geheiratet. Sein Tod stellt die Frage, was passiert, wenn ein amerikanischer Staatsbürger mit deutschen Familienverbindungen stirbt – und was das für vergleichbare Situationen in der Realität bedeutet.

Robert Redford: Das Erbe eines Hollywoodstars

Robert Redford gründete 1978 das Sundance Institute, das zu einer der einflussreichsten Kulturinstitutionen der Welt wurde. Das Sundance Film Festival gilt als wichtigstes Forum für unabhängigen Film in den USA. Im Januar 2026 ehrte das Festival seinen Gründer mit dem neu geschaffenen "Robert Redford Luminary Award", der erstmals an Ed Harris und Gyula Gazdag verliehen wurde.

Über den genauen Wert seines Nachlasses ist offiziell nichts bekannt. Klar ist jedoch: Als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Aktivist hinterließ er ein vielschichtiges Vermögen – bestehend aus Immobilien in Utah, Kunstwerken, Honorarforderungen und Anteilen an Produktionsprojekten.

Internationales Erbrecht: Wenn zwei Rechtssysteme aufeinandertreffen

Der Tod eines amerikanischen Staatsbürgers mit enger Verbindung zu Deutschland wirft sofort eine zentrale juristische Frage auf: Welches Recht gilt?

In Europa ist diese Frage seit 2015 durch die EU-Erbrechtsverordnung (EU Nr. 650/2012) weitgehend geregelt. Danach gilt grundsätzlich das Recht des Staates, in dem der Verstorbene zuletzt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Für Robert Redford – dauerhaft in Utah ansässig – bedeutet dies: US-amerikanisches Erbrecht.

Allerdings gelten für Vermögenswerte in Deutschland eigene Regeln. Immobilien oder Bankguthaben in Deutschland unterliegen in bestimmten Konstellationen deutschem Erbschaftsteuerrecht. Und wenn der überlebende Ehepartner oder Erbe in Deutschland lebt, entstehen weitere Fragen: Wieviel Erbschaftsteuer fällt an? Was gilt für deutsch-amerikanische Ehen ohne Ehevertrag?

Ehe ohne Grenzen: Was bei binationalen Ehen gilt

Sibylle Szaggars und Robert Redford heirateten 2009 in Hamburg. Eine solche binationale Ehe unterliegt sowohl dem Güterrecht des US-Bundesstaates Utah als auch möglichen deutschen Regelungen – abhängig davon, welches Recht die Ehepartner ausdrücklich gewählt haben.

In Deutschland gilt ohne anders lautenden Ehevertrag die Zugewinngemeinschaft: Jeder Partner behält sein Vermögen, beim Tod wird der Zugewinn ausgeglichen. In den USA variieren die Regeln je nach Bundesstaat erheblich. Utah zum Beispiel folgt dem "Separate Property"-System – ohne Gütertrennung kraft Gesetz.

Wer als Deutscher einen ausländischen Partner heiratet oder umgekehrt, sollte diese Fragen frühzeitig mit einem auf internationales Familienrecht spezialisierten Anwalt klären. Ein fehlender Ehevertrag kann im Todesfall zu kostspieligen und langwierigen Rechtstreitigkeiten führen.

Erbschaft und Erbschaftsteuer: Was Deutsche mit Auslandsvermögen wissen müssen

Der Fall Redford berührt eine Frage, die in Deutschland immer häufiger wird: Was passiert, wenn Deutsche im Ausland arbeiten, leben oder heiraten – und dort Vermögen aufbauen?

Das deutsche Erbschaftsteuerrecht kennt eine unbeschränkte Steuerpflicht, wenn Erblasser oder Erbe zum Zeitpunkt des Todes in Deutschland wohnt. Auch ausländisches Vermögen kann dann in Deutschland steuerpflichtig sein – selbst wenn im Ausland bereits Erbschaftsteuer gezahlt wurde. Doppelbesteuerungsabkommen regeln, ob und wie diese Steuer angerechnet wird. Mit den USA besteht jedoch kein solches Abkommen für Erbschaften.

Das bedeutet im schlimmsten Fall: Eine Erbschaft wird zweimal besteuert – einmal in den USA, einmal in Deutschland. Für Betroffene kann das zu einer erheblichen finanziellen Belastung führen.

Was Redfords Fall Privatpersonen lehrt

Robert Redfords Geschichte ist kein Einzelfall – sie spiegelt eine Realität wider, mit der zunehmend viele Deutsche konfrontiert sind. Menschen, die im Ausland arbeiten, binationale Ehen führen oder international investieren, sollten sich frühzeitig mit Erbrecht und Nachlassplanung beschäftigen.

Konkrete Empfehlungen von Experten:

1. Testament in beiden Ländern aufsetzen: Ein in Deutschland gültiges Testament ist in den USA möglicherweise nicht anerkannt. Wer in mehreren Ländern Vermögen hat, sollte dort jeweils ein rechtsgültiges Testament hinterlegen.

2. Güterrechtliche Wahl treffen: Bei binationalen Ehen sollte das anwendbare Recht klar vereinbart und notariell beurkundet sein.

3. Erbschaftsteuer im internationalen Kontext planen: Ohne Doppelbesteuerungsabkommen drohen Mehrfachbesteuerungen. Ein Steuerberater mit internationalem Mandat kann helfen.

4. Stiftungen und Vermächtnisse prüfen: Wie Redford mit dem Sundance Institute gezeigt hat, können gemeinnützige Strukturen eine sinnvolle Möglichkeit sein, Vermögen dauerhaft zu sichern und steueroptimiert weiterzugeben.

5. Früh handeln: Erbschaftspläne sollten nicht im hohen Alter erstellt werden. Wer Auslandsvermögen hat, sollte bereits mit 40 oder 50 Jahren handeln.

Wann ein Rechtsexperte unverzichtbar ist

Grenzüberschreitende Erbschaften sind eines der komplexesten Gebiete im Zivilrecht. Die Verflechtung von US-Recht, EU-Verordnungen, deutschem Erbschaftsteuerrecht und internationalem Familienrecht macht es nahezu unmöglich, ohne juristische Begleitung die richtige Entscheidung zu treffen.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Rechtsberatung dar. Für konkrete Nachlassfragen wenden Sie sich an einen zugelassenen Fachanwalt für Erbrecht.

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