Jennifer Lopez besitzt seit April 2026 das gesamte Beverly-Hills-Anwesen, das sie 2023 mit Ben Affleck für 60,85 Millionen Dollar gekauft hatte. Affleck hat seinen Anteil unentgeltlich auf die Sängerin übertragen — am 10. April 2026 wurde der Vorgang öffentlich. Wenige Wochen später, am 5. Mai 2026, listete Lopez die Villa für rund 50 Millionen Dollar. Was nach Hollywood-Geste klingt, hat in Deutschland eine ganz andere juristische Bedeutung: Ein vergleichbarer Vermögenstransfer würde Zugewinnausgleich, Schenkungsteuer und Ehevertrag berühren — und genau hier hapert es bei vielen deutschen Paaren.
Was zwischen Affleck und Lopez tatsächlich passiert ist
Das gemeinsame Anwesen ging 2023 mit einem Kaufpreis von 60,85 Millionen Dollar in das Eigentum beider zu gleichen Teilen über. Nach der Scheidung im Jahr 2025 blieb die Immobilie zunächst gemeinsamer Besitz, wurde mehrfach zum Verkauf angeboten und fand keine Käufer.
Im April 2026 erklärte Affleck seinen Verzicht auf seinen Anteil zugunsten von Lopez. Anschließend reduzierte die Sängerin den Listenpreis auf 50 Millionen Dollar. Parallel renoviert sie ein zweites Anwesen mit rund 10.046 Quadratfuß Wohnfläche in Hidden Hills, in das sie laut US-Medien Ende Mai 2026 eingezogen ist.
In den USA ist diese Konstellation rechtlich relativ schlicht: Kalifornien kennt das "Community Property"-Modell, ein Anwalt setzt einen Quitclaim Deed auf, Affleck verzichtet auf seinen Anteil, und die Steuerfolgen sind durch Schenkungsfreibeträge auf Lebenszeit weitgehend planbar. In Deutschland sähe der Vorgang deutlich komplizierter aus.
Was deutsches Scheidungsrecht für so einen Fall vorsieht
Ohne Ehevertrag leben deutsche Ehepaare im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das Eigentum bleibt während der Ehe getrennt — ausgeglichen wird nur der Wertzuwachs (Zugewinn) bei Scheidung. Drei Punkte sind dabei zentral:
- § 1378 BGB regelt den Zugewinnausgleich: Der Ehepartner mit dem geringeren Zugewinn erhält die Hälfte der Differenz in Geld — nicht in Sachwerten.
- § 1408 BGB erlaubt den Ehevertrag in notarieller Form, mit dem unter anderem Gütertrennung oder modifizierte Zugewinngemeinschaft vereinbart werden können.
- § 7 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz definiert die Schenkung — und damit eine mögliche Steuerpflicht, wenn ein Ehepartner dem anderen über die ehelichen Pflichten hinaus Vermögen überträgt.
Den vollständigen Gesetzestext zu den ehelichen Güterständen stellt das Bundesministerium der Justiz auf gesetze-im-internet.de bereit.
Warum eine "Schenkung" der eigenen Hälfte teuer werden kann
Wenn ein Ehepartner — wie Affleck — seinen hälftigen Anteil an einer Immobilie unentgeltlich überträgt, ist das in Deutschland rechtlich keine bloße Geste, sondern eine Schenkung unter Lebenden. Daraus folgen zwei Konsequenzen:
- Schenkungsteuer: Unter Eheleuten gilt zwar ein Freibetrag von 500.000 Euro alle zehn Jahre. Bei einem Anteil im Wert von 30 Millionen Euro reicht das selbstverständlich nicht — der überschießende Betrag wird nach Steuerklasse I progressiv besteuert.
- Rückwirkung im Zugewinnausgleich: Hat ein Ehepartner kurz vor der Scheidung Vermögen verschenkt, kann der andere unter Umständen einen Ergänzungsanspruch nach § 1375 Absatz 2 BGB geltend machen — die illoyale Vermögensminderung wird dem Endvermögen wieder zugeschlagen.
Anders verhält es sich bei einem Familienheim: Die Übertragung der selbst genutzten Familienwohnung unter Ehegatten ist schenkungsteuerfrei (§ 13 Absatz 1 Nr. 4a ErbStG). Genau hier wird der Berater stutzig: Eine 60-Millionen-Villa, die zum Zeitpunkt der Übertragung nicht mehr gemeinsam bewohnt wird, fällt nicht mehr unter diese Befreiung.
Was ein Familienanwalt aus dem Fall Lopez/Affleck mitnimmt
Hollywood-Promis sind keine deutschen Mandanten, aber drei Lehren lassen sich für deutsche Eheverträge ableiten:
- Großzügigkeit braucht eine Steuerklausel. Wer im Trennungsvertrag eine Immobilie überlässt, sollte schon im Notartermin die Schenkungsteuerlast einkalkulieren — andernfalls wird die "Großzügigkeit" zur Zwangsverwertung.
- Renovierungsanwesen nicht übersehen. Renovierungen, die kurz vor der Trennung beginnen, fließen in das Endvermögen ein und können den Zugewinn deutlich erhöhen.
- Listing-Preis ist Indizwert. Wer den Preis nach der Übertragung deutlich senkt, schafft Argumente für eine spätere Anfechtung des Werts durch den Zugewinnausgleich-Schuldner.
Wer mit konkreten Heiratsplänen den passenden vertraglichen Rahmen sucht, findet weitere Hintergründe in der Übersicht zu den rechtlichen Fallen beim Heiraten 2026 in Deutschland sowie zur Familienrechtsreform 2026 und ihren Folgen für getrennte Eltern.
Was Sie selbst prüfen können
Auch wenn Sie kein Anwesen in Beverly Hills besitzen, lohnt sich der nüchterne Selbstcheck mit drei Fragen:
- Haben Sie einen Ehevertrag? Ohne Vertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft — mit allen Konsequenzen für Karriere-Vermögen, Erbschaften und Unternehmensbeteiligungen.
- Wem gehört Ihre Immobilie nach Grundbuch? Eigentum nach Grundbuch ist nicht gleich Zugewinn. Wer alleine im Grundbuch steht, behält das Eigentum — die Wertsteigerung wird trotzdem hälftig geteilt.
- Wie ist Ihr Anfangsvermögen dokumentiert? Ohne Beweise gilt das Anfangsvermögen als null — und der gesamte heutige Bestand wird zum Zugewinn.
Eine Erstberatung beim Fachanwalt für Familienrecht kostet in der Regel deutlich unter 250 Euro netto und beantwortet diese Fragen verbindlich.
Wann der Termin beim Notar sinnvoll ist
Drei Auslöser sprechen für einen Notartermin:
- Größere Vermögenssprünge stehen bevor — Erbschaft, Unternehmensverkauf, signifikante Karrieresprünge.
- Selbstständigkeit oder Unternehmensbeteiligung — das eigene Unternehmen fällt sonst in den Zugewinn, was bei Scheidung zu Liquiditätsproblemen führt.
- Internationaler Bezug — wenn ein Ehepartner im Ausland Vermögen hat oder die Ehe später ins Ausland verlegt werden könnte.
Der Ehevertrag ist nur in notarieller Form wirksam. Honorare richten sich nach dem GNotKG und sind häufig günstiger als gedacht: Eine Standardregelung mit Vermögenswert 500.000 Euro liegt typischerweise im niedrigen vierstelligen Bereich.
Was Sie diese Woche tun können
Auch ohne Notartermin sind drei Schritte sofort umsetzbar:
- Anfangsvermögen dokumentieren — Kontoauszüge, Sparbücher, Wertgutachten von Eintrittstag der Ehe.
- Grundbuchauszug Ihrer Immobilie bestellen und Eigentumsverhältnisse prüfen.
- Vorhandene letztwillige Verfügungen mit dem Ehevertrag abgleichen, um Widersprüche zu vermeiden.
Jennifer Lopez wird sich um deutsche Schenkungsteuer keine Gedanken machen müssen. Deutsche Paare, die ihre Vermögensstruktur ähnlich elegant lösen wollen, brauchen dafür den Ehevertrag — und einen unaufgeregten Anwalt, der Steuer und Familienrecht zusammen denkt.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Für konkrete Vertragsgestaltungen empfiehlt sich der Termin beim Fachanwalt für Familienrecht oder beim Notar.

Charlotte Schneider