Ein Reifenrückruf kann Leben retten – doch die wenigsten Autofahrerinnen und Autofahrer wissen, ob ihr Fahrzeug betroffen ist. Im Mai 2026 hat Goodyear einen neuen Sicherheitsrückruf für seinen Hochleistungsreifen Eagle F1 SuperSport gemeldet: Bei hohen Geschwindigkeiten kann sich die Laufflächenkrone ablösen, was zu einem plötzlichen Kontrollverlust führen kann. Welche Reifenmodelle 2026 noch betroffen sind, was Ihre Rechte als Verbraucher sind – und wann ein Kfz-Fachmann weiterhelfen kann.
Welche Reifen 2026 zurückgerufen wurden
Goodyear Eagle F1 SuperSport (aktuell, Mai 2026): Der bekannteste laufende Rückruf betrifft zwei Reifengrößen in bestimmten Produktionswochen:
- 255/35ZR20 (97Y): Produktionswochen 22/2024, 36/2025 und 37/2025
- 305/30ZR21 (104Y): Produktionswochen 23/2024, 35/2025, 36/2025 und 37/2025
Rund 250 Reifen in Europa sind betroffen, hergestellt im Goodyear-Werk Hanau. Das Risiko: Bei höheren Geschwindigkeiten kann Material aus der Laufflächenkrone brechen und sich ablösen. Bislang wurden keine Unfälle gemeldet. Betroffene Reifen werden von autorisierten Händlern kostenlos ersetzt.
Michelin Primacy 5 Energy (Anfang 2026): Michelin rief rund 253 Reifen der Größe 205/60R16 92H aus den Produktionswochen 3 und 4 des Jahres 2026 zurück. Ursache: schleichender Druckverlust. Betroffene erhalten kostenlosen Ersatz beim nächsten Michelin-Händler.
Semperit Van-Grip 2 (älterer Rückruf, weiterhin KBA-Warnung aktiv): Transporter-Reifen der Größe 215/65R16 C aus den Produktionswochen 14 und 15 des Jahres 2017 sind aufgrund einer fehlerhaften Gummimischung mit Platzer-Risiko vom KBA gewarnt. Besitzer älterer Transporter sollten auch vergangene Rückrufaktionen checken.
Wie erkenne ich, ob mein Reifen betroffen ist?
Der entscheidende Schlüssel steht auf jedem Reifen: die DOT-Nummer. Sie befindet sich seitlich in die Reifenflanke eingeprägt und beginnt mit den Buchstaben „DOT", gefolgt von einem Zahlen-Buchstaben-Code. Die letzten vier Ziffern sind die wichtigsten: Sie geben Herstellungswoche und -jahr an. Ein Reifen mit der Endziffer „3625" wurde in Woche 36 des Jahres 2025 gefertigt.
Beim Goodyear-Rückruf helfen außerdem spezifische DOT-Kennungen (vollständige Codes beim Hersteller oder Händler erhältlich). Die öffentliche KBA-Rückrufdatenbank erlaubt zudem die gezielte Suche nach betroffenen Fahrzeugen und Reifenmarken – kostenlos und ohne Anmeldung.
Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stieg die Zahl der von Rückrufaktionen betroffenen Fahrzeuge 2024 auf rund 2,84 Millionen – ein Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Reifen, Räder und Aufhängung machen 18,8 Prozent aller Mängel bei Hauptuntersuchungen aus.
Was sind Ihre Rechte als Verbraucher?
Seit Dezember 2024 gilt die EU-Verordnung 2023/988 (Allgemeine Produktsicherheitsverordnung, GPSR). Sie stärkt die Rechte von Verbrauchern bei Produktrückrufen erheblich. Bei einem offiziellen Rückruf haben Sie Anspruch auf mindestens zwei der folgenden Maßnahmen – kostenlos:
- Reparatur: Behebung des Mangels ohne Kosten
- Ersatz: Lieferung eines gleichwertigen, mängelfreien Reifens
- Rückerstattung: Erstattung des Kaufpreises
Transport- und Versandkosten trägt stets der Hersteller oder Händler. Fristen spielen hier keine Rolle – Rückrufaktionen sind zeitlich nicht begrenzt.
Darüber hinaus gilt nach BGB eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren beim Kauf neuer Reifen. Wer einen mangelhaften Reifen als Neukauf erhalten hat, kann also auch ohne Rückruf Nacherfüllung, Rücktritt oder Minderung verlangen.
Was raten Kfz-Fachleute?
Erfahrene Kfz-Mechaniker empfehlen, bei jedem Ölwechsel oder Reifenwechsel die DOT-Nummer systematisch zu prüfen – nicht nur bei bekannten Rückrufen. Denn Rückrufmeldungen kommen manchmal erst Monate nach der Produktion. Wer seine Reifen regelmäßig von einer Fachwerkstatt kontrollieren lässt, erhält häufig automatisch einen Hinweis, wenn ein Rückruf läuft.
Konkret empfehlen Kfz-Experten:
- DOT-Nummer notieren und mit der KBA-Datenbank abgleichen
- Reifen sichtprüfen: Risse, Beulen oder unregelmäßiger Abrieb sind Warnsignale – unabhängig von Rückrufen
- Reifenalter beachten: Reifen über acht Jahre sollten auch ohne sichtbaren Schaden ersetzt werden (Gummialterung)
- Luftdruck wöchentlich prüfen: Schleichende Druckverluste – wie beim Michelin-Rückruf – sind oft nicht sofort spürbar
Das ähnliche Rückrufproblem beim VW-Elektroauto 2026 zeigt: Rückrufe sind keine Seltenheit und treffen verschiedenste Fahrzeugkomponenten.
ADAC-Tipp: Auch gebrauchte Reifen prüfen
Wer Reifen gebraucht kauft oder mit dem Auto Gebrauchtteile erwirbt, geht ein unterschätztes Risiko ein. Ein gebrauchter Reifen kann sich in einem laufenden Rückruf befinden, ohne dass der Vorbesitzer davon gewusst hat oder eine Benachrichtigung erfolgte. Experten raten: Vor dem Kauf gebrauchter Reifen immer die DOT-Nummer notieren und selbst in der KBA-Datenbank abfragen. Auch beim Kauf eines Gebrauchtwagens lohnt ein Blick auf die Reifen – manche Händler montieren bewusst alte Lagerware, um Kosten zu sparen.
Wann sollten Sie rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen?
In den meisten Fällen regeln Hersteller und Händler den Rückruf reibungslos. Aber es gibt Ausnahmen:
- Der Händler verweigert den kostenlosen Ersatz oder zögert übermäßig lange
- Es ist bereits ein Unfall passiert, weil ein betroffener Reifen geplatzt ist
- Der Reifen wurde trotz laufendem Rückruf weiterverkauft
In solchen Fällen können Ansprüche aus der Produkthaftung (ProdHaftG) geltend gemacht werden. Der Hersteller haftet verschuldensunabhängig für Personen- und Sachschäden durch fehlerhafte Produkte. Wer einen Rückruf ignoriert und dann verunfallt, riskiert außerdem Mitverschulden – was Schadensersatzansprüche gegen Hersteller empfindlich mindern kann.
Das Wichtigste im Überblick
Rückruf-Meldungen sollte man nicht ignorieren. Informieren Sie sich aktiv über die KBA-Datenbank, prüfen Sie Ihre DOT-Nummern, und suchen Sie umgehend einen autorisierten Händler oder eine Fachwerkstatt auf, wenn Ihre Reifen betroffen sind. Die Kosten trägt der Hersteller.
Auf ExpertZoom finden Sie qualifizierte Kfz-Mechaniker in Ihrer Nähe, die Ihre Reifen fachgerecht prüfen, die DOT-Nummern abgleichen und Ihnen im Zweifel die nächsten Schritte erklären – damit Sie sicher auf der Straße bleiben.

Stefan Koch