Volkswagen ruft ab dem 24. März 2026 rund 28.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland zurück — darunter ID.3, ID.4, ID.5 und ID.Buzz. Defekte Hochvoltbatteriemodule können die Reichweite mindern und im schlimmsten Fall Feuer verursachen. Was betroffene Besitzer jetzt tun müssen — und welche Rechte sie haben.
Was ist passiert?
Volkswagen hat weltweit rund 93.000 Elektrofahrzeuge auf MEB-Basis zurückgerufen. In Deutschland sind laut Angaben des Herstellers etwa 28.000 Fahrzeuge betroffen: 22.182 VW-Modelle und 5.976 Cupra Born.
Die betroffenen Fahrzeuge wurden zwischen dem 7. Februar 2022 und dem 23. August 2024 produziert. Konkret handelt es sich um folgende Modelle:
- VW ID.3, ID.4, ID.5
- VW ID.Buzz und ID.Buzz Cargo
- Cupra Born
Das Problem: Module in der Hochvoltbatterie entsprechen nicht den technischen Spezifikationen. Die Folgen können verringerte Reichweite, das Aufleuchten einer gelben Kontrollleuchte — und in schwerwiegenden Fällen Brandgefahr — sein.
Was passiert bei einem Rückruf?
Wer ein betroffenes Fahrzeug fährt, erhält in den kommenden Wochen eine schriftliche Benachrichtigung von Volkswagen. Die Reparatur ist kostenlos und erfolgt in autorisierten VW-Servicewerkstätten. Konkret sind folgende Schritte geplant:
- Software-Update auf die Fahrzeugelektronik
- Inspektion der Hochvoltbatterie
- Austausch einzelner Batteriemodule, sofern notwendig
Bis zur Reparatur empfiehlt es sich, das Fahrzeug nicht unbeaufsichtigt in geschlossenen Räumen zu laden — auch wenn VW keine offiziellen Verhaltenshinweise für die Übergangszeit gegeben hat.
Welche Rechte haben betroffene Fahrzeugbesitzer?
Hier kommt ein wichtiger Punkt, der vielen Betroffenen nicht bekannt ist: Ein Fahrzeugrückruf bedeutet nicht, dass man als Käufer automatisch auf den Schaden „sitzenbleibt". Das deutsche Recht sieht mehrere Möglichkeiten vor.
Gewährleistungsansprüche
Wer das Fahrzeug als Neuwagen gekauft hat, hat grundsätzlich zwei Jahre Gewährleistung ab dem Kaufdatum. Bei Gebrauchtwagen gilt in der Regel ein Jahr. Zeigt sich im Rahmen des Rückrufs, dass das Fahrzeug bereits beim Kauf mangelhaft war, kann der Käufer:
- Nachbesserung verlangen (die der Hersteller bei einem Rückruf eigentlich bereits erbringt)
- Minderung des Kaufpreises fordern, wenn die Nachbesserung nicht erfolgreich war
- In letzter Instanz vom Vertrag zurücktreten
Schadensersatz bei Wertminderung
Besonders relevant für Gebrauchtwagenbesitzer: Wer sein Fahrzeug nach Bekanntwerden des Rückrufs verkaufen möchte, muss mit einem spürbaren Wertverlust rechnen. In solchen Fällen haben Gerichte in der Vergangenheit Schadensersatz in Höhe von bis zu 25 Prozent des Kaufpreises zugesprochen.
Rückgabe oder Ersatzfahrzeug?
Beim aktuellen MEB-Rückruf handelt es sich um einen sicherheitsrelevanten Mangel. Wer rechtliche Schritte erwägt, sollte beachten: Die Ansprüche richten sich in der Regel gegen den Verkäufer (Händler), nicht direkt gegen VW. Ein Rechtsanwalt mit Erfahrung im Kfz- und Verbraucherrecht kann hier schnell einschätzen, ob und welche Ansprüche bestehen.
Der T-Roc: Ein zweiter Rückruf mit direkter Sicherheitsrelevanz
Parallel zum Elektroauto-Rückruf hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) auch für den VW T-Roc eine Rückrufaktion ausgelöst. Betroffen sind 1.404 Fahrzeuge in Deutschland (4.025 weltweit), die zwischen dem 6. September 2025 und dem 5. Februar 2026 produziert wurden.
Das Problem hier ist noch unmittelbarer: Eine fehlerhafte Verschraubung der Spurstange mit dem Radlagergehäuse kann sich lösen — mit der Folge eines teilweisen oder vollständigen Lenkversagens. Betroffene Besitzer werden dringend gebeten, schnellstmöglich einen Servicetermin zu vereinbaren.
Was bedeutet das für Ihr Fahrzeug?
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist, können Sie die Fahrgestellnummer (FIN/VIN) auf der offiziellen Rückruf-Plattform des Kraftfahrtbundesamts eingeben. Gemäß § 72 StVZO sind Fahrzeughersteller in Deutschland verpflichtet, sicherheitsrelevante Mängel kostenlos zu beheben.
Laut dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) werden alle KBA-angeordneten Rückrufe öffentlich erfasst und sind für Verbraucher einsehbar.
Was tun, wenn die Reparatur nicht klappt?
Manchmal verläuft ein Rückruf nicht reibungslos: Werkstätten sind ausgelastet, Ersatzteile fehlen, oder das Problem tritt nach der Reparatur erneut auf. In diesem Fall sollten Betroffene folgende Schritte beachten:
- Alles dokumentieren: Termine, Korrespondenz mit Händler und Hersteller schriftlich festhalten
- Fristen im Blick behalten: Gewährleistungsfristen laufen weiter, auch während eines Rückrufs
- Rechtliche Beratung suchen: Ein spezialisierter Anwalt für Kfz-Recht kann innerhalb weniger Minuten einschätzen, welche Optionen bestehen
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Ansprüchen empfehlen wir die Konsultation eines Rechtsanwalts.
Was kostet ein Rückruf die Hersteller?
Für Verbraucher ist der Rückruf kostenlos — doch hinter den Kulissen trägt Volkswagen erhebliche Kosten. Bei einem vergleichbaren Batterie-Rückruf in der Vergangenheit lagen die Kosten für Software-Updates und Batteriemodultausch nach Branchenangaben häufig zwischen 500 und 2.500 Euro pro Fahrzeug. Bei rund 93.000 betroffenen Fahrzeugen weltweit summiert sich das schnell auf einen dreistelligen Millionenbetrag.
Für Käufer ist das eine wichtige Information: Der Hersteller hat ein starkes wirtschaftliches Interesse daran, die Reparatur effizient durchzuführen. Das bedeutet aber auch, dass Betroffene keine übermäßig langen Wartezeiten akzeptieren müssen.
Wann sollte man einen Anwalt einschalten?
Nicht jeder Rückruf erfordert sofortige rechtliche Schritte — aber es gibt Situationen, in denen ein Experte helfen kann:
- Der Händler verweigert die kostenlose Reparatur
- Das Fahrzeug hat nach dem Rückruf weiterhin Probleme
- Sie haben das Fahrzeug kurz vor dem Rückruf gekauft und fühlen sich getäuscht
- Ein Unfall ist vor dem Rückruf aufgetreten und könnte mit dem Mangel zusammenhängen
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