Karoline Leavitt, die Pressesprecherin von Donald Trump, hat das Weiße Haus Ende August 2026 verlassen. Trump hatte den Abschied am 12. August angekündigt und mit dem Wunsch nach mehr Zeit für ihre Familie begründet. Seit dem 9. Oktober steht mit Katie Zacharia ihre Nachfolgerin fest.
Was ist passiert, und warum sprechen alle über Elternzeit?
Leavitt war mit 27 Jahren die jüngste Pressesprecherin in der Geschichte des Weißen Hauses. Nach Angaben von Al Jazeera folgte ihr Rückzug auf eine Babypause: Ihr zweites Kind kam Anfang Mai 2026 zur Welt. Zum Monatsende August schied sie aus dem Amt, bleibt Trump aber als „externe Beraterin“ erhalten. Laut Medienberichten wechselt sie zudem am 1. November als Kommentatorin zu Fox News.
Für deutsche Leserinnen und Leser ist weniger die Personalie spannend als die Frage dahinter. Was würde in Deutschland gelten, wenn eine Angestellte in vergleichbarer Position ein Kind bekommt, zurückkehrt und dann merkt, dass sich Job und Familie schwer vereinbaren lassen? Die Antworten sind überraschend konkret.
Wie lange dauert der Mutterschutz in Deutschland?
Das Mutterschutzgesetz schützt Beschäftigte sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Bei Früh- oder Mehrlingsgeburten verlängert sich die Frist nach der Geburt auf zwölf Wochen. In dieser Zeit gilt ein Beschäftigungsverbot nach der Geburt, das Arbeitgeber nicht aufheben können.
Wer in diesem Zeitraum arbeiten will, darf das nach der Geburt nicht. Vor der Geburt ist ein Arbeiten dagegen auf ausdrücklichen Wunsch möglich, und der Wunsch lässt sich jederzeit widerrufen. Der Kündigungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz reicht bis vier Monate nach der Entbindung.
Wie funktioniert die Elternzeit, wenn ich später zurückkehren möchte?
Elternzeit ist ein unbezahlter Freistellungsanspruch, den Mütter und Väter gleichermaßen haben. Er läuft bis zu drei Jahre pro Kind. Wichtig ist die Anmeldung: Für die Zeit bis zum dritten Geburtstag muss die Elternzeit spätestens sieben Wochen vor Beginn schriftlich verlangt werden.
Ab dem Zeitpunkt der Anmeldung, frühestens acht Wochen vor dem Start, greift ein besonderer Kündigungsschutz. Der Arbeitgeber darf dann nur in Ausnahmefällen und mit Zustimmung der zuständigen Landesbehörde kündigen. Die genauen Regeln stehen in § 18 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes.
Darf ich schon während der Elternzeit wieder arbeiten?
Ja, in Teilzeit. Während der Elternzeit sind bis zu 32 Wochenstunden im Durchschnitt erlaubt, auch beim bisherigen Arbeitgeber. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht unter Bedingungen sogar ein Anspruch auf diese Teilzeit. Der Antrag muss sieben Wochen vor dem Start gestellt werden.
Der Fall Leavitt zeigt, wie unterschiedlich solche Wege aussehen können. Nach den Berichten zog sie sich im Frühjahr zurück, kehrte im Sommer ans Rednerpult zurück und gab das Amt schließlich ab. Ob das eine Entscheidung auf Augenhöhe war, lässt sich von außen nicht beurteilen. Hierzulande wäre jeder dieser Schritte rechtlich klar geregelt.
Der konkrete Fall: Eine Pressesprecherin kehrt nach der Geburt zurück
Nehmen wir eine fiktive Kommunikationsleiterin in einem Münchner Unternehmen mit 120 Beschäftigten. Ihr Kind kommt am 5. Mai 2026 zur Welt. Der Mutterschutz endet damit am 30. Juni, acht Wochen nach der Geburt. Die Elternzeit hat sie sieben Wochen vorher schriftlich angemeldet, zunächst für ein Jahr.
Wenn sie im Oktober wieder 25 Stunden pro Woche arbeiten möchte, dann darf sie das innerhalb der 32-Stunden-Grenze beantragen. Lehnt der Arbeitgeber ab, muss er dringende betriebliche Gründe nennen und das binnen vier Wochen schriftlich tun. Versäumt er diese Frist, gilt die Teilzeit unter Umständen als zugestimmt.
Wenn ihr Arbeitgeber ihr stattdessen im September eine Kündigung schickt, ist diese im Regelfall unwirksam, weil der besondere Kündigungsschutz seit der Anmeldung läuft. Sie sollte dann binnen drei Wochen Kündigungsschutzklage erheben. Eine verpasste Frist kann den Schutz entwerten.
Ein weiteres Beispiel: Bietet der Arbeitgeber beim Wiedereinstieg nur eine „gleichwertige“ Stelle mit weniger Verantwortung an, lohnt sich eine rechtliche Prüfung. Nach der Elternzeit besteht Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz, nicht auf irgendeinen.
Was wir aus dem Rücktritt lernen können
Der Wechsel von Leavitt zu Fox News wirft eine zweite Frage auf: Was gilt, wenn man nach der Familienpause das Unternehmen wechselt? In Deutschland ist ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot nur wirksam, wenn der Arbeitgeber eine Karenzentschädigung zahlt. Sie beträgt mindestens die Hälfte der zuletzt bezogenen Vergütung. Ein Verbot ohne Entschädigung ist nichtig.
Wie das bei einer Kommunikationsfachkraft in der Praxis aussieht, zeigt unser Beitrag zur Wettbewerbsverbot-Frage bei einem Chefredakteurinnen-Wechsel. Wer die Rolle ihrer Nachfolgerin im Weißen Haus verstehen will, findet Hintergründe zum Wechsel zu Katie Zacharia.
Wann sollte ich eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt fragen?
Spätestens dann, wenn eines dieser Signale auftritt:
- Der Arbeitgeber verweigert die Elternzeit oder verlangt eine kürzere Dauer.
- Nach der Rückkehr werden Aufgaben oder Gehalt ohne Erklärung gekürzt.
- Sie erhalten eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag während der Schutzfristen.
- Ihr Vertrag enthält ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung.
Aufhebungsverträge in dieser Phase sollten Sie nie sofort unterschreiben. Mit der Unterschrift können Sie auf Schutzrechte verzichten, und eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld droht ebenfalls.
Die Fristen sind kurz: sieben Wochen für die Anmeldung, vier Wochen für die Antwort des Arbeitgebers, drei Wochen für die Klage. Eine frühe Beratung kostet meist weniger als ein verlorener Anspruch.
Und was ist mit leitenden Positionen und Beraterverträgen?
Leavitt bleibt Trump laut dessen Ankündigung als externe Beraterin erhalten. Dieses Modell kennt auch der deutsche Arbeitsmarkt: Wer ein Angestelltenverhältnis beendet, arbeitet danach oft als freie Beraterin für denselben Auftraggeber weiter. Rechtlich ist das heikel, denn mit dem Wechsel in die Selbstständigkeit verlieren Sie Mutterschutz, Elternzeit und Kündigungsschutz.
Für Selbstständige gilt außerdem das Risiko der Scheinselbstständigkeit. Arbeiten Sie weisungsgebunden, mit festen Zeiten und nur für einen Auftraggeber, kann die Deutsche Rentenversicherung ein Angestelltenverhältnis feststellen. Dann drohen Nachzahlungen von Sozialabgaben, die oft den Arbeitgeber treffen, in Teilen aber auch Sie.
Ein Beispiel mit Zahlen: Eine Sprecherin verdient 6.000 Euro brutto im Monat und wechselt im Januar 2027 in ein Beraterverhältnis mit 4.500 Euro Honorar. Fällt die Elternzeit weg und kündigt der Auftraggeber nach drei Monaten, bleibt ihr weder Kündigungsschutz noch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie die Anwartschaftszeit nicht erfüllt. Eine Beratung vor der Unterschrift ist deshalb günstiger als eine Klage danach.
Was gilt bei Führungskräften und Leitungsfunktionen?
Auch Führungskräfte haben Anspruch auf Mutterschutz und Elternzeit. Eine Leitungsposition ist kein Grund, auf diese Rechte zu verzichten. Arbeitgeber dürfen die Stelle während der Abwesenheit befristet besetzen, müssen sie aber nach der Rückkehr gleichwertig zurückgeben.
In der Praxis zeigt sich häufig ein anderes Bild: Verantwortungsbereiche schrumpfen, Termine laufen ohne die Betroffene, Boni werden gekürzt. Das kann eine Benachteiligung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sein. Dokumentieren Sie deshalb Gespräche, E-Mails und Zusagen schriftlich. Das hilft bei einer späteren Auseinandersetzung enorm.
Auch Väter können Elternzeit nehmen und teilen sich mit der Mutter den Anspruch von insgesamt drei Jahren pro Kind. Wer sich früh abstimmt, vermeidet Überschneidungen im Team und vor allem Streit über den Wiedereinstieg.
Drei Fehler, die Beschäftigte nach der Geburt häufig machen
Erstens wird die Elternzeit nur mündlich angekündigt. Das Gesetz verlangt aber die Schriftform, also ein unterschriebenes Dokument. Eine WhatsApp-Nachricht oder ein Gespräch im Flur reicht nicht, und im Streitfall tragen Sie das Beweisrisiko.
Zweitens wird die Frist von sieben Wochen unterschätzt. Wer erst kurz vor dem Ende des Mutterschutzes handelt, riskiert, dass der Anspruch später beginnt als gewünscht. Planen Sie den Antrag deshalb schon in der Schwangerschaft.
Drittens unterschreiben viele einen neuen Vertrag oder eine Änderungsvereinbarung, ohne die Folgen für Gehalt und Altersvorsorge zu prüfen. Gerade beim Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit sinken auch Rentenansprüche, die sich später kaum aufholen lassen.
Hinweis
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Er gibt eine allgemeine Orientierung zum deutschen Arbeitsrecht, Stand Oktober 2026. Die Regeln für Ihren Einzelfall können durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag abweichen. Auf Expert Zoom finden Sie Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte für Arbeitsrecht, die Ihre Situation prüfen und die nächsten Schritte mit Ihnen planen.

Charlotte Schneider