Patrice Aminati: Melanom mit Metastasen im Gehirn – was Betroffene über Hautkrebsvorsorge wissen sollten

Eine Dermatologin untersucht die Haut eines Patienten mit einem Dermatoskop in einer modernen Klinik
Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 5. April 2026

Die deutsche Influencerin Patrice Aminati hat am 4. April 2026 bekannt gegeben, dass ihr Hautkrebs erneut gestreut hat. Die 30-Jährige kämpft seit über drei Jahren gegen ein Melanom im Stadium 4 — nun haben sich die Metastasen auf weitere Organe ausgebreitet, darunter das Gehirn. Die Behandlung ziele jetzt auf Lebensverlängerung statt auf Heilung, so die Betroffene in einer emotionalen Mitteilung an ihre Follower.

Was ist ein Melanom – und warum ist Stadium 4 so ernst?

Das Melanom, umgangssprachlich „schwarzer Hautkrebs", ist die aggressivste Form von Hautkrebs. Es entsteht aus den pigmentbildenden Zellen der Haut (Melanozyten) und neigt dazu, früh Metastasen zu bilden — also Tochtergeschwülste in anderen Organen wie Lymphknoten, Lunge, Leber oder Gehirn.

Im Stadium 4 hat sich das Melanom bereits auf entfernte Organe ausgebreitet. Die 5-Jahres-Überlebensrate lag laut den aktuellen Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bei weit fortgeschrittenem Melanom noch vor einigen Jahren unter 20 Prozent. Moderne Immuntherapien und zielgerichtete Therapien (Targeted Therapy) haben die Prognose seitdem deutlich verbessert — bei manchen Patientinnen und Patienten sprechen die Tumoren langfristig auf die Behandlung an.

Patrice Aminatis Fall zeigt, dass selbst eine jahrelange intensive Therapie keine Garantie auf Stabilisierung bietet. Gleichzeitig machen Fälle wie ihrer deutlich, wie wichtig Frühdiagnose und regelmäßige Hautkrebsvorsorge sind.

Wie entsteht Hautkrebs – und wen trifft er?

In Deutschland erkranken laut DKFZ jedes Jahr rund 25.000 Menschen neu am malignen Melanom. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • UV-Exposition: intensives Sonnenbaden, Solarienbesuche, besonders in der Kindheit und Jugend
  • Heller Hauttyp: Menschen mit vielen Sommersprossen, roten oder blonden Haaren und hellen Augen tragen ein erhöhtes Risiko
  • Viele Muttermale (Nävuszellen): Wer mehr als 50 Muttermale hat, sollte diese regelmäßig kontrollieren lassen
  • Genetische Vorbelastung: Wer Verwandte ersten Grades mit Melanom hat, gehört zur Risikogruppe

Patrice Aminati hatte ihren Krebs im Jahr 2023 öffentlich gemacht und seither über ihre Behandlungen berichtet. Ihr Fall hat die Öffentlichkeit für ein Thema sensibilisiert, das viele verdrängen: Hautkrebs kann auch junge Menschen treffen.

Früherkennung rettet Leben – wann zum Arzt?

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf eine kostenlose Hautkrebsvorsorge alle zwei Jahre beim Hautarzt (Dermatologen) oder beim Hausarzt mit entsprechender Qualifikation. Vor diesem Alter ist die Vorsorge ebenfalls möglich, aber nicht immer als Kassenleistung abrechenbar.

Anzeichen, bei denen Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten:

  • Ein Muttermal verändert sich in Form, Farbe oder Größe
  • Ein Hautfleck blutet oder juckt anhaltend
  • Eine neu aufgetretene dunkle Stelle wächst schnell
  • Ein Hautbereich heilt nicht ab

Die ABCDE-Regel hilft bei der Selbstuntersuchung zu Hause: Asymmetrie, Begrenzung (unregelmäßige Ränder), Colour (ungleichmäßige Färbung), Durchmesser (über 5 mm) und Evolution (Veränderung über Zeit). Wer eines dieser Merkmale beobachtet, sollte nicht abwarten.

Welche Behandlungsoptionen gibt es heute?

Die Medizin hat in den vergangenen zehn Jahren enorme Fortschritte bei der Melanom-Behandlung gemacht. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:

Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren): Medikamente wie PD-1-Blocker (z. B. Pembrolizumab, Nivolumab) aktivieren das eigene Immunsystem, um den Tumor zu bekämpfen. Sie haben die Überlebenschancen bei Melanom Stadium 4 deutlich verbessert.

Zielgerichtete Therapie: Bei rund der Hälfte aller Melanome liegt eine BRAF-Mutation vor. Für diese Gruppe gibt es zielgerichtete Medikamente (BRAF-/MEK-Inhibitoren), die das Tumorwachstum verlangsamen können.

Bestrahlung: Bei Hirnmetastasen kommt häufig stereotaktische Bestrahlung (Radiochirurgie) zum Einsatz, um einzelne Herde gezielt zu behandeln.

Chirurgie: In frühen Stadien bleibt die operative Entfernung die wichtigste Maßnahme.

Patrice Aminati spricht in ihrer Mitteilung davon, „weiter leben zu wollen" und schöpft Kraft aus ihrer Tochter. Ihr Mut, diese Erkrankung öffentlich zu machen, ist wertvoll — er erinnert uns daran, dass Vorsorge kein Luxus ist, sondern Selbstfürsorge.

Jetzt handeln: Beratung durch einen Facharzt

Wenn Sie selbst Veränderungen an der Haut bemerken oder zur Risikogruppe gehören, zögern Sie nicht, einen Dermatologen aufzusuchen. Ein Hautarzt kann Muttermale professionell mit einem Dermatoskop untersuchen und bei Bedarf eine Gewebeprobe entnehmen. Je früher ein Melanom erkannt wird, desto besser die Heilungschancen.

Über Expert Zoom finden Sie qualifizierte Ärzte in Ihrer Nähe — für eine schnelle Erstberatung oder eine zweite Meinung bei einem bestehenden Befund.

Der psychische Aspekt einer Krebsdiagnose

Patrice Aminatis öffentliche Kommunikation hat noch einen weiteren Aspekt beleuchtet: den emotionalen Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Sie schildert Phasen des Zweifelns, des Kämpfens und des Vertrauens — und zeigt damit, dass eine Krebserkrankung nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche auf eine harte Probe stellt.

Psychoonkologie ist ein eigenes medizinisches Fachgebiet, das sich mit der seelischen Begleitung von Krebspatienten und deren Angehörigen befasst. In Deutschland haben Krebspatientinnen und -patienten, die in stationärer oder ambulanter Behandlung sind, Anspruch auf psychoonkologische Unterstützung als Kassenleistung. Viele Betroffene wissen nicht, dass sie dieses Angebot aktiv einfordern können — und sollten.

Für Angehörige, die eine krebskranke Person begleiten, gilt ähnliches: Die Belastung ist erheblich, und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Fachärzte kann helfen, die eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen.

Neue Hoffnung durch klinische Studien

Wer an einem fortgeschrittenen Melanom leidet, hat zunehmend die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und spezialisierte Hauttumorzentren an Universitätskliniken bieten Zugang zu innovativen Therapien, die noch nicht als Standardtherapie zugelassen sind. TIL-Therapien (Tumor-infiltrierende Lymphozyten), personalisierte Vakzine auf mRNA-Basis und Kombinationsimmuntherapien zeigen in frühen Studien vielversprechende Ergebnisse.

Ein Dermatologe oder Onkologe kann Ihnen sagen, ob für Ihre spezifische Tumorbiologie eine Studienteilnahme in Frage kommt. Diese Option wird von vielen Betroffenen zu wenig genutzt — ein Gespräch mit einem Spezialisten kann hier neue Wege aufzeigen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt.

Unsere Experten

Vorteile

Schnelle und präzise Antworten auf alle Ihre Fragen und Hilfsanfragen in über 200 Kategorien.

Tausende von Nutzern haben eine Zufriedenheit von 4,9 von 5 für die Beratung und Empfehlungen unserer Assistenten erhalten.

Kontaktieren Sie uns

E-Mail
Folgen Sie uns