Auf ein Telefonat mit Bundestrainer Julian Nagelsmann hätte Niclas Füllkrug gut verzichten können. Der Anruf kam Ende Mai 2026 und bedeutete das Weltmeisterschafts-Aus für den 33-jährigen Stürmer von West Ham United. Trotz seines Wechsels auf Leihbasis zu AC Mailand im Januar 2026 – mit dem er sich einen WM-Platz erkämpfen wollte – gehört Füllkrug nicht zum deutschen Kader für das Turnier in Nordamerika. Nagelsmann setzte stattdessen auf Deniz Undav, Kai Havertz und Nick Woltemade. Füllkrug kam in 20 Einsätzen für die Lombarden nur dreimal von Anfang an.
Millionengehalt, unsichere Zukunft
Niclas Füllkrug verdient laut Capology rund 5,6 Millionen Euro pro Jahr bei West Ham United – das entspricht über 460.000 Euro monatlich. Trotzdem saß er in Mailand überwiegend auf der Bank. Das Ergebnis: kein WM-Kader, eine auslaufende Leihe und ein ungewisser Transfer-Sommer mit 33 Jahren.
Der Vertrag mit West Ham läuft zwar bis 2028. Doch nach einer enttäuschenden Leihe gelten eine Weiterverpflichtung oder ein Verkauf als wahrscheinlich. Für Füllkrug könnte das das Ende seiner Periode als europäischer Spitzenverdiener bedeuten – schneller als erwartet.
Für viele Fans ist das eine Fußball-Geschichte. Für Finanzexperten ist es ein Lehrstück über die Fragilität hoher Einkommen – selbst wenn man Millionen verdient.
Der „Füllkrug-Moment": Wenn das Einkommen schneller endet als geplant
Profi-Sportler erleben häufig, was Finanzberater den „Scheidepunkt" nennen: den Moment, an dem ein überdurchschnittliches Einkommen plötzlich ungewiss wird. Formkrise, Verletzung, Trainerentscheidung – der Auslöser kann alles sein.
Das Gleiche gilt für Selbstständige, Führungskräfte und Freiberufler. Wenn ein Großkunde abspringt, eine Führungsposition wegfällt oder ein Markt sich verändert, folgt derselbe Mechanismus. Wer dann keine Substanz aufgebaut hat, steht schneller unter Druck als gedacht. Zwischen dem Beginn eines solchen Moments und dem Einkommensverlust liegen oft nur wenige Monate.
Vier Fehler, die auch Millionäre machen
Vermögensberater beobachten bei Hochverdienern – ob Fußballprofi oder Manager – immer wieder die gleichen Muster.
Zu hohe Fixkosten, zu wenig Reserve. Ein Jahresgehalt von fünf Millionen Euro klingt unendlich. Doch nach Steuern, Agentenhonoraren, Lebensstilkosten und laufenden Verbindlichkeiten bleibt oft überraschend wenig übrig. Fachleute empfehlen mindestens zwölf Monatseinkommen als liquide Reserve – unberührt, nicht investiert.
Keine passiven Einkommensquellen. Profifußballer verdienen ihr Geld mit körperlicher Leistung. Sobald diese nachlässt, bricht die Einkommensquelle weg. Wer rechtzeitig in Mietimmobilien, breit gestreute Wertpapiere oder stille Beteiligungen investiert, schafft Einkommen, das nicht von Formkurven abhängt.
Rentenlücke ignoriert. Hochverdiener zahlen jahrelang über der Beitragsbemessungsgrenze ein. Laut Deutscher Rentenversicherung lag die Beitragsbemessungsgrenze 2026 bei 8.050 Euro monatlich – Einkommen darüber bauen keine weiteren gesetzlichen Ansprüche auf. Ohne ergänzende private Altersvorsorge droht im Ruhestand eine empfindliche Lücke.
Steuerplanung auf später verschieben. Je höher das Einkommen, desto komplexer die Steuerstruktur. Auslandsstationen wie Mailand oder London haben steuerliche Vor- und Nachteile, die ohne professionelle Begleitung schnell zum Kostenfaktor werden.
Was Füllkrugs Geschichte auch Sie angeht
Sie müssen kein Bundesligaprofi sein, um den „Füllkrug-Moment" zu kennen. Das Muster ist universell: Ein überdurchschnittliches Einkommen täuscht über die tatsächliche Vermögenslage hinweg. Wer ausschließlich auf Geldzuflüsse schaut und nicht auf Substanz, Rücklagen und Streuung, ist vulnerabler als er denkt.
Dabei spielt das Lebensalter eine wichtige Rolle. Mit 33 Jahren stehen Profifußballer am Ende ihrer Hocheinkommensphase. Wer in dieser Phase nicht konsequent Vermögen aufgebaut hat, muss im Anschluss mit einem deutlich niedrigeren Lebensstandard auskommen. Für Angestellte oder Selbstständige gilt: Der Höhepunkt der Einkommenskurve ist oft kürzer, als man annimmt.
Nick Woltemades Wechsel zu Newcastle für 75 Millionen Euro zeigt, wie wichtig eine frühe Strukturierung großer Einkommenspakete ist – und wie viel auf dem Spiel steht, wenn Steuer- und Anlageplanung vernachlässigt werden.
Was ein Vermögensberater jetzt empfehlen würde
Wer nicht warten will, bis der sprichwörtliche Anruf kommt, sollte drei Dinge angehen:
Liquiditätscheck. Wie viele Monate könnten Sie Ihren Lebensstandard ohne Arbeitseinkommen aufrechterhalten? Liegt die Antwort unter sechs Monaten, besteht Handlungsbedarf. Für Hochverdiener sollte dieses Polster 12 bis 24 Monate betragen.
Einkommensdiversifizierung. Mindestens ein Einkommensstrom sollte nicht direkt von Ihrer Arbeitskraft abhängen. Das kann ein breit gestreutes Aktiendepot sein, eine Mietimmobilie oder eine Kapitalbeteiligung an einem Unternehmen.
Maßgeschneiderte Altersvorsorge. Hochverdiener profitieren von strukturierten Lösungen: Rürup-Rente, fondsgebundene Lebensversicherungen oder direkte Depots – je nach steuerlicher Situation und Zeithorizont. Ein Vermögensberater kann analysieren, was zu Ihrer konkreten Lage passt.
Auch im Fall von Deniz Undav zeigt sich: Wer sein Gehaltspaket frühzeitig mit Fachleuten plant, kann einen erheblichen Unterschied bei der tatsächlichen Netto-Absicherung erzielen.
Der beste Zeitpunkt war gestern, der zweitbeste ist heute
Häufig kommt Vermögensberatung zu spät – nach dem Karriereknick, nach dem Jobverlust, nach der unerwarteten Lebensveränderung. Prävention ist dabei stets günstiger als Krisenmanagement. Ein erstes Beratungsgespräch dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten und gibt einen klaren Überblick über die eigene finanzielle Ausgangslage.
Niclas Füllkrug wird nach der WM 2026 seinen Weg finden. Er hat in einer der bestbezahlten Sportligen der Welt gespielt und hoffentlich rechtzeitig Vorsorge getroffen. Die Frage ist: Haben Sie Ihren „Füllkrug-Moment" schon eingeplant – bevor er eintritt?
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Steuer- und Anlageentscheidungen sollten immer mit einem qualifizierten Experten abgestimmt werden.

Julia Richter