Sportmediziner untersucht Knie eines männlichen Patienten in einer Klinik

Salah verlässt Liverpool: Was Profisportler über Gesundheit und Karriereende wissen müssen

Lena Lena SchmidtSportmedizin
4 Min. Lesezeit 25. März 2026

Mohamed Salah, 33, verlässt den FC Liverpool am Ende der Saison 2025/26 — nach neun Jahren, einem Champions-League-Titel und unzähligen Toren. Liverpool bestätigte die Entscheidung am 24. März 2026 offiziell. Die Nachricht ist für Fußballfans ein emotionaler Moment. Für Sportmediziner und Athleten selbst ist sie eine Erinnerung an eine wichtige Frage: Wie sieht die gesundheitliche Absicherung am Karriereende eines Profisportlers aus?

Ein Abgang, der Millionen bewegt

Salah veröffentlichte ein Video, in dem er sagte: „Weggehen ist nie leicht." Dem Vernehmen nach einigten sich der Spieler und der Verein auf eine vorzeitige Vertragsauflösung, obwohl der Kontrakt ursprünglich bis 2027 lief. Ob Salah danach bei einem anderen Klub spielt oder seine Laufbahn beendet, ist laut ESPN noch nicht bekannt.

Solche Abgänge rücken ein Thema in den Vordergrund, das im Profifußball selten offen diskutiert wird: die körperlichen Konsequenzen einer jahrzehntelangen Hochleistungskarriere.

Der Körper nach dem Profisport: was Sportmediziner wissen

Profifußballer, die über 15 bis 20 Jahre auf höchstem Niveau gespielt haben, leiden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich häufiger an bestimmten Erkrankungen des Bewegungsapparates. Zu den häufigsten Langzeitfolgen gehören nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) chronische Kniegelenksbeschwerden, Arthrose in Hüfte und Knie sowie Tendinopathien der Achillessehne.

Salah selbst stand in der laufenden Saison 2025/26 mehrfach wegen körperlicher Beschwerden in der Kritik — nicht wegen Verletzungen im klassischen Sinne, sondern wegen eines Rückgangs seiner Explosivität, was typisch für Spieler jenseits der 30 ist. Die Sprintfähigkeit nimmt laut einer Studie des Deutschen Fußball-Instituts (DFI) bei Profifußballern zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr im Durchschnitt um 8 bis 12 Prozent ab.

Der Übergang: medizinische Nachsorge wird oft vernachlässigt

Ein kritischer Moment im Leben eines Profiathleten ist der Übergang in das Leben nach dem aktiven Sport. Die Bundesliga-Spielergewerkschaft VDV weist regelmäßig darauf hin, dass viele Ex-Profis den strukturierten Zugang zu medizinischer Betreuung verlieren, sobald ihr Vertrag ausläuft — kein Physiotherapeut mehr auf Abruf, keine regelmäßigen Untersuchungen, kein Teamarzt.

Für Amateursportler und „Weekend Warriors" — also Berufstätige, die intensiv Sport treiben — gelten ähnliche Muster: Der Übergang von intensiver körperlicher Aktivität zu weniger strukturiertem Training erhöht das Risiko von Überbelastungsverletzungen, wenn die Trainingsbelastung nicht schrittweise reduziert wird.

Ein Sportmediziner kann dabei helfen:

  • Einen individuellen Belastungsplan für die Zeit nach dem Leistungssport zu entwickeln
  • Bestehende chronische Beschwerden zu diagnostizieren und zu behandeln
  • Ernährungsanpassungen vorzunehmen, da der Kalorienbedarf nach dem Karriereende stark sinkt
  • Mentale Gesundheitsaspekte zu adressieren, da das Karriereende für viele Athleten eine psychische Belastung darstellt

Was Salah und Durchschnittssportler gemeinsam haben

Man muss kein Weltklassespieler sein, um die gesundheitlichen Herausforderungen eines abrupten Endes sportlicher Aktivität zu erfahren. Wer jahrelang mehrmals pro Woche intensiv trainiert hat — ob als ambitionierter Hobbysportler oder als Ex-Profi — steht vor denselben physiologischen Fragen.

Laut dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) zeigen Langzeituntersuchungen an ehemaligen Leistungssportlern, dass gezielte sportmedizinische Begleitung im Karriereübergang die Häufigkeit chronischer Gelenk- und Muskelprobleme im Alter um bis zu 30 Prozent senken kann.

Die Empfehlung der DGSP lautet: Athleten ab 35, die ihren Sport aufgeben oder deutlich reduzieren, sollten innerhalb der ersten sechs Monate eine vollständige sportmedizinische Untersuchung durchführen lassen. Das schließt Belastungs-EKG, Gelenkstatus und eine Ernährungsberatung ein.

Drei Schritte für den gesunden Ausstieg aus dem Sport

Für jeden, der seine sportliche Belastung dauerhaft reduziert — ob Ex-Profi oder engagierter Freizeitsportler — empfehlen Sportmediziner folgende Schritte:

1. Sportmedizinische Basisuntersuchung. Herz-Kreislauf-Status, Gelenk- und Muskelstatus, Blutbild: Eine Bestandsaufnahme schafft die Grundlage für einen gesunden Übergang.

2. Schrittweise Trainingsreduktion. Wer abrupt aufhört, riskiert Gewichtszunahme, Muskelverlust und metabolische Veränderungen. Die Belastung sollte über drei bis sechs Monate graduell reduziert werden.

3. Regelmäßige Nachsorge. Jährliche Untersuchungen helfen, frühzeitig auf altersbedingte Veränderungen zu reagieren — von beginnenden Arthrosen bis zu Herzrhythmusstörungen, die bei ehemaligen Ausdauer- und Kampfsportlern häufiger vorkommen.

Ob Salah nun in eine weitere Liga wechselt oder aufhört: Sein Abgang erinnert uns daran, dass hinter den großen Karriereentscheidungen im Sport eine sehr konkrete medizinische Dimension steckt.

Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte einen Sportmediziner.

Häufige Fehler beim Karriereende: was Sie vermeiden sollten

Sportmediziner beobachten immer wieder dieselben Fehler bei Athleten, die ihre sportliche Karriere beenden:

Abrupter Stopp ohne Plan. Der Körper ist nach Jahren der Hochbelastung auf intensive körperliche Tätigkeit konditioniert. Ein plötzliches Ende ohne strukturierten Ausschleichplan führt bei vielen Ex-Sportlern zu metabolischen Problemen, Gewichtszunahme und erhöhtem Arthroserisiko.

Ignorieren chronischer Schmerzen. Viele Profis leben jahrelang mit chronischen Beschwerden, weil der Spielbetrieb es erfordert. Nach dem Karriereende besteht die Chance, diese endlich gründlich zu behandeln — wer sie ignoriert, riskiert dauerhafte Schäden.

Keine Anpassung der Ernährung. Ein Profifußballer nimmt täglich 4.000 bis 5.000 Kalorien zu sich. Nach dem Karriereende sinkt der Energiebedarf drastisch. Wer die Ernährung nicht anpasst, riskiert Adipositas und metabolisches Syndrom — beides erhöht langfristig das Herzerkrankungsrisiko.

Mentale Gesundheit vernachlässigen. Das Karriereende ist für viele Ex-Profis psychisch herausfordernd. Studien der Deutschen Sporthochschule Köln zeigen, dass bis zu 35 Prozent der ehemaligen Leistungssportler Symptome einer Depression oder Angststörung nach dem Karriereende entwickeln. Sportpsychologen und klinische Psychologen können hier wertvolle Unterstützung bieten.

Der Fall Salah ist weit mehr als ein Fußball-Transfer. Er ist eine Einladung, über die gesundheitliche Absicherung nach dem Sport nachzudenken — für Profis wie für jeden aktiven Menschen. Ein Sportmediziner auf Expert Zoom kann Ihnen helfen, den richtigen Übergangsplan für Ihre Gesundheit zu entwickeln.

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