Malik Tillman und das WM-Aus 2026: 5 Vermögenslektionen für Dual-Citizens

Malik Tillman im Einsatz für die USA bei der WM 2026 gegen Australien, 19. Juni 2026

Photo : Bryan Berlin / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 7. Juli 2026

Malik Tillman hat es allen gezeigt: Ein Freistoßtor in der 31. Minute beim WM-Achtelfinale gegen Belgien am 6. Juli 2026 im Lumen Field in Seattle – und für einen kurzen Moment schien alles möglich. Doch Belgien gewann 4:1, die USA schieden aus dem Heimturnier aus. Was bleibt, ist die Geschichte eines 22-Jährigen, der zwischen zwei Welten aufgewachsen ist – und dessen Karriere eine lehrreiche Blaupause für internationales Vermögensmanagement darstellt.

Tillman wurde in Nürnberg geboren, Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer deutschen Mutter. Er wuchs mit doppelter Staatsbürgerschaft auf, begann seine Laufbahn in der Bayern-München-Akademie und hätte auch für die DFB-Elf auflaufen können. Im Mai 2022 entschied er sich für die USA – FIFA genehmigte den Wechsel. Heute trägt er das Trikot von Bayer Leverkusen, wurde im Sommer 2025 für rund 35 Millionen Euro verpflichtet und ist einer der teuersten amerikanischen Fußballer der Geschichte.

Was sein Fall über doppelte Steuerpflicht verrät

Wer wie Tillman die Staatsbürgerschaft zweier Länder besitzt und dazu noch im Ausland arbeitet, landet schnell in einem steuerlichen Labyrinth. Als US-Bürger unterliegt er grundsätzlich der amerikanischen Steuerpflicht auf sein weltweites Einkommen – unabhängig davon, wo er lebt. Das ist eine Besonderheit, die nahezu kein anderes Land der Welt kennt: Die USA besteuert ihre Staatsbürger auch dann, wenn sie dauerhaft im Ausland wohnen und dort bereits Steuern zahlen.

Gleichzeitig versteuert er als in Deutschland ansässige Person sein Einkommen nach deutschem Recht. Das deutsch-amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) schützt zwar vor einer doppelten Steuerzahlung – nicht aber vor doppeltem bürokratischen Aufwand. Zwei Steuererklärungen, zwei Systeme, zwei Fristen. Wer das unterschätzt, riskiert empfindliche Nachzahlungen. Relevante Rahmenbedingungen veröffentlicht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für alle, die in Deutschland Finanzentscheidungen treffen.

Für Vermögensberater ist Tillmans Profil symptomatisch: Immer mehr Fachkräfte, Freiberufler und Expats in Deutschland befinden sich in ähnlichen Situationen – und viele wissen nicht, was auf sie zukommt.

35 Millionen Euro Transferwert – und was man daraus macht

Der Marktwert von Fußballspielern ist flüchtig. Tillmans Wechsel zu Leverkusen im Sommer 2025 brachte ihm einen Fünfjahresvertrag bis 2030, ein Jahresbrutto von rund 4,72 Millionen Euro – das entspricht etwa 90.769 Euro pro Woche. Doch was passiert mit solchen Summen, wenn die Karriere endet?

Profisportler erreichen ihren finanziellen Höhepunkt typischerweise zwischen 22 und 32 Jahren. Danach bricht das Gehalt oft abrupt ein. Wer in dieser Phase nicht plant, lebt mit 35 plötzlich von alten Ersparnissen – oder von nichts. Selbst bei einem Spitzengehalt können falsche Entscheidungen – schlechte Immobilienkäufe, unreflektierte Investments, fehlender Inflationsschutz – das Erarbeitete langfristig aufzehren.

Ähnliche Überlegungen stellen sich für jeden Hochverdiener mit internationalem Lebensmittelpunkt. Was Tillmans Karriere zeigt, gilt auch für den leitenden Ingenieur im Auslandseinsatz oder den Freiberufler mit Kunden in mehreren Ländern.

Fünf Vermögensfehler, die Dual-Citizens teuer zu stehen kommen

1. Heimatstaat-Bias bei Investments: Als US-Bürger, der in Deutschland ETFs kauft, kann Tillman in eine Klassifikationsfalle geraten. Bestimmte europäische Fonds werden von der US-Steuerbehörde IRS als „passive foreign investment companies" (PFICs) eingestuft und extra hoch besteuert. Das ist kein Randproblem – es betrifft Tausende Expats in Deutschland, die davon nie gehört haben.

2. Kein Testament für internationale Vermögen: Stirbt jemand mit Wohnsitz in Deutschland und US-Staatsbürgerschaft, können sowohl deutsches Erbschaftsteuerrecht als auch US-amerikanische Regelungen greifen. Ohne klare Nachlassplanung droht ein kostspieliges Verfahren über mehrere Rechtssysteme.

3. Unterschätzte Sozialversicherungspflichten: Das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen regelt, in welchem System Beiträge gezahlt werden – aber nicht alle Einkommensarten sind gleich behandelt. Wer als Dual-Citizen Freelance-Honorare oder Sponsoringgelder erzielt, muss prüfen, ob beide Systeme Ansprüche geltend machen.

4. Vertragsstruktur nicht geprüft: Bildrechtsverträge, Sponsoringklauseln und Ablöseregeln werden in Deutschland teils völlig anders besteuert als das Grundgehalt. Wer hier nicht rechtzeitig einen Fachberater hinzuzieht, verliert substanzielle Summen an den Fiskus.

5. Ausgaben am Spitzeneinkommen ausrichten, nicht am Lebensziel: Wer mit 22 beginnt, 4 Millionen Euro jährlich zu verdienen, und dieses Niveau zehn Jahre hält, kommt auf rund 40 Millionen Euro Bruttoverdienst. Das klingt nach Sicherheit auf Lebenszeit – ist es aber nur dann, wenn dieses Kapital konsequent und steuersmart angelegt wird.

Vom Nürnberger Stadtteil auf die WM-Bühne – was Tillmans Weg zeigt

Tillman ist kein Einzelfall. Er steht für eine wachsende Generation von Sportlern, Fachkräften und Selbstständigen, die ihre Karriere in mehreren Ländern gleichzeitig aufbauen. Seine Entscheidung, für die USA zu spielen statt für Deutschland, war nicht nur sportlicher Natur – sie hat auch langfristige finanzielle Konsequenzen, die nicht zu unterschätzen sind.

Dass er beim WM-Achtelfinale 2026 traf, war ein Moment für die Geschichtsbücher. Was er daraus macht – für seine Karriere und sein Vermögen – wird sich erst in zehn Jahren zeigen. Wie auch der Fall Deniz Undav zeigt, stehen Bundesliga-Profis mit internationaler Karriere vor ähnlichen Herausforderungen.

Was zu tun ist

Wer sich in einer vergleichbaren Situation befindet – als Dual-Citizen, Expat, Grenzgänger oder Hochverdiener mit internationaler Erwerbsbiografie –, sollte nicht warten, bis das Finanzamt die erste Nachfrage schickt. Ein auf internationale Mandate spezialisierter Vermögensberater kann frühzeitig Steueroptimierungsstrategien entwickeln, Investmentfallen umgehen und einen langfristigen Vermögensplan aufstellen, der zu Ihrer Lebenssituation passt.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu internationalem Vermögensrecht oder Steuerrecht wenden Sie sich an einen zugelassenen Fachberater.

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