Loris Karius erlebt im April 2026 den vielleicht emotionalsten Monat seiner Fußballkarriere – und privat wohl den aufregendsten seines Lebens. Der 32-jährige Torwart des FC Schalke 04 steht kurz vor dem möglichen Bundesliga-Aufstieg seines Vereins: 27 Ligaeinsätze, nur 22 Gegentore, zehnmal zu null. Gleichzeitig erwartet er mit seiner Frau Diletta Leotta im Mai sein zweites Kind. Der Gedanke dahinter: Kreißsaal oder Aufstiegsspiel? Diese persönliche Geschichte – die Kollision zweier Lebenshöhepunkte – wirft für viele Profisportler eine Frage auf, die selten laut gestellt wird: Was machen sie eigentlich mit ihrem Geld, bevor die Karriere endet?
Das kurze Fenster: Wenn der Lohn nicht ewig fließt
Profifußballer wie Loris Karius verdienen in ihrer aktiven Zeit oft deutlich mehr als Gleichaltrige in anderen Berufen – aber das Fenster ist eng. Spitzenjahre liegen zwischen 22 und 32. Verletzungen, Formschwankungen oder schlicht das Alter beenden Karrieren früher als geplant. Karius selbst weiß das: Nach seinem Fehler im Champions-League-Finale 2018 in Kiew – wo sich später herausstellte, dass er eine undiagnostizierte Gehirnerschütterung erlitten hatte – durchlief er Jahre der Rückschläge. Der Weg zurück nach oben war lang.
Medienberichte über seinen aktuellen Vertrag bei Schalke sprechen von einem „überraschend niedrigen Gehalt" für einen Profi seiner Erfahrung – ein klares Zeichen, dass Gehaltsverläufe im Profisport nicht linear sind. Was zählt, ist nicht der einzelne Vertrag, sondern das, was am Ende davon übrig bleibt.
Typische Finanzfehler von Berufssportlern
Laut einer Studie der US-amerikanischen Spielergewerkschaft NFLPA verlieren rund 60 Prozent der NFL-Profis innerhalb von fünf Jahren nach ihrer Karriere einen Großteil ihres Vermögens. In Europa sind ähnliche Muster bekannt. Die häufigsten Fehler:
Zu hohe Konsumausgaben während der aktiven Zeit. Luxusautos, mehrere Immobilien ohne klare Strategie, teure Entouragen – der Lebensstandard steigt mit den Einnahmen, aber nicht das Vermögen.
Investitionen ohne Expertise. Sportler werden häufig mit Beteiligungsangeboten konfrontiert: Restaurants, Immobilienprojekte, Start-ups. Viele steigen ein, ohne die Risiken zu verstehen – und ohne unabhängige Beratung.
Fehlende Altersvorsorge. Wer früh viel verdient und früh aufhört zu arbeiten, hat einen langen Zeitraum zu überbrücken – ohne gesetzliche Rentenansprüche in relevanter Höhe. In Deutschland berechnet sich die gesetzliche Rente nach Beitragsjahren und -höhe. Wer mit 32 aufhört und keine private Vorsorge betrieben hat, wird im Rentenalter eine erhebliche Lücke spüren.
Keine Diversifikation. Alles auf ein Pferd – oder eine Immobilie – zu setzen, ist im Profisport besonders riskant. Wer nur in lokale Immobilien investiert, verliert bei einem Markteinbruch alles auf einmal.
Was Profisportler jetzt tun sollten – und alle anderen auch
Der Zeitpunkt für finanzielle Planung ist nicht nach der Karriere, sondern während sie noch läuft. Folgende Schritte gelten für Sportler – aber auch für Selbstständige, Freiberufler und alle, die Einkommensspitzen haben:
Notgroschen vor Investitionen. Drei bis sechs Monatseinkommen auf einem Tagesgeldkonto – liquide und sofort verfügbar. Das schützt vor Panikverkäufen bei Krisen.
Unabhängige Beratung statt Kumpel-Empfehlungen. Ein zugelassener Vermögensberater hat eine Haftung und arbeitet nach Standards. Freunde mit „heißen Tipps" nicht.
Strukturierte Altersvorsorge. ETF-Sparplan, Rürup-Rente für Selbstständige, betriebliche Altersvorsorge – je früher, desto mächtiger wirkt der Zinseszins. Wer mit 25 beginnt zu sparen, braucht deutlich weniger monatlich als jemand, der mit 40 anfängt.
Steueroptimierung bei Einkommensspitzen. Hohe Einnahmen in guten Jahren lassen sich durch bestimmte Instrumente steuerlich glätten. Das setzt voraus, dass man rechtzeitig plant – nicht im Dezember, wenn das Jahr fast vorbei ist.
Lebensplanung mitdenken. Karius erwartet sein zweites Kind, seine Familie lebt in Mailand. Immobilienkauf, Schuleintritt, Auslandsaufenthalte – all das hat finanzielle Konsequenzen, die idealerweise vorab durchgerechnet werden.
Das zweite Leben nach dem Sport: Frühzeitig planen statt spät reagieren
Karius' Vertrag bei Schalke läuft bis 2027. Sein Verbleib hängt laut Berichten aber stark davon ab, ob der Aufstieg gelingt. Das ist ein typisches Muster: Sportler befinden sich am Ende ihrer Karriere in einer Phase struktureller Unsicherheit – der Klub, der Vertrag, die Liga, selbst die Spielberechtigung können sich von Saison zu Saison ändern.
Die meisten Profisportler haben keine betriebliche Rentenversicherung, keinen Tarifvertrag, keine Abfindungsregelung. Sie sind in gewisser Weise Selbstständige mit befristeten Verträgen – und tragen das volle Einkommensrisiko.
Wer frühzeitig plant, hat Optionen. Wer wartet, bis der letzte Vertrag ausläuft, hat sie oft nicht mehr.
Praktisch bedeutet das:
- Eigenständige Rentenvorsorge aufbauen – zum Beispiel über fondsgebundene Lebensversicherungen, ETF-Depots oder Immobilien in gesunden Lagen mit kalkulierbaren Mietrenditen
- Steuerliche Gestaltung – in aktiven Jahren Einkommen über Beteiligungsmodelle oder Rücklagen in Stiftungsstrukturen zu verschieben ist legal und sinnvoll – aber nur mit unabhängiger Beratung
- Zweites Standbein aufbauen – viele erfolgreiche Ex-Profis investieren rechtzeitig in Ausbildungen, Trainer-Lizenzen oder Unternehmensanteile, um nach der aktiven Karriere nicht auf Null zu stehen
Comeback oder Ausstieg: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Karius' Geschichte ist eine Comeback-Story. Aber auch Comebacks enden. In wenigen Jahren wird er aufhören zu spielen. Was dann kommt, hängt von den Entscheidungen ab, die jetzt getroffen werden.
Das gilt nicht nur für Profisportler. Wer in einem Beruf arbeitet, in dem Einkommen stark variieren – Selbstständige, Unternehmer, Freiberufler, Führungskräfte mit variablen Boni – steht vor denselben Herausforderungen. Phasen hohen Einkommens klug zu nutzen, ist keine Frage des Luxus, sondern der Lebensplanung.
Ein unabhängiger Vermögensberater analysiert die persönliche Situation, erstellt einen langfristigen Plan und hilft dabei, typische Fehler zu vermeiden – bevor sie teuer werden. Auf Expert Zoom finden Sie zertifizierte Vermögensberaterinnen und Vermögensberater, die auf individuelle Finanzsituationen eingehen – auch auf unregelmäßige Einkommensprofile und Karriereübergänge.
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Finanzrechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer Vermögenssituation wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Vermögensberater oder Steuerberater.
Weiterführende Informationen: Bundesministerium der Finanzen – Altersvorsorge und private Vorsorge
