Borussia Dortmund, Bayern München, Bayer Leverkusen, Manchester City — alle wollen 16-jährigen Kennet Eichhorn von Hertha BSC. Doch was müssen Eltern und Minderjährige über Transferrecht und Vertragsschutz wissen?
Der 16-Jährige, den halb Europa will
Am 28. April 2026 berichten gleich mehrere europäische Sportmedien: Borussia Dortmund ist aktuell Favorit im Transferkampf um Kennet Eichhorn, den 16-jährigen Mittelfeldspieler von Hertha BSC. Laut Sky Deutschland hat sich der BVB in den vergangenen Wochen als heißester Interessent herauskristallisiert — obwohl Bayern München den Youngster intern bereits als "Mann der Zukunft" bezeichnet haben soll.
Eichhorn ist kein gewöhnliches Talent. Er spielt bereits regelmäßig in der 2. Bundesliga für Hertha BSC — in einem Alter, in dem die meisten Gleichaltrigen noch im Jugendfußball kicken. Sein Name taucht seit Monaten in den Transfer-Kolumnen auf: Bayer Leverkusen soll zeitweise kurz vor einer Einigung gewesen sein, Manchester City wurde von Journalist Fabrizio Romano als konkreter Interessent bestätigt (Anfang April 2026), und RB Leipzig beobachtet die Situation ebenfalls.
Die kolportierte Ausstiegsklausel: rund 10 bis 12 Millionen Euro für den Sommer 2026.
Minderjährig und begehrt: Was das Transferrecht sagt
Der Fall Eichhorn wirft eine wichtige rechtliche Frage auf, die viele Eltern von Nachwuchsspielern beschäftigt: Welche Rechte und Pflichten gelten, wenn ein minderjähriger Spieler Gegenstand eines Millionen-Transfers wird?
Grundsätzlich gilt: Ein Minderjähriger — also eine Person unter 18 Jahren — kann in Deutschland keine rechtswirksamen Verträge allein abschließen. Das BGB (§§ 106 ff.) regelt, dass Minderjährige für rechtsgeschäftliche Handlungen die Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter, in der Regel der Eltern, benötigen. Das gilt auch für Profiverträge im Fußball.
Bei internationalen Transfers kommt zusätzlich das FIFA-Regulatorium ins Spiel. Laut FIFA Regulations on the Status and Transfer of Players (RSTP), Artikel 19 ist der internationale Transfer von minderjährigen Spielern grundsätzlich verboten — mit wenigen klar definierten Ausnahmen:
- Innerhalb der EU/des EWR: Ein Transfer innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums ist erlaubt, wenn die Familie aus nicht-fußballerischen Gründen umzieht
- 15 bis 18 Jahre innerhalb der EU: Ermöglicht unter strengen Bedingungen (schulische Ausbildung, angemessene Unterkunft, Sozialintegration)
- Ausbildungsentschädigung: Klubs, die einen Spieler ausgebildet haben, haben Anspruch auf Ausbildungsentschädigung — unabhängig vom Alter des Spielers
Hertha BSC hat Eichhorn ausgebildet. Das bedeutet: Egal, wohin der 16-Jährige wechselt, sein Ausbildungsverein bekommt eine Entschädigung — zusätzlich zur Transfersumme.
Was Eltern von Nachwuchsspielern wissen müssen
Wenn ein Kind oder Jugendlicher plötzlich im Fokus großer Klubs steht, geraten Eltern schnell in eine Situation, für die sie nicht vorbereitet sind. Vertreter großer Klubs, Spielerberater und Anwälte stehen vor der Tür — jeder mit einem anderen Interesse. Typische Fallstricke:
- Beraterverträge zu früh unterzeichnen: Mancher Berater versucht, Verträge mit Spielern (und Eltern) abzuschließen, bevor der Spieler wirklich bekannt ist. Langfristige Bindungen können für den Spieler nachteilig sein
- Vertragslaufzeit und Ausstiegsklauseln nicht prüfen: Profiverträge für Minderjährige unterliegen zwar besonderen Schutzmechanismen, aber Ausstiegsklauseln können ungünstig formuliert sein
- Steuerliche Aspekte ignorieren: Große Ablösesummen und Gehälter müssen steuerlich sauber abgewickelt werden — sowohl für den Spieler als auch für eventuelle Beraterprovisionen
- Schule und Bildung vernachlässigen: FIFA-Vorschriften verlangen ausdrücklich, dass Ausbildung und schulische Integration gewährleistet bleiben
Ein spezialisierter Sportrechtsanwalt ist in solchen Situationen unverzichtbar. Er prüft Vertragsangebote, verhandelt Konditionen, überprüft Ausstiegsklauseln und stellt sicher, dass alle Regelkonformitätsanforderungen erfüllt sind.
Welche Rolle spielt der Spielerberater?
Spielerberater müssen in Deutschland seit 2023 nach neuen FIFA-Regulierungen lizenziert sein. Das FIFA Agenten-Regulativ (FIFA Football Agents Regulations, FFAR) schreibt vor, dass Agenten eine Prüfung ablegen und registriert sein müssen. Eltern sollten prüfen:
- Ist der Berater offiziell bei der FIFA oder dem DFB registriert?
- Welche Provisionsmodelle gelten? (FIFA cap: maximal 3 % des Jahresgehalts, bei Transfers maximal 10 %)
- Gibt es Interessenkonflikte, wenn der Berater gleichzeitig für den aufnehmenden Klub tätig ist?
Ohne anwaltliche Prüfung dieser Fragen können Fehler entstehen, die den Spieler langfristig benachteiligen.
Auf Expert Zoom: Einen Sportrechtsanwalt fragen
Wenn Ihr Kind plötzlich in den Fokus von Profiklubs rückt — oder wenn Sie grundsätzliche Fragen zum Vertragsrecht im Jugendfußball haben — können Sie auf Expert Zoom einen erfahrenen Rechtsanwalt für Sportrecht direkt befragen. Ohne lange Wartezeiten, ohne Erstberatungsgebühr und von zuhause aus.
Typische Fragen, die ein Anwalt beantworten kann:
- Welche Klauseln in einem Profivertrag sind fair, welche ungünstig?
- Welche Rechte hat mein Kind bei einem internationalen Wechsel?
- Was ist eine Ausbildungsentschädigung und wie wird sie berechnet?
- Wie schütze ich mein Kind vor unseriösen Beratern?
Eichhorn als Spiegel eines Systems
Kennet Eichhorns Geschichte zeigt exemplarisch, wie schnell junge Talente in ein komplexes Geflecht aus Interessen geraten. Klubs, Berater, Sponsoren, Medien — alle wollen ein Stück vom Kuchen. Gleichzeitig ist Eichhorn ein 16-Jähriger, der noch zur Schule geht.
Das Rechtssystem bietet Schutz — aber nur, wenn die richtigen Menschen an Bord sind. Eltern, die proaktiv handeln und sich frühzeitig rechtlichen Rat holen, geben ihrem Kind den besten Start in eine mögliche Profikarriere.
Fazit: Recht ist kein Luxus für Profis
Der Transferkampf um Kennet Eichhorn erinnert daran, dass hinter jedem großen Namen im Fußball ein junger Mensch steht — mit Eltern, die plötzlich Entscheidungen treffen müssen, für die sie keine Ausbildung haben. Rechtliche Absicherung ist kein Luxus für Eliteklubs. Sie ist der grundlegende Schutz, den jeder junge Sportler verdient.
Haben Sie Fragen zu Sportvertragsrecht oder möchten Sie einen Beratungsvertrag prüfen lassen? Die Experten auf Expert Zoom helfen Ihnen weiter.
