Rekordtief bei Ehen: Warum 2026 der richtige Moment ist, um sich vor dem Ja-Wort rechtlich abzusichern
Nur noch 349.200 Paare haben in Deutschland 2024 geheiratet — so wenige wie seit 1950 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet. Trotzdem heiraten Hunderttausende jedes Jahr, oft ohne über die rechtlichen Konsequenzen nachzudenken. Wer 2026 vor dem Standesamt steht, sollte fünf rechtliche Fallen kennen — bevor das Ja-Wort fällt.
Warum gerade jetzt das Thema Ehe so brisant ist
Der Rückgang der Eheschließungen hängt mit einem Bewusstseinswandel zusammen: Immer mehr Menschen in Deutschland fragen sich, ob die Ehe das richtige Modell für sie ist — und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Gleichzeitig zeigen die Scheidungsstatistiken: Rund 35,7 Prozent aller Ehen enden mit einer Scheidung. Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Trennung beträgt 14,8 Jahre. Besonders kritisch: 45 Prozent aller Scheidungen erfolgen innerhalb der ersten zehn Ehejahre.
Das bedeutet: Wer heiratet, sollte das nicht nur romantisch, sondern auch nüchtern betrachten. Die rechtlichen Weichen, die vor der Hochzeit gestellt werden, entscheiden im Fall einer Trennung über Vermögen, Altersvorsorge und den Unterhalt für Kinder.
Falle 1: Der gesetzliche Güterstand trifft Sie härter als gedacht
Wer in Deutschland ohne Ehevertrag heiratet, lebt automatisch in der Zugewinngemeinschaft. Das klingt harmlos — ist aber eine Falle für alle, die Unternehmen, Immobilien oder Erbschaften mitbringen. Denn beim Zugewinnausgleich wird der während der Ehe erzielte Vermögenszuwachs hälftig geteilt.
Beispiel: Sie erben während der Ehe ein Haus. Steigt der Wert um 200.000 Euro, muss Ihr Partner beim Scheitern der Ehe an diesem Wertzuwachs beteiligt werden — selbst wenn er nichts beigetragen hat. Ein Ehevertrag mit Gütertrennung kann das verhindern, ist aber nur dann wirksam, wenn er notariell beurkundet wurde.
Falle 2: Der Versorgungsausgleich bei der Rente
Im Scheidungsfall wird die während der Ehe erworbene Altersvorsorge automatisch aufgeteilt — der sogenannte Versorgungsausgleich. Wer als Selbstständiger keine gesetzliche Rentenversicherung hat, aber eine private Altersvorsorge aufgebaut hat, verliert im Scheidungsfall unter Umständen die Hälfte davon.
Auch hier: Ein Ehevertrag kann den Versorgungsausgleich einschränken oder ausschließen — allerdings nur in bestimmten Grenzen, die ein Rechtsanwalt für Familienrecht kennt.
Falle 3: Kein Testament, kein Schutz
Heiraten schützt nicht automatisch davor, im Todesfall leer auszugehen — zumindest nicht vollständig. Wer Kinder aus einer früheren Beziehung hat, muss aktiv handeln: Das gesetzliche Erbrecht sieht vor, dass Kinder pflichtteilsberechtigt sind. Ohne Testament kann der überlebende Ehegatte in eine schwierige Situation geraten, wenn Kinder aus erster Ehe Ansprüche geltend machen.
Ein gemeinsames Testament oder ein Erbvertrag beim Notar schafft klare Verhältnisse.
Falle 4: Der Unterhaltsanspruch nach der Scheidung
Wer heiratet und danach seinen Job aufgibt, um Kinder zu erziehen oder den Partner zu unterstützen, riskiert im Falle einer Scheidung finanzielle Abhängigkeit. Der nacheheliche Unterhalt ist im deutschen Recht zwar geregelt, wird aber nicht automatisch gewährt — er muss eingeklagt werden.
Besonders betroffen: Paare, bei denen ein Partner nach der Hochzeit in Teilzeit wechselt oder ganz aus dem Beruf aussteigt. Eine klare vertragliche Regelung, etwa über Ausgleichszahlungen oder Kompensation der entgangenen Karriere, kann spätere Streitigkeiten verhindern.
Falle 5: Die Schulden des Partners
Mit der Ehe entstehen keine gemeinsamen Schulden automatisch — aber es gibt Ausnahmen. Wenn Sie gemeinsam Kredite aufnehmen oder sich gegenseitig als Bürgen eintragen, haften Sie solidarisch. In der Praxis unterschreiben viele Paare bei Immobilienkäufen beide Kreditverträge, ohne sich der Folgen bewusst zu sein: Im Fall einer Trennung bleiben beide für die gesamte Schuld haftbar, auch wenn nur einer die Immobilie bewohnt.
Ein Rechtsanwalt für Familienrecht kann vor der Hochzeit klären, welche Vereinbarungen sinnvoll sind — und welche Klauseln in Kreditverträgen auf Risiken hinweisen.
Was Experten empfehlen: Das Vorgespräch vor dem Standesamt
Rechtsanwälte für Familienrecht berichten, dass die meisten Mandanten erst dann kommen, wenn es zu spät ist: wenn die Scheidung eingereicht ist, wenn Erbfragen eskalieren, wenn Schulden zum Streitpunkt werden. Ein Beratungsgespräch vor der Hochzeit kostet deutlich weniger als ein Scheidungsstreit.
Laut Destatis waren 2023 rund 109.561 minderjährige Kinder von einer Scheidung betroffen — das sind fast 65.600 Trennungsverfahren, die Familien zerrissen haben. Viele dieser Konflikte hätten durch frühzeitige rechtliche Absicherung abgemildert werden können.
Das Bundesministerium der Justiz bietet auf seiner Website umfangreiches Informationsmaterial zum deutschen Eherecht an — ein guter Einstieg, bevor man den Weg zum Anwalt antritt.
Wann sollten Sie einen Rechtsanwalt aufsuchen?
- Sie oder Ihr Partner besitzen Immobilien, Unternehmensanteile oder Erbschaften
- Einer von Ihnen ist selbstständig oder hat eine private Altersvorsorge
- Sie haben Kinder aus früheren Beziehungen
- Sie planen, nach der Hochzeit Beruf oder Karriere zu reduzieren
- Sie möchten gemeinsam Kredite aufnehmen
In diesen Fällen ist ein Ehevertrag kein Misstrauensvotum — sondern eine kluge Vorsorge. Ein Rechtsanwalt für Familienrecht auf ExpertZoom kann Ihnen in einer Online-Beratung erklären, welche Regelungen für Ihre persönliche Situation sinnvoll sind, bevor Sie den Ring anstecken.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Rund 349.200 Paare heirateten 2024 in Deutschland — 79 Prozent davon zum ersten Mal, drei Prozent in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Gleichzeitig wurden 2023 laut Destatis rund 130.000 Ehen geschieden. Das entspricht einem Verhältnis von fast einer Scheidung auf drei Hochzeiten.
Was bedeutet das in der Praxis? Statistisch gesehen trägt etwa jedes dritte Paar, das heute heiratet, ein erhebliches Risiko, diesen Schritt rückgängig machen zu müssen. Wer sich frühzeitig absichert, schützt nicht nur sein Vermögen — sondern auch die Kinder, die Familie und die eigene Lebensplanung. Der Aufwand für ein Vorgespräch beim Anwalt ist minimal im Vergleich zu den potenziellen Folgekosten eines ungeregelten Scheidungsverfahrens.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Ehevertrag oder Familienrecht wenden Sie sich an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

Lena Müller