Galarza schickt Deutschland nach Hause: Was Profifußballer über Leihverträge wissen müssen

Paraguayischer Profi-Fußballer liest Leihvertrag in Sportagentur in Atlanta

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Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 5. Juli 2026

Matías Galarza machte am 29. Juni 2026 Schlagzeilen weltweit: Der 24-jährige Paraguayer assistierte Julio Enciso beim historischen 1:0 gegen Deutschland im Achtelfinale der WM 2026 in Philadelphia und verwandelte anschließend im Elfmeterschießen sicher. Paraguay schlug den viermaligen Weltmeister 4:3 im Elfmeterschießen – eine der größten Überraschungen der Turniergeschichte. Was dabei kaum jemand erwähnt: Galarza spielte als Leihspieler. Sein Stammverein River Plate hatte ihn im Januar 2026 an Atlanta United in die MLS ausgeliehen. Ein Vertragsmodell, das im modernen Profifußball immer wichtiger wird – und das für Spieler massive rechtliche Konsequenzen haben kann.

Wer ist Matías Galarza?

Galarza wurde am 11. Februar 2002 in Asunción geboren und gilt als eines der größten Mittelfeld-Talente Südamerikas. Seine Karriere führte ihn von Olimpia in Paraguay über Vasco da Gama in Brasilien zu River Plate in Argentinien, wo er im Juli 2025 einen Vertrag bis Dezember 2028 unterzeichnete. Anfang 2026 folgte die Leihe zu Atlanta United in die MLS – mit dem Ziel, Spielpraxis zu sammeln und sich für die WM zu empfehlen.

Das gelang eindrucksvoll: Gegen die Türkei erzielte Galarza laut offiziellen FIFA-Daten den schnellsten Treffer des gesamten Turniers – nach nur 64 Sekunden. Gegen Deutschland folgte der entscheidende Assist und der verwandelte Elfmeter. Im Achtelfinale am 4. Juli 2026 schied Paraguay gegen Frankreich (0:1, Tor: Kylian Mbappé) aus. Für Galarza endet die WM mit beeindruckenden Leistungen – und mit einer offenen Frage: Wohin geht seine Karriere jetzt?

Wie Leihverträge im Profifußball funktionieren

Leihverträge unterliegen international dem FIFA-Reglement über den Status und Transfer von Spielern (RSTP), das zuletzt 2022 grundlegend reformiert wurde. Artikel 10 des Reglements regelt internationale Leihen und begrenzt deren Dauer auf maximal ein Jahr für Profispieler. Ergänzend gilt nationales Vertragsrecht – in Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), in Argentinien das argentinische Zivilrecht, in den USA das jeweilige MLS-Kollektivvertrag.

Ein typischer Leihvertrag enthält folgende Kernklauseln:

  • Laufzeit und Rückrufrechte: Der Stammverein – in Galarzas Fall River Plate – behält sich das Recht vor, den Spieler vorzeitig zurückzurufen. Wann und unter welchen Bedingungen das möglich ist, variiert stark je nach Verhandlungsgeschick.
  • Gehaltsverteilung: In der Regel zahlt der aufnehmende Verein einen Teil des Spielergehalts, während der Stammverein den Rest übernimmt. Die genaue Aufteilung ist Verhandlungssache.
  • Verletzungsverantwortung: Wer kommt für Behandlungskosten und Gehaltsfortzahlung auf, wenn der Spieler verletzt wird? Bei Länderspiel-Verletzungen – etwa während einer WM – ist die Rechtslage besonders komplex.
  • Bildrechte und Sponsorenverträge: Darf der Leihverein das Abbild des Spielers kommerziell nutzen? Oder liegen die Bildrechte beim Stammverein?

Wie komplex diese Vertragsstrukturen werden können, zeigt auch das Beispiel Deniz Undav und sein WM-Vertragsmodell, das in Deutschland große Aufmerksamkeit erzeugte.

Die drei häufigsten Rechtsfallen im Leihvertrag

Für junge Talente, die auf Leihbasis in einer anderen Liga spielen, lauern typische juristische Fallstricke – besonders dann, wenn sie ohne vollständige Rechtsberatung unterzeichnen.

1. Vorzeitige Rückrufklauseln ohne klare Bedingungen

Wenn River Plate Galarza vor Ablauf seiner Leihe zurückhaben möchte – etwa wegen einer Verletzungswelle im Kader – muss das vertraglich präzise geregelt sein. Fehlt eine konkrete Rückrufklausel mit Fristen und Entschädigungsregelungen, kann der Leihverein den Rückruf anfechten. Umgekehrt kann auch der Spieler in einer Zwickmühle stecken, wenn er in Atlanta bleiben möchte, aber rechtlich verpflichtet ist zurückzukehren.

2. Versicherungslücken bei Nationalmannschaftseinsätzen

Die FIFA schreibt für WM-Spieler eine Grundversicherung vor. Doch im Leihverhältnis kann unklar sein, wer – Stammverein oder Leihverein – für Behandlungskosten und Gehaltsfortzahlung haftet, wenn ein Spieler sich im Nationaldress verletzt. Laut den FIFA-Regularien zum Status und Transfer von Spielern tragen Stammvereine die Hauptverantwortung, doch die Umsetzung im konkreten Leihvertrag kann davon abweichen.

3. Unklare Bildrechte führen zu Lizenzstreitigkeiten

Wer darf Galarzas Abbild kommerziell verwerten – River Plate, Atlanta United oder der Spieler selbst? Bei einem WM-Held mit plötzlich globaler Bekanntheit wird diese Frage wirtschaftlich bedeutsam. Fehlt im Leihvertrag eine klare Regelung, drohen Lizenzstreitigkeiten zwischen den Vereinen – auf Kosten des Spielers.

Wann ein spezialisierter Rechtsanwalt unverzichtbar ist

Ein auf Sportrecht spezialisierter Rechtsanwalt ist für Profispieler keine Formalität, sondern eine Schutzmaßnahme. Besonders in diesen Situationen:

  • Vor der Vertragsunterzeichnung: Jeder Leih- oder Festvertrag sollte vor der Unterschrift anwaltlich geprüft werden – insbesondere bei internationalen Wechseln, bei denen verschiedene Rechtssysteme ineinandergreifen.
  • Bei Rückrufkonflikten: Wenn Stammverein und Leihverein unterschiedliche Interessen haben, braucht der Spieler eine eigene rechtliche Stimme.
  • Nach schweren Verletzungen: Wer zahlt was und wie lange? Diese Frage sollte ein Anwalt beantworten, nicht der Berater des Vereins.
  • Bei Sponsoringangeboten: Bevor ein Spieler individuelle Werbedeals unterzeichnet, muss geprüft werden, was der Leih- oder Stammvertrag diesbezüglich erlaubt.

Viele junge Spieler aus Südamerika und anderen aufstrebenden Fußballnationen haben beim Wechsel nach Europa oder in die USA keinen eigenen Rechtsbeistand – und unterschreiben Verträge, deren Klauseln sie erst Jahre später teuer zu stehen kommen.

Was nach der WM kommt

Für Galarza öffnet die starke WM-Leistung Türen. Mehrere europäische Klubs sollen laut übereinstimmenden Medienberichten vom Juli 2026 Interesse signalisiert haben. Ein Transfer aus dem Leihverhältnis heraus ist jedoch rechtlich keine einfache Angelegenheit: Atlanta United besitzt keine Kaufoption, River Plate hält die Transferrechte, und jeder potenzielle Interessent muss direkt mit River Plate verhandeln.

Galarza hat bewiesen, dass er auf dem Weltparkett mithalten kann. Ob er nun in Atlanta bleibt, nach Buenos Aires zurückkehrt oder den Sprung nach Europa schafft – sein nächster Vertrag wird entscheidend für seine Karriere sein. Ein Leihvertrag hat ihn auf die große Bühne gebracht. Ein gut ausgehandelter Folgevertrag könnte ihn dort halten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Vertrags- oder Sportrechtsfragen empfehlen wir die Konsultation eines spezialisierten Rechtsanwalts.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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