VfB Stuttgart trifft am 9. September 2026 in der Champions League auf Viking FK — und Ermedin Demirović, der bosnische Stürmer mit 12 Bundesliga-Toren in der Saison 2025/26, steht im Kader. Trotz monatelanger Wechselgerüchte machte der 28-Jährige bereits im Trainingslager klar: „Ein Abgang war nie eine Option." Was wie eine sportliche Loyalitätsbekundung klingt, hat handfeste finanzielle Konsequenzen — für ihn und für Tausende andere Profis in ähnlicher Situation. Denn wer in der Champions League spielt, steht plötzlich vor Fragen, auf die selbst gut verdienende Fachleute keine schnellen Antworten haben: Wie hoch sind die tatsächlichen Nettoeinnahmen nach Prämien und Steuern? Und wie baut man aus einem befristeten Spitzengehalt langfristiges Vermögen auf?
Stuttgart und die Champions League: Was die Einnahmen bedeuten
Mit der Rückkehr in die Königsklasse öffnet sich für VfB Stuttgart eine Einnahmenquelle, die die finanzielle Basis des Klubs grundlegend verändert. Allein für die Teilnahme schüttet die UEFA mindestens 18,62 Millionen Euro aus. Jeder Sieg in der Ligaphase bringt 2,1 Millionen Euro zusätzlich, jedes Unentschieden 700.000 Euro. Hinzu kommt eine Platzierungsprämie von 275.000 Euro je UEFA-Anteil, die an alle teilnehmenden Klubs verteilt wird.
Zum Vergleich: In der Vorsaison 2024/25 flossen laut öffentlichen UEFA-Angaben rund 28,6 Millionen Euro aus dem Champions-League-Topf an VfB Stuttgart. Diese Summen landen nicht direkt auf dem Konto der Spieler, aber sie beeinflussen unmittelbar die Vertragsverhandlungen, die Bonusklauseln und damit die tatsächlichen Bruttoeinkünfte einzelner Profis — darunter Spieler wie Demirović, dessen Marktwert auf rund 15,9 Millionen Euro geschätzt wird.
Die Botschaft für Bundesliga-Profis ist eindeutig: Ein Champions-League-Start ist kein sportliches Nebenereignis. Er ist ein finanzielles Ereignis, das aktive Planung erfordert. Denn die Einnahmen kommen nicht als gleichmäßiger Gehaltsstrom, sondern als Prämien-Cluster — und wer darauf nicht vorbereitet ist, zahlt unnötig viel.
Wie Profifußballer ihr Einkommen heute strukturieren
Profifußballer in der Bundesliga beziehen ihr Einkommen aus mehreren Quellen gleichzeitig. Das Grundgehalt bildet die Basis, wird aber oft durch Leistungsprämien für Tore, Assists und Spielminuten ergänzt. Hinzu kommen Platzierungsboni für den Ligaabschluss sowie Wettbewerbsprämien für internationale Teilnahme. Und dann sind da noch Einnahmen aus Imagerechten, Sponsorenverträgen und — bei steigender Medienpräsenz — auch aus Social-Media-Kooperationen.
Gerade bei Spielern, die regelmäßig auf Champions-League-Bühnen zu sehen sind, wachsen diese Nebeneinnahmen erheblich. Die erhöhte Sichtbarkeit macht sie für Sponsoren attraktiver. Werbedeals, die zuvor 50.000 Euro wert waren, können sich nach einer starken CL-Kampagne verdoppeln oder verdreifachen.
Wie viel von den UEFA-Ausschüttungen direkt beim Spieler ankommt, hängt stark von der Vertragsgestaltung ab. Einige Klubs zahlen pauschale Teilnahmeprämien in Höhe von 50.000 bis 200.000 Euro pro Saison, andere gewähren prozentuale Beteiligungen an den Gesamtausschüttungen oder knüpfen die Auszahlung an sportliche Ergebnisse. Branchenüblich für Spieler in der Größenordnung von Ermedin Demirović sind Gesamteinkünfte zwischen 4 und 8 Millionen Euro jährlich — wenn Grundgehalt, Prämien und Sponsoreneinnahmen summiert werden.
Was dabei regelmäßig unterschätzt wird: Die steuerliche Komplexität steigt mit jeder zusätzlichen Einkommensquelle und jeder grenzüberschreitenden Aktivität proportional an.
Was aus einem CL-Prämienpaket wirklich übrig bleibt
Nehmen wir den Fall eines 28-jährigen Bundesliga-Stürmers — in der Situation vergleichbar mit Ermedin Demirović — der in der Saison 2025/26 folgende Einkünfte erzielt:
- Jahresgrundgehalt: 3.000.000 Euro
- Teilnahmeprämie Champions League: 150.000 Euro
- Drei CL-Siegprämien à 20.000 Euro: 60.000 Euro
- Fünf CL-Torprämien à 25.000 Euro: 125.000 Euro
- Imagerechte und Sponsorenvertrag: 400.000 Euro
Bruttogesamteinkünfte: 3.735.000 Euro
In Deutschland unterliegen alle Einkünfte dem progressiven Einkommensteuertarif. Ab einem zu versteuernden Einkommen von 277.826 Euro greift der Spitzensteuersatz von 45 Prozent — der sogenannte Reichensteuersatz. Zusätzlich fällt der Solidaritätszuschlag für Hochverdiener an, und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Die Konsequenz: Verdient ein Bundesliga-Profi in einem Jahr rund 3,7 Millionen Euro brutto, verbleiben nach Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und sonstigen Abzügen in Deutschland netto rund 1,9 bis 2,1 Millionen Euro — also weniger als 60 Prozent des Bruttoeinkommens. Wer keine professionelle Steuerplanung betreibt, zahlt damit bis zu 1,8 Millionen Euro mehr als notwendig.
Besonders heikel: Wenn der Spieler in einem Jahr zusätzliche Einmalzahlungen erhält — etwa einen Loyalitätsbonus nach dem Verbleib beim Verein oder eine nachverhandelte Prämie nach starker CL-Saison — kann die Steuerlast weiter steigen. Der Progressionsvorbehalt kann zudem auf ausländische Einnahmen angewendet werden, wenn das Doppelbesteuerungsabkommen greift.
Als bosnischer Staatsbürger hat Demirović Einnahmen aus Länderspielen und möglicherweise aus Werbetätigkeiten in anderen Ländern. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Bosnien-Herzegowina bestimmt, welcher Staat welche Einkünfte versteuern darf — eine Frage, die ohne spezialisierte Beratung regelmäßig zu teuren Fehlern und Nachzahlungen führt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder finanzielle Beratung.
Was Profisportler steuerlich häufig unterschätzen
Viele Profis gehen davon aus, dass ein Steuerberater, der einmal im Jahr die Steuererklärung einreicht, ausreicht. Die Realität ist eine andere. Nach deutschem Steuerrecht sind Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer quartalsweise fällig — jeweils zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember. Wer im September eine große Prämie kassiert und erst im März des Folgejahres tätig wird, zahlt Verzugszinsen von 1,8 Prozent jährlich auf die offene Steuerschuld. Bei einer sechsstelligen Nachzahlung ist das keine Kleinigkeit.
Ein weiteres Problem: die Altersvorsorge. Anders als sozialversicherungspflichtige Angestellte zahlen Profifußballer keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Für die Zeit nach der Karriere — die im Profisport typischerweise mit Ende dreißig endet — müssen sie deshalb vollständig selbst vorsorgen. Wer mit 28 Jahren damit anfängt, hat noch sechs bis acht starke Verdienstjahre vor sich. Wer wartet, verliert unwiederbringliche Zinseszinseffekte.
Laut dem Bundesministerium der Finanzen können Aufwendungen für die Vermögensverwaltung unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich als Werbungskosten abgesetzt werden — ein weiteres Argument dafür, professionelle Unterstützung frühzeitig zu organisieren und nicht erst, wenn das Finanzamt bereits einen Bescheid schickt.
Demirović bleibt — und das Timing ist kein Zufall
Die Entscheidung, bei VfB Stuttgart zu bleiben, ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Kontinuität schafft Planungssicherheit: bekannte Bonusstruktur, stabiles steuerliches Umfeld in Deutschland, keine Einarbeitungszeit in einem fremden Steuersystem. Ein Wechsel in die Premier League hätte Demirović möglicherweise ein höheres Grundgehalt gebracht — aber auch eine vollständig neue steuerliche Realität mit anderen Abgaben, neuen Beratern und ungewissem Ausgang.
Interessant ist auch der Zeitpunkt seiner öffentlichen Treue-Aussage: unmittelbar vor Beginn der Champions-League-Saison. Klubs nutzen solche Bekenntnisse strategisch, weil sie den Marktwert des Spielers stabilisieren und Sponsorenverhandlungen positiv beeinflussen. Für Demirović selbst bedeutet ein verlässliches öffentliches Bild mehr Planbarkeit bei Werbepartnerschaften.
Weitere Details zur finanziellen Dimension von Bundesliga-Verträgen finden sich in unserem Artikel über Deniz Undavs Vertrag bei VfB Stuttgart vor der WM 2026.
Drei konkrete Schritte für Profisportler in der CL-Phase
Wer als Profifußballer erstmals oder erneut in der Champions League antritt, sollte jetzt drei Maßnahmen einleiten:
1. Liquiditätsplanung synchronisieren: Prämieneinnahmen, Steuerfälligkeiten und persönliche Ausgaben müssen eng aufeinander abgestimmt sein. Der häufigste Fehler: Prämien werden verbraucht oder investiert, bevor die nächste Steuervorauszahlung fällig wird. Das Ergebnis sind unnötige Liquiditätsengpässe mitten in der Karriere.
2. Anlagestruktur aufbauen — nicht spekulieren: Diversifizierter Kapitalaufbau durch Immobilien in stabilen Märkten, breit gestreute ETF-Portfolios und unternehmerische Beteiligungen in Bereichen, die man versteht, schützt das Vermögen langfristig besser als kurzfristige Aktieninvestments oder riskante Einzelwetten.
3. Karrierebegleitende Planung starten: Der Profifußball ist ein Beruf mit Ablaufdatum. Wer mit 28 beginnt, sein Nachkarriere-Fundament zu bauen, ist deutlich besser aufgestellt als jemand, der bis 34 wartet. Ein unabhängiger Vermögensberater kann diesen Prozess begleiten — und dabei helfen, Champions-League-Einnahmen nachhaltig wirksam werden zu lassen.
Ob Ermedin Demirović und VfB Stuttgart in der Saison 2026/27 sportlich weit kommen, entscheidet sich auf dem Rasen. Welche finanziellen Weichen jetzt gestellt werden, entscheidet sich hingegen am Beratertisch. Wer die Gelegenheit nutzt, baut aus einem befristeten Spitzengehalt ein dauerhaftes Fundament.

Julia Richter