Borussia Mönchengladbach erlebt in der Saison 2025/26 eine Verletzungswelle, die das Team mitten im Bundesliga-Kampf trifft: Tim Kleindienst (Knieoperation), Robin Hack (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich), Kota Takai (Muskelverletzung), Nathan Ngoumou (Fitnessrückstand) und Giovanni Reyna (Muskelprobleme am Oberschenkel) stehen derzeit nicht zur Verfügung. Im Februar hatte der Klub zudem Rocco Reitz für 20 Millionen Euro an RB Leipzig abgegeben. Was steckt hinter dieser Häufung von Verletzungen — und was sagt die Sportmedizin?
Die Lage bei Gladbach: fünf Langzeitausfälle gleichzeitig
Beim Bundesligaspiel gegen FC St. Pauli am 13. März 2026 musste Cheftrainer auf mindestens fünf Stammspieler verzichten. Der schwerwiegendste Ausfall: Tim Kleindienst, der nach einer Knieoperation wochenlang pausieren muss. Robin Hack erlitt einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich — eine Verletzung, die bei falscher Behandlung chronisch werden kann. Giovanni Reyna, der nach einem Oberschenkelproblem gerade erst zurückgekehrt war, musste beim 3:0 gegen Stuttgart wieder ausgewechselt werden.
Diese Konzentration von Verletzungen ist kein Zufall — sie ist ein Muster, das Sportmediziner gut kennen.
Warum häufen sich Verletzungen bei Bundesligaklubs?
Die Sportmedizin kennt mehrere Faktoren, die zu einer solchen Verletzungshäufung führen:
1. Fixture Congestion: zu viele Spiele in zu kurzer Zeit
In modernen Fußball-Spielplänen mit Bundesliga, DFB-Pokal, europäischen Wettbewerben und Länderspielpausen folgt Spiel auf Spiel, oft mit nur 72 Stunden Regenerationszeit. Eine 2024 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie zeigte, dass das Verletzungsrisiko bei Spielern, die drei oder mehr Spiele in sieben Tagen absolvieren, um 57 Prozent steigt.
Die Muskelfaserrisse bei Hack und Reyna passen in dieses Bild: Adduktoren- und Oberschenkelverletzungen sind klassische Übermüdungsschäden, die bei unzureichender Regeneration auftreten.
2. Muskuläre Dysbalancen und unzureichende Prävention
Muskelfaserrisse im Adduktorenbereich — wie bei Robin Hack — entstehen häufig durch muskuläre Dysbalancen zwischen der Innen- und Außenmuskulatur des Oberschenkels. Beim Fußball, einem Sport mit vielen plötzlichen Richtungswechseln und Grätschen, ist diese Region besonders gefährdet.
Prävention durch gezieltes Kräftigungstraining (Copenhagen Adduction Exercises) kann das Risiko dieser Verletzungen um bis zu 46 Prozent senken, wie Forschungen aus Dänemark belegen. Die Frage ist, ob solche Präventionsprogramme im Hochleistungssport angesichts des vollen Terminkalenders konsequent umgesetzt werden.
3. Rückkehr nach Verletzung: das kritische Fenster
Giovanni Reyna ist ein Paradebeispiel für das Problem der frühzeitigen Rückkehr nach Verletzung. Spieler, die nach einer Muskelverletzung zu früh wieder eingesetzt werden — bevor die biologische Heilung abgeschlossen ist und die Neuromuskuläre Kontrolle wiederhergestellt wurde —, haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko einer Re-Verletzung im selben Bereich.
Der Goldstandard für die Rückkehr nach Muskelverletzungen basiert heute auf einer Kombination von:
- Bildgebender Diagnostik (MRT zur Beurteilung des Heilungsfortschritts)
- Funktionellen Tests (Kraft- und Ausdauertests im Vergleich zur unverletzten Seite)
- GPS-basiertem Workload-Monitoring (Tracking von Sprintdistanzen und Beschleunigungen im Training)
Wenn nur ein Kriterium nicht erfüllt ist, steigt das Rückfallrisiko signifikant.
4. Psychologischer Stress nach Spielerverlust
Der Abgang von Rocco Reitz für 20 Millionen Euro an RB Leipzig im Februar 2026 verändert die Teamdynamik. Studien aus der Sportpsychologie zeigen, dass Kader, die einen Schlüsselspieler verlieren, in den darauffolgenden Wochen eine erhöhte Verletzungsrate aufweisen — ein Phänomen, das mit erhöhtem Stress, veränderten taktischen Anforderungen und der Mehrbelastung der verbleibenden Spieler erklärt wird.
Was Amateursportler und Freizeitsportler daraus lernen können
Die Probleme bei Gladbach mögen auf dem Hochleistungsniveau erscheinen — aber die zugrundeliegenden sportmedizinischen Prinzipien gelten genauso für Hobbyfußballer, Wochenendläufer und Fitnessbegeisterte.
Die wichtigsten Erkenntnisse für den Alltag:
1. Regeneration ist kein Luxus, sondern Training Muskeln wachsen und regenerieren sich in der Ruhephase — nicht während des Trainings. Wer täglich trainiert, ohne ausreichend zu schlafen oder Regenerationseinheiten einzuplanen, erhöht sein Verletzungsrisiko erheblich. Sportmediziner empfehlen mindestens einen vollständigen Ruhetag pro Woche und aktive Erholung (Schwimmen, Yoga, leichtes Radfahren) statt absolutem Nichtstun.
2. Schmerz ist kein Aufwärmen „Durch den Schmerz hindurchtrainieren" ist ein gefährlicher Mythos. Schmerz ist das Signal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Wer Adduktorenschmerzen ignoriert und weiter Fußball spielt, riskiert einen vollständigen Muskelfaserriss — der dann vier bis acht Wochen Pause bedeutet.
3. Gute Ausrüstung schützt das Knie Tim Kleindiensts Knieoperation erinnert daran: Knieprobleme sind im Fußball weit verbreitet. Gute Stollenschuhe, angepasst an den Untergrund, stabilisierende Kniebandagen bei Vorverletzungen und das Vermeiden von Überpronation (mit orthetischer Unterstützung falls nötig) reduzieren das Risiko signifikant.
4. Nach einer Verletzung: nicht zu früh zurück Die Regel der Sportmedizin lautet: vollständige Schmerzfreiheit, normale Kraft und normale Beweglichkeit sind die drei Mindestkriterien für die Rückkehr zum Sport. Wer diese ignoriert, wird früher oder später erneut auf der Verletzungsliste landen — genau wie Giovanni Reyna bei Gladbach.
Weitere Einblicke in Sportverletzungen im Profi-Fußball
Verletzungsmanagement im Profifußball ist ein Thema, das uns regelmäßig beschäftigt. Lesen Sie auch unseren Artikel Miami Open 2026: Djokovic, Rune, Fritz — warum Tennisprofis Sportärzte brauchen für mehr Einblicke in die sportmedizinische Betreuung von Hochleistungsathleten.
YMYL-Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Schmerzen oder Sportverletzungen wenden Sie sich bitte an einen Sportmediziner.
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