Annika Lau und die ADHS-Diagnose ihres Sohnes: Was Eltern jetzt wissen sollten

Mutter und unruhiger Junge am Küchentisch mit Schulheft und Fragebogen

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Lena Lena MeyerGesundheit
6 Min. Lesezeit 16. Oktober 2026

Die Moderatorin Annika Lau hat am 7. Oktober 2026 ihr Buch „Ihr Kind ist anders“ veröffentlicht und spricht seitdem offen über die ADHS-Diagnose ihres Sohnes Baz. Am 16. Oktober 2026 ist sie zu Gast in der NDR Talk Show. Viele Eltern fragen sich danach: Woran erkenne ich ADHS bei meinem Kind, und was muss ich als Nächstes tun?

Was Annika Lau über die Diagnose sagt

Laut Brisant (7. Oktober 2026) beschreibt Lau, wie sehr sie anfangs die Schuld bei sich selbst gesucht hat. „Man sucht den Fehler permanent bei sich selbst als Mutter“, sagt sie. Ihr Sohn Baz, das mittlere von drei Kindern, leide unter Konzentrationsproblemen, Impulsivität, Schlafproblemen und starkem Bewegungsdrang. „Er kann nicht sitzen, er kann es einfach nicht“, so Lau.

Promiflash berichtete am 15. Oktober 2026, die Diagnose habe die Ehe mit Schauspieler Frederick Lau gestärkt. Das Paar ist seit 2015 verheiratet. Das Buch entstand gemeinsam mit dem Mediziner Dr. Klaus Skrodzki. Es soll betroffene Familien unterstützen und mehr Verständnis in der Öffentlichkeit schaffen.

Die Geschichte trifft einen wunden Punkt, weil sie zeigt: ADHS ist keine Erziehungsfrage. Genau diese Fehlannahme belastet viele Eltern.

Wie häufig ist ADHS bei Kindern in Deutschland?

Die Zahlen hängen von der Datenquelle ab. Nach der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde bei 4,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen jemals ADHS diagnostiziert. Das RKI geht nach Angaben des Tagesspiegels von rund fünf Prozent der 3- bis 17-Jährigen aus, die von ADS oder ADHS betroffen sind.

Jungen erhalten die Diagnose deutlich häufiger. In der KiGGS-Studie lag der Faktor bei 4,3. Ein bis zwei Prozent der Kinder werden laut RKI-Angaben medikamentös behandelt. Das heißt im Umkehrschluss: Die meisten betroffenen Kinder bekommen keine Medikamente.

In einer Klasse mit 25 Kindern sitzt statistisch also meist mindestens ein Kind mit ADHS. Das Thema betrifft nicht nur Prominente.

Woran erkenne ich ADHS bei meinem Kind?

Typisch sind drei Kernbereiche: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Entscheidend ist, dass die Auffälligkeiten über mindestens sechs Monate bestehen. Sie müssen außerdem in mehreren Lebensbereichen auftreten, zum Beispiel zu Hause und in der Schule.

Ein Kind, das nur im Unterricht zappelt, aber zu Hause ruhig spielt, hat nicht automatisch ADHS. Auch Schlafmangel, Hörprobleme, Ängste oder Überforderung können ähnlich wirken. Deshalb gehört die Diagnose in fachärztliche Hände. Laut Brisant nennt Lau selbst Schlafprobleme als Teil des Bildes bei ihrem Sohn.

Warnzeichen, die Eltern ernst nehmen sollten:

  • Das Kind kann Aufgaben trotz Mühe nicht zu Ende bringen.
  • Es unterbricht ständig und wartet kaum ab.
  • Es verliert regelmäßig Material, Jacken oder Hausaufgaben.
  • Lehrkräfte melden wiederholt Probleme, obwohl das Kind intelligent ist.

Drei Irrtümer, die Familien unnötig belasten

„Das liegt an der Erziehung.“ Das stimmt nicht. Lau sagt, dass Kinder manchmal „überhaupt nichts dafür können“. Klare Regeln helfen, die Ursache sind sie aber nicht.

„ADHS ist nur eine Jungenkrankheit.“ Jungen werden zwar häufiger diagnostiziert. Mädchen fallen aber oft weniger auf, weil sie eher verträumt als zappelig wirken. Sie werden deshalb später erkannt.

„Das Kind muss einfach nur wollen.“ Auch das ist falsch. Betroffene bemühen sich oft mehr als andere und scheitern trotzdem an Aufmerksamkeit und Impulskontrolle. Lau betont zugleich die positiven Seiten: Ihr Mann und ihr Sohn seien ein „unglaublicher Quell an Energie und Kreativität“.

Wer stellt die Diagnose?

Anlaufstellen sind Kinder- und Jugendärzte, Kinder- und Jugendpsychiater sowie spezialisierte Zentren. Die Diagnostik umfasst Gespräche mit Eltern und Kind, Fragebögen für Eltern und Schule sowie körperliche und psychologische Tests. Das Gesundheitsportal des Bundes erklärt Ablauf und Behandlungsoptionen unter gesund.bund.de.

Eine Diagnose in Eile ist kein gutes Zeichen. Seriöse Praxen nehmen sich Zeit, fragen nach Schule, Familie und Schlaf und schließen andere Ursachen aus.

Behandlung: Was bedeutet das Wort Ritalin wirklich?

Brisant erwähnt, dass die Familie Lau noch die passende Behandlung sucht. Als Option wird Methylphenidat (bekannt als Ritalin) genannt, das aber nicht für jedes Kind passt. Das ist ein wichtiger Punkt: Medikamente sind ein Baustein, nie die einzige Antwort.

Die Behandlung besteht meist aus mehreren Teilen:

  1. Aufklärung der Familie über das Störungsbild.
  2. Elterntraining, in dem Eltern klare Regeln und kurze, eindeutige Anweisungen üben.
  3. Verhaltenstherapie für das Kind.
  4. Abstimmung mit der Schule, etwa über feste Abläufe und Sitzplätze.
  5. Medikamente, wenn die Beeinträchtigung stark ist und andere Maßnahmen nicht reichen.

Auch Annika Lau betont laut Promiflash, was im Alltag hilft: Ihr Mann Frederick habe ihr gezeigt, dass kurze, klare Anweisungen besser funktionieren als lange Erklärungen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Vom Elternbrief bis zum Nachteilsausgleich

Dieses Beispiel ist ein fiktiver, aber realistischer Fall. Er soll zeigen, wie viel Zeit und Papier ein Verdacht kosten kann.

Nehmen wir einen siebenjährigen Jungen in der zweiten Klasse. Im Oktober 2026 schreibt die Klassenlehrerin zum dritten Mal in sechs Wochen ins Mitteilungsheft: Er stört, verliert seine Sachen und schafft nur eines von vier Arbeitsblättern.

Die Eltern melden sich beim Kinderarzt. Angenommen, der Termin beim Kinder- und Jugendpsychiater liegt vier Monate in der Zukunft, also im Februar 2027. Dann vergehen vier Monate, in denen der Junge weiter im Unterricht unter Druck steht.

Wenn die Eltern in dieser Zeit nichts unternehmen, passiert oft Folgendes: Die Noten sinken, das Kind fühlt sich als „schwierig“, und die Stimmung zu Hause kippt. Wenn sie dagegen früh handeln, können sie zwei Dinge parallel anstoßen:

  • Sie bitten die Schule schriftlich um ein Gespräch. Dort lässt sich vereinbaren, dass der Junge vorne sitzt und Aufgaben in zwei Teilen bekommt.
  • Sie sammeln drei bis vier Wochen lang kurze Notizen zu Schlaf, Hausaufgabenzeit und Wutausbrüchen. Mit diesen Notizen wird die Diagnostik deutlich schneller und genauer.

Bestätigt sich im Februar die Diagnose, können die Eltern bei der Schule einen Nachteilsausgleich beantragen, zum Beispiel zehn Minuten mehr Zeit bei Klassenarbeiten. Die Regeln dafür unterscheiden sich je nach Bundesland. Reicht die Unterstützung nicht aus, kommt unter Umständen Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII beim Jugendamt in Betracht. Diese Frage sollte man mit Fachleuten klären.

Wenn also die Diagnose da ist, aber niemand Schule, Ärzte und Jugendamt abstimmt, bleibt vieles Stückwerk. Wenn eine Fachperson den Überblick behält, spart die Familie Monate.

Wo ein Experte konkret hilft

Der Fall zeigt: Hinter einer ADHS-Diagnose stehen oft mehrere Fachgebiete gleichzeitig.

  • Ärzte und Therapeuten klären Diagnose, Medikation und Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen.
  • Rechtsanwälte beraten bei Streit um Nachteilsausgleich oder Eingliederungshilfe, wenn Ämter ablehnen.
  • Nachhilfelehrer mit Erfahrung bei ADHS trainieren Lernstrategien in kleinen Einheiten. Hilfreiche Hintergründe zur Belastung von Schülern finden Sie im Beitrag Schulbarometer 2026: 25 Prozent der Schüler psychisch belastet.

Was Eltern jetzt tun können

Annika Lau sagt über ihre Kinder, sie habe keine Leistungserwartungen und wünsche sich nur, dass sie glücklich sind. Dieser Gedanke ist ein guter Startpunkt, ersetzt aber keine Abklärung.

Diese Schritte helfen sofort:

  1. Beobachten Sie vier Wochen lang und notieren Sie Situationen, Uhrzeiten und Auslöser.
  2. Sprechen Sie mit der Schule, bevor Noten leiden.
  3. Vereinbaren Sie einen Termin beim Kinder- und Jugendarzt und fragen Sie nach einer Überweisung.
  4. Setzen Sie auf kurze, klare Sätze im Alltag. Statt „Räum bitte dein Zimmer auf“ lieber: „Bücher ins Regal. Dann Pause.“
  5. Holen Sie sich Unterstützung, auch für sich selbst. Lau berichtet, dass manche Freunde die Familie nicht mehr einladen, weil Baz laut sein kann. Das belastet.

Auf Expert Zoom finden Sie Ärzte, Rechtsanwälte und Nachhilfelehrer, die Familien mit ADHS-Fragen begleiten. Sie können dort gezielt nach Erfahrung mit Schule, Behörden und Therapie fragen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Bei Verdacht auf ADHS wenden Sie sich an eine Kinderarzt- oder Facharztpraxis. Für rechtliche Fragen zu Nachteilsausgleich oder Eingliederungshilfe fragen Sie eine Fachperson.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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