Frau bespricht Scheidungsunterlagen mit einem Anwalt für Familienrecht in einer modernen Kanzlei

Scheidungsanwalt: Ablauf, Kosten und die richtige Wahl

Rechtsanwälte 6 Min. Lesezeit 12. März 2026

Eine Scheidung in Deutschland dauert im Regelfall 4 bis 12 Monate — bei strittigen Verfahren bis zu drei Jahre. Ohne einen Scheidungsanwalt ist das Verfahren rechtlich gar nicht möglich: In Deutschland herrscht vor dem Familiengericht Anwaltszwang gemäß § 114 Abs. 1 FamFG. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie das Scheidungsverfahren mit einem Scheidungsanwalt abläuft, welche Kosten auf Sie zukommen und worauf Sie bei der Anwaltswahl achten sollten.

Anwaltszwang bei Scheidungen: Warum ein Scheidungsanwalt Pflicht ist

Das deutsche Familienrecht schreibt vor, dass mindestens ein Ehegatte bei einer Scheidung anwaltlich vertreten sein muss. Der Scheidungsanwalt stellt den Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht — ohne diesen Antrag kann kein Richter das Verfahren eröffnen. Selbst bei einer einvernehmlichen Scheidung benötigt mindestens eine Partei anwaltliche Vertretung.

Der Grund für den Anwaltszwang liegt im Schutzgedanken: Scheidungen betreffen existenzielle Fragen wie Unterhalt, Sorgerecht und Vermögensaufteilung. Der Gesetzgeber will sicherstellen, dass beide Seiten die rechtlichen Folgen verstehen, bevor eine Ehe aufgelöst wird.

Das Wichtigste: Ohne Scheidungsanwalt kann in Deutschland kein Scheidungsantrag eingereicht werden — der Anwaltszwang gilt ausnahmslos vor dem Familiengericht (§ 114 Abs. 1 FamFG).

Schritt 1: Erstberatung beim Scheidungsanwalt vereinbaren

Vor dem eigentlichen Scheidungsverfahren steht die Erstberatung. Seit 2006 ist die Gebühr für eine anwaltliche Erstberatung bei Verbrauchern auf maximal 190 Euro netto gedeckelt (§ 34 Abs. 1 RVG). Viele Scheidungsanwälte bieten eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung an.

Während der Erstberatung klärt der Scheidungsanwalt folgende Punkte:

  1. Trennungsjahr prüfen — Seit wann leben die Ehegatten getrennt? Das Trennungsjahr ist gesetzliche Voraussetzung (§ 1566 BGB).
  2. Scheidungsfolgen einschätzen — Unterhalt, Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich und Sorgerecht werden vorbesprochen.
  3. Verfahrensart bestimmen — Einvernehmliche oder streitige Scheidung? Bei Einvernehmen genügt ein Anwalt für den Antragsteller.

Plattformen wie Expert Zoom ermöglichen eine schnelle Online-Erstberatung durch qualifizierte Rechtsanwälte — ohne Wartezeit und von zu Hause aus.

Ehepaar unterzeichnet Scheidungsunterlagen im Büro einer Familienrechtsanwältin

Schritt 2: Scheidungsantrag einreichen und Trennungsjahr nachweisen

Der Scheidungsanwalt reicht den Scheidungsantrag beim Familiengericht am Wohnort der Ehegatten ein. Im Antrag sind persönliche Daten, Heiratsurkunde, Angaben zu gemeinsamen Kindern und der Zeitpunkt der Trennung aufzuführen. Das Gericht stellt den Antrag dem anderen Ehegatten zu.

Trennungsjahr als Voraussetzung

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) verlangt in § 1566 ein Trennungsjahr als Nachweis, dass die Ehe gescheitert ist. Leben beide Partner noch in der gemeinsamen Wohnung, muss eine „Trennung von Tisch und Bett" nachgewiesen werden — getrennte Schlafzimmer, getrennte Haushaltsführung, kein gemeinsames Wirtschaften.

Nur in Härtefällen — etwa bei häuslicher Gewalt — kann das Trennungsjahr verkürzt werden (§ 1565 Abs. 2 BGB). Der Scheidungsanwalt prüft, ob ein solcher Härtefall vorliegt und dokumentiert dies gegenüber dem Gericht.

Schritt 3: Versorgungsausgleich und Folgesachen klären

Nach Eingang des Scheidungsantrags fordert das Familiengericht beide Ehegatten auf, Formulare zum Versorgungsausgleich auszufüllen. Beim Versorgungsausgleich werden die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche (gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester-Rente) hälftig aufgeteilt. Dieser Schritt dauert erfahrungsgemäß 3 bis 6 Monate, weil die Rentenversicherungsträger Auskünfte erteilen müssen.

Der Scheidungsanwalt übernimmt dabei folgende Aufgaben:

  • Prüfung der Rentenauskunft auf Vollständigkeit und Richtigkeit
  • Berechnung, ob ein Verzicht auf den Versorgungsausgleich sinnvoll ist (möglich bei kurzer Ehedauer unter 3 Jahren)
  • Verhandlung von Folgesachen: Zugewinnausgleich, nachehelicher Unterhalt, Sorge- und Umgangsrecht

Werden Folgesachen als sogenannte „Verbundsachen" im Scheidungsverfahren mitverhandelt, steigt der Verfahrenswert — und damit die Anwaltskosten. Ein erfahrener Scheidungsanwalt berät, welche Punkte im Verbund und welche separat geklärt werden sollten.

Das Wichtigste: Der Versorgungsausgleich ist bei Ehen mit einer Dauer von mehr als 3 Jahren gesetzlich vorgeschrieben (§ 3 VersAusglG). Ein Verzicht ist nur durch notariellen Ehevertrag oder gerichtliche Vereinbarung möglich.

Kosten eines Scheidungsanwalts in Deutschland

Die Kosten eines Scheidungsanwalts richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und dem Verfahrenswert, den das Familiengericht festsetzt. Der Verfahrenswert basiert auf dem gemeinsamen Nettoeinkommen beider Ehegatten (3 Monatsgehälter) plus 5 % des Vermögens.

1.500–3.000 €
Anwaltskosten bei einvernehmlicher Scheidung
RVG-Gebührentabelle, 2024
3.000–7.000 €
Anwaltskosten bei streitiger Scheidung
Deutscher Anwaltverein, 2024
4–12 Monate
Verfahrensdauer einvernehmlich
Statistisches Bundesamt, 2023

Bei geringem Einkommen kann Verfahrenskostenhilfe (VKH) beantragt werden. Der Staat übernimmt dann die Anwalts- und Gerichtskosten vollständig oder teilweise. Der Scheidungsanwalt stellt den VKH-Antrag zusammen mit dem Scheidungsantrag beim Gericht.

Gut zu wissen: Die Anwaltskosten sind gesetzlich geregelt und nicht verhandelbar. Wer eine günstige Erstberatung durch einen Rechtsanwalt sucht, kann online Angebote vergleichen. Auch wer bereits einen Anwalt für Arbeitsrecht mandatiert hat, benötigt für die Scheidung zwingend einen separaten Fachanwalt.

MEINE FRAGE STELLENRechtsanwälte

Den richtigen Scheidungsanwalt finden: 5 Auswahlkriterien

Die Wahl des Scheidungsanwalts beeinflusst maßgeblich den Verlauf und das Ergebnis des Verfahrens. Achten Sie auf folgende Kriterien:

  1. Fachanwaltstitel für Familienrecht — Der Titel „Fachanwalt für Familienrecht" belegt mindestens 3 Jahre Berufserfahrung und 120 bearbeitete Fälle im Familienrecht. Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) führt ein öffentliches Verzeichnis aller zugelassenen Fachanwälte.

  2. Erfahrung mit Ihrem Falltyp — Ein Scheidungsanwalt, der regelmäßig Zugewinnausgleich oder internationale Scheidungen bearbeitet, kennt die Fallstricke. Fragen Sie nach vergleichbaren Mandaten.

  3. Transparente Kostenaufstellung — Seriöse Anwälte erläutern den voraussichtlichen Verfahrenswert und die sich daraus ergebenden Gebühren vor Mandatsübernahme.

  4. Erreichbarkeit und Kommunikation — Scheidungsverfahren sind emotional belastend. Kurze Reaktionszeiten und klare Kommunikation reduzieren den Stress erheblich.

  5. Regionale Nähe zum Familiengericht — Ein Anwalt, der das zuständige Familiengericht kennt, kann Verfahrensabläufe besser einschätzen. Alternativ bieten Online-Plattformen ortsunabhängige Beratung durch spezialisierte Scheidungsanwälte.

Lena, 38, aus München berichtet: „Mein Scheidungsanwalt hat mir beim ersten Gespräch genau erklärt, was auf mich zukommt — Kosten, Dauer, Versorgungsausgleich. Diese Transparenz hat mir die Angst vor dem Verfahren genommen." Eine solche offene Kommunikation ist gerade bei Familienrechtsfällen entscheidend, weil unerwartete Kosten oder Verzögerungen die ohnehin belastende Situation verschärfen können.

Einvernehmliche Scheidung: Wann ein Anwalt für beide Seiten reicht

Eine einvernehmliche Scheidung liegt vor, wenn sich beide Ehegatten über Unterhalt, Vermögensaufteilung und Sorgerecht einig sind. In diesem Fall genügt ein Scheidungsanwalt für den Antragsteller — der andere Ehegatte muss dem Antrag lediglich zustimmen, ohne eigenen Anwalt.

Diese Variante spart Kosten: Statt zweier Anwaltsgebühren fällt nur eine an. Laut dem Bundesministerium der Justiz werden rund 90 % der Scheidungen in Deutschland als einvernehmlich durchgeführt.

Allerdings raten Familienrechtsexperten dem Antragsgegner, zumindest eine unabhängige Erstberatung wahrzunehmen. Wer keinen eigenen Anwalt hat, kann im Scheidungstermin keine eigenen Anträge stellen. Bei komplexen Vermögensverhältnissen oder Streit über den Kindesunterhalt ist ein zweiter Anwalt dringend empfehlenswert.

Kurz gefasst: Die einvernehmliche Scheidung mit nur einem Scheidungsanwalt ist die schnellste und günstigste Option — setzt aber vollständige Einigkeit über alle Folgesachen voraus.

Person zu Hause am Laptop im Videocall mit einem Rechtsanwalt für Familienrecht

Scheidungsanwalt online beauftragen: Ablauf und Vorteile

Die Digitalisierung hat das Familienrecht erreicht: Scheidungsanwälte bieten zunehmend Online-Mandate an. Der gesamte Prozess — von der Erstberatung über die Dokumenteneinreichung bis zur Vertretung vor Gericht — lässt sich digital steuern.

Vorteile einer Online-Scheidung mit Anwalt:

  • Zeitersparnis — Keine Anfahrt zur Kanzlei, Beratungstermine per Videocall
  • Kostengleichheit — Die gesetzlichen Gebühren nach RVG gelten unabhängig davon, ob der Anwalt vor Ort oder online arbeitet
  • Dokumentenmanagement — Sichere Upload-Portale statt Papierverkehr
  • Erreichbarkeit — Beratung auch abends oder am Wochenende möglich

Auf Plattformen wie Expert Zoom können Sie direkt mit einem auf Familienrecht spezialisierten Rechtsanwalt in Kontakt treten, Ihre Situation schildern und eine fundierte Ersteinschätzung erhalten — ohne Wartezeit und bundesweit verfügbar.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar. Jede Scheidung ist individuell — konsultieren Sie einen Fachanwalt für Familienrecht für eine auf Ihre Situation abgestimmte Beratung.

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