Fachanwalt für Arbeitsrecht berät einen Arbeitnehmer in einer deutschen Kanzlei

Anwalt für Arbeitsrecht: So setzen Sie Ihr Recht durch

Rechtsanwälte 6 Min. Lesezeit 19. März 2026

Probleme am Arbeitsplatz eskalieren schnell — eine unrechtmäßige Kündigung muss innerhalb von drei Wochen angefochten werden, sonst wird sie rechtskräftig § 4 Kündigungsschutzgesetz. Ein Anwalt für Arbeitsrecht begleitet Arbeitnehmer und Arbeitgeber durch genau diese zeitkritischen Situationen. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wann Sie einen Fachanwalt einschalten sollten, was der Prozess kostet und wie Sie den passenden Experten finden.

Wann brauchen Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht?

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht ist ein Rechtsanwalt mit einer Zusatzqualifikation nach § 14 der Fachanwaltsordnung (FAO). Er hat mindestens 120 arbeitsrechtliche Fälle bearbeitet und einen Fachlehrgang absolviert, bevor die zuständige Rechtsanwaltskammer den Titel verleiht.

Typische Situationen, in denen Sie rechtliche Hilfe benötigen:

  1. Kündigung erhalten — ordentlich oder fristlos, jede Kündigung verdient eine rechtliche Prüfung
  2. Abmahnung im Briefkasten — oft der Vorbote einer Kündigung, die Reaktion muss strategisch sein
  3. Aufhebungsvertrag angeboten — ohne Beratung verzichten Sie möglicherweise auf eine Abfindung
  4. Gehaltsstreit oder ausstehende Zahlungen — Ihr Arbeitgeber zahlt Überstunden, Boni oder Gehalt nicht
  5. Mobbing oder Diskriminierung — Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  6. Arbeitszeugnisstreit — ein schlechtes Zeugnis kann Ihre Karriere bremsen

Rund 400.000 Kündigungsschutzklagen gehen jährlich bei den deutschen Arbeitsgerichten ein [Bundesministerium der Justiz, 2024]. Das zeigt: Arbeitsrechtliche Konflikte sind keine Seltenheit.

Schritt 1: Situation dokumentieren und Fristen prüfen

Hände prüfen einen deutschen Arbeitsvertrag mit markierten Klauseln auf einem Schreibtisch

Bevor Sie einen Anwalt kontaktieren, sichern Sie alle relevanten Unterlagen. Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen, E-Mails und schriftliche Abmahnungen bilden die Grundlage jeder rechtlichen Einschätzung.

Die wichtigste Frist im deutschen Arbeitsrecht betrifft den Kündigungsschutz: Die Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht eingereicht werden § 4 KSchG. Versäumen Sie diese Frist, gilt die Kündigung als wirksam — unabhängig davon, ob sie rechtmäßig war.

Wichtig: Fotografieren Sie den Briefumschlag mit Poststempel, um den Zugang der Kündigung beweisen zu können. Bei persönlicher Übergabe notieren Sie Datum, Uhrzeit und anwesende Zeugen.

Schritt 2: Den richtigen Fachanwalt finden

Nicht jeder Rechtsanwalt kennt sich im Arbeitsrecht aus. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht hat nachweislich Erfahrung in diesem Spezialgebiet. In Deutschland sind derzeit über 7.500 Fachanwälte für Arbeitsrecht zugelassen [Bundesrechtsanwaltskammer, 2025].

So finden Sie den passenden Experten:

  • Rechtsanwaltskammer — die regionale Kammer führt ein Verzeichnis aller zugelassenen Fachanwälte
  • Empfehlungen — Betriebsräte und Gewerkschaften arbeiten regelmäßig mit spezialisierten Kanzleien zusammen
  • Online-Plattformen — auf Expert Zoom können Sie direkt einen Arbeitsrechtsexperten für eine Erstberatung kontaktieren
  • Erstgespräch nutzen — viele Kanzleien bieten eine kostenlose oder kostengünstige Ersteinschätzung an

Achten Sie auf Transparenz bei den Kosten und fragen Sie vorab, ob der Anwalt Erfahrung mit Ihrem konkreten Problem hat — etwa Kündigungsschutz, Abfindungsverhandlung oder Arbeitszeugnisstreit.

Schritt 3: Kosten und Kostenübernahme klären

Die Kosten für einen Anwalt für Arbeitsrecht richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) oder einer individuellen Honorarvereinbarung. Der Streitwert bestimmt die gesetzliche Gebühr — bei arbeitsrechtlichen Verfahren entspricht er in der Regel drei Bruttomonatsgehältern.

Erstberatung
190 € (max.)
Außergerichtliche Vertretung
500–1.500 €
Kündigungsschutzklage (Streitwert 10.000 €)
1.500–2.500 €
Vergleich mit Abfindung
2.000–4.000 €

Quelle: RVG-Gebührentabelle, Stand 2025. Tatsächliche Kosten variieren nach Streitwert und Komplexität.

Wer übernimmt die Kosten?

  • Rechtsschutzversicherung — prüfen Sie, ob Ihr Vertrag Arbeitsrecht abdeckt und ob die Wartezeit (oft drei Monate) bereits abgelaufen ist
  • Gewerkschaftsmitgliedschaft — die meisten Gewerkschaften übernehmen die Anwaltskosten für ihre Mitglieder vollständig
  • Prozesskostenhilfe — bei geringem Einkommen übernimmt der Staat die Verfahrenskosten § 114 ZPO

Besonderheit im Arbeitsrecht: In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht trägt jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten — auch bei einem Sieg § 12a Arbeitsgerichtsgesetz.

Schritt 4: Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht

Kommt es zu keiner außergerichtlichen Einigung, führt der Weg zum Arbeitsgericht. Der Ablauf folgt einem klaren Schema, das Ihr Anwalt für Arbeitsrecht für Sie steuert.

Der typische Ablauf einer Kündigungsschutzklage:

  1. Klageeinreichung — Ihr Anwalt reicht die Klage beim zuständigen Arbeitsgericht ein (Frist: 3 Wochen)
  2. Gütetermin — innerhalb von zwei bis sechs Wochen nach Klageeinreichung findet ein Gütetermin statt, bei dem das Gericht auf eine Einigung hinwirkt
  3. Vergleichsverhandlung — rund 60 % aller Kündigungsschutzklagen enden mit einem Vergleich, häufig verbunden mit einer Abfindung [Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2023]
  4. Kammertermin — nur wenn keine Einigung erzielt wird, kommt es zum eigentlichen Verhandlungstermin mit Urteil
  5. Berufung — gegen das Urteil ist innerhalb eines Monats Berufung beim Landesarbeitsgericht möglich

Die Verfahrensdauer vom Klageeingang bis zum Urteil beträgt im Durchschnitt 3,2 Monate bei den Arbeitsgerichten erster Instanz [Statistisches Bundesamt, 2024]. Mit Vergleich verkürzt sich die Dauer auf durchschnittlich sechs Wochen.

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Abfindung verhandeln: Was ein Anwalt für Sie herausholen kann

Ein Anspruch auf Abfindung besteht gesetzlich nur in Ausnahmefällen. In der Praxis vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer jedoch regelmäßig Abfindungen im Rahmen eines Vergleichs. Hier zeigt sich der Wert eines erfahrenen Fachanwalts besonders deutlich.

Die übliche Faustformel lautet: ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr § 1a KSchG. Ein Anwalt für Arbeitsrecht kann diese Summe in vielen Fällen deutlich steigern — etwa wenn die Kündigung formale Fehler aufweist oder der Arbeitgeber soziale Auswahlkriterien missachtet hat.

Beispiel: Thomas, Vertriebsleiter mit 12 Jahren Betriebszugehörigkeit, erhielt eine betriebsbedingte Kündigung. Sein Arbeitgeber bot zunächst 18.000 € Abfindung an (Faustformel: 0,5 × 3.000 € × 12). Sein Fachanwalt für Arbeitsrecht deckte Fehler bei der Sozialauswahl auf und verhandelte die Abfindung auf 42.000 € — mehr als das Doppelte des ursprünglichen Angebots.

Ihre Rechte als Arbeitnehmer: Was viele nicht wissen

Das deutsche Arbeitsrecht schützt Arbeitnehmer durch ein dichtes Netz an Regelungen. Ein Anwalt für Arbeitsrecht hilft, diese Rechte auch tatsächlich durchzusetzen.

Weniger bekannte Rechte, die Ihnen zustehen:

  • Anhörung des Betriebsrats — vor jeder Kündigung muss der Betriebsrat gehört werden, sonst ist die Kündigung unwirksam § 102 Betriebsverfassungsgesetz
  • Freistellung für Stellensuche — während der Kündigungsfrist haben Sie Anspruch auf bezahlte Freistellung für Vorstellungsgespräche § 629 BGB
  • Widerspruch bei Betriebsübergang — bei einem Unternehmensverkauf können Sie dem Übergang Ihres Arbeitsverhältnisses widersprechen § 613a BGB
  • Überstundenvergütung — Überstunden sind grundsätzlich zu vergüten, auch wenn der Arbeitsvertrag etwas anderes behauptet, sofern dies nicht klar und wirksam vereinbart wurde

Falls Sie sich unsicher sind, ob Ihr Arbeitgeber Ihre Rechte verletzt, können Sie über Expert Zoom einen auf Ausländerrecht oder Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt für eine schnelle Erstberatung kontaktieren.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine auf Ihren Fall zugeschnittene Beratung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

Arbeitsrecht für Arbeitgeber: Wann Sie selbst einen Anwalt brauchen

Anwältin erklärt einem Unternehmer rechtliche Dokumente in einer deutschen Kanzlei

Nicht nur Arbeitnehmer profitieren von arbeitsrechtlicher Beratung. Auch als Arbeitgeber benötigen Sie rechtliche Unterstützung, um formale Fehler zu vermeiden, die Kündigungen anfechtbar machen.

Ein spezialisierter Anwalt hilft Ihnen bei:

  • Abmahnungen formulieren — eine fehlerhafte Abmahnung kann als Beweismittel für eine spätere Kündigung wertlos werden
  • Kündigungen vorbereiten — Sozialauswahl, Betriebsratsanhörung und Kündigungsfristen müssen korrekt eingehalten werden
  • Aufhebungsverträge gestalten — eine durchdachte Vertragsgestaltung schützt vor nachträglichen Klagen
  • Arbeitsverträge prüfen — unwirksame Klauseln, etwa zu Überstundenpauschalen oder nachvertraglichen Wettbewerbsverboten, bergen Risiken

Rund 23 % der Arbeitgeberkündigungen werden vor dem Arbeitsgericht angefochten [Hans-Böckler-Stiftung, 2023]. Eine vorausschauende rechtliche Beratung durch einen Rechtsanwalt mit Spezialisierung im Arbeitsrecht reduziert dieses Risiko erheblich.

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