Wann braucht man einen Anwalt für Familienrecht — und was kostet die Beratung? Ein Fachanwalt für Familienrecht (Familienrechtler) ist ein Rechtsanwalt, der sich auf Ehe-, Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeiten spezialisiert hat. In Deutschland gibt es rund 10.500 Fachanwälte für Familienrecht [Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), 2024]. Ob Scheidung, Sorgerechtsverfahren oder Erbstreit — die Frage nach dem richtigen Anwalt stellt sich meist in einer emotional belastenden Phase. Dieser Artikel beantwortet die häufigsten Fragen: Aufgaben, Kosten, Ablauf und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Welche Aufgaben übernimmt ein Anwalt für Familienrecht?
Ein Fachanwalt für Familienrecht berät und vertritt Mandanten in sämtlichen Rechtsstreitigkeiten rund um Familie und Partnerschaft. Die wichtigsten Tätigkeitsfelder umfassen Scheidungsverfahren, Sorgerechtsstreitigkeiten, Unterhaltsberechnung sowie Vermögensaufteilung nach einer Trennung.
Konkret bedeutet das: Der Anwalt entwirft Eheverträge, prüft Unterhaltsansprüche nach §§ 1569 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und vertritt Sie vor dem Familiengericht. Bei einer einvernehmlichen Scheidung reicht ein Anwalt für beide Parteien aus — bei streitigen Verfahren benötigt jede Seite einen eigenen Rechtsbeistand.
Neben klassischen Scheidungssachen deckt ein Familienrechtler auch Adoptionsverfahren, Vaterschaftsanfechtungen und den Versorgungsausgleich ab. Gerade beim Versorgungsausgleich (Aufteilung der Rentenansprüche) entstehen regelmäßig Fehler, die ohne anwaltliche Prüfung unentdeckt bleiben.
Wichtig zu wissen: Auch außergerichtliche Einigungen — etwa über Mediation — gehören zum Leistungsspektrum. Ein guter Familienanwalt strebt zuerst eine Lösung ohne Gericht an, weil das Verfahren schneller und günstiger endet.
Was kostet ein Anwalt für Familienrecht?
Die Kosten für einen Familienrechtler richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Bei gerichtlichen Verfahren berechnet der Anwalt die Gebühren nach dem Gegenstandswert — also dem Streitwert der Angelegenheit.
Eine Erstberatung ist nach § 34 RVG auf maximal 190 € netto (zzgl. MwSt.) gedeckelt, wenn der Mandant Verbraucher ist. Viele Kanzleien bieten eine kostenlose Ersteinschätzung per Telefon an — nutzen Sie diese Möglichkeit, bevor Sie sich festlegen.
Vergütung bei Streitwert-Verfahren
Bei einem Scheidungsverfahren mit einem Verfahrenswert von 20.000 € entstehen Anwaltskosten von ca. 2.400 € (1,3-Verfahrensgebühr + 1,2-Terminsgebühr nach RVG Anlage 2). Hinzu kommen Gerichtskosten von rund 500 €. Bei Prozesskostenhilfe (PKH) übernimmt der Staat die Kosten vollständig, wenn das Einkommen unter den Freibeträgen liegt [§ 114 Zivilprozessordnung (ZPO)].
Merke: Klären Sie bereits im Erstgespräch, ob der Anwalt nach RVG oder Honorarvereinbarung abrechnet. Eine schriftliche Vergütungsvereinbarung schützt vor Überraschungen.
Wann ist ein Fachanwalt für Familienrecht notwendig?

Nicht jede familienrechtliche Frage erfordert anwaltliche Vertretung. Bei einer einvernehmlichen Scheidung ohne Streit um Unterhalt, Sorgerecht oder Vermögen genügt häufig ein Anwalt für den Antragsteller. Doch in drei Situationen ist anwaltlicher Beistand dringend geboten.
Situation 1: Streitige Scheidung mit Kindern. Sobald das Sorgerecht oder der Umgang streitig wird, greifen §§ 1671 ff. BGB. Das Familiengericht entscheidet nach dem Kindeswohl — ein Fachanwalt kennt die Rechtsprechung des zuständigen Oberlandesgerichts (OLG) und bereitet Ihre Argumentation auf die richtige Grundlage vor.
Situation 2: Zugewinnausgleich bei hohem Vermögen. Ab einem gemeinsamen Vermögen von 100.000 € lohnt sich anwaltliche Beratung fast immer. Bewertungsfragen bei Immobilien, Unternehmensanteilen oder Rentenanwartschaften sind ohne Fachwissen kaum lösbar.
Situation 3: Unterhaltskonflikte. Kindesunterhalt berechnet sich nach der Düsseldorfer Tabelle [OLG Düsseldorf, aktualisiert Januar 2025]. Beim nachehelichen Unterhalt spielen Erwerbsobliegenheiten und Ehedauer eine Rolle. Ein Fachanwalt stellt sicher, dass Ansprüche korrekt berechnet und durchgesetzt werden.
Sonderfall Gewaltschutz
Bei häuslicher Gewalt kann ein Anwalt für Familienrecht innerhalb weniger Stunden eine einstweilige Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz (GewSchG) erwirken. Das Familiengericht kann den gewalttätigen Partner aus der gemeinsamen Wohnung weisen — auch ohne vorherige Anhörung. Rund 240.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) jährlich in Deutschland [Bundeskriminalamt, 2023]. In solchen Situationen zählt jede Stunde.
Wie finde ich den richtigen Familienrechtler?
Den passenden Anwalt für Familienrecht auszuwählen, erfordert mehr als eine Google-Suche. Fünf Kriterien helfen bei der Entscheidung:
- Fachanwaltstitel prüfen. Der Titel „Fachanwalt für Familienrecht" ist geschützt. Voraussetzung sind mindestens drei Jahre Berufserfahrung, 120 bearbeitete Fälle und ein Fachanwaltslehrgang [§ 5 Fachanwaltsordnung (FAO)]. Prüfen Sie den Titel über das Anwaltsverzeichnis der BRAK.
- Regionale Erfahrung beachten. Familiengerichte und OLGs urteilen unterschiedlich. Ein Anwalt, der regelmäßig vor Ihrem Familiengericht auftritt, kennt die lokale Rechtsprechung.
- Erstgespräch nutzen. Achten Sie auf eine verständliche Erklärung Ihrer Rechtslage, eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten und eine klare Kostenaufstellung.
- Spezialisierung hinterfragen. Manche Anwälte für Familienrecht konzentrieren sich auf Scheidungsverfahren, andere auf internationales Familienrecht oder Adoptionen. Wählen Sie einen Anwalt, dessen Schwerpunkt zu Ihrem Fall passt.
- Erreichbarkeit testen. In Familienrechtssachen entstehen häufig kurzfristige Eilanträge (Gewaltschutzanordnung, einstweilige Verfügung). Ein Anwalt, der innerhalb von 24 Stunden reagiert, ist in solchen Fällen unverzichtbar.
Online-Plattformen wie Expert Zoom ermöglichen eine schnelle Erstberatung durch qualifizierte Fachanwälte — besonders hilfreich, wenn Sie eine sofortige rechtliche Einschätzung benötigen, bevor Sie sich für eine Kanzlei entscheiden.
Wie läuft ein Erstgespräch beim Familienanwalt ab?

Markus, 42, steht vor einer Trennung mit zwei gemeinsamen Kindern. Er vereinbart ein Erstgespräch bei einer Fachanwältin für Familienrecht in München. So verläuft die Beratung typischerweise:
Vorbereitung: Markus sammelt Einkommensnachweise, den Ehevertrag (falls vorhanden), Kontoauszüge und Unterlagen zu Immobilien. Je vollständiger die Dokumente, desto konkreter die Ersteinschätzung.
Im Gespräch: Die Anwältin klärt zunächst den Sachverhalt — Ehedauer, Kinderzahl, Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Sie erklärt Markus seine Rechte bezüglich Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umgangsregelung gemäß § 1684 BGB. Anschließend skizziert sie zwei Szenarien: einvernehmliche Lösung per Mediation (Kosten ca. 1.500 €) oder streitiges Verfahren (Kosten 4.000–8.000 €).
Ergebnis: Markus erhält eine schriftliche Zusammenfassung mit Kosteneinschätzung und Handlungsempfehlung. Er entscheidet sich für die Mediation als ersten Schritt — und wechselt nur bei Scheitern zur streitigen Vertretung.
Merke: Bereiten Sie alle relevanten Dokumente vor dem Erstgespräch vor. Das spart eine Beratungsstunde (150–400 €) und ermöglicht eine fundierte Ersteinschätzung.
Häufige Fragen zum Anwalt für Familienrecht
Brauche ich bei einer einvernehmlichen Scheidung einen Anwalt? Ja. In Deutschland besteht vor dem Familiengericht Anwaltszwang (§ 114 Abs. 1 Gesetz über das Verfahren in Familiensachen, FamFG). Mindestens der Antragsteller muss anwaltlich vertreten sein. Bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt ein Anwalt für eine Partei — die andere kann ohne Rechtsbeistand erscheinen.
Übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten? Die meisten Rechtsschutzversicherungen schließen Familienrecht aus. Arbeitsrecht und Mietrecht sind typischerweise gedeckt, Scheidungs- und Sorgerechtssachen dagegen nicht [Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), 2024]. Prüfen Sie Ihre Police auf den Baustein „Beratungsrechtsschutz im Familienrecht" — einige Tarife decken zumindest die Erstberatung ab.
Was ist der Unterschied zwischen Rechtsanwalt und Fachanwalt? Jeder Rechtsanwalt in Deutschland darf familienrechtliche Mandate annehmen. Ein Fachanwalt für Familienrecht weist zusätzlich besondere theoretische Kenntnisse (Lehrgang) und praktische Erfahrung (mindestens 120 Fälle) nach. Der Fachanwaltstitel wird von der zuständigen Rechtsanwaltskammer verliehen und regelmäßig überprüft.
Wie lange dauert ein Scheidungsverfahren? Eine einvernehmliche Scheidung dauert nach dem Trennungsjahr (§ 1566 BGB) etwa 4 bis 6 Monate. Streitige Verfahren mit Sorgerechts- und Unterhaltsfolgesachen erstrecken sich häufig über 12 bis 24 Monate [Statistisches Bundesamt, Justizstatistik 2023].
Kann ich den Anwalt während des Verfahrens wechseln? Ja, ein Anwaltswechsel ist jederzeit möglich. Der bisherige Anwalt ist verpflichtet, die Handakten zu übergeben. Beachten Sie, dass bereits entstandene Gebühren fällig bleiben und der neue Anwalt eigene Gebühren berechnet.
Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Konsultieren Sie einen Fachanwalt für Familienrecht für Ihre konkrete Situation.




