Toni Polster und der Laimer-Poker: Was Fußballprofis bei Gehaltsverhandlungen wirklich brauchen

Toni Polster und Peter Stöger beim 1. FC Köln, Wien 2015

Photo : Franz Johann Morgenbesser from Vienna, Austria / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 11. Mai 2026

Toni Polster verteidigt Konrad Laimer öffentlich gegen Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Beim laufenden Vertragspoker des österreichischen Mittelfeldspielers beim FC Bayern München bezieht die ÖFB-Legende klar Stellung: Das Gehalt ist eine Frage der Wertschätzung — und Laimer verdient mehr. Was steckt dahinter, und was können Fußballprofis in Österreich aus diesem Konflikt lernen?

Der Bayern-Poker um Konrad Laimer

Konrad Laimer, 27, zählt seit seinem Wechsel 2023 zu den verlässlichsten Mittelfeldspielern des FC Bayern München. Sein Vertrag läuft aus, die Verlängerungsverhandlungen stocken. Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des Rekordmeisters, machte den Druck auf den Spieler öffentlich — ungewöhnlich offen auch für Bayerns Verhältnisse.

Toni Polster, 59, österreichischer Rekordtorschütze mit 44 Treffern in 95 Länderspielen, ließ das nicht unkommentiert: Er würde Laimer einen neuen Vertrag unterschreiben lassen, so Polster gegenüber der Tageszeitung Heute. Das Gehalt sei eine Frage der Anerkennung für geleistete Arbeit — kein Thema, über das man in der Öffentlichkeit diskutiert.

Öffentlicher Druck als Verhandlungstaktik: Was dahintersteckt

Im Profifußball sind öffentliche Aussagen von Vereinsverantwortlichen über laufende Vertragsverhandlungen selten Zufall. Mediale Aussagen können Druck erzeugen — auf den Spieler, auf seinen Berater, auf potenzielle Interessenten. Wer den Marktwert eines Spielers in der Öffentlichkeit in Frage stellt, schwächt dessen Verhandlungsposition gegenüber anderen Clubs.

Genau deshalb ist professionelle Beratung bei Vertragsverhandlungen so entscheidend. Spieler ohne erfahrene Vermögensberater oder Sportrechtsanwälte an ihrer Seite unterschreiben häufig Konditionen, die beim nächsten Vertrag schwer zu korrigieren sind.

Das zeigt auch der Fall Laimer exemplarisch: Bayern München ist bekannt dafür, interne Vertragsangelegenheiten bisweilen über den öffentlichen Diskurs zu steuern. Spieler, die professionell beraten werden, können solche Situationen gelassener angehen — weil sie wissen, was ihr Vertrag wert ist und welche Alternativen auf dem Markt existieren. Wer dagegen allein verhandelt, steht schnell unter Zugzwang.

Die drei häufigsten Fehler bei Sportlerverträgen

Ob Profi bei Bayern oder Halbprofi in der österreichischen Bundesliga — bei Vertragsverhandlungen passieren immer wieder dieselben Fehler.

Ausstiegsklauseln zu niedrig ansetzen. Wer eine Ausstiegsklausel von drei Millionen Euro akzeptiert, obwohl der Marktwert bei zehn Millionen liegt, verliert beim nächsten Transfer erheblich. Vereine kalkulieren genau, welche Klauseln für sie vorteilhaft sind — Spieler sollten es ebenso tun.

Bildrechte nicht separat verhandeln. Der Vertrag regelt oft auch, welche Werbeeinnahmen dem Verein zustehen. Ein Spieler, der auf Social Media Hunderttausende Follower hat, gibt unter Umständen wertvolle Einkommensquellen ab, ohne es zu merken.

Keine Verkaufsbeteiligung vereinbaren. Sogenannte Sell-on-Clauses sichern dem Spieler (oder seiner Akademie) einen Prozentsatz beim nächsten Transfererlös. Wer jung transferiert wird, kann so auch Jahre später noch profitieren — vorausgesetzt, diese Klausel wurde ausgehandelt.

Steuerliche Realität für Spitzensportler in Österreich

Ein Jahresgehalt von zwei Millionen Euro klingt nach Freiheit. In Österreich bedeutet es eine Einkommensteuerbelastung von bis zu 55 Prozent für Einkommen über einer Million Euro — einer der höchsten Steuersätze in Europa, wie das Bundesministerium für Finanzen dokumentiert.

Profisportler mit internationalen Einkünften müssen zusätzlich Doppelbesteuerungsabkommen beachten: Wird das Gehalt in München verdient, aber der Wohnsitz bleibt in Wien, sind beide Länder möglicherweise steuerberechtigt. Eine vorausschauende Steuerplanung — idealerweise vor dem ersten Vertragsabschluss — kann hier zehntausende Euro Unterschied bedeuten.

Hinzu kommt die Sozialversicherung: Fußballprofis zahlen in Österreich in das allgemeine Pensionssystem ein, akkumulieren aber aufgrund kurzer Aktivkarrieren oft zu wenig Versicherungsjahre für eine angemessene gesetzliche Rente. Private Vorsorge ist keine Option — sie ist eine Notwendigkeit.

Toni Polsters Karriere nach dem Profiabschluss: Ein Lehrstück

Polster selbst ist ein gutes Beispiel für das Leben nach dem Fußball. Seit fast 14 Jahren ist er Trainer beim Wiener Viktoria, einem Verein der dritten Liga — eine Passion, die er offenbar der schnellen Karriere in höheren Ligen vorzieht. Am 22. Mai 2026 tritt er erstmals gemeinsam mit Oliver Kahn im Festspielhaus Erl auf und spricht über Karriere, Druck und prägende Momente im Leistungssport.

Solche Auftritte illustrieren: Wer die eigene Marke rechtzeitig aufbaut, hat nach dem letzten Pfiff mehr Möglichkeiten. Wer dagegen ausschließlich aufs Konto schaut und keine langfristige Planung hat, steht mit 35 vor dem Neustart ohne Netz.

Laut Daten der Österreichischen Fußball-Bundesliga endet die aktive Profikarriere im Schnitt mit 32 bis 34 Jahren. Danach folgen noch drei bis vier Jahrzehnte Erwerbsleben — häufig mit deutlich niedrigerem Einkommen.

Was österreichische Amateur- und Nachwuchssportler daraus lernen können

Nicht nur Bundesliga-Profis brauchen Beratung. Auch Spieler in der zweiten und dritten Liga, Nachwuchskicker mit Profivertrag oder Trainer mit befristeten Anstellungen sollten regelmäßig professionellen Rat einholen:

  • Vertragsklauseln juristisch prüfen lassen, insbesondere Wettbewerbsverbote nach Vertragsende
  • Versicherungsschutz für Sportunfälle und Berufsunfähigkeit klären
  • Nebeneinnahmen aus Social Media oder Werbedeals steuerlich korrekt erfassen
  • Frühzeitig mit einem Vermögensberater sprechen — vor dem ersten großen Vertrag, nicht danach

Auf ExpertZoom finden österreichische Sportler, Trainer und Vereinsmitarbeiter spezialisierte Vermögensberater und Steuerexperten, die mit den Besonderheiten von Sportlerkarrieren vertraut sind. Eine erste Beratung kann schon bei kleinen Verträgen Klarheit über Risiken und Chancen schaffen.

Polsters Botschaft an Laimer — und an alle, die von Sport leben — ist simpel: Wer seinen Wert kennt, lässt sich nicht unter Druck setzen. Und wer die richtigen Berater hat, muss das auch nicht allein entscheiden.

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