David Affengruber im Millionen-Transferpoker: Welche Rechte hat ein Fußballer vor dem Vertragsabschluss?

Ernst-Happel-Stadion in Wien, Heimstadion der österreichischen Nationalmannschaft

Photo : Arne Müseler / Wikimedia

Anna Anna WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 11. Mai 2026

Fünf Topklubs kämpfen um die Unterschrift eines einzigen Österreichers: David Affengruber, 25, Innenverteidiger beim spanischen LaLiga-Klub Elche, ist laut übereinstimmenden Medienberichten das begehrteste österreichische Fußballtalent des Sommers 2026. Manchester United, Juventus, AC Milan, Atlético Madrid und Sevilla wollen den Steirer verpflichten — für eine geschätzte Ablösesumme von rund 17 Millionen Pfund. Was dabei rechtlich auf dem Spiel steht, ist komplexer als die meisten Fans ahnen.

Wer ist David Affengruber?

David Affengruber wurde in Scheibbs in Niederösterreich geboren und spielte in seiner Jugend bei österreichischen Vereinen, bevor er als junger Profi zum SK Sturm Graz wechselte. Von dort führte sein Weg nach Spanien: Bei Elche entwickelte er sich in der Saison 2025/26 zum Stammspieler mit 35 Einsätzen, einem Tor und zwei Vorlagen.

Was ihn besonders macht: seine Zweikampfstärke, seine Spieleröffnung und sein ruhiges Auftreten im Aufbau. In der laufenden Saison qualifizierte er sich erstmals für die österreichische Nationalmannschaft — ein Meilenstein für einen Spieler, der erst wenige Jahre auf dem internationalen Radar ist. Für 2026/27 träumt Affengruber öffentlich von der Weltmeisterschaftsteilnahme mit dem ÖFB-Team.

Sein Vertrag bei Elche läuft im Sommer 2026 aus — er befindet sich im letzten Vertragsjahr. Wer ihn will, muss entweder jetzt eine Ablöse zahlen oder ihn im Sommer ablösefrei verpflichten.

Was ein Millionentransfer rechtlich bedeutet

Für viele Fußballfans ist ein Transfer simpel: Klub A zahlt Klub B, Spieler unterschreibt. Die Realität ist rechtlich deutlich komplizierter. Mehrere Vertragsebenen, internationale Regulierungen und Agentenhonorare machen jeden Transfer zu einem juristischen Projekt.

Transfervertrag zwischen den Klubs: Der erste Vertrag wird zwischen Elche und dem aufnehmenden Verein geschlossen. Er regelt die Ablösesumme, eventuelle Nachzahlungen (Solidaritätsmechanismus, Weiterverkaufsbeteiligung) und Bedingungen wie Spieleinsätze oder Meisterschaftstitel, die zusätzliche Zahlungen auslösen.

Spielervertrag mit dem neuen Klub: Der eigentliche Beschäftigungsvertrag regelt Laufzeit, Grundgehalt, variable Prämien, Ausstiegsklausel (Release Clause), Verletzungsklauseln und Bonus-Strukturen.

Bildrechtevertrag (Image Rights Agreement): Bei einem Transfer zu einem Topklub ist das ein eigenständiger Vertrag. Wer Affengrubers Gesicht für Trikots, Werbung und digitale Inhalte nutzen darf, ist Verhandlungssache — und kann mehrere Millionen Euro wert sein.

Beratervertrag: Der Spieleragent erhält in der Regel eine Provision sowohl vom Klub als auch vom Spieler. Seit der FIFA-Regulierungsreform 2023 sind Agentenhonorare auf bestimmte Prozentsätze begrenzt — eine Neuerung, die vielen Spielern nicht ausreichend bekannt ist.

Die wichtigsten Rechte des Spielers

Laut den FIFA-Transferregulierungen, die der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) als FIFA-Mitgliedsverband verbindlich anwendet, hat ein Spieler in einer Transfersituation konkrete Rechte:

Vertragsfreiheit nach Ablauf: Endet Affengrubers Vertrag im Sommer ohne Verlängerung, ist er ab sofort frei zu verhandeln — ohne dass Elche zustimmen muss. Dieser Status als "Ablösefreier" ist rechtlich wertvoll, schützt aber nicht vor Druck seitens des aktuellen Klubs.

Transparenz über Agentenvergütung: Der Spieler hat das Recht, die vollständige Vergütung seines Agenten zu kennen — inklusive der Zahlung durch den aufnehmenden Klub. Interessenkonflikte sind im neuen FIFA-Agentensystem offenzulegen.

Widerspruchsrecht gegen einseitige Vertragsverlängerung: Klauseln, die dem Klub die einseitige Verlängerung des Spielervertrags erlauben (sogenannte "Options-Klauseln"), sind in vielen Ländern rechtswidrig. Ein Anwalt kann prüfen, ob solche Klauseln im bestehenden Elche-Vertrag Affengrubers Rechte verletzt haben.

Anspruch auf ausstehende Gehaltszahlungen: Falls der abgebende Klub im Rückstand ist (in Spanien nicht ungewöhnlich), muss dieser Rückstand vor oder bei Transferabschluss beglichen werden — sonst kann der Spieler den Vertrag fristlos kündigen.

Fallstricke, die österreichische Spieler unterschätzen

Gerade für Spieler aus Österreich, die im Ausland aktiv sind, entstehen spezifische rechtliche Risiken:

Steuerliche Ansässigkeit: Wer von Spanien nach England (Manchester United) wechselt, ändert seine steuerliche Ansässigkeit. Großbritannien hat spezifische Regelungen für Profi-Sportler, die sich stark von Österreich und Spanien unterscheiden. Falsch geplant, kann ein Millionengehalt zu einer unerwartet hohen Steuerpflicht führen.

Doppelbesteuerungsabkommen: Österreich hat mit fast allen relevanten Ländern Doppelbesteuerungsabkommen. Diese schützen vor doppelter Versteuerung, werden aber in der Praxis oft nicht optimal genutzt — besonders bei Signing Bonuses, die in einem Land gezahlt, aber in einem anderen versteuert werden könnten.

Gerichtsstand-Klauseln: In welchem Land wird bei einem Streit verhandelt? Bei internationalen Transfers ist der Gerichtsstand oft Schweiz (CAS — Court of Arbitration for Sport) oder das Land des aufnehmenden Klubs. Österreichisches Recht gilt dann nur eingeschränkt.

Verletzungsklauseln: Viele Spielerverträge enthalten Klauseln, die das Gehalt bei Langzeitverletzungen reduzieren. Was in Österreich kaum vorstellbar ist, ist in England und Spanien verbreitet.

Wann braucht ein Fußballprofi einen Anwalt?

Nicht jeder Fußballer verdient Millionen — aber die rechtlichen Strukturen gelten auf jeder Ebene. Bereits ein Profivertrag in der österreichischen Bundesliga enthält Klauseln, die ohne anwaltliche Prüfung zu langfristigen Nachteilen führen können.

Ein Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Sportrecht oder Arbeitsrecht ist in folgenden Situationen unverzichtbar:

  • Vor der Unterzeichnung eines Erstvertrags oder einer Vertragsverlängerung
  • Wenn Agenten oder Klubs Druck ausüben, schnell zu unterschreiben
  • Bei internationalen Transfers mit komplexen steuerlichen Strukturen
  • Wenn Gehaltszahlungen ausbleiben oder Klauseln einseitig geändert werden
  • Bei Verhandlungen über Image Rights und Sponsoringverträge

Was Affengrubers Fall österreichischen Nachwuchsspielern zeigt

Der Fall Affengruber ist ein Musterbeispiel, wie sich ein Spieler durch konsequente sportliche Leistung in eine starke Verhandlungsposition gebracht hat. Wer im letzten Vertragsjahr spielt und von fünf Klubs umworben wird, hat eine Position, die vor drei Jahren noch undenkbar schien.

Für österreichische Nachwuchskräfte unterhalb der Nationalmannschaft gilt aber das Gleiche im Kleinen: Auch Verträge mit Regionalklubs oder Auslandsklubs auf niedrigerem Niveau enthalten Klauseln, die langfristige Konsequenzen haben. Bildungsabbruch, Verletzungsrisiko und mangelnde Absicherung bei Karriereende sind reale Risiken, die ein erfahrener Rechtsanwalt rechtzeitig adressieren kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Vertragsfragen wenden Sie sich an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

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