Sturm Marlies trifft Österreich: Was Hausbesitzer nach Sturmschäden jetzt sofort tun müssen

Hausbesitzer begutachtet Sturmschäden am Dach in Österreich
Martin Martin GruberDienstleistungen rund ums Haus
4 Min. Lesezeit 12. April 2026

Sturm Marlies hat Teile der Steiermark in der zweiten Aprilwoche 2026 mit orkanartigen Böen getroffen — Straßen blockiert, Dächer abgedeckt, Stromausfälle. ORF-Meteorologe Marcus Wadsak warnte bereits im Vorfeld im ORF vor den heftigen Wetterbedingungen. Was müssen Hausbesitzer jetzt konkret tun?

Sturmschäden in Österreich: Eine typische Frühlingsgefahr

Der April zählt in Österreich meteorologisch zu den sturmanfälligsten Monaten des Jahres. Laut der GeoSphere Austria treten im Frühjahr besonders häufig Tiefdruckgebiete auf, die in kürzester Zeit orkanartige Windspitzen von über 100 km/h produzieren können.

Sturm Marlies hat in der Steiermark erneut unter Beweis gestellt, wie schnell Extremwetter zu erheblichen Sachschäden führen kann. In der Gemeinde Gaal wurden Wirtschaftsgebäude durch gewaltige Sturmböen schwer beschädigt. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Feuerwehren standen im Dauereinsatz, mehrere Regionen verzeichneten Stromausfälle. Meteorologe Marcus Wadsak hatte im ORF bereits auf die drohende Gefahr hingewiesen und zur Vorsicht aufgerufen.

Für betroffene Hauseigentümer stellt sich nach dem Sturm die entscheidende Frage: Was muss ich jetzt sofort tun — und wer zahlt den Schaden?

Schritt 1: Sofort handeln — die ersten 48 Stunden zählen

Der erste Reflex nach einem Sturm muss die Schadensdokumentation sein. Wer nicht unmittelbar reagiert, riskiert, Ansprüche gegenüber seiner Versicherung zu verlieren.

Was sofort zu tun ist:

  • Sicherheit geht vor: Betreten Sie kein beschädigtes Dach oder keine instabile Struktur. Rufen Sie bei akuter Gefahr die Feuerwehr (122).
  • Schäden fotografieren: Machen Sie noch vor jeder Reparatur umfangreiche Fotos und Videos aller Schäden — Dach, Fassade, Fenster, Keller, Garten. Je detaillierter, desto besser.
  • Versicherung sofort informieren: Melden Sie den Schaden unverzüglich Ihrer Haushalts- oder Eigenheimversicherung. Die meisten Policen sehen eine Meldefrist von wenigen Tagen vor.
  • Notmaßnahmen ergreifen: Um Folgeschäden zu verhindern — etwa Wassereintritt durch ein beschädigtes Dach — dürfen und müssen Sie sofortige Notabdichtungen vornehmen. Dokumentieren Sie auch diese Maßnahmen.

Welche Versicherung deckt Sturmschäden ab?

In Österreich deckt typischerweise die Gebäudeversicherung (bei Eigenheim) oder die Haushaltsversicherung (bei Mietern) Sturmschäden ab. Voraussetzung ist in der Regel, dass es sich um Windgeschwindigkeiten von mindestens Windstärke 8 (ca. 62 km/h) handelt — was bei Sturm Marlies deutlich überschritten wurde.

Wichtig zu wissen: Versicherungen unterscheiden zwischen direktem Sturmschaden (z.B. abgedecktes Dach durch Windkraft) und Folgeschaden (z.B. Wassereintritt durch das beschädigte Dach). Beides sollte gedeckt sein — prüfen Sie jedoch Ihre Police genau oder lassen Sie diese von einem Fachmann überprüfen.

Manche Policen schließen Schäden durch Sturm in Kombination mit Überschwemmung aus. Falls im Zuge des Sturms auch Starkregen Keller oder Erdgeschosse geflutet hat, kann die Abgrenzung der Schadensursache entscheidend sein.

Was ein Handwerker jetzt leisten kann — und was nicht

Nach einem schweren Sturm ist die Nachfrage nach Handwerkern extrem hoch. Dachdecker, Zimmerer und Baumeister sind oft wochenlang ausgebucht. Trotzdem sollten Sie nicht jeden erstbesten Anbieter beauftragen.

Empfehlungen für die Handwerkerwahl nach Sturmschäden:

  • Notdienst vs. Dauerlösung: Ein Notdienst dichtet provisorisch ab — das ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden. Die dauerhafte Reparatur sollte jedoch von einem geprüften Fachbetrieb übernommen werden.
  • Angebote einholen: Holen Sie wenn möglich zwei bis drei Kostenvoranschläge ein. Bei Versicherungsfällen ist das oft ohnehin vorgeschrieben.
  • Befähigungsnachweis prüfen: In Österreich benötigen Dachdeckerbetriebe eine Gewerbeberechtigung. Verlangen Sie diese vor Auftragserteilung.
  • Schriftlichen Auftrag: Vergeben Sie keinen Auftrag mündlich. Ein schriftlicher Werkvertrag mit klarer Leistungsbeschreibung und Preisangabe schützt Sie bei späteren Streitigkeiten.

Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?

Versicherungen lehnen Sturmschadensforderungen manchmal ab oder kürzen die Leistung — etwa mit der Begründung, das Dach sei bereits vor dem Sturm in schlechtem Zustand gewesen (sogenannter Vorschaden).

In solchen Fällen lohnt es sich, einen Sachverständigen oder einen spezialisierten Handwerker hinzuzuziehen, der den Schadensbericht gegenliest. Wenn die Versicherung weiterhin die Leistung verweigert, haben Hausbesitzer das Recht, rechtliche Schritte einzuleiten. Das österreichische Versicherungsvertragsgesetz (VersVG) regelt die Rechte und Pflichten beider Seiten.

Mietimmobilien: Wer zahlt bei Sturmschäden an vermieteten Objekten?

Bei Mietwohnungen oder -häusern liegt die Verantwortung für Sturmschäden am Gebäude grundsätzlich beim Vermieter. Dieser ist gemäß § 1096 ABGB verpflichtet, das Mietobjekt in brauchbarem Zustand zu erhalten. Mieter, die durch Sturmschäden an der Nutzung ihrer Wohnung beeinträchtigt werden, können unter Umständen eine Mietzinsminderung geltend machen.

Für Mieter gilt außerdem: Entstandene Schäden am eigenen Hausrat (Möbel, Elektronik etc.) sind über die Haushaltsversicherung des Mieters gedeckt — nicht über die Gebäudeversicherung des Vermieters.

Präventiv handeln: Was Hauseigentümer vor dem nächsten Sturm tun sollten

Der Klimawandel erhöht die Häufigkeit und Intensität von Sturmereignissen in Österreich. Wer vorbeugt, schützt nicht nur sein Eigentum, sondern spart langfristig erhebliche Kosten:

  • Dach regelmäßig warten lassen (mindestens alle 5 Jahre)
  • Lose Ziegel oder Dachpfannen rechtzeitig austauschen
  • Bäume im Garten auf Standsicherheit prüfen — ein umgestürzter Baum auf dem Nachbargrundstück kann zur Haftungsfrage werden
  • Absicherung der Versicherung überprüfen — deckt Ihre Police auch Elementarschäden ab?

Ein qualifizierter Handwerker aus Ihrer Region kann das Gebäude auf sturmrelevante Schwachstellen prüfen und präventive Maßnahmen empfehlen.

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