Handwerker mit Schutzhelm begutachtet schneebedecktes Dach in einem österreichischen Alpendorf

Schneefall in Österreich: Bis zu 45 cm – Was Hausbesitzer nach dem Sturm tun müssen

Martin Martin GruberDienstleistungen rund ums Haus
4 Min. Lesezeit 25. März 2026

Eine Kaltfront bringt in der Nacht zum 25. März 2026 bis zu 45 Zentimeter Neuschnee nach Niederösterreich und den Alpentälern — ungewöhnlich spät für die Jahreszeit, aber mit konkreten Folgen für Häuser, Dächer und Hausbesitzer in ganz Österreich.

Was passiert gerade — Fakten zur aktuellen Schneefront

Laut dem Wetterdienst Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sinkt die Schneefallgrenze bis auf 300 bis 600 Meter, womit auch Teile des Wiener Umlands und das Voralpengebiet von Neuschnee betroffen sind. In Niederösterreich werden bis zu 45 Zentimeter Schnee erwartet. In den Hohen Tauern, insbesondere im Mölltal und Virgental, sind deutlich höhere Mengen möglich.

Dazu kommen Windböen von 80 bis 110 km/h in Tallagen — und über 150 km/h auf Berggipfeln. Diese Kombination aus Schneelast und Sturm ist es, die Sachschäden verursacht: einstürzende Carports, abgehobene Dachabdeckungen, beschädigte Dachrinnen und blockierte Zufahrten.

Das Burgenland hatte bereits beim Schneeereignis vom Februar 2026 großflächige Stromausfälle gemeldet. Damals rückten rund 1.300 Feuerwehrleute zu Hunderten Einsätzen aus. Für das aktuelle Ereignis ist mit ähnlichen Szenarien zu rechnen.

Welche Schäden drohen am Haus?

Bei starkem Schneefall mit gleichzeitigem Wind entstehen an Gebäuden typischerweise folgende Schäden:

Dach und Dachhaut: Schneelast über 150 kg/m² kann ältere Dächer und Flachdächer gefährden. Lockere Ziegel oder beschädigte Dachpappe werden durch den Windruck abgehoben.

Dachrinnen und Fallrohre: Gefrierendes Schmelzwasser — sogenannte Eiszapfen — übt enormen Zug auf Rinnenhalter aus. Abgerissene Dachrinnen sind der häufigste Schaden nach kombinierten Schnee-Sturm-Ereignissen.

Carports und Vordächer: Leichte Konstruktionen aus Holz oder Aluminium tragen die Kombination aus Schneelast und Winddruck besonders schlecht. Bei über 30 Zentimetern Schnee auf einem Flachdach über dem Carport steigt das Risiko deutlich.

Bäume und Gartenstrukturen: Schneebruch — also das Abbrechen von Ästen unter Schneelast — kann Zäune, Glasdächer und Terrassen treffen. Hohe Laubbäume, die ihre Blätter noch nicht verloren haben, tragen besonders schwere Schneelasten.

Feuchtigkeitsschäden nach dem Tauwetter: Wenn der Schnee rasch schmilzt, kann Schmelzwasser durch Risse in der Außendämmung eindringen. Schäden durch Feuchtigkeit sind oft erst Wochen nach dem Ereignis sichtbar.

Wer haftet — Eigentümer, Mieter oder Versicherung?

In Österreich liegt die Schneeräumpflicht grundsätzlich beim Eigentümer des Gebäudes. Bei Mietobjekten kann diese Pflicht durch Mietvertrag auf den Mieter übertragen werden — allerdings nur für zugängliche Flächen wie Gehsteige und Zufahrten. Für das Dach selbst bleibt der Eigentümer verantwortlich.

Kommt es zu einem Schaden — etwa wenn Schnee vom Dach fällt und ein geparktes Fahrzeug trifft — haftet der Eigentümer für Schäden, wenn er seiner Räumpflicht nicht nachgekommen ist. Das gilt auch für Schäden durch Eiszapfen, die von einem Gebäude fallen.

Hauseigentümerversicherung vs. Gebäudeversicherung: Die österreichische Gebäudeversicherung deckt Sturmschäden und Schneelastschäden in der Regel ab — nicht jedoch Schäden durch mangelnde Wartung. Wer ein reparaturbedürftiges Dach hatte und dies der Versicherung nicht gemeldet hat, riskiert eine Kürzung der Schadensleistung.

Was sollten Hausbesitzer jetzt tun?

Sofortmaßnahmen — noch vor dem Sturm:

  • Carports, Vordächer und ältere Flachdächer auf vorhandene Risse und Schwachstellen überprüfen lassen
  • Schneeräumgeräte und Streu bereitstellen
  • Notfallnummer des Versicherers heraussuchen

Nach dem Schneeereignis:

  • Schäden fotografisch dokumentieren — vor jeder Reparatur
  • Versicherung innerhalb der Meldefrist kontaktieren (in der Regel 48 bis 72 Stunden nach Schadensfeststellung)
  • Keine Eigenreparaturen vornehmen, die den Schaden verschleiern könnten

Fachmann beauftragen: Nach einem Schnee-Sturm-Ereignis ist die Nachfrage nach Dachdeckern, Maurern und Klempnern erfahrungsgemäß sehr hoch. Wer einen Handwerker oder Bauexperten frühzeitig kontaktiert, vermeidet Wartezeiten und sichert sich einen zeitnahen Termin.

Was sagt die Versicherung — und wann zahlt sie nicht?

Ein häufiger Streitpunkt zwischen Versicherung und Hausbesitzer ist die Frage, ob ein Schaden durch das Unwetter verursacht wurde — oder ob er auf mangelnde Instandhaltung zurückzuführen ist. Ein Dach, das bereits undicht war, bekommt nach einem Sturm keine volle Entschädigung. Das gilt ebenso für Carports, die nicht nach Norm errichtet wurden.

Wer sich unsicher ist, ob sein Versicherungsschutz ausreicht, sollte vor dem nächsten Sturm — nicht danach — einen unabhängigen Gutachter oder Handwerker zu Rate ziehen. Kleine bauliche Mängel können durch einfache Wartungsmaßnahmen behoben werden und verhindern größere Schäden.

Schmelzwasser: Die unterschätzte Gefahr nach dem Schnee

Wenn die Temperaturen nach einem Kältesturz wieder steigen, kann das Tauwetter schneller einsetzen als erwartet. Schmelzwasser, das innerhalb von 24 bis 48 Stunden von Dächern abläuft, kann Dachwasserrinnen überlasten und in Mauerritzen eindringen. Besonders gefährdet sind Häuser mit älterer Außendämmung, Flachdächer ohne ausreichendes Gefälle und Keller mit nicht abgedichteten Lichtschächten.

Ein Feuchteschaden zeigt sich oft erst nach Wochen: Schimmel an Innenputz, Salzausblühungen an Außenmauern oder ein feuchter Geruch im Keller. Wer nach dem aktuellen Schneeereignis solche Symptome bemerkt, sollte rasch handeln — Schimmel breitet sich schnell aus und kann langfristige Gesundheitsschäden verursachen.

Ein Bausachverständiger oder Maurer kann mit einem Feuchtigkeitsmessgerät schnell feststellen, ob Wasser eingedrungen ist — und wo. Frühzeitig erkannte Feuchtigkeitsschäden lassen sich deutlich günstiger beheben als solche, die jahrelang unbemerkt geblieben sind.

Fazit: Spätschnee ist selten, aber real

Ein Schneefall von bis zu 45 Zentimetern Ende März ist in Österreich ungewöhnlich, aber nicht beispiellos. Die letzten vergleichbaren Spätschneeereignisse lagen in den Jahren 2019 und 2023. Wer sein Haus gut instand hält und im Schadensfall schnell handelt, ist gut geschützt. Der erste Schritt nach einem Sturm: Schaden dokumentieren, Versicherung informieren, Fachmann beauftragen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er stellt keine rechtliche oder versicherungstechnische Beratung dar. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich bitte an einen Fachmann.

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