Sabalenka im Viertelfinale: Was Grand-Slam-Preisgeld über Sportlerinnen-Finanzen lehrt

Aryna Sabalenka beim 2025 Miami Open, Weltranglistenerste im Damentennis

Photo : Vbrunophotog / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 2. Juni 2026

Aryna Sabalenka, Weltranglistenerste im Damentennis, steht nach ihrem 7:5, 6:3-Sieg gegen Naomi Osaka am 1. Juni 2026 im Viertelfinale der French Open. Es war ihr 14. Grand-Slam-Viertelfinale in Folge – eine Serie, die nicht nur sportlich, sondern auch finanziell außergewöhnlich ist. Was die Preisgeldmaschinerie der Grand Slams über die Finanzen von Spitzensportlerinnen verrät – und was österreichische Athleten daraus lernen können.

Viertelfinale bedeutet bereits sechsstellige Einnahmen

Das Gesamtpreisgeld der French Open 2026 beläuft sich auf rund 61,7 Millionen Euro – ein neuer Rekord. Wer das Damen-Viertelfinale erreicht, kassiert unabhängig vom weiteren Turnierverlauf einen festen Betrag: rund 600.000 Euro. Für die Siegerin winken etwa 2,4 Millionen Euro.

Sabalenka ist damit bereits vor dem ersten Schlag im Viertelfinale gegen Diana Shnaider (Setzlistenplatz 25) in diesem Turnier zu einer gut verdienenden Athletin geworden – und das als dritte Teilnahme an Roland Garros in der aktuellen Saison, nach den Australian Open (Finale) und Wimbledon (Halbfinale).

Doch diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Hinter der Preisgeld-Fassade stecken komplexe Fragen der Steuerpflicht, des Währungsrisikos und der Altersvorsorge – Themen, die für Sportlerinnen auf diesem Niveau entscheidend sind.

Das Preisgeld-Paradox: Spitzen, keine Kontinuität

Profisportlerinnen verdienen in kurzen, intensiven Phasen – und das an wechselnden Austragungsorten in verschiedenen Steuerrechtssystemen. Sabalenka tritt in diesem Jahr in Australien, Frankreich, Großbritannien und den USA an. Jedes Turnier unterliegt dem lokalen Steuerrecht des Austragungslandes.

In Frankreich beispielsweise zahlen ausländische Athleten auf in Frankreich erzielte Einkünfte die französische Quellensteuer. Die EU-Harmonisierung gilt hier begrenzt; bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen entscheiden, was am Ende netto bleibt. Für eine weißrussische Athletin wie Sabalenka – die als neutraler Athlet unter IOC-Flagge antritt und keinen Staatsapparat hinter sich hat – ist die selbständige Steuerpflicht entsprechend komplex.

Hinzu kommt das Sponsoring: Sabalenka hält Verträge mit Nike und Head. Diese Einnahmen laufen parallel, unterliegen wiederum anderen Regeln und müssen in einer übergeordneten Struktur verwaltet werden.

Keine staatliche Unterstützung: Neutral Athletes auf sich gestellt

Sabalenka antritt bei Roland Garros unter neutraler Flagge, da Weißrussland infolge des Krieges in der Ukraine von internationalen Sportverbänden sanktioniert wurde. Das bedeutet: Sie erhält keine nationale Sportförderung, keinen staatlichen Trainerstab auf Verbandskostenbasis, keine Pensionskassenlösung durch den weißrussischen Sport-Dachverband.

Diese Situation ist für österreichische Sportlerinnen und Sportler zwar selten, aber nicht unbekannt: Wer sich als Selbständige oder Selbständiger im Spitzensport bewegt – ohne Verein oder Verband als Arbeitgeber –, trägt die gesamte soziale und steuerliche Eigenverantwortung.

Österreichische Sportlerinnen im semiprofessionellen Bereich kennen ein ähnliches Muster: Einkünfte aus Starts, Prämien und Sponsoring werden häufig als selbständige Tätigkeit versteuert, Vorsorgebeiträge zur SVS (Sozialversicherung der Selbständigen) sind Pflicht – aber oft unzureichend für eine spätere Pension.

Wie Spitzensportlerinnen ihr Vermögen strukturieren

Spitzensportlerinnen auf Sabalenkas Niveau arbeiteten laut Branchenerfahrung typischerweise mit einem dreigliedrigen Modell zusammen:

Sportmanagement-Gesellschaft: Preisgeld, Sponsoring und Bildrechte fließen in eine eigene Kapitalgesellschaft – oft im steuerlich optimierten Ausland (Monaco, UK, Florida), um Quellensteuer und Doppelbesteuerung zu minimieren.

Persönliche Vorsorge: Da staatliche Pensionen für international aktive Sportlerinnen oft lückenhaft sind, bauen sie parallel private Anlageportfolios auf: Diversifizierter Wertpapiermix, Immobilien, Lebensversicherungen.

Cashflow-Management: Preisgeldturniere finden in Wellen statt (vier Grand Slams pro Jahr, WTA 1000er-Events). Dazwischen gibt es keine garantierten Einnahmen. Wer seinen Lifestyle auf die Hochphasen kalibriert, riskiert Liquiditätsprobleme in Verletzungspausen.

Genau das verdeutlicht der Fall Casper Ruud bei Roland Garros 2026: Preisgeld mag hoch klingen, aber Nachhaltigkeit entsteht erst durch gezielte Planung.

Was österreichische Athleten daraus lernen können

Österreichische Sportlerinnen und Sportler bewegen sich zwar in anderen Dimensionen als Sabalenka – aber die strukturellen Fragen sind dieselben: Wann endet die aktive Karriere? Was bleibt dann übrig? Und wurde während der aktiven Phase genug angespart und vorgesorgt?

Laut Daten des österreichischen KA:DA-Programms (Karriere Danach) sind nur rund fünf Prozent der heimischen Spitzensportlerinnen und -sportler am Karriereende finanziell abgesichert. Der Hauptgrund: Preisgeld und Prämien werden nicht langfristig investiert, sondern konsumiert – oder in Steuersystemen verloren, die ohne Beratung schwer navigierbar sind.

Für Sportlerinnen, die sich professionell entwickeln möchten, lohnt sich ein frühzeitiges Beratungsgespräch. Die SVS bietet spezifische Beratungsleistungen für Selbständige, und spezialisierte Vermögensberaterinnen und -berater in Österreich kennen die steuerlichen Besonderheiten des Sportbereichs. Informationen zur Altersvorsorge für Selbständige stellt auch die Wirtschaftskammer Österreich zur Verfügung.

Sabalenkas nächster Schritt: Viertelfinale gegen Shnaider

Sportlich steht das Duell Sabalenka gegen Shnaider bevor – eine der spannendsten Partien des Turniers. Shnaider schlug überraschend die titelverteidigende Madison Keys. Sabalenka, die Osaka in dieser Saison bereits dreimal bezwungen hat, gilt als Favoritin – und kämpft weiterhin um ihren ersten Roland-Garros-Titel.

Finanziell hat sie das Turnier bereits gewonnen. Was bis zur Trophäe noch fehlt, ist ein weiteres Mal der Beweis, dass sportliche Spitzenleistung und professionelles Finanzmanagement keine Gegensätze sind – sondern zwei Seiten derselben Medaille.

Für österreichische Sportlerinnen und Sportler, die ähnliche Strukturen aufbauen wollen, gilt: Der erste Schritt ist kein komplexes Steuerkonstrukt, sondern ein ehrliches Gespräch mit einer spezialisierten Beraterin oder einem Berater. Wie viel verdiene ich jetzt, wie lange noch, was bleibe ich selbst, was gebe ich ab? Diese Fragen lassen sich mit den richtigen Experten strukturiert beantworten – je früher, desto besser. Denn wie Sabalenkas 14. Viertelfinale in Folge zeigt: Konstanz entsteht durch tägliche Disziplin, nicht durch zufällige Glückssträhnen. Das gilt für den Aufschlag genauso wie für das Depot.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung dar. Für persönliche Anfragen wenden Sie sich an eine Expertin oder einen Experten für Sportvermögen.

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