Patti Smith eröffnet Wiener Festwochen 2026: Was Künstler über Urheberrecht und Nachlass wissen sollten

Patti Smith bei einem Live-Konzert — Punk-Ikone und Urheberrechtsfrage

Photo : Elekes Andor / Wikimedia

Anna Anna WeberRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 19. Mai 2026

Am 22. Mai 2026 eröffnet Patti Smith die Wiener Festwochen auf dem Heldenplatz — 75.000 Menschen werden erwartet, ORF 2 und 3sat übertragen live. Mit fast 80 Jahren (sie wird am 30. Dezember 2026 achtzig) ist die Punk-Poetin ein lebendiger Beweis dafür, was Konsequenz, Kreativität und kluge Rechteplanung für eine Künstlerkarriere bedeuten können. Aber was steckt hinter dem Erbe eines solchen Lebenswerks — und was können österreichische Musikerinnen und Musiker daraus lernen?

Ein halbes Jahrhundert musikalisches Erbe

Patti Smiths Karriere begann in den frühen 1970er-Jahren in New York. Ihr 1975 erschienenes Debütalbum „Horses" gilt als eines der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte. Ihr bekanntester Song „Because the Night" — co-geschrieben mit Bruce Springsteen — generiert bis heute Tantiemen aus Hörstreaming, Filmlizenzen und Coverversionen. Nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit mit dem 1989 verstorbenen Fotografen Robert Mapplethorpe ist Smith auch Mitgestalterin eines der bedeutendsten künstlerischen Nachlässe der Gegenwartskunst.

Ihr neues Buch „Bread of Angels" (erschienen Ende 2025) fügt diesem Erbe eine weitere literarische Schicht hinzu — und brachte ihr im Mai 2026 den renommierten Harold Washington Literary Award ein. Am 22. Mai präsentiert sie auf dem Wiener Heldenplatz gemeinsam mit der neu gegründeten Festwochen Band „Gods Republic" und dem Schmusechor ein Programm unter dem Motto „75 Jahre Schönheit und Skandal".

Was Urheberrecht in Österreich bedeutet

Der Begriff Urheberrecht (UrhG, Urheberrechtsgesetz) ist in Österreich gesetzlich klar geregelt. Es schützt Werke, die das Ergebnis einer eigenpersönlichen geistigen Schöpfung sind — also Musik, Texte, Kompositionen, Fotos, Bücher. Das Urheberrecht entsteht automatisch mit der Schöpfung des Werks; es muss nicht registriert werden.

Wichtige Grundregeln:

  • Das Urheberrecht besteht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (in Österreich und der EU einheitlich geregelt)
  • Es ist nicht übertragbar, aber Nutzungsrechte können lizenziert werden
  • Beim Tod des Urhebers geht das Recht auf die Erben über
  • Verwertungsgesellschaften wie die AKM (Autoren, Komponisten und Musikverleger) nehmen in Österreich Rechte kollektiv wahr und schütten Tantiemen aus

Für österreichische Musikerinnen und Musiker ist die AKM die zentrale Anlaufstelle für die Wahrnehmung ihrer Urheberrechte — von der Anmeldung von Werken bis zur Ausschüttung von Einnahmen aus Konzerten, Radio, Streaming und Synchronlizenzen.

Das Problem: Fehlende Nachlassplanung bei Kreativen

Was bei wirtschaftlich erfolgreichen Künstlern wie Patti Smith rechtlich komplex ist, gilt auch im Kleinen. Viele österreichische Musikerinnen, Autoren und bildende Künstler haben keinen Testament und keine Regelung für ihre geistigen Eigentumsrechte nach ihrem Tod.

Was dann passiert:

Gesetzliche Erbfolge entscheidet: Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge — das Recht geht nach der Rangordnung des ABGB auf Angehörige über, unabhängig davon, ob diese die künstlerischen Absichten des Erblassers kennen oder respektieren.

Werknutzung ohne Kontrolle: Erben können Nutzungsrechte vergeben oder verwehren — auch gegen den mutmaßlichen Willen des Künstlers. Unveröffentlichte Werke können publik gemacht werden, bereits publizierte Werke können aus dem Handel genommen werden.

Konflikte unter Mitautoren: Wenn ein Lied von mehreren Personen co-geschrieben wurde (wie „Because the Night" von Patti Smith und Bruce Springsteen), gelten die Nachlassregeln jedes Co-Autors separat. Das kann zu Blockaden führen, wenn Erben verschiedener Mitautoren unterschiedliche Interessen haben.

Verlust von Tantiemen: Nicht gemeldete Werke bei der AKM verfallen nach gesetzlichen Fristen. Erben, die nicht wissen, welche Werke registriert wurden, verlieren möglicherweise berechtigte Einnahmen.

Was ein Anwalt für Künstler regeln kann

Ein auf Urheberrecht oder Erbrecht spezialisierter Anwalt kann für Kreative folgende Maßnahmen vorbereiten:

Testamentarische Verfügung über Urheberrechte: Ein Testament kann festlegen, wer welche Nutzungsrechte erhält und wer über künstlerische Integrität entscheidet (sogenanntes Urheberpersönlichkeitsrecht, § 19 UrhG).

Lizenzverträge zu Lebzeiten: Es ist möglich, zu Lebzeiten Nutzungsrechte an Labels, Verlage oder Streaming-Plattformen zu lizenzieren und dabei Rückfallrechte für den Todesfall zu vereinbaren.

Klärung von Miteigentumsrechten: Bei gemeinsam geschaffenen Werken sollte schon früh vertraglich festgehalten sein, wie Entscheidungen über die Verwertung getroffen werden.

Vollmachten und Treuhand: Wer im Alter oder bei Krankheit nicht mehr selbst handeln kann, kann einem Bevollmächtigten die Rechtewahrnehmung übertragen.

Für Musikerinnen und Musiker, die ähnliche Rechtsfragen zu Urheberrecht und AKM-Verträgen in Österreich bereits gestellt haben, zeigt sich: Die frühzeitige Beratung ist günstiger als die spätere Klärung durch Gerichte.

Streaming, KI und neue Herausforderungen für Musikrechte

Die Welt der Musikrechte hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert — und wird das weiter tun. Drei Entwicklungen sind für österreichische Musikerinnen und Musiker besonders relevant:

KI-generierte Musik: Wenn Algorithmen im Stil eines Künstlers Musik erzeugen, ist die Rechtslage ungeklärt. Österreichisches Urheberrecht schützt derzeit nur menschliche Schöpfungen. Wer seinen Stil nicht durch Verträge schützt, hat gegen KI-Imitatoren kaum Handhabe.

Streaming-Tantiemen: Die AKM-Ausschüttungen für Streaming-Einnahmen folgen komplexen Regeln. Viele Künstler erhalten weniger als ihnen zusteht, weil Werke nicht vollständig oder falsch angemeldet sind. Eine Überprüfung der eigenen AKM-Anmeldungen lohnt sich — auch rückwirkend für vergangene Perioden.

Internationale Rechtsdurchsetzung: Wer Musik auf globalen Plattformen veröffentlicht, muss seine Rechte im Zweifel auch international durchsetzen. Die gegenseitigen Abkommen zwischen nationalen Verwertungsgesellschaften (AKM in Österreich, GEMA in Deutschland, ASCAP/BMI in den USA) decken viele Fälle ab — aber nicht alle.

Was das Wiener Festwochenereignis für Künstler bedeutet

Patti Smiths Auftritt auf dem Heldenplatz ist nicht nur ein kulturelles Ereignis — er ist ein Symbol. Dass eine 79-jährige Künstlerin unter freiem Himmel vor Zehntausenden auftritt, live im österreichischen Fernsehen gezeigt wird und dabei ein halbes Jahrhundert Lebenswerk mitbringt, stellt sich als Lektion auch für junge Kreative dar: Langfristige Karrieren entstehen nicht nur durch Talent, sondern durch kluge rechtliche und finanzielle Strukturen.

Der Eintritt zur Eröffnung der Wiener Festwochen 2026 am 22. Mai ist frei — eine seltene Gelegenheit, einen Abend zu erleben, der musikalische Geschichte und österreichische Kulturgeschichte verbindet.

Wer nach dem Konzert Fragen zu Urheberrecht, Testament oder AKM-Anmeldung hat, findet über ExpertZoom in wenigen Minuten einen Rechtsanwalt für das Gespräch.

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