Deepfake-Betrug mit Van der Bellen: 50 Millionen Euro Schaden – IT-Experten erklären, wie Sie sich schützen

Mann in Wien schaut besorgt auf Laptop-Bildschirm mit verdächtigem KI-manipulierten Video

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4 Min. Lesezeit 3. Mai 2026

Deepfake-Betrug mit Van der Bellen: 50 Millionen Euro Schaden – IT-Experten erklären, wie Sie sich schützen

Am 17. April 2026 wurde ein internationaler Cyberbetrug in bisher ungekanntem Ausmaß aufgedeckt: Kriminelle verwendeten KI-generierte Deepfake-Videos des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen sowie der ORF-Journalisten Armin Wolf und Nadja Bernhard, um Opfer in Krypto-Investitionsbetrügereien zu locken. In Österreich wurden rund 150 Opfer mit einem Gesamtschaden von rund 26 Millionen Euro identifiziert – der internationale Gesamtschaden überstieg 50 Millionen Euro. Drei albanische Callcenter wurden zerschlagen. Die Frage, die viele beschäftigt: Wie konnte das so lange unbemerkt bleiben – und wie erkennt man solche Fake-Nachrichten rechtzeitig?

Die neue Dimension des Nachrichten-Betrugs: KI-Deepfakes

Was früher nur mit großem Aufwand möglich war – realistisch wirkende Fälschungen von bekannten Persönlichkeiten in Bewegtbild – ist heute mit frei verfügbaren KI-Tools in wenigen Stunden erstellbar. Der Van-der-Bellen-Deepfake war so überzeugend, dass selbst medial versierte Nutzer ihn nicht auf den ersten Blick erkannten. Neben Bundespräsidentenvideos kursieren regelmäßig Deepfakes von CEOs, Politikern und Medienpersönlichkeiten in sozialen Netzwerken.

Das österreichische Bundesministerium für Inneres (BMI) veröffentlichte hierzu einen Aktionsplan gegen Deepfake-Missbrauch, der konkrete Handlungsempfehlungen für Bürger und Unternehmen enthält – und gleichzeitig zeigt, wie ernst die Behörden die Lage einschätzen.

Woran erkennt man einen Deepfake in einer Nachricht?

IT-Sicherheitsexperten empfehlen, bei verdächtigen Videos und Nachrichten gezielt auf folgende Merkmale zu achten:

Technische Warnsignale:

  • Unnatürliche Augenbewegungen: KI-generierte Gesichter blinzeln oft unregelmäßig oder gar nicht
  • Unscharfe Übergänge: Haaransatz, Ohrmuscheln und Halsbereich wirken bei Deepfakes häufig verwaschen oder unscharf
  • Asynchrone Lippenbewegungen: Mund und Stimme passen nicht exakt zusammen, besonders bei schnellem Sprechen
  • Merkwürdige Beleuchtung: Schatten auf Gesicht und Hintergrund stimmen nicht überein
  • Artefakte bei Bewegung: Beim schnellen Kopfdrehen entstehen oft kurzfristige digitale Fehler

Inhaltliche Warnsignale:

  • Prominente empfehlen ungewöhnlich aggressiv Investitionen oder Krypto-Produkte
  • Nachrichten drängen zu sofortigen Entscheidungen oder Überweisungen
  • Der vermeintliche Absender ist aus dem normalen Nachrichtenkontext herausgerissen

Welche Tools helfen beim Erkennen von Fake-Nachrichten?

Neben dem menschlichen Auge gibt es eine Reihe frei verfügbarer IT-Tools:

Für Videos:

  • Deepware Scanner (deepware.ai): Analysiert Videos auf KI-Manipulation – kostenlos für kurze Clips
  • Microsoft Video Authenticator: Zeigt Konfidenzwerte für manipulierte Gesichter an
  • FotoForensics: Für Bilder geeignet, zeigt Pixelanomalien auf

Für Textnachrichten und Websites:

  • InVID / WeVerify: Browser-Plugin zur Quellenprüfung von Bildern und Videos
  • APA-Faktencheck: Die Austrian Press Agency betreibt einen unabhängigen Faktencheck für österreichische Inhalte
  • Google Reverse Image Search: Oft genügt eine umgekehrte Bildersuche, um den wahren Ursprung eines Fotos zu finden

Österreichs Medien in der Krise – und warum das die Situation verschärft

Deepfakes fallen auf besonders fruchtbaren Boden, wenn das Vertrauen in klassische Medien schwindet. 2025 und 2026 wurden in Österreich hunderte Journalistenjobs abgebaut – bei Der Standard, Die Presse, Kurier und der Kronen Zeitung zusammen über 300 Stellen. Die Bundesregierung hat ihr Inseratenbudget massiv zurückgefahren (von 18,7 auf 3,2 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2025). Reporter ohne Grenzen verortet Österreichs Pressefreiheitsindex auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren.

Was bedeutet das für Nachrichten-Konsumenten? Weniger Qualitätsjournalisten bedeutet weniger Faktencheck-Kapazität. Falschmeldungen und KI-generierte Inhalte können länger unentdeckt bleiben. Wer sich ausschließlich auf Social-Media-Posts und unkritisch weitergeteilte Videos verlässt, ist besonders gefährdet.

Die gute Nachricht: IT-Experten, Datenschutzberater und digitale Sicherheitsexperten bieten Orientierung, wenn traditionelle Redaktionen überlastet sind.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Der Van-der-Bellen-Betrug zeigt: Deepfakes treffen nicht nur Privatpersonen. Unternehmen, die Mitarbeiter mit Zahlungsbefugnis beschäftigen, sind besonders gefährdet durch den sogenannten „CEO-Fraud via Deepfake" – gefälschte Videoanrufe von vermeintlichen Vorstandsmitgliedern, die Überweisungen anweisen.

IT-Sicherheitsexperten empfehlen für Unternehmen:

  1. Multi-Faktor-Authentifizierung bei Überweisungsanfragen: Jede ungewöhnliche Zahlung muss über einen zweiten, verifizierten Kanal bestätigt werden
  2. Mitarbeiterschulungen: Sensibilisierung für Deepfakes und Social Engineering – idealerweise von einem spezialisierten IT-Trainer
  3. Notfallprotokoll: Klare Prozesse, was passiert, wenn ein Mitarbeiter auf einen solchen Betrug hereinfällt
  4. Cyberversicherung prüfen: In Österreich decken viele Unternehmensversicherungen Deepfake-Betrug noch nicht explizit ab – das sollte überprüft werden

Wer im Zusammenhang mit Deepfake-Scams Opfer geworden ist oder verdächtige Inhalte meldet, kann sich an die KommAustria oder direkt ans Bundeskriminalamt wenden.

Was die EU-KI-Verordnung ab August 2026 ändert

Einen weiteren Schutzmechanismus bringt das EU-Recht: Ab 2. August 2026 treten die Transparenzpflichten des EU AI Acts in Kraft. Darüber hinaus hat die KommAustria (Kommunikationsbehörde Austria) eigene Maßnahmen gegen Deepfakes auf X (ehemals Twitter) eingeleitet: Nach massenhaften Beschwerden über sexualisierte KI-Bilder über Grok-Chatbot haben über 35.000 Österreicher eine Petition unterzeichnet. Die EU votierte am 26. März 2026 für ein Verbot von KI-Tools, die Nacktfälschungen generieren. KI-generierte Bilder, Videos und Audioinhalte müssen dann als solche gekennzeichnet werden. Plattformen wie X, TikTok und YouTube werden verpflichtet, synthetische Inhalte zu labeln. Das macht Deepfakes nicht unmöglich – aber erkennbarer.

Bis dahin gilt: Das kritische Hinterfragen von Nachrichten bleibt die wichtigste Schutzmaßnahme. Ein IT-Experte auf Expert Zoom kann Unternehmen und Privatpersonen dabei helfen, ihre digitale Sicherheitsstrategie an die Bedrohung durch KI-Fakes anzupassen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Verdacht auf Betrug wenden Sie sich bitte unverzüglich an die Polizei.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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